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Das Bienenvolk....



Bienen sind für uns Menschen außerordentlich nützliche Helfer. Ihre Bestäubungsleistung bei Obstbäumen und Strauchfrüchten ist bei Fachleuten und Landwirten unbestritten. Fliegen sie einmal in der Blüte der Bäume und Sträucher nicht, weil es z. B. das Wetter nicht zuläßt, wird sich das bei der Ernte von Obst und Beeren deutlich bemerkbar machen. Sie versorgen uns mit einem der wertvollsten Produkte, das die Natur uns liefert, dem Bienenhonig. Von Kennern wird das Propolis, das aus dem Harz der Bäume gewonnen wird, als Antibiotikum hoch geschätzt. Allgemein bekannt und beliebt ist das von den Bienen erzeugte Wachs, das z. B. in der Kosmetikindustrie mit Vorliebe eingesetzt wird. Auch in der Möbelrestauration wird es gerne benutzt. Das gefürchtete Bienengift kommt in der Medizin zum Einsatz, dem sagenumwobenen Gelee Royale werden magische Kräfte zugesprochen.

Bei den Bienen unterscheidet man viele verschiedene Arten. Von den Wildbienenarten, auf die hier nicht näher eingegangen werden soll, kennt man im heutigen Deutschland 542 verschiedene Arten, europaweit mehr als 700. Diese Bienenart wird auch als Solitärbiene bezeichnet, da sie ein Einzelgänger und als solche alleine überlebensfähig ist. Sie verrichtet alle anfallenden Arbeiten ohne fremde Hilfe. Die Wildbienenarten sind für die Bestäubungsaufgaben in der Natur außerordentlich wichtig, da sie auch Pflanzen befliegen, die von der Honigbiene nicht beflogen werden bzw. von ihr nicht genutzt werden können, was z.B. an ihrer Beschaffenheit oder Bauart liegen kann (Rüssel zu kurz, Blütenkelch zu tief). Honigbienen dagegen sind keine Einzelgänger und bilden als Staat ein außerordentlich komplexes und hoch entwickeltes Gefüge. Keine Honigbiene kann über einen längeren Zeitraum alleine überleben; eine jede braucht die anderen. Der Fachmann spricht auch von dem "Bien" als einem Superorganismus, bei dem sozusagen alles Geschehen Hand in Hand abläuft und nichts dem Zufall überlassen wird. Auch bei der Honigbiene lassen sich je nach klimatischer Region in Europa verschiedene Unterarten unterscheiden. Wir kennen beispielsweise die Apis mellifica ligustica, die vornehmlich in Italien beheimatet ist, die Apis mellifica nigra, deren Heimat Mitteleuropa, England und Osteuropa ist, die Apis mellifica carnica, die aus den östlichen Alpenregionen zu uns kommt, sowie die Apis mellifica caucasia aus dem Kaukasus. Sie alle sind jeweils an die klimatischen Verhältnisse, aus denen sie stammen, angepaßt. Das bedeutet, die Ligustica beispielsweise geht früher in Brut als die Carnica oder Nigra, da in Italien die Wetterbedingungen entsprechend früher für den Brutbeginn günstig sind. Die eine Art erreicht gegenüber der anderen schneller oder langsamer ihren Entwicklungshöhepunkt im Jahr, was z.B. für die Trachtnutzung von Vorteil sein kann. Alle diese Arten unterscheiden sich schon durch ihr äußeres Erscheinen, z.B. an der Farbe der Querbinden des Hinterleibes. Aber auch in ihren Eigenschaften, was Sammeltrieb, Wabenstetigkeit, Baufreudigkeit, Sauberkeitsliebe, Putztrieb, Stechlust und Schwarmtrieb betrifft. Diese Eigenschaften sind bei alllen Arten mehr oder weniger verschieden stark ausgeprägt. Es gibt immer wieder züchterische Bemühungen, einzelne Eigenschaften der Honigbiene zu verbessern. Man kennt z.B. den "Heterosis-Effekt", der aufgrund bestimmter Kreuzungen zu einer enormen Steigerung der Sammeltätigkeit führt, andererseits wohl aber die Krankheitsanfälligkeit steigen läßt und die Immen wohl kurzlebiger werden.
Eine sehr bekannte und berühmte, reine Zuchtrasse soll hier nicht unerwähnt bleiben. Die "Buckfast-Biene" wurde in jahrelanger Zuchtarbeit von Bruder Adam, einem Mönch der Buckfast-Abbey in Südengland, der die ganze Welt zum Studium der Bienen bereist hat, "geschaffen". Sie ist bekannt für ihre Sanftmut, ihre Sammelfreudigkeit und ihre jedes Jahr neu erzeugte Volksgröße.



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Ein Bienenvolk besteht aus drei Bienenwesen, der Königin, der Arbeiterin und dem Drohn. Die Königin ist etwa um die Hälfte größer als die Arbeiterin und an ihrem besonders langen Hinterleib zu erkennen. Sie hat keine Pollensammeleinrichtungen, keine Wachsdrüsen und keine Futtersaftdrüsen. Auch fehlt ihr die Duftdrüse (Nassanoff´sche Drüse) am Hinterleib. Der Stachel der Königin ist größer und stärker als der der Arbeitsbiene und geht beim Gebrauch nicht verloren, da er weniger Wiederhaken besitzt. Sie setzt ihn nur in Ausnahmefällen gegen Menschen ein; was eigentlich auf alle Insekten zutrifft, die ihren Stachel zur Verteidigung benutzen müssen, denn sie tun alles andere lieber, als diesen zu gebrauchen.



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Angriff


Die Königin (sie wird auch "Weisel" genannt) besitzt besonders große Mandibeldrüsen, in denen der Duftstoff gebildet wird, der für den Zusammenhalt des Bienenvolkes und für einen geordneten Ablauf aller Lebensfunktionen sorgt. Die Königin besitzt mächtige Eierstöcke, die aus 300 und mehr Eierschläuchen bestehen. Die Arbeiterinnen kümmern sich im Volk um alles. Jeder Biene ist eine bestimmte Aufgabe zugeteilt. Das beginnt nach dem Schlüpfen der Jungbiene mit dem Reinigen der Zellen und dem Sauberhalten der Bienenwohnung, was mit peinlichster Genauigkeit geschieht. Im Anschluß daran folgt die Brutpflege, das heißt das Füttern und Warmhalten der sich aus den Eiern, die die Königin gelegt hat, entwickelnden Bienenmaden. Dabei wird im Brutbereich eine konstante Temperatur von exakt 34° Celsius gehalten. Die Entwicklung vom frisch gelegten Ei bis zum Schlüpfen der Jungbiene wird in mehrere Stadien eingeteilt. Nachdem das Ei, das beim Ablegen durch die Königin, man nennt dies auch "Stiften", da das Ei aussieht wie ein kleiner weiser Stift und senkrecht in der Zelle steht, drei Tage alt ist, legt es sich zur Seite und es entwickelt sich daraus eine sogenannte Rundmade, die von den Bienen gefüttert und versorgt wird.



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Frisch gestiftet


Sie schwimmt regelrecht im Futtersaft, der von den Immen in ihren Futtersaftdrüsen, die sich in ihrem Kopf befinden, erzeugt wird. Man muß wissen, daß in der Natur der Bienen aus befruchteten Eiern Arbeiterinnen und aus unbefruchteten Eiern Drohnen, also männliche Bienen entstehen. Die Weisel ist in der Lage, gezielt befruchtete oder unbefruchtete Eier zu legen, d.h., sie kann während des Legens des Eies entscheiden, ob daraus eine Arbeiterin oder ein Drohn entstehen soll. Handelt es sich bei der gepflegten Made um eine Arbeiterinnenmade, wird die Zelle, in der sie sich befindet, mit einem Wachsdeckel versehen, wenn die Made ein Alter von 9 Tagen erreicht hat und aus der Rundmade entwickelt sich die sogenannte Streckmade, die bis zur voll entwickelten Biene nochmals mehrere Stadien (Häutungen) durchläuft. Eine Drohnenzelle wird nach 10 Tagen gedeckelt, die Königinnenzelle bereits nach 8 Tagen. Auch die Entwicklungszeit ist bei Arbeiterin, Drohn und Königin verschieden. Während die Entwicklung zur Biene bei der Arbeiterin exakt 21 Tage dauert, vollzieht sie sich beim Drohn in 24 Tagen und bei der Königin in 16 Tagen. Die sich zur Königin entwickelnde Made wird überdies mit einem speziellen Futtersaft, dem sogenannten "Gelee Royale" gefüttert. Aufgrund dieses speziellen Futters kann sich ein Ei zur Königin entwickeln. Schlüpfende junge Arbeiterinnen erhalten Hilfestellung von außen durch die sich auf der Wabe befindenden Bienen. Drohnen und Königin erhalten beim Schlüpfen keine "Geburtshilfe". Im Anschluß an ihre Zeit als Ammen betätigen sich die Jungbienen als Baumeister.

Ein Bienenvolk benötigt für die Aufzucht der Nachkommenschaft und das Lagern seines Honigvorrates einen Platz innerhalb der Wohnung, der sich dazu eignet. Dazu bedienen sich die Bienen einer Methode, die in der Natur ihres gleichen sucht. Sie erstellen sogenannte Waben, auf denen sich einzelne Zellen befinden, die mit höchster Präzision gefertigt sind. Diese Zellen sind sechseckig und haben eine Tiefe von 12mm. Handelt es sich um Arbeiterzellen, haben sie einen Durchmesser von 5,4 mm, handelt es sich um Drohnenzellen, beträgt der Durchmesser 6,9 mm. Durch diese Wabenarchitektur wird höchste Stabilität erreicht. Die Königinnenzellen unterscheiden sich von den üblichen Zellen dadurch, daß sie in ihrer Form länglich nach unten gestaltet sind und sie gehen meist aus normalen Arbeiterzellen hervor. Die Bienen erzeugen das zum Bau benötigte Material selbst, indem sie aus körpereigenen Drüsen das bekannte Bienenwachs schwitzen. Man kann ganze Schwitztrupps beobachten, in denen Bienen aneinander hängen und Wachs produzieren. Dieses wird an die Bautrupps weitergereicht, die daraus kunstvoll besagte Waben fertigen. Die Ausrichtung der Waben erfolgt dabei jeweils zum Erdmittelpunkt, die einzelnen Zellen darauf haben eine Neigung zur Wabenmitte von 5° Winkelgraden. Eine Wabe besteht jeweils aus zwei Seiten, auf denen sich die Zellen gegenüberliegen. Haben die Jungbienen ihren ersten Orientierungsflug außerhalb des Stockes ersteinmal absolviert, verrichten sie eine zeitlang Wächterdienste am Flugloch; sie achten darauf, daß keine fremden Eindringlinge oder Schädlinge in den Bienenstock gelangen. Sie wehren diese mit jeweils auf den Eindringling angepaßten Mitteln ab.
Nach dieser Zeit werden die Bienen zu Sammlerinnen; sie fliegen aus, um Nektar und Blütenpollen (Blütenstaub) zu sammeln, tragen ihn nach Hause, wo er von jüngeren Immen abgenommen, verarbeitet und eingelagert wird. Pollen wird hauptsächlich wegen seines hohen Eiweiß- Fett- und Vitamingehaltes, vermengt mit etwas Honig, für die Brutpflege zum Ernähren der älteren Bienenmaden gebraucht. Sie versorgen das Volk desweiteren mit dem notwendigen Wasser und sammeln bei Bedarf auch Propolis (kommt aus dem griechischen und bedeutet frei übersetzt "vor der Stadt"), mit dem sie undichte Stellen in ihrer Bleibe verkitten.
Die Drohnen unterscheiden sich von Königin und Arbeiterin durch ihr plumpes Aussehen. Ihr großer, runder Kopf, der nur aus Augen zu bestehen scheint und ihr abgestumpfter, walzenförmiger Hinterleib machen sie von den anderen Bienenwesen leicht unterscheidbar. Sie sind sympathisch, weil sie keinen Stachel besitzen und bestehen innen zur Hauptsache aus mächtigen Hoden. Sie sind fast doppelt so groß wie Arbeitsbienen. Bei den Drohnen werden wir mit einer Besonderheit der Natur konfrontiert. Sie werden aus unbefruchteten Eiern gezeugt und besitzen somit im Gegensatz zu den meisten anderen Lebewesen nur einen Erbsatz, nämlich den der Mutter. Dieses Geschehen nennt man auch Jungfernzeugung oder "Parthenogenese". In einem Bienenvolk sind in den Sommermonaten immer ein paar hundert Drohnen zu finden.


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Schnitt durch ein Bienenvolk


Ein Bienenvolk überwintert in einer sogenannten Winterkugel, d.h. es zieht sich zu einer Kugel zusammen, in deren Mitte die Königin sitzt und ernährt sich vom eingetragenen Wintervorrat. Dabei erzeugt es innerhalb der Kugel eine durchschnittliche Temperatur von ca. 22° Celsius. Diese wird durch Vibration und gelegentliche Temperaturstöße gehalten. Ein ständiger Wechsel der innen sitzenden Bienen mit den außen sitzenden ermöglicht es jeder einzelnen, sich immer wieder aufzuwärmen. Am Rand der Winterkugel herrscht eine Temperatur von 9° Celsius, daraufhin fällt sie auf die herrschende Außentemperatur ab. Nach der Überwinterung geht die Königin im Februar bereits in Brut und die Entwicklung des Volkes nimmt einen rasanten Verlauf. Während ein Volk mit ca. 15000-20000 Einzelwesen überwintert, kann eine Familie im Höhepunkt ihrer Entwicklung im Juni aus 60000-80000 Individuen bestehen. Mit abnehmender Entwicklung, die Sommerbienen werden ca. 5-6 Wochen alt, danach haben sie sich regelrecht zu Tode gearbeitet, bereitet sich das Bienenvolk mehr und mehr auf den Winter vor. Dazu gehört auch das Abdrängen der Drohnen, die letztlich nur zum Begatten einer Königin taugen und sich in keiner Weise an der Futtersuche oder an Arbeiten im Stock beteiligen, vom Futter und das Entfernen aus der Wohnung. Der Imker bezeichnet dieses Geschehen auch als Drohnenschlacht, denn hartnäckige Artgenossen werden unter Umständen einfach von den Arbeiterinnen abgestochen. Man kann dies meist im August beobachten, wenn das Trachtangebot in der Natur zurückgeht und keine unnützen Esser mehr gebraucht werden. Dann findet man die Drohnen in Mengen vor dem Flugloch des Stockes. Im Bienenvolk überwintert kein einziger Drohn. Sie werden erst wieder mit aufsteigender Entwicklung im nächsten Frühjahr erzeugt. Die Königin einer Familie fliegt, nachdem sie etwa eine Woche alt ist, zu mehreren Begattungsflügen aus, auf denen sie in ca.10 Metern Höhe auf sogenannten Drohnensammelplätzen von mehreren Drohnen begattet wird. Dies sichert die Genvielfalt der Nachkommen. Sind die Begattungsflüge absolviert und ist die Königin nicht zwischenzeitlich auf ihren Flügen von einem Vogel gefressen worden oder hat sonstwie das Zeitliche gesegnet, verläßt sie den Stock nicht mehr und ist nur noch damit beschäftigt, den Fortbestand des Volkes zu sichern.



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Der Hofstaat


Sie kann ca. 3-4 Jahre alt werden und der Samen, den sie von ihren Begattungsflgen mitgebracht hat, reicht für diese Zeit aus. Mit zunehmendem Alter werden allerdings die Pheromone (Geruchsstoffe), die die Königin produziert und die für den Zusammenhalt des Volkes äußerst wichtig sind, weniger und die Arbeiterinnen werden mit ihrer alten Königin unzufrieden. Sie weiseln still um, d.h. sie beginnen, Umweiselungszellen anzusetzen, nicht mehr als drei oder vier Stück, die von der alten Königin bestiftet werden. Diese Zellen werden mit größter Sorgfalt gepflegt.



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Weiselzellen


Nach 16 Tagen schlüpft eine neue Königin. Da 3-4 Weiselzellen angesetzt wurden, geben die kurz vor dem Schlüpfen stehenden neuen Weisel ein sogenanntes "Quaken" von sich, das dem Zweck dient, festzustellen, ob etwa schon eine andere Königin geschlüpft ist. Bekommen sie als Antwort ein "Tüten" zu hören, wissen sie, daß bereits eine neue Königin da ist und trauen sich aus gutem Grund nicht aus den Zellen. Die neue Königin beißt die noch nicht geschlüpften Weiselzellen seitlich auf und sticht die sich darin befindenden Königinnen ab. Damit ist sie die neue Regentin des Volkes. Die Arbeiterinnen versuchen dies zu verhindern, denn bis zur Eiablage der neuen Königin kann ihr noch allerhand zustoßen und das Volk wäre mittlerweile hoffnungslos weisellos, da sich keine frischen Eier mehr in den Zellen befinden, aus denen sie eine Königin nachschaffen könnten, und somit verloren. Die Familie ist mit der neuen Königin in der Regel wieder ausreichend mit Pheromonen versorgt und der Zusammenhalt gesichert. Die stille Umweiselung ist der einzigste Fall, in dem sich zwei Königinnen im Volk befinden, nämlich die alte und die neue Regentin. Wenn das Frühjahr gekommen ist, ist auch die alte Weisel aus dem Stock verschwunden.
Ein anderer Fall, bei dem die Königin erneuert wird, ist, wenn der Schwarmtrieb im Volk erwacht. Dies kann die verschiedensten Ursachen haben. Raumnot, Volksgröße, Unzufriedenheit mit der Königin und auch zuviele Störungen durch den Imker gehören dazu. Auch in diesem Fall bestimmen die Arbeiterinnen, daß die Königin ausgetauscht werden soll. Dieser wird weniger Futter gereicht, damit sie an Fülle verliert und wieder flugfähig wird. Gleichzeitig werden ca. 10-15 Schwarmzellen angesetzt und bestiftet. Die Königin weis, daß sie ersetzt werden soll und bereitet sich auf den Auszug aus dem Stock vor. Werden die Schwarmzellen am achten Tage verdeckelt, ist der Zeitpunkt zum Auszug aus dem Stock gekommen. Die Königin nimmt dabei ca. 65 Prozent des Volkes mit auf die Reise. Das Abschwärmen ist meist ein beeindruckendes Schauspiel, bei dem die Immen innerhalb kürzester Zeit regelrecht aus dem Flugloch ihrer Wohnung herausstürzen, sich in der Luft sammeln und dann in der Nähe ihrer alten Behausung an einem geeigneten Platz niederlassen. Die Königin verläßt dabei als Letzte den Stock. Spurbienen haben vorher eine neue Wohnung ausgemacht und teilen den Erfolg ihrer Suche dem am Ast hängenden Schwarm mit. Darauf setzt dieser seine Reise erneut in einem geordneten Pulk, der sich langsam durch die Luft bewegt, fort und zieht in die neue Behausung ein. Im zurückgebliebenen Bienenvolk schlüpft nach weiteren acht Tagen eine neue Königin. Es gibt einen Fall, in dem es keine Rettung für ein Bienenvolk gibt.
Hat eine Familie durch irgendwelche widrigen Umstände seine Königin verloren und auch keine junge Brut mehr, aus der sich eine neue Weisel nachschaffen ließe, ist ein Volk hoffnungslos weisellos, d.h. es hat keine Möglichkeit mehr, Nachwuchs zu erzeugen und ist somit verloren. Eine hoffnungslose Weisellosigkeit wäre z.B. dann gegeben, wenn die junge Königin (alle Weiselzellen wurden von ihr ausgebissen) von einem Begattungsflug nicht zurückkehrt, sie nicht fruchtbar ist, was so gut wie nie vorkommt oder bei der imkerlichen Kontrolle verletzt oder getötet wird. Die Arbeiterinnen besinnen sich in einem solchen Fall auf ihre verkümmerten Eierstöcke und beginnen, diese zu entwickeln. Wie wir bereits wissen, entstehen aus unbefruchteten Eiern nur Drohnen und nur aus befruchteten Eiern entstehen Arbeiterinnen oder auch Königinnen. Die Arbeiterinnen beginnen also nun selbst, Eier in die Zellen zu legen, um das Volk zu retten. Diese Eier sind selbstverständlich nicht befruchtet und aus ihnen können nur Drohnen entstehen. Diese Nachkommenschaft kommt natürlich nicht für den Erhalt des Volkes in Frage, das Volk ist verloren. In einem solchen Fall spricht der Imker von Drohnenbrütigkeit. Ist dieses Stadium im Volk erreicht, helfen auch keine imkerlichen Eingriffe, wie das wohlgemeinte Zusetzen einer Ersatzkönigin mehr. Die legenden Arbeiterinnen wehren sich immens dagegen und töten diese Königin. Zu erkennen ist Drohnenbrütigkeit, diese Brut wird auch als Buckelbrut bezeichnet, daran, daß die frischen Stifte meist sehr nachlässig und oft auch mehrere gleichzeitig in einer Zelle landen. Von der Königin wissen wir, daß sie immer nur ein Ei und dies genau in der Mitte am Boden der Zelle ablegt; legende Arbeiterinnen legen das oder gar die Eier auch schonmal an den Rand des Bodens oder gar an die Seitenwand der Zelle. Drohnenbrütigkeit ist spätestens dann zu erkennen, wenn die Zellen mit den Rundmaden mit einem Wachsdeckel versehen werden. Drohnenzellen haben immer einen größeren Durchmesser als Arbeiterzellen und der Deckel ist höher gewölbt ausgebildet. Von legenden Arbeiterinnen werden aber normalerweise Arbeiterinnenzellen bestiftet, aber als Drohnenzellen gedeckelt, da sie ja Drohneneier enthalten. Dem Imker fallen hoch gewölbte Arbeiterinnenzellen (Buckelbrut) sofort ins Auge (da nützt selbst eine Schutzbrille nichts). Er weis, das Volk ist verloren und löst es in der Regel abseits vom Bienenstand auf. Damit die Immen dennoch eine Überlebenschance haben, stößt er den Bienenkasten mit dem aufzulösenden Volk einmal kräftig auf den Boden. Das dient folgendem Zweck. Die Bienen saugen sich, durch den Stoß Gefahr witternd und aus Vorsorge, mit Futter voll. Nachdem die aufgelöste Bienenwohnung nicht mehr existiert, sind die Immen gezwungen, sich bei Nachbarvölkern einzubetteln. Dort am Flugloch angekommen werden sie normalerweise von den Wächterbienen aufgrund einer besonderen Demutshaltung, die sie einnehmen, eingelassen. Die Wächterbienen erkennen deren mißliche Lage, und da die Heimatlosen auch noch Nahrung in ihrer Honigblase mitbringen, steht dem Einlaß nichts im Wege. Für den Imker ist all dies wenig erfreulich und mit viel Arbeit verbunden.



Ein weiteres großes Dilemma ist, wenn auf dem Bienenstand Räuberei ausbricht. Bienen sind Räuber; wurde ihnen von den Spurbienen eine ertragreiche Nahrungsquelle mitgeteilt, kommen sie in Scharen, um dieses Futter heimzutragen. Passiert es dem Imker, daß er beim Bienenstand oder in dessen Nähe eine offene Futterwabe stehen läßt, wird diese von den Bienen unverzüglich leer getragen. Dabei werden sie euphorisch und es kann passieren, daß sie in ihrem Übermut in benachbarte Völker eindringen und diese leer plündern. Ein gesundes und starkes Volk weis sich gegen solche Übergriffe zu wehren. Es kommt zu Kämpfen am Flugloch und die Eindringlinge werden abgewehrt. Bei einem schwachen Volk ist das nicht der Fall; die Räuber dringen ein und es bleibt nichts verschont, selbst die Brut wird aus den Zellen gerissen. Bemerkt es der Imker rechtzeitig, kann er beim überfallenen Volk das Flugloch einengen, damit die Angriffsfläche kleiner wird. Die Gestrauchelten lassen dann nach einiger Zeit von ihrem unrühmlichen Tun ab. Bleiben sie hartnäckig, ist er gezwungen, das räubernde Volk vom Bienenstand zu entfernen, was mit jeder Menge Aufwand verbunden wäre. Aus welchem Volk die Räuber kommen, ist gar nicht so leicht auszumachen. Der Imker kann sich dazu eines Tricks bedienen. Er bestreut die abfliegenden Immen des beräuberten Volkes mit Mehl. Die verräterisch weiß gefärbten Plünderer kann man an ihrem Heimatflugloch wiederfinden.

Eine andere Form der Räuberei ist die "stille Räuberei". Stellt der Imker einen frisch gebildeten Ableger, also ein neues Jungvolk, an der gleichen Örtlichkeit wie das Muttervolk auf, kann es vorkommen, daß sich die in ihre alte Wohnung zurückfliegenden Altbienen an die Futtervorräte des Ablegers erinnern und dahin zurückkehren, um die Waben zu leeren. Muttervolk und Ableger haben noch den gleichen Geruch und es gibt am Flugloch keine Anzeichen von Feindseligkeit, wie es sonst bei räubernden Bienen bekannt ist. Die stille Räuberei ist schwer zu erkennen, da man erstmal keinen Anlaß vermuten kann.

Räubernde Bienen sind für das geübte Auge schon am Flugloch auszumachen. Während normal ausfliegende Sammlerinnen sich beim Abflug vom Anflugbrett Zeit lassen und nichts überstürzen, sind die Räuber daran zu erkennen, daß sie aus der Wohnung kommen und ohne Umschweife sofort und blitzartig durchstarten.



Die Bienen sind von früh morgens bis zum Abend beschäftigt und man kann sie an einem schönen Sommerabend beobachten, wenn sie nach getaner Arbeit in Mengen an ihrem Flugloch sitzen und die letzten Sonnenstrahlen genießen. Am nächsten Morgen geht es dann wieder auf Futtersuche, Spurbienen machen neue Trachtquellen aus und teilen diese den anderen mit Hilfe einer Tanzsprache mit. Dabei werden der Sonnenstand, die Lage der Bienenwohnung, sowie die Lage und die Art der neuen Nahrungsquelle berücksichtigt.



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Schwänzeltanz


Die Sammlerinnen fliegen in einem Radius von 800-1200 Meter und erst bei Temperaturen ab ca. 14° Celsius. Sie arbeiten am fleißigsten bei ca. 25° Celsius und stellen die Arbeit ein, wenn es ihnen zu heiß wird.

Beim Besuchen der Pflanzen orientieren sich die Bienen in erster Linie an deren Farben und Duft. Windblütige Pflanzen, also solche, die sich mit Hilfe des Windes fortpflanzen, sind meist unscheinbar und duftlos, weil sie weder Duft noch auffallende Färbung für die Übertragung des Pollens auf die Narben benötigen. Insektenblütige Pflanzen dagegen werben um die Gunst der Bienen mit auffallenden Farben und ihrem Duft. Die Bienen werden beim Überfliegen des Geländes dadurch aufmerksam und angelockt. Dazu muß man wissen, daß das Farbsehen der Bienen ähnlich dem des Menschen ist, aber nicht gleich diesem. Die Bienen nehmen einen anderen Wellenbereich des Lichts wahr, als wir Menschen. Während unser Sehbereich sich von 400-760 Millimikron bewegt, nehmen die Bienen ein Spektrum von 300-650 Millimikron wahr; er ist also gegen den kurzwelligen Bereich verschoben. Die Biene kann daher mehr im ultravioletten Bereich sehen, der für uns Menschen unsichtbar ist. Viele Blüten reflektieren diesen Farbbereich (Bienenpurpur) stark. Die Saftmale der Blüten, mit geringen Beimengungen von Ultraviolett, zeigen den Bienen den Weg zum Nektar. Für uns gleichaussehende Farben erscheinen den Bienen stark unterschiedlich.



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Sehbereich der Bienen


Die Grundfarben sind Gelb, Blau und Ultraviolett; Scharlachrot (Dunkelrot) erscheint den Bienen schwarz. Beim Überflug der Landschaft sehen die Bienen diese hellgrau, so daß sich die Blüten kräftiger abheben als für uns Menschen. Weiße Blüten gibt es für die Bienen nicht, sie reflektieren stets eine gewisse Menge ultravioletten Lichts. Das erklärt zum Beispiel, warum es in Europa selten scharlachrote Blüten gibt.



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Farbsehen der Bienen


Grüne Kelchblätter würden sich gegenüber den grünen Laubblättern wenig abheben, sie sind deshalb bei uns selten anzutreffen. Beim ersten Ausflug im Frühjahr finden sich Bienen auf Schneeheide und Roter Taubnessel ohne langes Suchen sofort ein. Die helle Christrose, die das Ultraviolett zurückwirft, wird auf weite Entfernung hin sofort entdeckt. Der Imker unterscheidet bei den Nahrungsquellen der Bienen die für sie wichtigen, verschiedenen Trachtarten. Er differenziert im Ablauf des Jahres zwischen Entwicklungstracht, Frühtracht, Frühsommertracht, Sommertracht und Herbstaufbautracht. Diese Trachtarten seien anhand der nachfolgenden Grafik etwas näher beschrieben.



Trachtarten

Entwicklungstracht Frühtracht Frühsommertracht Sommertracht Herbstaufbautracht

bis 30. April

1. Mai bis 20. Mai

20. Mai bis 15. Juni

15. Juni bis 15. Juli

15. Juli bis 15. Oktober

Birke Apfel Ackersenf Bärenklau Aster
Blaukissen Birne Ahorn Brombeere Bärenklau
Buschwindröschen Faulbaum Akazie Klee Balsamine
Erle Ginster Berberitze Linde Borretsch
Espe Heidelbeere Deutzie Phazelie Dahlie
Gamswurz Kastanie Faulbaum Quendel Disteln
Haselnuß Löwenzahn Ginster Schneebeere Efeu
Huflattich Quitte Habichtskraut Thymian Flockenblume
Krokus Raps Heckenrose Vogelwicke Goldrute
Pappelarten Süßkirsche Hederich Waldweidenröschen Heidekraut
Salweide Schlehe Himbeere Wegwarte Klee
Schneeheide Zwergmispel Kastanie Kreuzkraut
Stachelbeere Robinie Mais
Taubnessel Schneebeere Natternkopf
Ulme Weißdorn Rudbeckie
Wildkirsche Weißklee Sonnenblume
Winterling Thymian
Zuckerahorn Waldgamander
Wegerich
Wegwarte
Wilder Wein


Der aufmerksame Imker erkennt an den Farben der Pollen, die die Bienen gehöselt an ihren Hinterbeinen nach Hause tragen, welche Blüten gerade beflogen werden. Diese Pollenfarben liegen in den Bereichen von weiß über verschiedene Graustufen, allen Schattierungen von gelb, rot und grün bis hin zu schwarz. Bringen die Immen z.B. einen grauen Pollen nach Hause, weis der Imker, daß sie Disteln oder Vergißmeinnicht befliegen, bei Rotschattierungen könnte es sich um die Taubnessel oder die Königskerze handeln. Schwarz ist die Pollenfarbe des Klatschmohns.

Wissenschaftler können anhand von in verschiedene Erdschichten eingeschlossenem Pollen deren Alter ziemlich genau bestimmen.

Das ständige Sammeln des Nektars der Blütenpflanzen und die Sauberkeitsliebe der Bienen erlauben es dem Imker, den Immen in gewissen Abständen den reifen Honig zu entnehmen und für seine eigenen Zwecke zu verwenden. Durch entsprechende Völkerführung ist es ihm möglich, bestimmte Honigsorten und -qualitäten zu ernten....



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