KenyaZwischen Flusspferden und Krokodilen
45. Kapitel
Der Rote Colobus

Abae, ebenfalls ein Pokomo aus Baomo ist sicher, uns zum Roten Colobus bringen zu können. Günter und ich gehen in aller Frühe mit Foto- und Filmausrüstung in den Wald. Abae führt uns kreuz und quer durch das dichte Unterholz. Mit seiner Machete schlägt er uns den Weg frei. Er zeigt uns eine Gruppe Affen, die gerade beim Frühstücken ist. Es ist aber nicht der seltene Rote Colobus und so ziehen wir weiter. Äste knacken, Blätter rascheln, Laub wird vom Boden aufgewirbelt. Auch die bodenlebenden Waldbewohner werden von uns aufgeschreckt und ziehen es vor zu flüchten.

Der seltene Rote Colobus im Tana River Primate National Reserve

Wir kommen an eine Lichtung, in einem hohen Baum am Waldrand sitzen einige Primaten in der Baumkrone. Unsere Annäherung hat sie unruhig gemacht. Abae ist sicher, dass das unser gesuchter Affe ist. Ein kleiner Busch dient uns als Tarnung. Wir sehen zwei Primaten-Arten in dieser Baumkrone. Eine davon hat tatsächlich einen langen Schwanz, schlanke, lange behaarte Gliedmassen und rote Haare auf dem Kopf und seitlich bis zu den Schultern. Diese Gruppe beobachten wir den ganzen Vormittag. Sie springen auf die Nebenbäume, kehren aber immer wieder zu diesem Riesenbaum mit seinem schützenden Blätterdach zurück. Wir haben das Gefühl, sie verstecken sich vor uns. Hin und wieder springt ein neugieriges Tier etwas tiefer in die blätterlosen Äste und verschwindet sofort wieder nach oben. Wir sind sehr zufrieden, denn wir haben nach all den Strapazen tatsächlich den Roten Colobus, der angeblich hier nicht mehr lebt, gefunden.

Bei den Affen ist jetzt Mittagsruhe und wir bahnen uns einen Weg zurück durch den Galeriewald. Abae mit seiner Machete wieder vorne weg. Wir stoßen auf einen alten Tana-Flusslauf und sehen den fruchtbaren Boden und die große Kurve, die das Wasser damals gegraben hat. An den schrägen Altuferkanten entdecken wir frische Hufspuren von Büffeln. Unser Führer warnt uns und erzählt von der Gefährlichkeit dieser großen Tiere, die hier erst vor kurzem zum Trinken an diese Wasserstelle gekommen sind. Wir stapfen weiter durch das dichte Buschwerk, entlang am alten Tana-Lauf.

Nach etwa zwanzig Minuten stehen wir wieder am großen, braunen Fluss und schauen auf die nächste riesige Kurve. Hier sind sonst Flusspferde, sagt Abae, aber heute haben wir Pech und er erzählt von der großen Sandbank auf der die schweren grauen Tiere und hin und wieder auch Krokodile liegen. Tatsächlich sehen wir bei Einbruch der Dunkelheit auf dieser Sandbank ein dickes Flusspferd. Bald ist es ganz dunkel und wir kehren zum Camp zurück. Das Lagerfeuer knistert wie gewohnt und wir lauschen nachdenklich in die letzte Nacht am großen Fluss. Lala salama.


...weiter mit Kapitel 46: Besonderes Dankeschön