Zambia
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Von Lusaka nach Isoka
Kapitel 1

Zwischenstation in Chinsali

Das Ticket für den Flug von Düsseldorf, mit sehr langen Wartezeiten in London, sowie Zwischenstop in Harare (Zimbabwe), wo ein großer Teil der Passagiere von Bord geht, kostet 825 US$. Das Wetter ist gut und gegen elf Uhr Ortszeit landet der Jumbo Jet auf dem internationalen Flughafen in Lusaka (Zambia). Bei der Abfertigung am Zoll und bei der Passkontrolle verläuft alles reibungslos.

Normalerweise steigt man jetzt in ein Taxi und lässt sich für 15 US$ nach Lusaka bringen. Wir haben Glück, denn an Bord des Großraumflugzeugs lernten wir eine junge Zambianerin kennen. Sie bot uns freundlicherweise an, mit ihrem Onkel, der sie abholen wollte, bis in die Stadt mitfahren zu können. Nach etwa einer Stunde kommt der angekündigte Verwandte und bringt uns nun zum Lusaka Hotel. Für zwei Personen im Doppelzimmer mit Frühstück bezahlen wir 42 US$.

Die Zimmer sind für afrikanische Verhältnisse gut und werden von einem privaten Sicherheitsdienst bewacht. Eine Bar und ein Restaurant stehen abends im Gebäude zur Verfügung und an speziellen Tagen werden schmackhafte Dinner-Buffets arrangiert, die reichlich, gut und preiswert sind. Ganz in der Nähe des Hotels befindet sich ein typisch afrikanischer Markt. Vom kleinen Imbiss bis zum großen Bett kann man hier alles kaufen. Noch müde vom langen Flug genehmigen wir uns erst einen Imbiss, dann zwei Bierchen und anschließend die Hotelbetten.

Nur eineinhalb Kilometer entfernt liegt der Busbahnhof. Wer mit dem Bus reisen möchte, der geht am besten gleich zum Schaffner, wenn man ihn denn findet. Es existieren hier nämlich keine Schalterhäuschen und Fahrpläne wie bei uns, und nur der Schaffner weiß wann der Bus abfährt. Auf jeden Fall ist es besser einige Stunden vor Abreise das Ticket zu kaufen, da sonst alle Plätze ausgebucht sind.

Der Fahrschein von Lusaka nach Isoka kostet 12 US$ pro Person und für unser schweres Gepäck bezahlen wir zusätzlich 10 US$. Anschließend bringen wir die großen Rucksäcke auf den Dachgepäckträger, da sind aber helfende Hände, die anschließend dieselben noch einmal aufhalten.

Wenn alles gut auf dem Dach verstaut ist, muss sofort der Sitzplatz aufgesucht werden. Das Handgepäck wird vielleicht unter den Sitz oder wer es eng mag, auf die Knie gelegt. Hier kennt man keine Platzreservierung, deswegen sollte man auch so früh wie möglich seinen Sitzplatz einnehmen, ansonsten könnte er schon von einem anderen Reisenden besetzt sein.

Jetzt beginnt die Wartezeit. Ein, zwei, drei oder vier Stunden ist normal. Die Seitenfenster werden mit bunten Tüchern verhängt, um sich vor der prallen Sonne zu schützen, die gleich ihren Höchststand erreicht hat. Weil immer und überall eine Menge los ist wird es nicht langweilig.

Alle Leute sind sehr beschäftigt und viele Händler versuchen noch schnell mit den Reisenden das große oder wenigstens noch ein kleines Geschäft zu machen. Von der Zahnbürste bis zu Schuhen, von Seife bis zu Sonnenbrillen, hier wird auch alles angeboten. Selbst Lebensmittel wie Brot, Konserven und Getränke aller Art. Dabei zwängen sich die Verkäufer durch die Menschenmenge im Bus. Mit großer Ausdauer und Geduld bleiben sie vor jeder Sitzreihe stehen, halten ihre Waren hoch und versuchen dir manchmal auch penetrant etwas anzudrehen. Auch auf dem Busbahnhofsgelände herrscht geschäftiges Treiben, der gesamte Platz ist mit bunten Artikeln bestückt, teilweise lässt sich auch noch über den Preis reden.

Plötzlich wird der Motor des optisch schon alten, afrikanischen Reisebusses angelassen. Dicke, schwarze, Rauchwolken umhüllen das große Gefährt und die Abgase ziehen bis in den Innenraum. Die sowieso undichten Fenster werden aufgerissen und die stinkende Wolke verzieht. Die Hupe schrillt und kündigt den Start an. Langsam setzt sich das schwere und meist überladene Fahrzeug in Bewegung und sucht seinen Weg durch die Menschenmenge zur Hauptstraße.

An der nächsten Tankstelle wird erst einmal technischer Dienst durchgeführt. Auftanken, Ölkontrolle und ich weiß nicht was sonst noch alles. Nach etwa zwanzig Minuten können wir unsere Reise fortsetzen. Bald ist Höchstgeschwindigkeit erreicht, ich weiß nicht wie viel, der Tacho zeigt nichts an, und wir brettern durch die zambische Landschaft.

Mit dem Fahrrad unterwegs Kleine Ortschaften mit den typischen Rundhütten fliegen an uns vorbei. An der Ruine einer alten Bleimine erkennen wir, dass wir uns dem Copperbelt nähern. Die Erschließung dieser reichhaltigen Erzlagerstätte machten das ungefähr 120 x 40 Kilometer große Gebiet etwa ab dem Jahr 1920 zu einer der bekanntesten Minenregionen der Welt. Es wurden auch einige Gold- und Kupferminen betrieben, die sich dann aber als unrentabel erwiesen.

In der Zwischenzeit haben wir schon Kabwe und Kapiri Mposhi hinter uns gelassen. An der nächsten Abzweigung biegen wir in Nordost-Richtung ab. Das dröhnende Fahrzeug klettert gemächlich durch das Muchinga-Escarpment und es wird merklich kühler. Der Sonnenuntergang ist gerade vorbei und die Nacht setzt sich schnell durch. Ringsherum ist nichts mehr zu sehen, nur die glitzernden Punkte am tiefschwarzen Firmament über uns. Ein traumhafter Sternenhimmel. Kalter Wind bläst durch die undichten Fenster und du brauchst jetzt einen warmen Pullover oder eine Jacke. Ich sage es dir, dieser Bus ist mit einer Frischluftautomatik ausgestattet.

An bestimmten Haltepunkten stoppt das lange Gefährt. Wer mag, kann sich jetzt für ungefähr fünfzehn Minuten die Beine vertreten und von den schon sicher seit Stunden wartenden Händlern etwas Eßbares und zum Trinken kaufen, dann geht es auch schon weiter.

Eine Stunde später hören wir seltsame Geräusche auf dem Wagendach. Irgend etwas rappelt und poltert da oben herum. Die Mitreisenden schreien: stop, stop, stop! Der Fahrer reagiert überhaupt nicht, als wenn er taub wäre. Das beunruhigende Geräusch vom Dach macht sich zum zweitenmal bemerkbar und die Passagiere schreien erneut: Stop, stop, stop! Letztendlich wird der Chauffeur wach, reduziert die Geschwindigkeit und bringt den tonnenschweren Bus zum Halten.

Tatsächlich hat sich aufgrund der schlechten Wegstrecke ein Befestigungsseil an der Fracht gelöst, unglücklicherweise sind dadurch einige Gepäckstücke heruntergefallen. Große Aufregung herrscht unter den Reisenden und jeder hofft, daß er davon nicht betroffen ist.

Wir verlassen alle den Bus, um nach der verlorenen Ladung zu suchen. Etwa ein bis zwei Kilometer laufen wir zurück, um wieder einzusammeln was herunter gefallen ist, aber wir sehen nicht ein einziges Gepäckstück. Rechts und links der Straße nur dichtes Buschwerk, alles stockdunkel. Da traut sich keiner hineinzugehen. Alles, was wir finden ist nur ein großer, aufgeplatzter Pappkarton am Straßenrand, vollkommen leer. Dieses erscheint mir sehr mysteriös und grenzt schon an Zauberei.

Wenn wir nicht in Afrika wären, würde ich es nicht glauben, daß alles wie vom Erdboden verschluckt ist. Ja, das ist echtes Abenteuer. Zurück am Bus sehen wir, daß die Seile auf dem Dach erneut strammgezogen werden. Die Verlustliste ist noch nicht aufgestellt, aber unser Gepäck ist zum Glück noch komplett.

Erleichtert lassen wir uns in die Sitze fallen und die abenteuerliche Reise durch die afrikanische Nacht wird fortgesetzt. Der Motor dröhnt und der Schaffner schaltet das Licht aus. Wir sind von totaler Finsternis eingehüllt. Zehn Minuten später rollen wir wieder mit Höchstgeschwindigkeit über die Piste und verschlingen so Kilometer für Kilometer nach Nordosten.

Ein paar Stunden später erleben wir einen tollen Sonnenaufgang und nach weiteren zwei Stunden erreichen wir Chinsali. Für die meisten Reisenden ist hier Endstation, sie haben ihr Ziel erreicht. Die gesamte Fracht wird vom Dach geholt. Unser schweres Gepäck liegt nun hinter dem Fahrersitz. Nur noch eine handvoll Leute fahren mit uns weiter bis nach Isoka, das wir mittags endlich erreichen. Die ersten 1000 Kilometer in Zambia haben wir gut hinter uns gebracht, aber wie geht es jetzt wohl weiter?


 
...weiter mit Kapitel 2: In Isoka