Zambia
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Nachtfahrt nach Myombe
Kapitel 5

Die Mädchen dürfen Reis stampfen

Schon früh am Morgen, es ist noch dunkel und gerade mal halb sechs, werden wir durch eine fremde Stimme geweckt. Der erste Fahrradbesitzer mit seinem Drahtesel ist zur Stelle. Der ist wohl die ganze Nacht gefahren, um heute früh pünktlich dabei zu sein. Wir bitten ihn leise zu sein, denn wir würden gerne noch zwei Stündchen schlafen. Da wird nun leider nichts draus, denn die anderen Familienmitglieder sind alle wach geworden und begrüßen ihren, wie mir scheint, leicht berauschten schwarzen Bruder mit lauter Freude.

Da es mit Schlafen nun vorbei ist, stehen wir auf. Vom nahen Grundwasserloch wird frisches Wasser zum Waschen und Kochen geholt und schon drücken sich alle um die noch glühende Feuerstelle. Schnell züngeln die Flammen wieder hoch und bringen das Teewasser rasch zum Kochen. Heute gibt es bei uns Pfannkuchen zum Frühstück. Das schmeckt unseren schwarzen Freunden besser als die Erbsensuppe gestern. 

Wir bereiten unser Gepäck für den Transport vor und bis um neun Uhr sind tatsächlich unsere drei Fahrräder komplett. Jetzt wird aufgeladen und unsere Karawane setzt sich in Bewegung nach Norden, nach Kampumbu. Auf dieser Strecke sehen wir nur einmal ganz kurz den Fluß. Der Weg schlängelt sich, wie auch bei Mpande, durch drei Meter hohes Elefantengras und mit vereinzelten Büschen bewachsene Senken, die während der Regenzeit voll Wasser laufen. Dabei überqueren wir mehrmals kleinere Bachläufe und ausgetrocknete Wasserrinnen. An tieferen und breiteren Bächen haben die Einheimischen aus Baumstämmen und dicken Ästen zweckmäßige Übergänge geschaffen, die mit Lianen und anderen Fasern am Ufer an kräftigen Wurzeln befestigt sind. Diese provisorischen Brücken halten meist nur eine Saison.

Wir erreichen Kampumbu bei etwa dreißig Grad im Schatten. Die zehn Kilometer haben wir in ungefähr zwei Stunden hinter uns gebracht. Unter einem großen Mangobaum warten schon ein paar Reisende mit ihrem übergroßen Gepäck. Das bedeutet, daß hier wahrscheinlich irgend ein Transportmittel fährt, aber in welche Richtung, das wissen wir noch nicht. Hier wird gegen Mittag ein Pick Up mit Fahrtziel Myombe, dem letzten Ort vor der malawischen Grenze, erwartet.

Na, das hört sich ja gut an, aber wir kennen Afrika und glauben da nicht so recht dran. Wir legen uns und unser Gepäck in den Schatten. Trinken wäre jetzt nicht schlecht. Man kann hier schon seit Tagen keine Getränke mehr kaufen, ausverkauft, erzählt man uns. An einer anderen Ecke organisieren wir ein paar Bananen, sehr, sehr lecker, sonst ist nichts zu bekommen. Da sitzen wir nun und warten, warten und warten.

Es wird zwei Uhr, es wird drei Uhr, es wird vier Uhr, keiner kann uns sagen, wann das ersehnte Fahrzeug eintrifft. Um nicht wieder die Nacht durchfahren zu müssen, beschließen wir, hier zu übernachten. Ein Verwandter des Town-Chiefs von Mpande, stellt uns seine Hütte zur Verfügung. Dort hin bringen wir erst einmal unser Gepäck, um anschließend ohne Ballast zum Fluß gehen zu können. Nach etwa einem Kilometer Trampelpfad sehen wir wieder eine der riesigen Flußschleifen, hier das gleiche Bild wie schon zuvor.

Weit und breit keine Krokodile und  Flusspferde. Hoffentlich!

Frauen waschen an einer flachen Uferstelle ihre Wäsche, und die Kinder tollen umher. Weiter flußaufwärts liegt eine geeignete Badestelle. Die leichte Abkühlung durch die braunen Fluten, die hier aber auch nicht tiefer sind als in Mpande, ist trotzdem sehr erfrischend. Die Wassertemperatur ist nur ein paar Grad niedriger als die der Luft.

Plötzlich kommen ein paar Jugendliche ganz aufgeregt angerannt und berichten uns, daß das Auto nun doch da ist und auf uns wartet. Diese Gelegenheit wollen wir nicht ungenutzt lassen, denn wer weiß, wann hier das nächste Fahrzeug kommt. Schnell ziehen wir uns an, hasten zu unserem Gepäck und sitzen schon auf dem schwer überladenen Pick Up und starten heute doch noch zur kalten Nachtfahrt Richtung Myombe, und das alles für 6 US$. Das Allradfahrzeug klettert durch die Buschlandschaft langsam höher in das Makuta-Gebirge. In der Dunkelheit erkennen wir jetzt die dichte Bergwaldlandschaft. Wir sind hier fast zweitausend Meter hoch, es wird immer kälter und man erzählt uns von dieser einsamen Strecke, auf der schon defekte Fahrzeuge und Passagiere mehr als eine Woche festgesteckt haben, bis endlich Hilfe kam.

Nachts gegen drei Uhr dreißig erreichen wir glücklicherweise Myombe. Total durchgefroren lassen wir uns schnell unser Nachtlager zeigen und die Müdigkeit schickt uns trotz lautem Stimmengewirr in einen tiefen Schlaf.


...weiter mit Kapitel 6: In Myombe