Zambia
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Kein Zimmer frei in Mzimba
Kapitel 9

Der Bus nach Mzuzu

Endlich, nach fast einer Stunde Verspätung rollt der alte Bus an den Bahnsteig. Menschenmassen drängen sich vor dem einzigen Eingang. Ich bin schon öfter in Afrika mit Bussen gereist, aber dieses Geschiebe und Gedränge habe ich noch nirgendwo erlebt. Wie die Gnus, die den Mara-River überqueren und am anderen Ufer nicht die Böschung hochkommen. 

Hier gilt nur knallharte Ellbogentechnik, vom typisch Englisch in der Reihe stehen haben die hier wohl noch nichts gehört. Kinder weinen, Mütter schreien, Rowdies schieben sich einfach vor. Beim Einsteigen versucht der Schaffner auch noch das 4 US$ Ticket zu kontrollieren.

Jemand zerrt an meiner Jacke. Meinen großen Rucksack voraus zwänge ich mich neben anderen durch die schmale Türöffnung. Endlich ist es geschafft. Das Gepäck wird wieder hinter dem Fahrer deponiert. Wo ist denn hier noch ein freier Sitzplatz? Ah, da in der Mitte, schnell hinsetzen. Meinen kleinen Rucksack nehme ich auf den Schoß.

Die Nacht hüllt uns schon wieder ein und das alte zugige Transportfahrzeug brettert über die recht guten Straßen in Richtung Süden nach Mzimba. Der Weg führt uns auch hier wieder hoch ins Gebirge und es wird erneut lausig kalt. Nur schwarzer Wald befindet sich rechts und links. Ganz selten hält der Bus an, um Leute abzusetzen. Im Bus schläft fast alles und wir versuchen auch ein oder zwei Augen zuzumachen.

Gegen Mitternacht erreichen wir Mzimba, und genau wie beim Einsteigen entsteht nun das Chaos beim Aussteigen. Ich muß wieder an die Gnus denken. Von draußen drängen die Menschen hinein und von innen wird nach außen gedrückt. In dem Gedränge haben Taschendiebe Hochkonjunktur. Nachdem ich unser Gepäck über die Köpfe der Wartenden nach außen schaffe, kann ich mich nur noch durch einen Hechtsprung in die draußen wabernde Menschenmasse auf die Straße retten. Die Schwarzen haben mich weich aufgefangen und dabei sogar ihren Spaß gehabt.

Der alte Bus fährt weiter, und nach fünfzehn Minuten ist die Straße fast menschenleer. Ich frage einen Passanten nach einer Unterkunft für die Nacht. Dort hinten, etwa dreihundert Meter, wo das Licht brennt, da ist ein Hotel. Wir schultern das Gepäck und laufen durch die Dunkelheit zur einzigen Lichtquelle am Rande der Stadt. Dabei durchqueren wir den Handelsplatz mit seinen nackten Marktstandgerippen aus Baumstämmen, die am nächsten Morgen sicherlich wieder mit Waren des täglichen Bedarfs bestückt sind.

Es geht etwas bergab und dann durch einen von Hecken gesäumten Weg, der uns direkt zum Licht führt. Hier parken auf einmal so viele Autos. Das muß ja ein tolles Hotel sein. Wir suchen die Rezeption. Durch Rufen machen wir uns bemerkbar, halb verschlafen kommt ein Schwarzer auf uns zu. Wir hätten gerne ein Zimmer für die Nacht. Es tut ihm leid, aber hier ist alles belegt, sagt er und zeigt auf ein anderes Gebäude am Rande der Stadt, dort sollen wir unser Glück probieren.

Geschlaucht von der Reise, denn wir sind seit sechs Uhr auf den Beinen, bin ich soweit, meinen Schlafsack auszurollen und mich irgendwo an einen geschützten Ort niederzulegen, da hören wir ein Motorengeräusch. Plötzlich steht direkt neben uns ein modernes, neues Allradfahrzeug. Der Beifahrer öffnet das Fenster und fragt, was wir hier mitten in der Nacht in Mzimba auf der Straße machen würden. Ich schildere kurz unsere Situation, dabei sehe ich im Fahrzeug noch zwei Personen. Die Drei unterhalten sich in ihrer Landessprache und da macht uns eine junge Frau, wie wir jetzt erst erkennen können, einen Vorschlag.

Sie sagt, daß an diesem Wochenende hier eine Tagung stattfindet und aus diesem Grunde hier sogar jede Hundehütte vermietet ist und kein Hotelzimmer mehr zu bekommen sei. Sie aber hat genug Platz in ihrem Haus und wir sind herzlich willkommen. Eine tolle Idee, also nehmen wir an, bevor wir auf der Straße liegen müssen.

Der Beifahrer klettert aus dem Auto und öffnet uns die Hecktür, durch die wir schnell in das geräumige Fahrzeug klettern. Schon nach wenigen Minuten halten wir vor dem Haus unserer Gastgeberin und die Männer verabschieden sich. Wir staunen, ein festes Steinhaus, mehrere Zimmer, gemütlich eingerichtet. Sie erzählt uns, daß sie hier mit einem weißen Engländer zusammenlebt, der zur Zeit leider an einem anderen Ort arbeitet und nicht jeden Tag nach Hause kommen kann. Nach einem netten Gespräch wissen wir auch wann unser nächster Bus nach Edingeni zur zambischen Grenze fährt. Morgen früh um sechs Uhr, das heißt für uns um fünf Uhr aufstehen. Macht ja nichts, jetzt ist ja erst halb zwei.  

Gute Nacht.


...weiter mit Kapitel 10: Müde nach Edingeni