Burg Groß-Arnsberg
Eine Burgruine in den Nordvogesen - Rüdiger Bernges

Die Burg Groß-Arnsberg, nicht zu verwechseln mit Klein-Arnsberg bei Obersteinbach, liegt zwischen Zinswiller und Baerenthal hart an der Grenze zum Elsaß bereits in Lothringen. Wenngleich auch nicht so typisch wie z.B. die benachbarten Burgen Falkenstein, Windstein oder auch Fleckenstein, so gehört Groß-Arnsberg zu der Gruppe der Felsenburgen im Wasgau1. Sie liegt auf zwei schmalen Felsgraten aus dem typischen Vogesenbuntsandstein und weist topologisch starke Analogien zu den benachbarten Burgen Schöneck und Hohenfels auf.

Abb. 1.
Gesamtansicht der Burg Groß-Arnsberg von Osten, 1990. Foto des Verfassers

Die Ruine gehört zu den interessantesten Burganlagen des Wasgaus, ist aber in nur geringer Frequenz in Veröffentlichungen oder Büchern zu finden2. Allein der mächtige, viereckige Bergfried rechtfertigt eine Veröffentlichung. Gehört der romanische Turm ohnehin mit zu den ältesten, erhaltenen Bergfrieden seiner Art im Einzugsgebiet der Vogesen und der Südpfalz, so ist er unter den Wasgauer Felsenburgen einzigartig.

Im folgenden soll die Burganlage in Bezug auf ihre Geschichte und auf ihre Baureste näher vorgestellt werden3. Zum Abschluß wird der Anmarsch zur Burg für die Interessierten beschrieben, die die Anlage einmal selbst besuchen wollen, was der Autor unter allen Umständen empfehlen kann.

Geschichte der Burg

Der Ursprung der Burganlage ist, wie so oft, nicht sicher geklärt. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist die Burg sehr alt. Es steht zu vermuten, daß die Burg bereits im 12ten Jahrhundert im Auftrag Friedrichs II. von Schwaben (=1147), dem Vater Barbarossas, als Reichslehen erbaut wurde4. Damit wäre die Burg in Zusammenhang mit dem Bau der Pfalz bei Hagenau zu sehen. Hotz schreibt von einer ersten Nennung im Jahre 1114 als Reichsburg5. Allerdings ist die Quelle für die Historie bei Hotz älteren Datums und daher mit einer gewissen Unsicherheit behaftet6. Der viereckige Buckelquaderbergfried ist eindeutig romanisch, eine Erbauung "...deutlich vor 1200..." schließt Biller ausdrücklich nicht aus7. Die Art der Buckelquader, zum Quadrat neigende Form mit starken, wenig überarbeiteten Buckeln und geringem Randschlag, sowie die Art der Hebelöcher in den Quadern (schwalbenschwanzähnlich gegabelt) reichen nach neuesten Erkenntnissen für eine exakte Datierung leider nicht aus. So kommen alle Formen von Zangen- oder Wolfslöchern im Elsaß schon ab dem mittleren 12ten Jahrhundert vor8. Wegen des romanischen Stils ist der Bergfried allerdings auch kaum jünger als aus dem 1. Viertel des 13ten Jahrhunderts.

Als Erbauer der Burg haben die Grafen von Werd zu gelten9. In der Folge wurden von den Hohenstaufen Burgmannen eingesetzt, die den Namen der Burg annahmen. Im Jahre 1229 wurde der Ritter Ludwig von Arnsberg genannt10. Die Arnsberger Lehner hatten wichtige Funktionen in Hagenau. Ihre Lehensherren waren die Landgrafen des Unterelsaß.

Nach dem Untergang der Hohenstaufen erschien als erster urkundlich erwähnter Besitzer Ulrich von Werd. Er verkaufte 1332 die Burg an die Lichtenberger11. Heinrich von Lichtenberg ließ umfangreiche Um- und Ausbaumaßnahmen vornehmen und bewohnte die Burg selbst über längere Zeit. Nach dem Erlöschen der Lichtenberger Familie mit Jakob von Lichtenberg im Jahre 1480 fiel der Besitz je zur Hälfte dem Grafen Simon-Wecker von Zweibrücken-Bitsch und Philipp II. von Hanau-Lichtenberg zu. Simon-Wecker, der die Burg selbst nicht bewohnte, setzte Herrmann Fessler von Zabern als Lehner und Burgmann ein. Dieser benannte sich bald nach der Burg und wurde Begründer einer Familie, die einige Zeit großen Einfluß im Unterelsaß hatte12.

Eine erste Zerstörung erfuhr die Burg 1525 im Bauernkrieg13. Die Schäden an der Burg wurden behoben und 1547 wurde der letzte urkundliche Besitzer der Zweibrückener Hälfte mit Anton Wagner, Kanzler des Hauses Zweibrücken-Bitsch genannt14. In der Folgezeit forderte Philipp IV. von Hanau-Lichtenberg alte Rechte an der Burg ein und konnte darauf die Burg in seinen alleinigen Besitz nehmen15.

Über das Ende der Burg wird in der Literatur wiederum unterschiedlich berichtet. So wird von einer endgültigen Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg geschrieben16, während ein anderer Autor über eine Zerstörung durch die Truppen Monclars im Jahre 1680 berichtet17. Heute ist die Burgruine Staatseigentum.

 

Bauten auf Burg Groß-Arnsberg

Hinweise auf Abbildungen werden über die Nummer der Abbildung und die Nummer des Details geführt, z.B. (2.3) bedeutet Abbildung 2, Detail 3.

Abb. 2:
Lageplan Burg Groß-Arnsberg. Zeichnung nach Greder mit Nacharbeiten des Verfassers.
A - Ostfelsen:
1 - Halsgraben, 2 - Zugang zur Unterburg, 3 - Unterburg, 4 - Graben zwischen Ost- und Westfelsen, 5 - Felsengang mit gemauertem Rundbogen, 6 - Brunnen oder Zisterne, 7 - kleine Felskammer, 8 - Zugangsanlage zur Oberburg, 9 - Bergfried, 10 - schildmauerartiger Bau, 11 - Ringmauer, Außenmauer von Wohnbauten, 12 - Außenmauer eines Wohnbaus mit Gewänderesten eines Fensters, 13 - Außenmauer eines Wohnbaus, 14 - (schildmauerartige?) Außenmauer zum Westfelsen hin, 15 - sekundärer Mauerrest zwischen Bergfried und Ringmauer, Abschnittstor.
B - Westfelsen:
16 - Balkenlöcher im Westfelsen, möglicherweise Standort einer Holztreppe, 17 - Felsentreppe, ursprünglicher Zugang zur westlichen Oberburg, 18 - hlbrundes Mauerauflager im Felsen, 19 - Mauerreste (glatte Quader), 20 - abgesenktes Felsplateau, Zugang über eine kurze Felsentreppe, 21 - westlicher Halsgraben

Die Burgruine liegt auf dem 473m hohen Arnsberg und beherrscht das nördliche Zinseltal. Die Kernanlage liegt auf zwei hintereinander liegenden Felsenkämmen (2.A und 2.B), die durch einen schmalen Graben voneinander getrennt sind. Die Gesamtanlage hat einen für die Felsenburgen im Wasgau typischen länglichen Grundriß in West-Ost Richtung, bei einer Längsausdehnung von knapp 100m und einer Breite von etwa 25m, wobei die Felsen selbst zwischen 8m und 15m breit sind. Auf den kleineren Felsen im Westen entfallen dabei etwa 35m, auf den Hauptfelsen im Osten knapp 50m. Der Felsen selbst besteht aus dem typischen roten Buntsandstein der Vogesen. Er erreicht eine Höhe von durchschnittlich 15m. Beim Ostfelsen ist die Plattform der Oberburg stark überhängend und hat demnach die Querschnittsform eines Pilzes.

Die Anlage weist von der Lage und vom Aufbau her starke Analogien zu den Burgen Schöneck und Hohenfels auf. Zumindest zeitweilig müssen zwei separate Wehranlagen mit eigenen Zugängen existiert haben, denn der Ost- und der Westfelsen weisen auf ihrer Südseite solche auf. Auch ist sicher, daß die beiden Felsen gegeneinander befestigt waren, wenn auch nicht in besonders starker Weise. Mit hoher Wahrscheinlichkeit war Groß-Arnsberg demnach über eine bestimmte Zeit hinweg Ganerbenburg, was durch die Historie ja zu unterstreichen wäre.

Abb. 3
Schematische Längsdarstellung Burg Groß-Arnsberg, Zeichnung des Verfassers

Ostfelsen. Im Osten ist die Anlage durch einen Halsgraben (2.1) von dem leicht ansteigenden Berghang abgetrennt. Hier ist auch der Zugang (2.2) zu der sich im Süden an den Kernfelsen anlehnenden Unterburg (2.3) zu suchen. Geringe Reste der Ringmauer, die die Unterburg umgab, sind im Gelände auszumachen. Demnach war die Unterburg vor dem Ostfelsen (2.A) geräumiger als der Teil vor dem Westfelsen (2.B).

Der Graben (2.4) zwischen Ost- und Westfelsen ist heute von Norden aus über eine Leiter zugänglich. Eine weitere Leiter führt auf den Westfelsen (2.B), auf dem nach kürzlicher Beseitigung von allzuviel Bewuchs wieder Mauerspuren auszumachen sind. Die ursprüngliche Kernanlage ist nicht hier auf dem Westfelsen zu suchen, sondern auf dem Ostfelsen (2.A). Von dem Graben zwischen den Burgfelsen aus führt ein offener Felsengang (2.5) an der Südseite des Ostfelsens entlang, der im ersten Teil durch einen gemauerten Rundbogen gebildet bzw. gestützt wird. Der Gang endet vor einer kleinen Felsenkammer (2.7) am Zugang zur Oberburg auf dem Ostfelsen.

In der Unterburg, an der Südwestecke des Ostfelsens, ist ein kreisrunder Brunnen (2.6) oder eine Zisterne zu finden18, welcher oder welche die Wasserversorgung der Burg sicherzustellen hatte.

Abb. 4. Zugang zur Oberburg der Ostanlage, 1990, Foto des Verfassers. Klicken zum Vergrößern Abb. 5. Form der Hebelöcher in den Buckelquadern des Bergfrieds, schematische Darstellung. Zeichnung des Verfassers.

In der Mitte der südlichen Langseite des Ostfelsens befindet sich die Zugangsanlage (2.8) zur östlichen Oberburg. Heute wie wohl auch damals führt zunächst eine Leiter in östlicher Richtung auf ein erstes kleines Plateau. Hier ist in den Felsen die oben bereits erwähnte kleine Kammer (2.7), oder eher eine Felsaushöhlung, gehauen, wahrscheinlich Aufenthaltsort für das Wachpersonal. Von hier führt eine weitere Leiter in westlicher Richtung auf die Oberburg hinauf (Abbildung 4).

Der Zugang mündet etwas westlich von dem quadratischen Bergfried (2.9), der in dieser Form für die Felsenburgen des Wasgaus einmalig ist.

Bergfried. Der romanische Bergfried ist aus großen, dem Quadrat angenäherten Buckelquadern aus rotem Buntsandstein aufgeführt. Es gibt Quader bis zu einer Größe von 1m x 0,6m (siehe Abbildung 7). Die Buckeln sind wenig überarbeitet und der Randschlag ist recht schmal. Die Mehrzahl der Quadern weist zweifache, gespreizte Zangenlöcher auf19 (siehe Abbildung 5). Der Bau ist sehr regelmäßig und von hoher Qualität. Diese Merkmale weisen den Bergfried als den ältesten Teil der heutigen Anlage aus und eine Entstehung in der zweiten Hälfte des 12ten Jahrhunderts ist durchaus denkbar, jedenfalls erscheint eine Entstehung nach dem 1. Viertel des 13ten Jahrhunderts unwahrscheinlich.

Abb. 6. Maßstabsgerechtes Aufmaß des Bergfrieds Burg Groß-Arnsberg, Zeichnung des Verfassers

Der Bergfried steht übereck, weist also der Angriffseite im Osten eine Kante zu. Er ist somit vergleichbar zu dem Bergfried von Landsberg am Odilienberg / Elsaß20 und durchaus mit als Vorläufer der später erbauten fünfeckigen Bergfriede - z.B. von Ortenberg, Birkenfels, Bernstein, Wasigenstein und Altwindstein-Nordanlage21, alle Elsaß - anzusehen.

Die Kantenlänge des Bergfrieds beträgt etwa 6,70m und er hat heute eine Höhe von etwa 13,20m auf seiner Südseite. Wegen des ansteigenden Geländes nach Osten hin erhebt er sich auf seiner Nordseite nur noch etwa 12,00m über den Burghof (Abbildung 6). Ursprünglich war der Bergfried höher, was später noch erläutert werden soll. Die Mauerstärke beträgt durchweg etwa 2m, dadurch resultiert ein etwa quadratisches Inneres mit einer Kantenlänge von etwa 2,70m und einer Nutzfläche von ca. 7,3 m2. Der Bergfried hat heute noch drei zu erkennende Geschosse. Die Quader der Innenwände sind sauber geglättet. Aufteilung und lichte Weite sprechen dafür, daß der Bergfried, wenn auch mit Einschränkung beim Komfort, durchaus bewohnbar war. Diese Tatsache ist für die Felsenburgen des Wasgaus ungewöhnlich und spricht eigentlich wiederum für die frühe Entstehung des Bergfrieds22. 

Abb.: 7
Buckelquadermauerwerk des Bergfrieds an seiner Südseite, 1991. Der Maßstab im Bild ist 1m lang (Klicken zum Vollbild)

Abb.: 8
Ansicht des Bergfrieds von Südwesten, 1991. Foto des Verfassers. (Klicken zum Vollbild)

Der ursprüngliche Zugang liegt im Süden und befindet sich etwa 8,20m über dem Burghof. Die Türöffnung hat eine Höhe von etwa 2,10m, ist sehr regelmäßig in einem Halbrundbogen herausgearbeitet, wobei die den Rahmen bildenden Quader glatt gearbeitet sind. Am inneren Rand des Rahmens weisen die Quadern allerdings ringsum eine Kehlung auf, die als Verzierung des Rundbogens dient. Die Form des Zugangs unterstreicht den romanischen Stil des Baus (siehe Abbildung 8).

Heute ist der Bergfried von der Nordseite aus zugänglich. Hier gibt es in etwa 5,00m Höhe über dem Hof einen rechteckigen Einstieg in das Innere, der heute über eine Eisenleiter realisiert wird. Die Pforte hat einen leicht gebogenen Abschlußstein und ist nur etwa 1,30m hoch.

Dieser Einstieg liegt nicht in der Höhe eines Geschosses, sondern etwas unterhalb des ersten Geschosses mit wohnlichem Charakter. Aus diesem Grund, und weil der Einstieg der Angriffsseite zu gekehrt ist, entsteht die Vermutung, daß hier nicht der ursprüngliche Zugang zu suchen ist. Vielmehr ist davon auszugehen, daß hier der nachträglich angelegte Zugang von sich östlich befindenden Gebäuden aus zu finden ist.

Das unterste Geschoß hatte eine Balkendecke, keine Fenster oder Lichtschlitze und die Höhe betrug etwa 4,50m. Jeweils drei Balkenlöcher in der Ost- und Westwand markieren die Lage der Balkendecke (siehe Abbildung 6). Vermutlich wurde dieser Raum als Verlies genutzt und hatte demnach auch keinen echten Zugang bis auf das übliche »Angstloch« in der Balkendecke.

Darüber lag ein Raum, der eine Höhe von etwa 3,50m hatte, durch drei Lichtschlitze im Osten, Süden und Westen beleuchtet wurde und ebenfalls eine Balkendecke hatte. Die Balken für die Decke ruhten auf einem Sims, der durch das Zurücktreten des Mauerwerks um etwa 10cm ab diesem Geschoß entstand (siehe Abbildungen 6 u. 9). Die Lichtschlitze lagen direkt unter der Balkendecke und hatten innen eine Öffnungsweite von etwa 50cm, um sich nach außen hin stark zu verjüngen. Der Zugang zu diesem Geschoß konnte nur über eine Leiter aus dem darüberliegenden Geschoß erfolgen.

Abbildung 9. 
Inneres des Bergfrieds Groß Arnsberg, Blick vom nordöstlichen Zugang nach Südwesten, 1990. Foto des Verfassers.

 Das darüberliegende Geschoß hat ein stichbogiges Tonnengewölbe als Decke, ist etwa 4.00m hoch und hat durchaus wohnlichen Charakter. Hier haben wir im Süden den oben erwähnten Zugang. Außerdem führt in der Nordwand eine Wendeltreppe ab dem nördlichen Zugang, der etwas tiefer als das dritte Geschoß liegt, aufwärts und verbindet die darüberliegenden Geschosse. Das dritte Geschoß hat im Norden einen Zugang zur Wendeltreppe. Weitere Lichtöffnungen gibt es für das dritte Geschoß nicht.

Abbildung 10.
Blick auf den nördlichen Teil des heute offen liegenden Obergeschosses der Bergfrieds Groß-Arnsberg, 1992. Links der "Sanitärraum", rechts die Wendeltreppe. Foto des Verfassers

Die Wendeltreppe führt dann noch etwa 5.20 hoch auf das nächste Geschoß, das heute offen liegt und auf den ersten Blick die Wehrplattform darstellt. Doch mehrere Kriterien weisen auf ein weiteres wohnliches Geschoß und einer sich erst darüber befindlichen Wehrplattform hin. Zum einen spricht die geringe Höhe des Bergfrieds dafür. Sicherlich sind die Bergfriede von Wasgauer Felsenburgen nicht die Beispiele für besonders hohe Exemplare ihrer Art, da ja durch den Felsen alleine schon eine überhöhte Position gewährleistet wurde23. Außerdem kann man auch nicht unbedingt von den Bergfrieden anderer Felsenburgen Rückschlüsse auf den der Burg Groß-Arnsberg ziehen, wie Piper eindrucksvoll nachweist24. Trotzdem seien hier einmal die Bergfriede der Wasgau-Burgen Gräfenstein (Höhe des Bergfrieds: etwa 16m), Waldeck (Höhe etwa 21m) und Altdahn (Höhe etwa 17,20m) genannt, deren Bergfriede, mit Ausnahme des Bergfrieds der Burg Altdahn, bei unterschiedlicher Form eine etwa gleich große Grundfläche haben. Es wäre schon auffällig, daß der Bergfried der Burg Groß-Arnsberg so erheblich niedriger wäre. Außerdem trifft für viele Bergfriede die Aufteilung zu, daß es über dem Geschoß mit dem Zugang mindestens ein weiteres für wohnlichere Zwecke gibt25.

Das allein würde als Argumentation vielleicht nicht ausreichen, wäre da nicht ein bauliches Detail auf dem vierten, heute offenen Geschoß, daß die letzte These für den Bergfried der Burg Groß-Arnsberg eindeutig untermauert. In der nördlichen Ecke dieses Geschoßes, die im Grundriß deutlich abgeteilt ist, gibt es einen engen, schräg nach unten führenden Schacht, der auf der westlichen Seite des Bergfrieds, also auf einer dem Burghof abgewandten Seite, fast außerhalb des Berings, ins Freie tritt (siehe Abbildungen 6, 10 u. 11). Hier hat man es ohne Zweifel mit einer sanitären Einrichtung zu tun26, die auf einer Wehrplattform sicherlich völlig überflüssig wäre. Analogien hierzu gibt es wiederum auf Landsberg.

Abbildung 11. 
Ansicht der nordwestlichen Außenwand des Bergfrieds mit dem Abortkanal (links oben), 1991. Foto des Verfassers.

Auch die Tatsache, daß die Wendeltreppe bis zu diesem Geschoß führt, spricht eher dafür, daß es sich hierbei um ein überdachtes, zu wohnlicheren Zwecken bestimmtes Geschoß handelt, und nicht um eine Wehrplattform, auf die sicher eher eine Leiter geführt hätte.

Nimmt man dieses weitere Geschoß mit einer Höhe von ebenfalls etwa 4.00m an, so ergibt sich mit einer kompletten Wehrplattform eine ursprüngliche Gesamthöhe von etwa 18m, was durchaus den bei anderen Felsenburgen vorkommenden Größenverhältnissen entspricht.

An dieser Stelle sollen ein paar statistische Werte die Monumentalität des Bergfrieds, selbst in seiner heute geringfügig geminderten Dimension, unterstreichen. Ein Würfel Vogesensandstein mit einer Kantenlänge von 10cm (also mit einem Rauminhalt von einem Liter) wiegt etwa 2,1 kg. Damit wiegt ein Buckelquader der oben genannten Größe (also mit den Dimensionen 100cm x 60cm x 60 cm) rund 760 kg, also eine 3/4 Tonne. Der Bergfried hat in seiner heutigen Höhe von 13,20m eine Mauermasse von knapp 500m3 Sandstein. Das bedeutet, daß das Mauerwerk des Bergfrieds etwas mehr als 1.000 Tonnen wiegt. Es ergibt sich aufgrund von Außen- und Innenmaßen eine Standfläche von 37,6 m2 für das Mauerwerk, daraus folgt, daß der Bergfried mit rund 27,9 Tonnen pro m2 auf sein Fundament auf dem Kernfelsen drückt. Das sind wahrlich Werte, die einige Bewunderung für die Baumeister, die ja ohne statische Berechnung, vor allem aber ohne maschinenbetriebene Hebewerkzeuge auskommen mußten, abnötigt.

Abbildung 12. 
Isometrische Ansicht des Bergfrieds von Süden, heutiger Zustand, Zeichnung des Verfassers.

Bauten der östlichen Oberburg. Sekundäre Mauerreste (2.15) im Südosten zwischen Bergfried und Ringmauer verdeutlichen, daß der nordöstliche Teil der Oberburg durch eine Quermauer mit Pforte separiert wurde. Die Mauerreste dieser Trennmauer sind spärlich und von solch schlechter Qualität, daß sie unbedingt später als der Bergfried errichtet wurde. Im Nordosten schließt der Ostfelsen mit einem Bau (2.10) ab, der stark schildmauerartigen Charakter hat (siehe Abbildung 1). Der heute in etwa 4m Höhe erhaltene Gebäuderest weist besonders starkes Mauerwerk auf und richtet eine Spitze gegen die östliche Hauptangriffsseite auf dem angrenzenden Berghang27. Möglicherweise handelte es sich hierbei nicht ausschließlich um eine Schildmauer, sondern um einen Turmbau oder um den Abschluß eines Wohnbaus, der in Richtung Osten eines besonderen Schutzes bedurfte. Die heutigen Reste lassen eine genaue Bestimmung nicht mehr zu.

An den schildmauerartigen Bau schließt sich in Richtung Westen beidseitig eine Ringmauer (2.11) an, die mit hoher Wahrscheinlichkeit Außenwand von Wohn- oder Wirtschaftsgebäuden war. Ein etwa 3.50m hoher Teil Außenmauer (2.12) ist im Südosten erhalten. In ihm sind noch Reste eines großen, rechteckigen Fensterrahmens erkennbar; das hier ursprünglich vorhandene Gebäude war also ein späterer Wohnbau.

Wohnbau oder Palas. Im südwestlichen Teil des Ostfelsens, also südwestlich des Bergfrieds, sind die Mauerreste ausgeprägter erhalten. Im Norden erhebt sich ein höherer Mauerzug (2.13), der wegen der Fenster eindeutig dem Wohnbereich zuzuordnen ist. Der Mauerrest hat heute eine Höhe von zwei Geschossen (siehe Abbildung 13). Im Osten der Mauer, im Untergeschoß, öffnet sich ein stichbogig überwölbtes Fenster, das sekundär halbseitig vermauert wurde. Dadurch entstand ein rechteckiges Fenster. Ungefähr in der Mitte des Mauerrestes ist ein weiteres Rechteckfenster erhalten. Darüber, im ehemaligen oberen Geschoß, befindet sich in einer Öffnung der Mauer ein Ablaufbecken aus einem Stein mit Ausguß nach Norden über den Burgfelsen hinaus.

Abbildung 13. 
Blick vom Bergfried auf den westlichen Burghof, rechts die Außenwand des Wohnbaus, im Hintergrund die Wehrmauer zur Westanlage hin, 1990. Foto des Verfassers
Abbildung 14. 
Wehrmauer der Ostanlage von der Westanlage aus gesehen, im Hintergrund der Bergfried, 1990. Foto des Verfassers.

 Im Westen der Mauer öffnet sich ein drittes Fenster, ebenfalls rechteckig. An der westlichen, oberen Ecke des Fensters befindet sich im Mauerwerk der Abschlußstein eines Gewölbegurtbogens. Der Abschlußstein ist eine nach unten zeigende, vierseitige Pyramide. Das Fenster liegt in der Höhe zwischen den beiden Geschossen im östlichen Mauerteil. Das Fenster gehört demnach zu einem separaten Gebäudeteil, der der Geschoßeinteilung des östlichen Gebäudes nicht folgt. Möglicherweise lag hier die Burgkapelle28. Man könnte wegen des Gewölbes mit Gurtbögen darauf schließen. Eine urkundliche Erwähnung einer Burgkapelle ist hingegen bislang unbekannt. Eine genaue Einteilung der ehemaligen Gebäude in Räumlichkeiten ist wegen des geringen Bestandes nicht nachvollziehbar.

Restliche Bauten auf dem Ostfelsen. Der Ostfelsen schließt in Richtung Westen mit einer öffnungslosen Mauer (2.14) ab, die sich gegen den Westfelsen richtet und trotz geringer Stärke wehrhaften Charakter hat (siehe Abbildung 14). Diese in beträchtlicher Höhe erhaltene Mauer weist nach außen hin geglättete Quader auf, die von Buckelquadern abgewechselt werden, die vor allem an den Eckverbänden verstärkt auftreten. Einige dieser Buckelquader haben Zangenlöcher, möglicherweise handelt es sich um sekundär benutzte Steine aus einer älteren Bauphase. Das Ganze verleiht der Mauer einen trutzigen Eindruck und unterstreicht die Auffassung, daß die beiden Felsen ehemals gegeneinander befestigt waren und unterschiedlichen Besitzern gehörten.

Auf der Oberburg wären nach näheren Untersuchungen (nach Beseitigung von Bewuchs und evtl. Grabungen) weitere Aussagen über Gebäude und deren Aufteilung möglich. Überwucherte Quader und Fundamente deuten sich noch heute auf dem Felsengrund der Oberburg an.

Westfelsen. Der Westfelsen stellte mit hoher Sicherheit eine eigenständige Wehranlage dar. Nach Beseitigung von Bäumen und Büschen in jüngster Zeit ist eine nähere Untersuchung des Westfelsens wieder möglich. Die Baureste sind äußerst spärlich.

Der Westfelsen hatte seinen ursprünglichen Zugang im Süden von der eigenständigen Unterburg aus. Mehrere Balkenlöcher (2.16) in der Felswand der Unterburg weisen möglicherweise auf ein hölzernes Gestell als unterer Teil des Zugangs. Östlich davon liegen in beträchtlicher Höhe eine Felsentreppe und die Reste eines Felsentores (2.17), die von der Holzkonstruktion aus zugänglich waren. Heute sind Felsentreppe und -tor weder von der Unter- noch von der Oberburg aus zu erreichen. Im Westen ist der Westfelsen durch einen engen Halsgraben (2.21) vom westlich leicht abfallenden Gelände getrennt.

Auch im Norden des Westfelsens deuten Spuren auf eine Nutzung hin. So gibt es eine halbhöhlenförmig ausgehauene Vertiefung, eine Art Unterstand, im Burgfelsen und Reste von Treppen. Ob das allerdings als Kriterium für die Existenz einer nördlichen Unterburg reicht, ist eher fragwürdig. Falls die geländebedingt überhaupt existierte, so reicht lediglich der Raum im Nordwesten dafür aus. Von hier sind auch die einzigen ausmachbaren Mauerreste (2.19) in der Westanlage zu sehen: am oberen, nördlichen Felsrand der Oberburg ist ein kleines Stück Ringmauer erhalten. Sie besteht aus wenigen Quadern ohne Buckeln, die wegen der Entfernung des Betrachters und der starken Verwitterung für eine Datierung nicht heranzuziehen sind.

Der heutige Zugang zur Westanlage befindet sich in dem Spalt zwischen West- und Ostfelsen (2.4). Dieser Zugang ist wehrtechnisch sinnlos und daher mit Sicherheit nicht aus der Bestandszeit der Burganlage. Wenige Meter von dem östlichen Rand des Burgfelsens entfernt ist ein halbrundes Mauerauflager (2.18) unter dem Bewuchs auf dem Felsplateau zu entdecken. Es spricht topologisch einiges dafür, daß erst dort der Bering der oberen Westanlage begann.

Der genannte Mauerrest (2.19) im Norden der Oberburg ist von oben unzugänglich. Am äußersten westlichen Ende der Oberburg ist über ein paar Felsstufen ein etwas niedriger gelegenes Felsplateau (2.20) zu erreichen.

Eine mögliche Theorie für den geringen Restbestand in der Westanlage ist die spätere Entstehung in einer Zeit, als qualitativ wesentlich minderwertiger gearbeitet wurde, also etwa ab dem 14ten Jahrhundert.

Besuch und Zugang. Wegen der romantischen Lage, der bizarren Burgfelsen und der gut erhaltenen Burgmauern, vor allem aber wegen des alten, in dieser Form für die Felsenburgen im Wasgau einzigartigen Bergfrieds gehört die Burg Groß-Arnsberg zu den interessantesten Burgen in diesem Gebiet.

Man erreicht die Burg über Niederbronn-les-Bains/Elsaß (Anfahrt von Dahn/Rheinl.Pfalz aus über die deutsch-französische Grenze bei Hirschthal, D3 Richtung Bitche, hinter Obersteinbach die D53 nach Reichshoffen, hinter Jaegerthal die D653 nach Niederbronn nehmen). Von Niederbronn folge man der D28 nach Zinswiller und biege in diesem Ort nach Norden auf die D87 in Richtung Baerenthal ab. Man muß sich nun für einen der zwei möglichen Anmärsche entscheiden. Für den ersten Anmarsch folge man der D87 nur ein kurzes Stück, um bald rechts einem mit »Groß-Arnsberg« beschilderten Schild zu folgen, welches auf einen geteerten Waldweg weist, dem man einige Kilometer ansteigend folgt, bevor man auf einem großen, schönen Waldparkplatz parkt. Hier folgt man dem mit rotem Rechteck ausgeschilderten Waldweg, auf dem man die Burg bequem in etwa 20 Minuten erreichen kann.

Der zweite Anmarsch erfordert es, der D87 etwa 4 Kilometer weiter zu folgen. Vor dem Weiler Untermuhlthal parke man am rechten Fahrbahnrand, um ebenfalls dem roten Rechteck zu folgen, welches den Wanderer auf steilem Weg in etwa 20 Minuten zur Ruine hinaufführt.

 

Literatur:

Biller, Thomas
Die Burgengruppe Windstein und der Burgenbau in den nördlichen Vogesen. Untersuchungen zur hochmittelalterlichen Herrschaftsbildung und zur Typenentwicklung der Adelsburg im 12. und 13. Jahrhundert. 30. Veröffentlichung der Abteilung Architektur des Kunsthistorischen Instituts der Universität zu Köln 1985.

Braun, Jean
Rundgänge durch die Burgen des Elsaß, Delta 2000. S.A.E.P., Colmar, ohne Jahresangabe.

Caboga, Comte Herbert de
Die Burg im Mittelalter. Geschichte und Formen, Verlag Ullstein, Frankfurt 1982.

Greder, Marc
A la découverte des Châteaux Forts d'Alsace. Histoire - Description - Guide pratique, Editions Salvator, Mulhouse 1985.

Hotz, Walter
Pfalzen und Burgen der Stauferzeit. Geschichte und Gestalt, Wissenschaftliche Buchgemeinschaft, Darmstadt 1981.

Lehmann, Johann Georg
Dreizehn Burgen des Unter-Elsasses und Bad Niederbronn. Nach historischen Urkunden, Verlag von Karl J. Trübner. Straßburg 1878.

Mandel, E.
Die Burgruinen der Nordvogesen, ihre Entstehung und Geschichte, Niederbronn-les-Bains 1966.

Parc Naturel Regional Des Vosges Du Nord <Vogesenclub>
Les Châteaux Forts, Inter Impression, Metz 1980. (Das Buch ist ein Burgenführer, der von mehreren namhaften Autoren verfasst wurde, so u.a. F. Eyer, R. Kill, F. Rapp, R. Wirth und J. Wirth)

Piper, Otto
Burgenkunde, Bauwesen und Geschichte der Burgen, München 1912, verbesserter und erweiterter Nachdruck der 3. Auflage, Verlag Weidlich, Würzburg 1967.

Trendel, Guy u. Ulrich, Dr. Henri
Châteaux des Vosges et du Jura Alsacien, Dernières Nouvelles, Straßburg 1969

 

Bemerkungen:

  1. Die Burg Groß-Arnsberg gehört zu den Burgen, die in dem unveröffentlichten Buch "Felsenburgen im Wasgau" des Autors behandelt werden. Hier wird auch eine Definition und Klassifizierung des Begriffs "Felsenburg" gebracht.

  2. In den älteren Standardwerken ist Groß-Arnsberg spärlich vertreten. In Wolff's Elsässischem Burgenlexikon, sowie in Salch's Dictionnaire des châteaux.. findet die Burg ebenso wenig Erwähnung wie bei Ebhardt (Der Wehrbau Europas..) und Piper (Burgenkunde). Bei Trendel/Ulrich werden der Burg ganze 6 Zeilen gewidmet, ebenso viele bei Hotz (Pfalzen und Burgen..). Mandel schreibt in seiner Abhandlung (Burgruinen der Nordvogesen..) immerhin ein ganzes Kapitel, wobei über die Qualität des Inhalts zu streiten ist. Bei Lehmann (13 Burgen ..) ist bei vorsichtigem Lesen etwas über die Historie der Burg zu finden. Lehmann schreibt in seinem Werk ursprünglich über die erheblich jüngere Burg Klein-Arnsberg bei Obersteinbach und weist fälschlicherweise zur Burg Groß-Arnsberg gehörige Vorgänge der namensgleichen Elsässer Burg zu. In Anbetracht der Tatsache, daß Klein-Arnsberg frühestens um 1300 erbaut wurde, lassen sich frühere Daten bei Lehmann bei aller Vorsicht mit Groß-Arnsberg verbinden. In drei populäreren französischen Werken finden sich ebenfalls ganze Kapitel zu Groß-Arnsberg. Hier sind die Bücher von Greder (A la découverte des Chateaux Forts d'Alsace), Braun (Rundgänge durch die Burgen des Elsaß) und dem Vogesenclub (Les Chateaux Forts) zu nennen. Die letzten drei Veröffentlichungen sind zwar insgesamt begrüßenswert, bleiben aber fachlich, besonders in Bezug auf die Beschreibung der Baureste, zu oberflächlich oder gar ungenau.

  3. Da mir als "Nicht-Hauptberuflicher-Burgenforscher" der Zugang zu Originalquellen - allein aus Zeitgründen - nicht möglich ist, mußte ich mich im historischen Teil allein auf die vorhandene Literatur stützen, wobei ich allerdings bedacht war, diese besonders kritisch zu betrachten. Mein Dank gilt hier Dr. Thomas Biller für seine Ratschläge. Er wies mich außerdem noch darauf hin, daß er und Bernhard Metz die Originalquellen zu Groß-Arnsberg noch sichten werden. Hier sind hoffentlich in Kürze neue Erkenntnisse zu erwarten. Die Aufnahme der Baureste habe ich zwischen 1990 und 1992 selbst vor Ort vorgenommen.

  4. Greder, Chateaux Forts d'Alsace, S. 33, sowie Vogesenclub, Les Chateaux Forts, S. 78
  5. Hotz, Pfalzen und Burgen der Stauferzeit, S. 144
  6. Biller schreibt im August 1992 in einem Brief an mich: "...bei dem renommierten Kunsthistoriker Hotz gehen die historischen Angaben auf ältere Literatur von sehr unterschiedlicher Genauigkeit, oft gar von spekulativem Charakter zurück."
  7. Biller in dem o.g. Brief
  8. ebnfls. Biller in dem o.g. Brief: "... hierfür ist wieder die Buckelquaderform das wohl umstrittenste Datierungsmittel überhaupt; und auch die Hebelöcher sind in neueren Veröffentlichungen gerade für das Elsaß als kaum hilfreiches Datierungsmittel bezeichnet worden, weil offenbar alle Formen schon ab dem mittleren 12. Jh. auftreten."
  9. ebnfls. Hotz, Pfalzen und Burgen der Stauferzeit, S. 144 und Braun, Rundgänge..,S. 45
  10. ebnfls. Greder, Chateaux Forts d'Alsace, S. 33, sowie Vogesenclub, Les Chateaux Forts, S. 78 und ursprünglich wohl Lehmann, 13 Burgen des Unterelsasses, S. 2
  11. ebnfls. Greder, Chateaux Forts d'Alsace, S. 33, sowie Vogesenclub, Les Chateaux Forts, S. 78
  12. Dieser Teil der Historie wird von Mandel berichtet, an dessen historischer Zuverlässigkeit z.B. Biller zweifelt (in seinem o.g. Brief). Da die Burg als Besitz der Lichtenberger und auch die Lichtenberger Erbteilung im Jahre 1480 als gesichert angenommen werden kann, ist der Aussage Mandels im wesentlichen zu trauen.
  13. Dieses wird berichtet von Braun, S. 45, sowie Greder, S. 33 und Vogesenclub, S. 78. Die Autoren des letzteren Buches vermuten auch eine frühere, teilweise Zerstörung im Jahre 1523 durch Franz von Sickingen. Motive für eine solche Zerstörung durch Sickingen werden nicht genannt und solche scheinen mir, wenn man sich die Situation Sickingens im Jahre 1523 vor Augen hält, auch nicht wahrscheinlich.
  14. Mandel und Vogesenclub, S. 78
  15. Greder, S. 33
  16. Bei Greder, S. 33 und Vogesenclub, S. 78
  17. Bei Mandel, siehe auch Bemerkung 12
  18. Mit hoher Wahrscheinlichkeit handelte es sich hierbei um einen Brunnen, da derselbe aber heute verschüttet ist und weil Brunnen und Zisternen bei Wasgauer Felsenburgen topologisch ähnlich aufgebaut sind, läßt sich diese Aussage nicht ohne weiteres mit allerletzter Sicherheit bekräftigen.
  19. Piper schreibt in seiner Burgenkunde, S. 147, von gegabelten Zangenlöchern in den Quadern des Turms auf der Burg Trifels, der zwischen 1200 und 1208 erbaut wurde. Die Formen dieser und der Zangenlöcher auf Groß-Arnsberg sind nahezu identisch. Zunächst stellte sich demnach für mich die Vermutung, daß auch ungefähre Übereinstimmungen für Bauzeiten anzunehmen wären. Biller weist diese Konklusion zurück (siehe Bemerkung 8). Ein frühes (Gegen-)Beispiel wäre der Bergfried von Hoh-Egisheim (um 1147), der in einem seiner Quader ein gegabeltes Wolfsloch präsentiert (Biller, Burgengruppe Windstein.., S. 319).
  20. Der Bergfried von Landsberg, um 1200 erbaut, wird vielfach als konzeptionell wegweisend beschrieben (Biller, Burgengruppe Windstein.., S. 272 ff). Geht man davon aus, daß der Bergfried von Groß-Arnsberg bereits in der zweiten Hälfte des 12ten Jahrhunderts erbaut wurde, so hat er als Vorläufer dieser Landsberger Konzeption zu gelten und ist von der architektonischen Bedeutung her mit der Burg Wildenberg/Odenwald und mit der Kaiserpfalz in Eger gleichzusetzen (Biller, Burgengruppe Windstein.., S. 274, setzt diese beiden Anlagen als nicht genau zu datierende Wegbereiter für Landsberg an). Sicher ist bei Landsberg das Konzept konsequenter realisiert, aber auch auf Groß-Arnsberg schützt der übereck gestellte Bergfried die dahinter angeordneten Wohnbauten vollständig. Die vor dem Bergfried befindlichen Gebäudereste deuten auf eine funktionell untergeordnete Bebauung hin.
  21. Der Wasigenstein und Alt-Windstein werden in dem o.g., noch nicht veröffentlichtem Buch von mir näher beschrieben.
  22. Biller schreibt, daß in der Zeitperiode Ende 12tes Jahrhundert / Anfang 13tes Jahrhundert das Konzept des Burgturms als zentraler Wohnbereich völlig umgestaltet wird hin zu einem reinen Defensivbau mit hohem Symbolcharakter (Burgengruppe Windstein.., S. 278). Da genau das bei Groß-Arnsberg noch nicht konsequent vollzogen ist, wird eine Entstehung vor 1200 in der Argumentationskette immer wahrscheinlicher.
  23. In meinem Buch »Felsenburgen im Wasgau« werden die Erscheinungsformen der Bergfriede auf dortigen Felsenburgen näher durchleuchtet.
  24. Piper, Burgenkunde, S. 173 - 235, besonders Seite 187
  25. Z.B. bei Comte Herbert de Caboga, Die Burg im Mittelalter, S. 33 ff.
  26. Daß Aborte auch in Bergfrieden zu finden sind, ist unbestritten, siehe Caboga, Die Burg im Mittelalter, S. 54/55. Auch Piper nennt solche, Burgenkunde, S. 210, S. 235 und S. 487. Als nahe gelegenes Beispiel unter den Felsenburgen des Wasgaus sei der Bergfried von Altdahn im südlichen Pfälzer Wald genannt. Wesentlich interessanter, weil stilistisch und topologisch gleichartig, sind die Abortanlagen der Bergfriede auf Birkenfels und Landsberg, beide im Elsaß. Verblüffend ist, daß auch hier wieder Landsberg Analogien aufweist.
  27. Bauten dieser Art sind bei Wasgauer Felsenburgen nicht ungewöhnlich, so weisen die Burgen Wasigenstein, Neudahn und Wegelnburg ähnliche Bauteile auf, die aus höchst unterschiedlichen Bauperioden stammen. Aus diesem Grund ist eine Datierung schwierig.
  28. Separate Burgkapellen sind gerade aus der frühen Zeit keine Seltenheit. So wäre die romanische Kapelle von Hoh-Barr / Elsaß zu nennen oder auch Alt-Windstein, siehe dazu auch Biller, Burgengruppe Windstein...

Rekonstruktionsversuch Bergfried: