Referat in der Hauptversammlung des Gesamtverbandes
des Bergischen Geschichtsvereins am 25.04.1998 in Wermelskirchen

Dem Ausbau der Schwebebahn zu einem modernen Massenverkehrsmittel wird von den Wuppertaler Stadtwerken weiterhin Priorität eingeräumt. Dem Projekt liegen politische Entscheidungen von höchster Brisanz zugrunde. Für Wuppertal geht es um die Identität der Stadt.

Eine „rundum erneuerte Schwebebahn“ wird zwar kein authentisches Denkmal der Jahrhundertwende mehr sein, aber sie wird sehr wohl einen entscheidenden Beitrag zum Selbstverständnis der Stadt und des Rheinlandes leisten können, wenn sie zumindest in ihrer äußeren Form das Original nachbildet. Selbst wenn der letzte Nachweis über die Abgängigkeit des Gerüstes zumindest durch öffentlich zugängliche Gutachten noch nicht erbracht wurde (was ich sehr bedaure), selbst wenn man daran zweifeln muß, daß die Fahrgastzahlen tatsächlich so steigen sollten, wie es die Wuppertaler Stadtwerke zu Begründung des „Ausbaus“ anführen, und selbst wenn der geplante „Ausbau“ in Wirklichkeit ein „Neubau“ ist, muß man sich fragen, ob es politisch klug ist, hier und jetzt der vorliegenden Entschließung zuzustimmen in der Hoffnung, damit das gesamte Projekt zu verhindern oder nachbessern zu können.

Die Abteilung Wuppertal e.V. des Bergischen Geschichtsvereins, der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz e.V. - Ortsverband Wuppertal und die Bürgerinitiative zur Erhaltung der historischen Schwebebahn" (vormals „zur Unterschutzstellung der Schwebebahn“), sind entschlossen, alles zu tun, um zumindest das äußere Erscheinungsbild der Schwebebahn, insbesondere aber der historischen Stationen der Jahrhundertwende zu erhalten, und zwar über die wenigen bisher zur „Rekonstruktion“ bzw. Restaurierung vorgesehenen historischen Haltestellen hinaus. Den Bürgern geht es vor allem um das Erscheinungsbild ihres Stadtsymbols.

Bei dem berühmtesten Verkehrsdenkmal Deutschlands und Europas, einem Jahrhundertbauwerk, wäre es allerdings selbst in einer Zeit äußerst knapper öffentlicher Mittel kurzsichtig, Rekonstruktion bzw. Restaurierung der historischen Stationen an der Finanzierung scheitern zu lassen. Es ist die Aufgabe der Wuppertaler Kommunalpolitiker, sich zumindest um die Finanzierung der bereits beschlossenen „Rekonstruktion“ zu kümmern.

Michael Metschies.

Anm: Im Andenken an den im Juni 2000 verstorbenen maßgeblichen Mitbegründer der Bürgerinitiative, wird der harte Kern sich weiterhin für die alte Dame ganz im Sinne des Verfassers einsetzen.