Auszug aus der Internet-Information von der Bayer AG

Chemieanlagen ohne Gefahrstoffe sind undenkbar. Das gilt auch für Bayer. Viele der Stoffe, die in chemischen Reaktionen zu Produkten umgewandelt werden, bergen auch ein Risiko. Sie können brennbar, explosionsfähig, gesundheitsgefährlich und umweltschädigend sein. Diese unerwünschten Eigenschaften sind oft Begleiterscheinungen der an sich erwünschten chemischen Umsetzungsfähigkeit.

Daher hat Sicherheit bei Bayer höchste Priorität. Bereits bei der Planung von Verfahren und Anlagen werden alle möglichen Risiken und Folgen beim Eintritt einer Störung simuliert. Und seien sie auch noch so unwahrscheinlich. Parallel werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weltweit durch das Fortbildungsprogramm "Umweltschutz und Sicherheit" geschult und zu verantwortungsbewusstem Handeln verpflichtet.

Die intensiven Bemühungen tragen Früchte. Das belegen die regelmäßigen Untersuchungen der Unfallzahlen eindrucksvoll.

Quelle: http://www.bayer.de/bayer/ueberblick/umweltschutz/sicherheit.htm

Die Explosion am 08.06.1999 in Elberfeld

Die schwerste Explosion im Bayerwerk in Wuppertal-Elberfeld legte den Verkehr auf der Talachse lahm. Fenster im Umkreis gingen durch die Druckwelle zu Bruch und Trümmer beschädigten die Oberleitung der Deutschen Bahn. Die Schwebebahn durfte auf Grund der Rauchgase und Chemikaliendämpfe den Werksbereich nicht passieren. Die B7 wurde gesperrt. Geschädigte wurden aufgefordert, Sachschäden umgehend zu melden. Doch lassen wir hierzu die Fachleute sprechen - Statement Bayer AG am Mittwoch - 9. Juni 1999 im Internet:

Werksleiter sicherte Nachbarn unbürokratische Hilfe zu
Landesumweltamt: Keine Gesundheitsgefährdung durch Unglück bei Bayer
90 Anwohner begaben sich vorsorglich in ärztliche Behandlung

Wuppertal - Rund 90 Anwohner haben sich in Folge des schweren Explosionsunglücks, das sich gestern nachmittag im Werk Wuppertal-Elberfeld ereignet hat, bis zum Morgen in umliegenden Krankenhäusern oder ambulant beim Arzt in medizinische Behandlung begeben. Dies wurde auf einer zweiten Pressekonferenz heute morgen von Werksleiter Dr. Heinz Bahnmüller und einem Vertreter der städtischen Feuerwehr bekanntgegeben. Die Zahl der verletzten Mitarbeiter ist mit elf unverändert geblieben.

Die Explosion bezeichnete Dr. Bahnmüller als "die schwerste, die sich je im Werk Elberfeld ereignet hat". Sofort nach dem ersten Alarm wurden die umliegenden Betriebe abgefahren, das heißt, die Produktion gestoppt. Der Werksleiter betonte: "Trotz aller Beeinträchtigungen hat es nachweislich keine Gesundheitsgefährdung für die Mitarbeiter und Nachbarn gegeben."

Dies bestätigte Dr. Horst Manns vom nordrhein-westfälischen Landesumweltamt in Essen: "Das Amt hat im Immissionsbereich gemessen. Es wurde nichts festgestellt außer einem Salzsäure-Wert." Und dieser habe, wie auch von Bayer gemessen, weit unterhalb des Grenzwerts einer Gesundheitsgefährdung gelegen. Das eingesetzte Löschwasser, so Dr. Bahnmüller, habe man in Rückhaltebecken und Pufferbehältern komplett sammeln können. Bei der Analyse des Wassers seien keinerlei Wirkstoffe aus der Pflanzenschutzmittel-Produktion gefunden worden.

Schaden in dreistelliger Millionenhöhe

Den entstandenen Schaden schätzte der Werksleiter auf einen Betrag in dreistelliger Millionenhöhe. Betroffen war ein Pflanzenschutzbetrieb, in dem sich zur Zeit des Zwischenfalls 18 Mitarbeiter aufhielten. Insgesamt umfasst die Betriebsmannschaft 82 Mitarbeiter. Hergestellt dort je nach Bedarf verschiedene Pflanzenschutzmittel. Am Unglückstag wurde ein Pilzbekämpfungsmittel für den Obst- und Weinbau gefahren. Es ist nach Angaben der Biologischen Bundesanstalt (Braunschweig) nicht als giftig oder umweltgefährlich eingestuft.

Wie es zu der Explosion kommen konnte, so Dr. Bahnmüller, ist nach wie vor ungeklärt. Bei der Brandbekämpfung vor Ort habe man nur feststellen können, dass das Zentrum der Explosion aller Wahrscheinlichkeit nach auf der zweiten Etage gelegen habe. Die Unfallstelle wird derzeit von der Staatsanwaltschaft untersucht.

Der Werksleiter kündigte an, dass das Unternehmen bei den Ermittlungen "sehr konstruktiv" mithelfen werde. "Schließlich haben wir ein besonders großes Interesse daran, die Unfallursache genauestens zu klären."

Am Unglückstag waren rund 200 Mitglieder der städtischen Feuerwehr und der Notdienste im Einsatz, außerdem 25 Bayer-Feuerwehrleute sowie Mitarbeiter von Ärztlicher Abteilung und Unternehmensschutz. "Sie haben ganz sicher dazu beigetragen, dass das Ereignis, so schwer es war, vernünftig gehandhabt werden konnte. Dafür bin ich den beteiligten Helfern sehr dankbar", sagte Dr. Bahnmüller.

"Schnelle, unbürokratische Hilfe"

Den Anwohnern, denen durch die Explosion Beeinträchtigungen oder materielle Schäden entstanden sind, sicherte der Werksleiter "unbürokratische und schnelle Hilfe" zu. Der Vertreter des Landesumweltamts machte darauf aufmerksam, dass Mitarbeiter seiner Behörde in der Umgebung des Werks jeder Beschwerde nachgehen werden. Es seien bereits Ruß-, Staub-, Boden- und Pflanzenproben genommen worden. Deren Analysen seien jedoch sehr aufwendig. Es werde einige Tage dauern, bis die Ergebnisse vorlägen.

Die Explosion hatte sich am Dienstagnachmittag um 16.30 Uhr ereignet. Gegen 18 Uhr war die Öffentlichkeit in einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz mit ersten Informationen versorgt worden. Gegen 19.30 Uhr war der Hauptbrand gelöscht. Die Nachlöscharbeiten dauerten bis Mitternacht. Der zwischenzeitlich gestoppte Eisenbahn- und Schwebebahnverkehr wurde bereits in der vergangenen Nacht wieder aufgenommen.

Am nächsten Morgen wurde in der Nachbarschaft des Werks ein Brief verteilt, in dem der Bayer-Werksleiter das Unglück bedauerte. Dieses Schreiben ging auch an 55 Kindergärten und 150 Schulen.

Quelle: http://www.baynews.bayer.de/BayNews/BayNews.nsf/ID/NT0000383A

Nachdem zuerst vermutet wurde, dass das Pflanzenschutzmittel Teldor hauptsächlich an der Explosion beteiligt war, gab es am Dienstag, den 15.06.1999 Entwarnung, wenn auch noch keine genaue Aufklärung:

Bayerwerk Wuppertal-Elberfeld:
Verwechslung einer Chemikalie führte zur Explosion
Weitere Untersuchungen klären den genauen Ablauf

Wuppertal - Die Ursache für die Explosion und den Großbrand in einem Pflanzenschutzbetrieb des Bayerwerkes Wuppertal-Elberfeld am Dienstag, 8. Juni 1999, steht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit fest: Nach den bisherigen Ermittlungen wurde bei der Herstellung eines Zwischenprodukts ein Behälter mit einer falschen Chemikalie befüllt.

Das zunächst genannte Pflanzenschutz-Produkt Teldor war nach heutigem Stand nicht am Unglück beteiligt. Erste Vermutungen hatten auf das Lösungsmittel Toluol, das zur Herstellung von Teldor eingesetzt wird, als Auslöser der Explosion hingewiesen. Der Teldor-Behälter, der sich in unmittelbarer Nähe des Explosionsherdes befand, wurde allerdings nicht zerstört.

An der Einschätzung, dass zu keinem Zeitpunkt eine gesundheitliche Gefährdung der Bevölkerung bestanden hat, ändert sich durch die neuen Erkenntnisse nichts.

Nach den bisherigen Untersuchungen wurde die Explosion bei der Herstellung eines Zwischenproduktes des Wirkstoffes Toltrazuril ausgelöst. Dieser wird für ein Anti-Parasitenmittel eingesetzt, das in den vergangenen zehn Jahren an verschiedenen Bayer-Standorten hergestellt wurde; in der Anlage in Elberfeld letztmalig vor einem Jahr. Am Dienstag der vergangenen Woche sollten für die Synthese dieses Zwischenprodukts in den Reaktionskessel "RA222" 500 Kilogramm Pottasche mit 2-Chlor-5-nitrotoluol (600 Kilogramm) und Dimethylsulfoxid (1200 Kilogramm) eingefüllt werden. Diese Mischung führt beim vorschriftsgemäßen Aufheizen nicht zu einer Reaktion.

Offensichtlich wurde jedoch statt Pottasche Ätzkali verwendet. Dadurch kam es beim Aufheizen zu einer heftigen chemischen Reaktion mit Explosion und nachfolgendem Brand. Wie es zu der Verwechslung der Chemikalie kommen konnte, werden Behörden, externe Gutachter und Bayer-Experten weiter intensiv untersuchen. Sobald dazu gesicherte Erkenntnisse vorliegen, wird das Unternehmen entsprechende Konsequenzen ziehen.


Zur Hintergrund-Information:

Die mutmaßlich beteiligten Stoffe (Quelle: Sicherheitsdatenblätter):

2-Chlor-5-nitrotoluol:
Kein Gefahrstoff gem. Gefahrstoffverordnung.
Nicht reizend für Augen und Haut.

Dimethylsulfoxid:
Kein Gefahrstoff gem. Gefahrstoffverordnung.
Schwach reizend für Augen und Haut.
Beim Verschlucken von großen Mengen: Schädigung von Leber, Niere und Auge (Linsentrübung).

Kaliumhydroxid (Ätzkali):
Ätzender Gefahrstoff gem. Gefahrstoffverordnung.
Zieht an der Luft energisch Wasser und Kohlendioxid an.
Schwere Verätzung an Haut, Augen und Schleimhäuten.

Quelle: http://www.baynews.bayer.de/BayNews/BayNews.nsf/ID/NT00003856

 

Weitere Presse-Information von und zu Bayer AG:

http://www.bayer.de  insbesondere http://www.baynews.bayer.de/BayNews/baynews.nsf/ID/AktuellesPB.htm