bp1.gif (1539 Byte)SBahnb.gif (1107 Byte)Der Unfall in Elberfeld vom 12.04.1999

Der bislang schwerste Unfall in der Geschichte der Schwebebahn passierte heute Vormittag, als ein besetzter Zug in Fahrtrictung Elberfeld gegen 5:45 Uhr nahe der Haltestelle Robert-Daum-Platz 10 Meter tief in das Wupperbett fiel, nachdem er aus der Schiene gesprungen war und durchbrach. Es war der erste Zug, der nach den Bauarbeiten am Wochenende am Robert-Daum-Platz an den Brücken 211 und 212 sowie an der Stütze 211 den Betrieb aufgenommen hatte. Der Zug ist offensichtlich auf eine vergessenes Gerüstteil für Bauarbeiten aufgefahren, wobei das vordere Drehgestell abriss. Der Zug ist dabei auf einer Brücke für Fernwärmeleitungen aufgeschlagen.

Wieviel Personen zu Schaden kamen ist noch unklar, 5 Tote und 45 Verletzte sind bislang zu beklagen, die teilweise vor Ort versorgt wurden. Schon nach drei Minuten trafen die ersten Unfallretter ein. Die Untersuchungen dauern an. Der Zug soll nun mangels der Möglichkeit, ihn im Ganzen zu bergen (ca. 22 Tonnen), in Einzelteile zerschnitten und geborgen werden. Die Bergung verzögert sich auf Mittwoch, den 14.04. Anschließend soll nach Zusammenbau der Einzelteile der genaue Verlauf des Unfalls untersucht werden. Insbesondere stellt sich hier die Frage, wie das Drehgestell abreißen konnte und warum das Rückhaltesystem der restlichen Gestelle den Zug nicht auf dem Gleis gehalten hat.

Wer die Möglichkeit hat, kann sich auch über das Lokalradio Radio Wuppertal (UKW 107,40) informieren. Ein Praktikant des Senders war zufällig in der Schwebebahn-Leitstelle der WSW vor Ort im Rahmen einer geplanten Reportage über die Schwebebahn und die Arbeiten am Gerüst, als der Unfall passierte. Er teilte während der Sendung vom Montag sinngemäß mit, dass man im Laufe einer Diskussion über etwaige Verspätungen auf den Einsatz einer Testfahrt mit einem "Testzug" verzichtet hatte, nachdem an der Baustelle sehr lange gearbeitet wurde und der reguläre Tagesbetrieb der Schwebebahn anfangen sollte.

Die Wuppertaler Stadtwerke bieten in Zusammenarbeit mit der Wuppertaler Polizei eine Hotline ein und geben weitere Infos in ihrer Website. Die Polizei bittet ausdrücklich, nicht zur Unfallstelle zu fahren und damit die Helfer und Bergungsarbeiten zu behindern. Ich möchte an dieser Stelle mein Mitgefühl an die Betroffenen ausdrücken, auch wenn das Medium Internet diesem Anspruch eigentlich nicht gerecht werden kann.


Der Bericht von Radio Wuppertal vom 13.04.1999 zur Schwebebahnkatastrophe:

Die Bergung der abgestürzten Schwebebahn ist auf Morgen verschoben worden. Das sagte uns die beauftragte Firma. Gegen 18 Uhr soll ein Bergungskran am Wupperufer auf einem Parkplatz der Firma ELBA in Position gebracht werden. Außerdem soll ein Bagger mitten in der Wupper aufgestellt werden. Das Schwebebahnwrack soll allerdings nicht am Stück, sondern in kleineren Einzelteilen geborgen werden. Der Grund: unter dem ursprünglich geplanten Standort für den Kran befindet sich eine Tiefgarage, die der Belastung nicht standhalten würde. Wie uns die Büroartikelfirma ELBA unterdessen mitteilte, hat der Absturz der Schwebebahn einen Betriebsausfall verursacht. Durch das von der Schwebebahn zerbrochene Dampfrohr musste die Galvanikproduktion gestern den ganzen Tag stillgelegt werden. Den finanziellen Schaden kann die Firma noch nicht beziffern.

Hinter verschlossenen Türen der Wuppertaler Stadtwerke werden zur Stunde weitere Details für die bevorstehende Bergung des Schwebebahn-Wracks besprochen. Inzwischen sieht es ganz so aus, als dass der Unglückszug heute nicht mehr geborgen wird. Informationen dazu von Ira Söhnge, live vom Robert-Daum-Platz. Die Polizei hatte Schaulustige ausdrücklich gebeten, der Absturzstelle fernzubleiben. Trotzdem kamen Hunderte hierhin an den Robert-Daum-Platz. Die meisten davon offensichtlich Schaulustige - erkennbar an Fotoapparaten und Videokameras. Erst als die Polizei einen hohen Zaun aufstellt, können die Neugierigen vom Unglücksort ferngehalten werden. Wegen der dichten Uferbebauung kann der Kran nur über das Dach einer Tiefgarage heranfahren. Damit die Decke das aushält, kann es nur ein relativ kleiner Kran sein und der wird den über 20 Tonnen schweren Waggon nicht in einem Stück heben können. Nach der Bergung soll die Unglücksbahn zur weiteren Untersuchung in eine Halle auf dem Gelände der Generaloberst-Höppner-Kaserne gebracht werden.

Wie uns Kliniken-Sprecher Clemes Kunsleben soeben sagte, besteht nur bei einem der Patienten akute Lebensgefahr. Zwei weitere Passagiere der Unglücksbahn liegen noch auf der Intensivstation. Ein 59-jähriger Mann hat eine Operation gut überstanden und wurde noch am späten Abend auf Normalstation verlegt. Wie berichtet, ermittelt die Staatsanwaltschaft sowohl gegen die Wuppertaler Stadtwerke als auch gegen die beauftragte Stahlbaufirma wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung, sowie wegen gefährlichen Eingriffs in den Schwebebahnverkehr.

Der Schwebebahnabsturz hat Dutzende von Journalisten und Kamerateams ins Tal gelockt. Im Mittelpunkt des Interesses heute vormittag: Radio-Wuppertal-Praktikant René Sperber. Sat1, RTL und die WZ waren bereits da. Denn René wurde als wichtiger Zeuge auch von der Polizei befragt. Er war gestern früh in der WSW-Leitstelle, bevor das Unglück passierte. Die WSW haben ja erklärt, dass bisher nie einen Probezug gab. René Sperber hat aber in der Leitstelle mitbekommen, dass ausgerechnet gestern über einen Testzug gesprochen wurde. Und dass es sinngemäß hieß: Eigentlich wäre es unter dem Zeitdruck besser, wenn ein Probezug die Strecke abfahren würde. Das steht im Widerspruch zu den offiziellen Informationen der WSW und ist deshalb ein heikler Punkt. Die Ermittlungen dazu dauern an.

In Zukunft werden die Stadtwerke nach Umbauarbeiten am Schwebebahngerüst wieder Probezüge einsetzen. Das hat der WSW-Aufsichtsrats-Vorsitzende Hans Kremendahl als Reaktion auf den Schwebebahnabsturz angeordnet: Wann die Schwebebahn wieder fahren wird ist noch unklar. Bis dahin untersuchen Sachverständige die Unfallstelle.

Die Staatsanwaltschaft hat jetzt offiziell bestätigt das die Ursache für den Absturz der Schwebebahn eine sogenannte Kralle war, die nach den Umbauarbeiten am Robert-Daum-Platz auf der Schiene vergessen wurde. Wer die Verantwortung dafür trägt, ist noch unklar. Die Staatsanwaltschaft hat gegen die beauftragte Baufirma und die Stadtwerke ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet. Bei dem Absturz sind 3 Fahrgäste getötet worden, 47 wurden verletzt, 2 von ihnen befinden sich noch in Lebensgefahr.

Menschen, die durch den Absturz einen Schaden erlitten haben, können sich unter der Telefonnummer 569-3 8 9 3 melden.

Nachrichtenticker von Radio Wuppertal 107.4; 16.04.1999, 17.00Uhr

Schwebebahnchef suspendiert

Die Stadtwerke haben nach dem Unglück vom Montag erste personelle Konsequenzen gezogen. Schwebebahn-Chef Günter Beyen ist vorläufig von einem Teil seiner Aufgaben entbunden worden. Das sagte uns WSW-Vorstand Reiner Hübner heute. Hübner betonte jedoch, Beyen sei keineswegs beurlaubt, sondern weiter im Dienst. Pressemeldungen, wonach der Schwebebahnchef gehen müsse, bezeichnete Hübner als Falschmeldungen.

Bereits am Vormittag hat der Aufsichtsrat der Stadtwerke Hübner sein Vertrauen ausgesprochen. Außerdem war zu erfahren, dass der Aufsichtsrat die Öffentlichkeitsarbeit der Stadtwerke kritisierte. Die Informationspolitik sei der KrisenSituation dieser Woche nicht angemessen gewesen, hieß es.

Trauerfeier für Schwebebahnopfer

Zur Trauerfeier für die Opfer des Schwebebahnabsturzes haben die Stadtwerke einen kostenlosen Shuttle-Service eingerichtet. Die Sonderbusse fahren Morgen ab 14 Uhr vom Hauptbahnhof zur Friedhofskirche in der Hochstraße. Die Trauerfeier wurde in die Friedhofskirche verlegt, weil mit hunderten von Menschen gerechnet wird, die den Schwebebahn-Opfern gedenken wollen. Unter anderen werden Ministerpräsident Wolfgang Clement und Johannes Rau erwartet. Außerdem haben sich viele Medien mit Übertragungswagen angemeldet, die bundesweit berichten wollen. Wegen der Trauerfeier hat die Stadt die für Morgen geplante Eröffnung des Kinder- und Jugendteffs in der Heckinghauser Straße um eine Woche verschoben, und das Forum-Rex hat sämtliche Samstags-Vorstellungen abgesagt.

Beschlagnahmte Gerüstteile

Die beschlagnahmten Gerüstteile der Schwebebahn werden anders als ursprünglich geplant, heute noch nicht abgebaut. Zur Begründung sagte ein Polizeisprecher, dass für den Abbau eine Hilfskonstruktion benötigt werde. Die Staatsanwaltschaft will nicht nur den abgestürzten Schwebebahnzug untersuchen, sondern auch Teile des Gerüstes und der Schiene. Wann die Demontage stattfindet ist zur zeit noch unklar.

WSW-Presse-Info Nr. 2/99 vom 15.04.1999

1. Der Vorstand hat den TÜV Rheinland beauftragt, die gesamten Abläufe des Umbaus im Streckenabschnitt Pestalozzistraße/Ohligsmühle vom 09.04.1999 bis 12.04.1999 vom Beginn bis zur Streckenfreigabe und deren Dokumentation gutachterlich zu untersuchen.

2. Der Justitiar der Wuppertaler Stadtwerke aG hat am 14.04.1999 gegenüber der Staatsanwaltschaft ausdrücklich erklärt, dass alle benötigten Unterlagen lückenlos zur Verfügung stehen.

WSW-Presse-Info Nr. 1/99 vom 14.04.1999

WSW-Vorstand Rainer Hübner stellt zu den aufgeworfenen Kernfragen aus heutiger Sicht und heutigem Erkenntnisstand wie folgt fest:

Nachdem das mit den Bauarbeiten beauftragte Unternehmen die Fertigstellung der Arbeiten und das Entfernen aller Hilfskonstruktionen gemeldet hatte, sind die in den üblichen Prüf- und Freigabeprotokollen in einzelnen vorgeschriebenen Sicherheitsprüfungen für die am Wochenende in der Zeit vom 9. April bis zum 12. April 1999 vorgenommenen Arbeiten auf dem Streckenabschnitt Pestalozzistraße/Robert-Daum-Platz von den jeweils gesondert mit

- der Bauaufsicht,
- der Bauüberwachung und
- der bahntechnischen Aufsicht

Beauftragten vorgenommen worden.

Diese Überprüfungen waren auf den dafür vorgesehenen Protokollen zu dokumentieren. Sie unterlagen keinerlei Einschränkungen aufgrund besonderes Zeitdrucks.

Im einzelnen waren zu überprüfen und festzustellen

- der betriebssichere Zustand,
- die Freiheit des Fahrprofils,
- der betriebssichere Zustand der elektrischen und signaltechnischen
Anlagen und
- die betriebssichere Befahrbarkeit der Schwebebahn-Tragkonstruktion.

Es wurde ausdrücklich bestätigt, dass die Konstruktion, die Fahrschiene und die Stromschiene auf ihren betriebssicheren Zustand überprüft worden waren, dass das Fahrprofil frei war und gegen die Freigabe des Bahnbetriebs keine Bedenken bestand.

Auf dem dafür vorgesehenen Protokoll ist ausdrücklich bestätigt worden, dass das Fahrprofil frei war und gegen die Freigabe des Bahnbetriebs keine Bedenken bestanden.

Die Freigabe des Bahnbetriebs erfolgte um 5.26 Uhr. Diese ist auf Tonband protokolliert worden. Aufgrund dieser Freigabeerklärung wurde der Schwebebahnbetrieb um 5.27 Uhr aufgenommen.

Ein "Probezug" ist zur Überprüfung der betriebssicheren Befahrbarkeit der Schwebebahnkonstruktion weder gesetzlich vorgeschrieben, noch entspricht dies den geltenden Regeln der Technik.

Es konnte daher keinen "Verzicht auf einen Probezug" geben, noch bestand Anlass, von Fall zu Fall zu entscheiden, ob ein Probezug zur Überprüfung der betriebssicheren Befahrbarkeit der Schwebebahnkonstruktion eingesetzt werden sollte.

In der Vergangenheit sind lediglich in einigen Ausnahmefällen Testzüge eingesetzt worden. Dies geschah jeweils auf Veranlassung der Aufsichten am Ende der Bauphase vor Ort ausschließlich aus messtechnischen Gründen im Zusammenhang mit der Überprüfung der Bauarbeiten, nicht aber zur Überprüfung der Betriebssicherheit oder betriebssicheren Befahrbarkeit der Schwebebahnkonstruktion.

Der Bericht, dass ein "Probezug" bereitgestanden habe, um die Freiheit des Fahrprofils zu überprüfen, trifft daher nicht zu. Betriebliche Vorbereitungen haben sich auf eine im Einzelfall möglicherweise erforderliche messtechnische Überprüfung durch einen Testzug auf eventuelle Anforderung der Aufsichten beschränkt.

WSW-Aktuell-Meldung vom 12.04.99

Nach den derzeitigen Erkenntnissen forderte das Schwebebahnunglück, das sich Montagmorgen um 5.45 Uhr in der Nähe des Robert-Daum-Platzes ereignete, 3 Tote und 51 Verletzte. Zur Unfallursache ermittelt derzeit die Staatsanwaltschaft. Auf der Pressekonferenz am Montag der WSW sprach Oberbürgermeister und WSW-Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Hans Kremendahl den Angehörigen seine tiefe Anteilnahme aus. Vorstandsmitglied Rainer Hübner sagte die Einrichtung eines Hilfsfonds für die Angehörigen der Opfer zu.

Die Schwebebahn steht zur Zeit still. Als schnelle und zuverlässige Alternative ist ein Busersatzverkehr, der SchwebebahnExpress eingerichtet. Er ist eine schnelle Verbindung mit direktem Linienweg zwischen Vohwinkel und Oberbarmen, der nur die gewohnten Schwebebahnstationen bedient.

Parallel zum SchwebebahnExpress können Sie für den Streckenabschnitt Alter Markt bis Oberbarmen die Linie 608 benutzen. Daüber hinaus steht Ihnen das umfangreiche Angebot der Deutschen Bahn AG zur Verfügung.

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