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bp1.gif (1539 Byte)SBahnb.gif (1107 Byte)Nach dem Schwebebahnunfall in Elberfeld vom 12.04.1999

Die Quintessenzen, Informationen und Meinungen nach dem Unfall in der Tagespresse waren vielfältig und manche Äußerung kam vielleicht etwas unerwartet. Die nachfolgenden Beispiele stammen, wenn nicht anders genannt, aus www.Lokalseiten.de - lokale Nachrichten aus Wuppertal

  • Schwebebahnunglück: SPD bringt Fragenkatalog in den Aufsichtsrat der WSW ein (13.04.1999 SPD-Fraktion )

Die SPD-Ratsfraktion bringt einen umfassenden Fragenkatalog in die nächste Sitzung des Aufsichtsrates der Wuppertaler Stadtwerke ein.
"Wir wollen alle Informationen über die Ursachen des schrecklichen Schwebebahnunfalls erhalten", so Ursula Kraus, Sprecherin der SPD-Gruppe im WSW-Aufsichtsrat. Im Lichte dieser Informationen müsse das Sicherheitskonzept für den Schwebebahnumbau intensiv überprüft und - falls nötig - weiter ausgebaut werden. Dazu gehöre nach den Vorstellungen der SPD-Fraktion auch eine zusätzliche Sicherheitskontrolle durch einen Vorzug.

"Bisher wurde dem Aufsichtsrat auf mehrfache Nachfrage immer wieder mitgeteilt, dass alle notwendigen Sicherheitsmaßnahmen für den Schwebebahnumbau getroffen wurden. Jetzt gilt es die Schwachstellen aufzuspüren und die notwendigen Konsequenzen zu ziehen."
Nach den Worten von Ursula Kraus muss auch die Frage der Verantwortlichkeit beantwortet werden. "Das Sicherheitskonzept sah eine dreifache Kontrolle durch voneinander unabhängigen Prüfinstanzen vor. Die Ermittlungsergebnisse von Staatsanwaltschaft und Polizei müssen zeigen, weshalb die Stahlbaufirma, das unabhängige Ingenieurbüro und die verantwortlichen Mitarbeiter der WSW versagt haben und wer dafür die Verantwortung trägt."
Das Ziel des Schwebebahnausbaus - nämlich die Ertüchtigung und Modernisierung des wichtigsten Wuppertaler Verkehrsmittels – stehe durch das Unglück allerdings nicht infrage, betonte die SPD-Stadtverordnete. Die Schwebebahn sei das Rückgrat des Wuppertaler ÖPNV.
Gerade deshalb könne auf eine Modernisierung nicht verzichtet werden, so Ursula Kraus.

  • Schwebebahnunglück: SPD fordert Prüfung des Sicherheitskonzeptes - Dank an die Helfer (13.04.1999 SPD-Ratsfraktion )

Eine umfassende Aufklärung der Unfallursache und eine intensive Überprüfung aller Sicherheitsmaßnahmen im Rahmen des Schwebebahnumbaus hat die SPD-Ratsfraktion gefordert. "Erst nach dieser Prüfung sollte der Betrieb der Schwebebahn wieder aufgenommen werden", erklärte Manfred Zöllmer, stellvertretender Vorsitzender SPD-Ratsfraktion. Zöllmer bezeichnete die genaue Prüfung des Sicherheitskonzeptes für den Schwebebahnumbau als grundlegende Voraussetzung, um das Vertrauen der Fahrgäste in das wichtigste Wuppertaler Verkehrsmittel zu erhalten.

Das Ziel des Schwebebahnausbaus - nämlich die Ertüchtigung und Modernisierung des wichtigsten Wuppertaler Verkehrsmittels - stehe durch das Unglück nicht infrage, betonte der stellvertretende SPD- Fraktionsvorsitzende. Zöllmer wies darauf hin, dass die Wuppertaler Schwebebahn täglich rund 70.000 Fahrgäste befördere. Die Schwebebahn sei damit das Rückgrat des Wuppertaler ÖPNV. "Die Schwebebahn ist für Wuppertal unverzichtbar. Daher muss sie für das 21. Jahrhundert fit gemacht werden."

Seinen Dank sprach der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende allen Unfallhelfern - der Polizei, der Feuerwehr, den Ärzten und den freiwilligen Helfern - aus.“Der schnelle und unermüdliche Einsatz vieler Helferinnen und Helfer hat dazu beigetragen, Menschenleben zu retten und Leid zu lindern."

Ausdrücklich begrüßt hat die SPDH Ratsfraktion den Hilfsfonds, den die WSW für die Unfallopfer eingerichtet haben . "Schnelle und unbürokratische Hilfe ist das Gebot der Stunde", so Manfred Zöllmer.

Knapp 48 Stunden nach dem tragischen Absturz der Wuppertaler Schwebebahn hat Bürgermeister Hermann Josef Richter die WSW als Betreiber zu schnellem Handeln aufgefordert.
In einem Brief wünscht Richter die lückenlose Klärung der Tragödie.
 

An den
Vorstand der Wuppertaler Stadtwerke
Zu Hnd. Herrn Direktor Hübner
Bromberger Straße 39

42281 Wuppertal
 

Wuppertal, den 13. April 1999
 

Sehr geehrter Herr Direktor Hübner,

das tragische Schwebebahnunglück am gestrigen Montag wirft unerwartet dunkle Schatten auf die fast 100jährige Geschichte unseres Wuppertaler Wahrzeichens.

Die Hinterbliebenen der Todesopfer, sowie die vielen zum Teil schwer verletzten Menschen werden den verheerenden Absturz der Schwebebahn wohl nie vergessen können. Ihnen wünsche ich viel Kraft und Mut in diesen schweren Stunden der Trauer und Angst.

Meine Gedanken sind aber auch bei den Betreibern der Schwebebahn, den Wuppertaler Stadtwerken. Bis zu der Tragödie galt das Wahrzeichen unserer Stadt als das „sicherste Verkehrsmittel“ überhaupt - am Montag hat dieser einst einwandfreie Ruf schweren Schaden genommen. Das Vertrauen wiederherzustellen, bedarf viel Kraft, viel Mut und auch großer Überzeugungskraft. Ohne die Schwebebahn,. ist Wuppertal bei aller Tragik der vergangenen 48 Stunden auch in Zukunft nicht denkbar.

Die menschliche Tragödie des Schwebebahnunglücks ist unermesslich - doch bei aller Trauer muss jetzt auf schnellstem Wege ein Kontrollsystem gefunden werden, das eine weitere Katastrophe in Wuppertal ausschließt und die Wuppertaler neuen Mut und volles Vertrauen schöpfen lässt Vertrauen wächst aber nur bei absoluter Offenheit und Ehrlichkeit im Umgang miteinander.
Dazu gehört auch die Feststellung, dass das bisherige Sicherheitskonzept „Ausbau Schwebebahn" gescheitert ist.

Völlig im Unklaren liegt der genaue Ablauf des dreifachen Sicherheits-Checks. Nicht einwandfrei klärbar scheint auch zu sein, in welcher Weise sich die drei unterschiedlichen
Ebenen (Baufirma, Ingenieurbüro, WSW AG) wechselseitig kontrollieren.

Die Frage nach einem Sicherheitszug, der die Strecke ohne Fahrgäste noch einmal vorab kontrolliert, wurde völlig widersprüchlich beantwortet Mitarbeiter der WSW AG erklären einerseits, dass solche Fahrten zu Beginn der Bahnarbeiten vorgesehen waren. Die Führung der WSW erklärt dagegen, dies sei nicht nötig. Der Aufsichtsratsvorsitzende seinerseits stellt aber fest, dass man zukünftig entsprechende Vorab-Fahrten durchführen werde.

Wenn solche Vorab-Sicherheitsfahrten notwendig und sinnvoll sind, stellt sich die Frage, weshalb sie nicht verbindlich eingeführt, bzw. wieder eingestellt wurden.
In diesem Zusammenhang bitte ich Sie mir deshalb definitiv mitzuteilen, wann ein solcher Sicherheitszug zuletzt eingesetzt wurde.

Die öffentlichen Vorwürfe, am Montag Morgen seien die Arbeiten sehr spät beendet worden und die Sicherheits-Checks unter extremen Zeitdruck ausgeführt worden, bedürfen ebenfalls einer Antwort. Hierzu möchte ich allerdings deutlich machen, dass Sicherheit immer und in jedem Falle vor Zeitknick geht.

Sehr geehrter Herr Direktor Hübner, wie ich zutiefst davon überzeugt bin, dass die WSW sich ihrer hohen und letztendlichen Verantwortung für die Sicherheit ihrer Fahrgäste bewusst sind, bin ich ebenfalls davon überzeugt, dass die Beantwortung der von mir an dieser Stelle und im Ältestenrat gestellten Fragen in unser aller Interesse ist.

Ihr

Hermann Josef Richter

  • SPD: Das gesamte Umbaukonzept für die Schwebebahn muss auf den Prüfstand - Umbaumaßnahmen vorläufig stoppen (16.04.1999 SPD-Fraktion )

„Wir müssen aus dem tragischen Schwebebahnunglück Konsequenzen ziehen. Daher muss das gesamte Umbaukonzept für die Schwebebahn auf den Prüfstand", dies erklärte heute Ursula Kraus, Sprecherin der SPD-Gruppe im Aufsichtsrat der WSW. Im Licht des Schwebebahnunglücks müsse das Umbaukonzept von unabhängigen Experten daraufhin überprüft werden, ob der geplante Umbau an den Wochenenden die notwendige Sicherheit bieten könne. „Diese Prüfung wird eine wichtige Aufgabe des von Oberbürgermeister Hans Kremendahl eingesetzten Professorenteams sein. Aber auch der TÜV und andere Prüfinstitutionen sind in diesen Prozess einzubinden", so Ursula Kraus.

Die SPD-Ratsfraktion fordert die Wuppertaler Stadtwerke auf, Alternativvorschläge zu den bisherigen Umbauplänen zu entwickeln. Ursula Kraus: „Denkbar ist zum Beispiel ein kompletten Umbau oder die Reduzierung auf wenige Bauabschnitte."

Um eine Entscheidung über das zukünftige Umbaukonzept treffen zu können, müssen die WSW nun darstellen, welche organisatorischen, terminlichen und finanziellen Konsequenzen ein neues Umbaukonzept habe. „Bis zu dieser Entscheidung dürfen keine weiteren Umbaumaßnahmen mehr vorgenommen werden. Die Sicherheit der Fahrgäste hat absoluten Vorrang", so Ursula Kraus abschließend.

  • Wuppertaler SPD fordert Überprüfung des Schwebebahn-Umbau-Konzepts (19.04.1999 SPD-Unterbezirk )

Der Parteitag der Wuppertaler SPD unterstützt Oberbürgermeister Dr. Hans Kremendahl und die Ratsfraktion der SPD ausdrücklich in der Forderung nach einer Überprüfung des Umbaukonzeptes der Schwebebahn. Kremendahl verlangte zu prüfen, ob der Komplettumbau gegenüber dem Wochenendumbau eine höhere Sicherheit gewährleistet, technisch machbar und finanziell darstellbar sei.

Zu vereinzelt aufgetretener Kritik, dass er als Aufsichtsratsvorsitzender der WSW gegenüber deren Vorstand z. B. den Einsatz von Probezügen "angeordnet" habe sagte Kremendahl: "Mein Amtseid, mit dem ich gelobt habe, Schaden von unserer Stadt abzuwenden, ist mir wichtiger, als gewisse Einzelheiten des Aktienrechtes."

  • SPD zu Rücktrittsforderungen: Hans Kremendahl gewinnt das Vertrauen der Bürger in den Schwebebahnumbau zurück (20.04.1999 SPD-Fraktion )

Die Rücktrittsforderungen an die zwei amtierenden Vorstandsmitglieder der WSW sind von der SPD-Ratsfraktion begrüßt worden "Mit seinen Rücktrittsforderungen hat Hans Kremendahl die Weichen gestellt, um das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in den Schwebebahnumbau zurückzugewinnen", so Manfred Zöllmer, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion.

"Mit Entschiedenheit führt Oberbürgermeister Hans Kremendahl die Wuppertaler Stadtwerke aus der Vertrauenskrise, in die sie in den Tagen nach dem tragischen Schwebebahnunglück geraten sind", so Manfred Zöllmer. Ein Rücktritt der beiden Vorstandsmitglieder ermögliche nach Auffassung der SPD-Ratsfraktion den dringend erforderlichen Neuanfang' so Zöllmer.

Die SPD-Ratsfraktion begrüßt, dass es Hans Kremendahl nicht nur Personalforderungen gestellt habe. Zu den positiven Schritten der vergangenen Woche zählt Manfred Zöllmer u.a. die Überarbeitung des Sicherheitskonzeptes, die Anordnung eines Vorzuges und die Prüfung, ob der Ausbau der Schwebebahn in einem oder mehreren großen Blöcken durchgeführt werden soll. "In all diesen Fragen hat Oberbürgermeister Hans Kremendahl die Initiative ergriffen."

Nach Auffassung von Manfred Zöllmer haben CDU und Grünen erneut gezeigt, dass sie eine tiefsitzende Angst vor der Übernahme kommunalpolitischer Verantwortung haben.

"Einmal mehr haben sich beide Parteien aus der Verantwortung für Wuppertal gestohlen." Dies zeige auch die Tatsache, dass beide Fraktionen nicht gesprächsbereit gewesen seien "Gesprächsangebote des Oberbürgermeisters und der SPD-Ratsfraktion wurden abgelehnt."

  • Schwebebahnausbau geht weiter - Erste Feststellungen der Technischen Aufsichtsbehörde liegen vor (12.05.1999)

Die Wiederaufnahme des Fahrbetriebs soll nach den Planungen der WSW Anfang Juni erfolgen. Der genaue Zeitpunkt wird in den nächsten Tagen festgelegt werden. Die zur Entscheidung erforderlichen statischen Gutachten stehen zum Teil noch aus. Zur Zeit werden Reparaturmaßnahmen am Fahrgerüst im Bereich der Unfallstelle vorgenommen. Diese umfassen unter anderem das Auswechseln von vier Brückenlagern, den Ausbau und Ersatz von circa fünf Meter Fahrschienenträger und Fahrschiene im Bereich der Unfallstelle und die Erneuerung der unteren, horizontalen Fachwerkebene (Ebene des Bohlenbelages) im Bereich der Unfallstelle. Den Reparaturarbeiten liegen umfangreiche statische Berechnungen zur Aufstellung von Stützgerüsten und den Auswirkungen des Unfalls auf das Gerüst von externen Ingenieurbüros und Sachverständigen zugrunde. Das Vorgehen wurde und wird laufend mit der Technischen Aufsichtsbehörde (TAB) abgestimmt. Aufgrund der längeren Betriebseinstellung werden vor Wiederaufnahme des Schwebebahnbetriebs umfangreiche Sicherheitsprüfungen durchgeführt. Dazu zählen eine spezielle Inspektion des gesamten Gerüsts einschließlich der Stützen und Messfahrten mit den in der Zwischenzeit haupt- beziehungsweise zwischenuntersuchten Fahrzeugen.

Erste Feststellungen der Technischen Aufsichtsbehörde

Die Bezirksregierung Düsseldorf als Technische Aufsichtsbehörde hat zwischenzeitlich festgestellt: Das Überwachungs- und Aufsichtskonzept der WSW (Sicherheitskonzept) weist keine offenkundigen organisatorischen Schwachstellen auf. Es bestehen keine Einwände gegen die Art der Dokumentation. Die entscheidende Voraussetzung für die Betriebsfreigabe ist die Mitteilung der Prüfergebnisse vor Ort an die bahntechnische Aufsicht und deren Freimeldung an die Leitstelle. Die Unterschrift des Betriebsleiters kann später erfolgen, da er sich bei Wahrnehmung der Aufsicht in betriebstechnischer Hinsicht anderer sachkundiger Mitarbeiter bedient. Alle Fahrten nach Abschluss von Bauarbeiten sind an die vorherige Feststellung der bau- und betriebstechnischen Sicherheit gebunden. Dabei bestehen - auch nach Auffassung der TAB - gegen eine zeitnahe Dokumentation der Einzelprüfungen und ihre Bestätigung durch Unterschriften nach Betriebsaufnahme keine grundsätzlichen Bedenken. Entscheidend ist die vollständige und gewissenhafte Prüfung unbeschadet deren schriftlicher Bestätigung. Unabhängig von diesen Feststellungen der Technischen Aufsichtsbehörde haben die WSW den TÜV Rheinland damit beauftragt, die Sicherheitsvorschriften zu überprüfen und die Einhaltung der bestehenden Regelungen und Anweisungen zu untersuchen. Das Gutachten des TÜV Rheinland liegt noch nicht vor. Die Staatsanwaltschaft wurde umfassend informiert. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sind noch nicht abgeschlossen. Alle Schwebebahnfahrten nach Abschluss von Ausbaumaßnahmen sind an die vorherige Feststellung der bau- und betriebstechnischen Sicherheit gebunden. Damit das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Zuverlässigkeit und Leistungsfähigkeit der Schwebebahn wieder hergestellt wird, werden die WSW vor Inbetriebnahme des Personenverkehrs nach Beendigung von Ausbauarbeiten vorerst einen Schwebebahnzug die Strecke befahren lassen. Diese Maßnahme zeigt, dass die WSW die Sorgen der Bevölkerung ernst nehmen.

Weiterer Ausbau der Schwebebahn

Die Notwendigkeit zur Fortführung des Schwebebahnausbaus besteht unverändert. Aufgrund der bisherigen Erkenntnisse und Erfahrungen mit dem Montagekonzept besteht keine Veranlassung, dieses Konzept im Grundsatz in Frage zu stellen. Der Konzeption liegen umfangreiche Untersuchungen zu verkehrlichen, betrieblichen, wirtschaftlichen und technischen Fragestellungen zugrunde. Es wird hausintern bei WSW geprüft, ob neben den Wochenendarbeiten auch eine Montage in zusammenhängenden Zeitblöcken möglich ist. Die Untersuchungsergebnisse werden Ende Juni vorliegen. Ziel ist es, nach der Sommerpause die Ausbauarbeiten fortzusetzen. Nach Wiederinbetriebnahme der Schwebebahn wird bis zu den Sommerferien kein Gerüstaustausch an Wochenenden durchgeführt. Für den Einbau schwerer Bahnhofsteile am Robert-Daum-Platz sind verlängerte Betriebspausen erforderlich. Die genauen Termine werden rechtzeitig bekanntgegeben. Die WSW wollen bis zur Wiederaufnahme des Fahrbetriebs die verbleibende Zeit für Montagearbeiten nutzen. Inwieweit dies seitens der Firma Lavis möglich ist, wird zur Zeit geklärt. Die "Re-Montagearbeiten" an der Haltestelle Robert-Daum-Platz haben inzwischen mit dem Einbau einer Montageplattform begonnen. Die vorgesehene Betriebseinstellung in den Sommerferien (vom 26.06. bis 25.07.1999) mit dem Gerüstaustausch in den Trassierungsabschnitten Kluser Bogen und Alsenstraße wird beibehalten. Falls logistisch notwendig und möglich, soll der Zeitraum der Betriebseinstellung um circa eine Woche nach vorne verlängert werden, um Vorlaufarbeiten an der Ankerstütze 224 zu ermöglichen. Die weiteren Montagearbeiten werden erst dann aufgenommen, wenn die WSW Gelegenheit erhalten haben, die Schlüssigkeit und Vollständigkeit des internen Kontrollsystems der Firma Lavis nachzuprüfen.

  • Aus dem Polizeibericht (15.05.1999)

Polizeibericht zur Bergung der Schwebebahn
Die Bergung der Schwebebahn wurde am Dienstag, 13.04.1999 vorbereitet. Dabei mussten viele Probleme gelöst und Möglichkeiten verworfen werden. So konnte der bisherige Rettungsweg neben einem Büro- / Wohnhaus nicht als Standort für den 300-Tonnen-Kran festgelegt werden, da eine Tiefgarage statische Probleme brachte. Am anderen Wupperufer bot sich der Hof der Firma ELBA an, obwohl der direkte Zugang zur Unglücksstelle durch ein Produktionsgebäude versperrt war.

Der Kran wurde dort im Laufe des Tages in Position gebracht, ein Bagger in die Wupper gelassen.
In Vorbereitung der eigentlichen Bergung musste dann die Stahlkonstruktion einer Fernwärmeleitung, auf die die Schwebebahn geprallt war, abgetrennt werden.
Zwischenzeitlich wurden mehrere Halogen-Scheinwerfer am Schwebebahngerüst montiert und ein Lichtmastwagen der Polizei in Position gebracht. Bei einsetzender Dunkelheit war der Unfallort taghell  beleuchtet.

Die Arbeiten wurden in der Nacht zum Mittwoch, 14.04.1999 weitergeführt.

Von dem 22 Tonnen schweren Gelenkzug wurden zunächst drei Fahrgestelle abgeschraubt, von denen jedes ein Gewicht von ca. 3.5 Tonnen hat. Diese Teile wurden im Tagesverlauf von dem Kran über die Werkshallen der Firma ELBA auf einen Sattelschlepper gehoben, der auf der gesperrten Ernststraße abgestellt war.
Das vierte Fahrgestell, welches bei dem Unglück abgerissen und in die Kabine der Schwebebahn gestürzt war, musste später geborgen werden.

Jetzt konnte das erste große hintere Teil des Gelenkzuges gelöst und aus dem Wupperbett gehoben werden.
Bis zum Abend wurde auf diese Art und Weise der Schwebebahnzug in drei Teile zerlegt und in eine Halle der Bundeswehrkaserne auf Lichtscheid transportiert. Diese Arbeiten konnten dann bis gegen 21.30 Uhr abgeschlossen werden.
Staatsanwaltschaft, Ermittlungskommission der Polizei und ein Sachverständiger beginnen jetzt mit der weiteren Spurensuche am Unglückszug. Das Gleisstück des Schwebebahngerüstes, an dem die verhängnisvolle Kralle befestigt ist, wird voraussichtlich am Freitag, 16.04.1999 entfernt und sichergestellt.

  • CDU: Zwangspause für Schwebebahnausbau nutzen (21.05.1999, CDU-Wuppertal )

Seit dem tragischen Verkehrsunfall am 12. April 1999 steht die Schwebebahn still. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. "Warum nutzen wir diese Zwangspause nicht, um den Schwebebahnausbau voran zu treiben", wundert sich CDU-Fraktionsvorsitzender Bernhard Simon darüber, dass die Wuppertaler Stadtwerke (WSW) in diese Richtung bislang scheinbar untätig geblieben sind. "In der Öffentlichkeit ist auch immer noch nicht genau bekannt, wann die Schwebebahn wieder fährt."

In den vergangenen Wochen sei darüber diskutiert worden, dass ein Ausbau der Schwebebahn unterteilt in längeren Zeitabschnitten sinnvoller sei als das Arbeiten am Wochenende. "Jetzt haben wir zwangsweise viel Zeit, die wir nicht ungenutzt verstreichen lassen dürfen." Zwar könne an der Unglücksstelle derzeit nicht weiter gearbeitet werden. "Aber es gibt noch viele Stützen an anderer Stelle, die ausgetauscht werden müssen."

In Oberbarmen liege beispielsweise etliches Material im Bett der Wupper bereit. Doch von Bauaktivitäten ist bislang keine Spur. Bernhard Simon erwartet von der WSW, dass in den kommenden Tagen die Öffentlichkeit darüber informiert wird, wann und wie der Schwebebahnausbau weitergeht und wann der erste Zug wieder rollt.

  • Wuppertaler Schwebebahn fährt wieder - Probe- und Testfahrten erfolgreich gelaufen (08.06.1999)

Die Wuppertaler Schwebebahn hat am 8. Juni 1999 um 12.30 Uhr ihren Fahrbetrieb wieder aufgenommen. Acht Wochen nach dem tragischen Unglück vom 12. April 1999 startete ein Probezug von der Station Vohwinkel zu einer ersten Runde durch das Tal. Anschließend nahm Wuppertals wichtigstes Nahverkehrsmittel den planmäßigen Fahrbetrieb wieder auf.

An Bord des Probezuges erlebten, wie unmittelbar nach dem Unglück angekündigt, Wuppertals Oberbürgermeister Dr. Hans Kremendahl, WSW-Vorstandsvorsitzender Dr. Rolf Krumsiek, zahlreiche geladene Gäste und die Presse die von den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt sehnlichst erwartete Wiederinbetriebnahme der auf der Welt einzigartigen Schwebebahn.

"Die Wunden, die das Unglück uns allen geschlagen hat, sind zwar noch nicht verheilt, aber die Schwebebahn bleibt für Wuppertal unverzichtbar. Ihr Ausbau muss weitergehen", erklärte WSW-Vorstandsvorsitzender Dr. Rolf Krumsiek bei dieser Gelegenheit noch einmal unmissverständlich. Oberbürgermeister Dr. Hans Kremendahl, Aufsichtsratsvorsitzender der Wuppertaler Stadtwerke AG, der sich nach dem Unglückstag mit großem Engagement persönlich für die Verletzten und die Angehörigen der Opfer eingesetzt hatte, bestätigte: "Die Schwebebahn genießt nach wie vor unser Vertrauen. Die weitaus meisten Wuppertaler wollen und werden, das weiß ich aus vielen Gesprächen, wieder mit der Schwebebahn fahren."

Die WSW bedanken sich bei den Wuppertalerinnen und Wuppertalern für die Geduld in den Wochen nach dem schrecklichen Unglück und für das entgegengebrachte Vertrauen. Hostessen verteilten zunächst in den frühen Morgenstunden an die Fahrgäste der SchwebebahnExpress-Busse Grußkarten mit beigelegten Schokoriegeln und der Aufschrift "Danke für Ihre Geduld". Zur Begrüßung wartete auf die Fahrgäste der ersten planmäßigen Schwebebahn-Gelenkzügen ebenfalls ein Schokoladengruß mit der Botschaft "Danke, dass Sie mit uns fahren! Ab heute bringt sie die Schwebebahn wieder zügig und bequem durchs Tal. Ihre WSW". Mobilitätsberater beantworteten viele Fragen rund um das aktuelle Fahrplanangebot, Servicekräfte halfen den Fahrgästen nach besten Kräften.

Den von den Mitarbeitern der WSW-Schwebebahnwerkstatt durchgeführten Reparaturarbeiten vorausgegangen, waren umfangreiche statische Berechnungen zur Aufstellung von Stützgerüsten und den Auswirkungen des Unfalls auf das Gerüst von externen Ingenieurbüros und Sachverständigen. Zahlreiche Sicherheitsprüfungen wurden durchgeführt, darunter eine spezielle Inspektion des gesamten Gerüstes einschließlich Stützen und Messfahrten mit den fünf in der Zwischenzeit haupt- und zwischenuntersuchten Gelenkzügen. Umfangreiche Rangierarbeiten in den Endstationen Vohwinkel und Oberbarmen waren erforderlich, um die Züge wieder in Ausfahrtstellung zu bringen.

Der seit dem Unfalltag eingerichtete SchwebebahnExpress-Verkehr verlangte von den WSW-Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern große Anstrengungen. Alle Mitarbeiter, die im Besitz einer gültigen Busfahrerlaubnis sind, stellten sich zur Verfügung, darunter auch zahlreiche Schwebebahnfahrer. Andere Schwebebahnfahrer, die nicht im Besitz dieser Fahrerlaubnis sind, betätigten sich als Fahrkartenverkäufer an Haltestellen, um den Busverkehr zu beschleunigen. Andere Mitarbeiter verlegten ihren teilweise schon gebuchten Urlaub oder verzichteten auf Freischichten.

Mit den vorbereitenden Arbeiten zur Reparatur der beschädigten Gerüstteile im Bereich der Unfallstelle wurde am 31. Mai 1999 begonnen, nachdem einige Tage zuvor der für den Austausch der Gerüstteile erforderliche Kran auf dem Gelände der Firma ELBA aufgestellt wurde. Die eigentlichen Reparaturarbeiten mit dem Austausch von rund fünf Metern Schienenträger, Fahrschiene und Stromschiene begannen am Mittag des 2. Juni 1999.

  • WSW: TÜV-Gutachten liegt vor - Experten zum Schwebebahnunglück vom 12.April 1999 (10.06.1999)

Der Vorstand der Wuppertaler Stadtwerken AG (WSW) hat wenige Tage nach dem Schwebebahnunglück vom 12.04.1999 den TÜV Rheinland/Berlin-Brandenburg beauftragt, die bestehende Organisation zur Gewährleistung eines sicheren Schwebebahnbetriebs nach Abwicklung wiederkehrender Baumaßnahmen zum abschnittsweisen Austausch des Schwebebahngerüstes zu untersuchen und zu begutachten.
Der Auftrag hat sich erstreckt auf

  1. die Erhebung der zum Unfallzeitpunkt bestehenden Organisationslage
  2. den Abgleich dieser Organisation mit den externen Anforderungen an die Organisation solcher Ausund Einbaumaßnahmen und die Freigabe des Arbeitsergebnisses für den sicheren Fahrbetrieb
  3. die Überprüfung der Implementierung der Organisation in das Unternehmen und
  4. auf die Einhaltung der bestehenden Regelungen und Anweisungen durch die handelnden Kräfte externer Zuleister sowie der Wuppertaler Stadtwerke AG.

Das Gutachten der TÜV Rheinland Sicherheit und Umweltschutz GmbH Institut für Software, Elektronik, Bahntechnik (ISEB) liegt nun vor. Es lässt keine für das Unglück ursächliche Organisationsdefizite im Bereich der Wuppertaler Stadtwerke AG erkennen.
Das Gutachten des TÜV bestätigt damit in seinen wesentlichen Ergebnissen die Auffassung der
Technischen Aufsichtsbehörde, dass das Überwachungs- und Aufsichtskonzept der WSW keine offenkundigen organisatorischen Schwachstellen aufweist.

1. Nach den Feststellungen des TÜV war die Bauleitung der Arbeitsgemeinschaft (ARGE) unter der Führung der Lavis GmbH verpflichtet, durch die Organisation der Baustelle einschließlich Führung ihrer örtlichen Aufsicht allen gesetzlichen Pflichten für einen Baustellenbetrieb sowie allen vertraglichen Pflichten gegenüber dem Auftraggeber WSW zu genügen. Sie hatte durch gute Organisation sämtliche Fehlleistungen zu vermeiden. Dies ist ihr nach den Feststellungen des TÜV nicht gelungen.
In dem Gutachten des TÜV werden zahlreiche Vertragsbestimmungen und Dienstanweisungen zitiert, die die Gefahrensicherung und die Aufgabe der Verkehrssicherheit betreffen. Der TÜV bestätigt hierzu im einzelnen, dass die ARGE unter der Führung von Lavis für die ordnungsgemäße Demontage der Dilatationsüberbrückungen nach Beendigung der Bauarbeiten verantwortlich war. Es wird festgestellt, dass die Demontage der Dilatationsüberbrückung an der Stütze 206, dem späteren Unfallort, im Tagesbericht der ARGE eingetragen ist, obwohl diese Demontage nicht abgeschlossen worden war. Der ARGE wird vorgehalten, nicht nur diesen höchst sicherheitsrelevanten Fehler begangen zu haben, sondern auch wahrheitswidrig einen nicht erfolgreich abgeschlossenen Arbeitsschritt als erfolgreich abgeschlossen dokumentiert zu haben.

2. Zur bestehenden Organisation innerhalb WSW führt der TÜV aus, dass die für die Schwebebahn gewählte organisatorische Einbindung des Betriebsleiters den gefestigten Grundregeln der guten Organisation entsprach und nicht zu beanstanden ist. Zu den in Zusammenhang mit der Freigabe des Bahnbetriebs stehenden Formularen und dem Unterschriftsverfahren stellt der TÜV fest, dass die Dokumentation der zwingend vorgeschriebenen Prüfungen keinen Einfluss auf die Betriebsaufnahme hatte, die Formblätter vielmehr deklaratorischen Charakter hatten. Gleichwohl empfiehlt der TÜV eine klarstellende Änderung der Betriebsfreigabeformulare. Dies ist von WSW inzwischen veranlasst worden. Als Schwachpunkte im Bereich der Organisation sind nach Meinung des TÜV darüber hinaus uneinheitliche Anweisungen zu werten. Die Möglichkeiten von Missverständnissen hinsichtlich Schnittstellenregelungen, hinsichtlich Weisungslinien und Stellvertreterbeziehungen zwischen Bauüberwachung und der Bahntechnischen Aufsicht der WSW wurde nach Ansicht des TÜV durch die bestehende Regelungslage nicht optimal vermieden.  Der TÜV betont aber in diesem Zusammenhang nachdrücklich, dass hier ein solches Missverständnis als Unfallursache nicht festgestellt werden kann.
Zur Bauüberwachung und Bahntechnischen Aufsicht der WSW bestätigt der TÜV, dass die hierfür eingesetzten Mitarbeiter die Aufgabe hatten, vor Freigabe des Bahnbetriebes u. a. die Freiheit des Fahrprofils zu überprüfen, und unbeschadet der dargestellten Organisationsschwächen in der Lage waren, diese Pflicht zu erfüllen. Die Mitarbeiter der Bauüberwachung und der Bahntechnischen Aufsicht unterlagen einer planmäßigen Einweisungssystematik mit regelmäßigen Vertiefungsveranstaltungen, die dem jeweiligen aktuellen Erfahrungsstand aus dem Umbauprozess angepasst wurden. Dennoch bleibt auch für den TÜV unklar, aus welchem Grund die fehlerhaft am Fahrweg verbliebene Eisenkralle nicht entdeckt worden war.

3. Zur Funktion der Technischen Aufsichtsbehörde und des mit der Bauaufsicht betrauten
Ingenieurbüros Grassl GmbH führt der TÜV aus, dass der Auftrag an das Ingenieurbüro über die Bauaufsicht unter anderem den Punkt "Abnahme der Konstruktion (Brücken- und Stützenaustausch) zur Betriebsfreigabe" enthielt und Mitarbeiter des Ingenieurbüros während der Baumaßnahme am Unfallwochenende auf der Baustelle waren, dennoch die Eisenkralle nicht entdeckt hatten. Der TÜV stellt die Praxis der TAB als diskussionswürdig dar, behördliche Aufsichtspflichten auf externe Dienstleister zu übertragen, die von den "zu überwachenden Bauherren oder Anlagenbetreibern selbst ausgewählt und bezahlt werden".
Hierzu möchte WSW ausdrücklich feststellen, dass das Ingenieurbüro Grassl nicht die WSW als Bauherrn oder Anlagenbetreiber zu überwachen hatte, sondern die Leistung der ARGE in brückenbautechnischer Hinsicht.

  • TÜV-Gutachten bringt es auf den Punkt - Kremendahls Forderungen nach Rücktritt der WSW-Vorstandsmitglieder waren völlig unangebracht (10.06.1999, Bürgermeister Richter )

"Ich bin froh, dass nun auch ein unabhängiger Prüfer wie der TÜV bestätigt, wie unsinnig die Forderungen des Aufsichtsratsvorsitzenden Dr. Hans Kremendahl nach dem Rücktritt der beiden WSW-Vorstandsmitglieder Alfred Böhm und Rainer Hübner waren", kommentiert Bürgermeister Hermann Josef Richter das TÜV-Gutachten zum Schwebebahnunglück.

Anstatt die Katastrophe mit Sachverstand und ohne jede Polemik gründlich zu prüfen, um das Vertrauen der Wuppertalerinnen und Wuppertaler in das Wahrzeichen ihrer Stadt zurückzugewinnen,  habe Oberbürgermeister Kremendahl die einfachste und unmenschlichste  Art des Handelns gewählt nach dem Motto "der Mohr hat seine Schuldigkeit getan. Der Mohr kann gehen."

Richter: "Jetzt beweisen die unabhängigen Gutachter schwarz auf weiß, dass es sich nicht um mangelhafte Arbeit seitens der WSW und derer beiden Vorstandsmitglieder gehandelt haben kann und bestätigen CDU und Grüne, die den Populismus des Oberbürgermeisters nicht mittragen wollten und sich vehement gegen den Rücktritt von Hübner und Böhm ausgesprochen hatten."

Richter weiter: "Als die Katastrophe Wuppertal im April erschüttert hatte, war der Oberbürgermeister schnell mit Worten dabei. Jetzt fährt die Schwebebahn wieder, der TÜV-Bericht liegt vor und der Oberbürgermeister schweigt."

 

  • Wie sicher ist die Schwebebahn denn nun, Herr Kremendahl - Bürgermeister Richter ist entsetzt über mangelnde Sicherheitsstandards der Vergangenheit (17.06.1999 Bürgermeister Hermann Josef Richter )

"Dass die Schwebebahn während der Sommerferien fährt, ist angesichts des neuesten Informationsstandes aus dem Aufsichtsrat der WSW alles andere als eine frohe Botschaft", äußert sich Bürgermeister Hermann Josef Richter erstaunt über anderslautende Kommentare in der Tagespresse. Die Nachricht, dass in der Vergangenheit scheinbar unbemerkt bis heute Stahlteile ohne Prüfstempel in das Gerüst des Wuppertaler Wahrzeichens eingebaut wurden, sei schockierend und werfe wiederum ein ganzes Paket von Fragen auf, betont Richter.

"Wer trägt hier eigentlich die Verantwortung; was wusste der ehemalige technische Direktor Zemlin und wenn er nichts wusste, warum? Das gleiche frage ich mich in Hinblick auf den Aufsichtsratsvorsitzenden. Wissen oder Unwissen - in beiden Fällen liegt es mehr als nahe, von verletzter oder versäumter Aufsichtspflicht zu sprechen", erklärt Richter.

Richter weiter: "Um es auf den Punkt zu bringen: Die Nachricht über die ungeprüften Ersatzteile hat mich vom Hocker gerissen. Jedes Auto muss durch den TÜV-Stempel seine Verkehrstauglichkeit beweisen, bevor es auf die Straße geht und jede Baumaßnahme muss üblicherweise bis ins Detail geprüft werden. Ausgerechnet bei unserer Schwebebahn, die täglich rund 70.000 Menschen befördert, wurde auf entsprechende Präventivmaßnahmen verzichtet. Das ist unverantwortlich."

Wenn es nicht so ernst wäre, was hier an den Tag gebracht wurde, müsse man sagen, dass der Prüfstempel an sich zur wahren Posse verkomme. Bürgermeister Richter: "Viel wichtiger ist aber jetzt die Frage, wie sicher unsere Schwebebahn wirklich ist. Diese Frage drängt sich förmlich auf und viele Wuppertalerinnen und Wuppertaler werden sich wohl fragen, ob sie zusteigen wollen - ob in oder nach den Sommerferien! Und die Bürger haben ein Recht auf Aufklärung!"

  • Schwebebahn: Mittwoch Gegen 11.00 Uhr Verzögerungen möglich - Gedenkstunde zum Jahrestag des Schwebebahnunfalls (11.04.2000)

 Am Mittwoch, 12. April 2000, kann es gegen 11.00 Uhr aufgrund der Gedenkstunde anlässlich des Jahrestags des Schwebebahnunfalls zu kurzen zeitlichen Verzögerungen im Betriebsablauf der Schwebebahn kommen.

Die WSW bitten die Fahrgäste um Verständnis.
 

  • Gedenktafel für Schwebebahnopfer enthüllt. WSW gedenkt des schwersten Schwebebahnunfalls genau vor einem Jahr (12.04.2000)

Im Rahmen einer Gedenkfeier enthüllten Wuppertals Oberbürgermeister Dr. Hans Kremendahl und der Vorstandsvorsitzende der Wuppertaler Stadtwerke AG, Dr. Rolf Krumsiek, in der Schwebebahn-Station Robert-Daum-Platz eine Gedenktafel zur Erinnerung an die Opfer des Schwebebahnunglücks vom 12. April 1999.

Unweit dieser Schwebebahn-Station hatte sich vor Jahresfrist unmittelbar nach einem Ausbau-Wochenende der schwerste Unfall in der bald 100jährigen Geschichte des auf der Welt einmaligen Nahverkehrsmittels zugetragen. Fünf Menschen starben, 47 weitere wurden verletzt.

Dr. Rolf Krumsiek in seiner Rede: "Wir trauern um die Opfer des Unglücks. Unser tiefes Mitgefühl gilt den Angehörigen, und unsere Sorge gilt den Verletzten, denen wir mit materieller und psychologischer Hilfe von der ersten Stunde an zur Seite gestanden haben und auch in Zukunft helfen werden."

"Mitgefühl", so Dr. Krumsiek, "verdienen auch diejenigen, die mit der Tatsache leben müssen, dass ihr Verhalten, wenn auch ohne Vorsatz, für diesen Unfall mit seinen tragischen Folgen ursächlich gewesen ist."

Das tragische Schwebebahnunglück soll nicht in Vergessenheit geraten. Mit der Gedenktafel, die auf dem südlichen Bahnsteig der Station Robert-Daum-Platz angebracht ist, soll die Erinnerung an die Menschen wachgehalten werden, die bei dem Unglück ihr Leben verloren haben oder verletzt worden sind. Dr. Krumsiek mahnte: "Wir müssen alles tun, damit sich ein solch schlimmes Unglück nicht mehr wiederholen kann."

In der Zwischenzeit haben die WSW rund 1,3 Millionen DM Schadensersatz, Schmerzensgeld, Heilbehandlungs- und Beerdigungskosten usw. an die Hinterbliebenen und Betroffenen bezahlt. Die Abwicklung der Schadensfälle kann aus unterschiedlichen Gründen noch nicht abgeschlossen werden. Außerdem bieten die WSW den Betroffenen weiterhin psychotraumatologische Hilfe durch Fachärzte an.

Die Gesamtkosten, die dem Unternehmen durch das Unglück entstanden sind, belaufen sich bis heute auf weit über 8 Millionen DM.

Der Schwebebahnbetrieb wurde am 8. Juni 1999, rund acht Wochen nach dem Unglück, wieder aufgenommen.

  • 31.01.2002 Revisionsentscheidung des BGH in Karlruhe - kein Freispruch!

Am 31.01.2002 hatte der Bundesgerichtshof über die Revisionen aus dem Schwebebahn-Prozess zu entscheiden. Die mündliche Verhandlung, bei der rund 20 Anwälte gehört wurden, dauerte bis zum Mittag. Die Richter des 4. Strafsenats des BGH prüften die Urteile des Wuppertaler Landgerichts. Wegen des Schwebebahnabsturzes am 12. April 1999 waren schon 2 WSW-Mitarbeiter zu Bewährungsstrafen und ein Baustellen-Leiter zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Der Betriebsleiter der Schwebebahn und vier weitere Arbeiter waren damals freigesprochen worden. Nun wird das Landgericht Wuppertal die Schuldfrage der Freigesprochenen erneut klären müssen. Der BGH war der Ansicht, dass eine nicht zu ignorierende Eigenverantwortung der vier Arbeiter vorläge, welche die unvallverursachende 100 kg schwere Stahlkralle montiert hatten, da es sich hierbei um "eine höchst brisante Gefahrenquelle" gahndelt habe. Der ehemalige Freispruch sowie die Qualität der Unteruchung, die zum Freispruch führte, muss nun durch eine erneute und exaktere Untersuchung am Landgericht erneut verhandelt werden (Aktenzeichen: 4 StR 289/01). Damit müssen die zuvor Freigesprochenen nun doch noch mit Geld- oder Bewährungsstrafen rechnen.

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