Die Treibnetzfischerei und Wege der GRD zu ihrer Bekämpfung Vorstellung des Kontrollprogramms (IMP) des Earth island Institute (Ell) Ausdehnung des Kontrollprogramms auf Deutschland durch die GRD
Liste der Thunfischimpoteure, die vom Ell und der GRD bestätigt sind
Was sind Treibnetze?
Auf fast allen Weltmeeren, auch im Mittelmeer, wird Thunfisch mit riesigen Treibnetzen (ein einziges kann bis zu 100 km lang sein!) gefangen. Da sich unterschiedslos alle Meerestiere in den riesigen Netzen aus feinem Nylon verfangen, sterben als nutzloser ,,Beifang" Delphine, Wale, Haie, Robben, Meeresschildkröten und Seevögel. Jedes Jahr sind es Millionen sinnlos und grausam getöteter Tiere. Der Beifang macht oftmals mehr als die Hälfte des gesamten Fangs aus. Eine UNO-Resolution verbietet zwar seit 1992 den Einsatz von Treibnetzen, leider aber ohne jeden sichtbaren Erfolg. Zudem erging im Sommer 1995 entgegen der Entscheidung des Europäischen Parlaments und entgegen der Empfehlung der Brüsseler Kommission - der Beschluß des EUMinisterrats, daß Treibnetze bis 2,5 km Länge in Europa weiterhin zugelassen sind. Und dies, obwohl dem Ministerrat bekannt ist, daß die Treibnetzlänge von 2,5 km weder von den Fischern eingehalten noch von den zuständigen Fischerei-behörden ausreichend kontrolliert wird.
Die Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. (GRD) von Weltumsegler Rollo Gebhard zur Bekämpfung der Treibnetzfischerei und des millionenfachen Mordes an Delphinen ins Leben gerufen, begann direkt nach ihrer Gründung 1991 mit einem in allen Medien verbreiteten Aufruf an die Verbraucher, auf den Kauf von Thunfischkonserven zu verzichten, nachdem auf gesetzlichem Weg keine Aussicht bestand, die Einfuhr von Treibnetz-Thunfisch zu verbieten. Gleichzeitig erhob die GRD dem Handel gegenüber die Forderung, keine Treibnetzware mehr anzubieten. Um dies möglich zu machen, schloß sich die GRD dem in den USA bereits bewährten Kontrollprogramm (IMP-lnternational Monitoring Program) des Earth Island lnstitute (EII) an. Denn der Verzicht auf Thunfisch durch den einzelnen Verbraucher kann zwar die Branche im eigenen Land schädigen, aber erst wenn die Hersteller der Konserven in aller Welt gezwungen werden, keinen in Treibnetzen gefangenen Thunfisch von den Fangflotten mehr einzukaufen, sind diese genötigt, die Verwendung der unterschiedslos tötenden Netze aufzugeben.
Was ist das Kontrollprogramm des Ell?
Nachdem 1989 erschreckende Undercover Videoaufnahmen den millionenfachen Delphin-Mord beim Thunfischfang mit Treibnetzen und Ringwadennetzen dokumentierten und einen weltweiten Aufschrei bewirkten, erklärten die großen Thunfischanbieter in den USA (z.B. Heinz: Starkist), keinen mit diesen kriminellen Methoden gefangenen Thunfisch mehr zu verarbeiten und zu verkaufen.
Um Gewißheit über die Einhaltung dieser Erklärung zu bekommen, etablierte das Earth Island Institute (EII) bereits Ende 1990 das International Monitoring Program (IMP) mit bindenden Richtlinien für die Thunfischindustrie. Diese Richtlinien verlangen, daß Thunfisch weder durch Umkreisen von Delphinen durch Ringwadennetze (im Ost-Pazifik sind Delphine mit Gelbflossen-Thunfischen vergesellschaftet) noch durch Treibnetze gefangen wird.
Wie kontrolliert das Ell die Einhaltung der Verträge?
Das IMP beschäftigt Mitarbeiter, die Thunfischfänge beim Anlanden und in den Lager- und Verarbeitungshallen kontrollieren. Mit Treibnetzen gefangener Thunfisch ist z.B. an typischen Verletzungen durch die feinen Nylonmaschen des Netzes erkennbar. Ebenfalls werden Zufallskontrollen an Bord der Fischfangschiffe durchgeführt, oder die Beobachter des IMP gehen mit auf Fangfahrten. Das IMP verlangt Angaben über die Namen und Flaggen der Fangschiffe, das Fanggebiet, die angewandte Fangmethode, das Datum der Fangzeit und des Anlandens, die Mengen des gefangenen Thunfisches, den Standort der Verarbeitungs-Fabriken, die Kapazität der Kühlhallen1 die Herstellungsmengen pro Tag in Tonnen sowie das System der Codierung auf den Dosen und die Etiketten der Thunfischmarken. Diese Angaben werden überprüft, und mit ihrer Hilfe wird der Weg des Thunfisches bis in die Dose mit Etikett verfolgt.
Den Mitarbeitern des IMP muß von allen betroffenen Firmen Einsicht in die Unterlagen gewährt werden. Nur diejenigen Firmen, die sich strikt an die Richtlinien des EII halten und die regelmäßig überprüft werden (bisher ca. 114 Thunfischverarbeiter), werden als bestätigt in die Listen aufgenommen. Die Beobachter des IMP sind erfahren auf den Gebieten Umweltschutz, Fischerei und Meeresbiologie. Das IMP führt darüber hinaus Forschungsprogramme und Studien zur Aufklärung über ökologisch verträgliche Fischfangmethoden, über die Mengen und die Spezies des gefangenen Thunfisches sowie über den Anteil des Beifangs durch. Als ein Ergebnis der Bemühungen des IMP wurde 1994 jeglicher Verkauf von ,,Delphin-tödlichem" Thunfisch (dolphin deadly tuna) in den USA verboten. Im Juni 1994 trat als ein US-Gesetz der ,,International Dolphin Conservation Act" in Kraft.
Wo ist das Kontrollprogramm des Ell verbreitet?
Die Mitarbeiter des IMP sind weltweit tätig. Thunfischimporteure und -händler werden Land für Land angegangen, aufgeklärt und vertraglich gebunden, keine Treibnetzware mehr zu beziehen.
Europa: In Deutschland und England hat bereits der Großteil der Importeure den Vertrag mit dem EII unterzeichnet. In Spanien, Portugal, Italien, der Türkei und Frankreich wird sowohl an der Einbindung von Thunfischhändlem in das IMP als auch an Maßnahmen zur Aufklärung der Öffentlichkeit gegen den Einsatz von Fischfangmethoden, bei denen Delphine als Beifang sterben, sowie am Monitoring der Fischfangflotten, gearbeitet. Das lMP ist weiterhin vertreten in folgenden Staaten: Costa Rica, Ecuador, Columbien, Venezuela, Mexiko, Thailand (z.B. mit neun Mitarbeitern), Philippinen (mit sieben ständigen Beobachtern), Indonesien, Taiwan, China, Vietnam, Malediven, Mauritius, Seychellen, Namibia, Elfenbeinküste, Senegal.
In diesen Ländern gibt es entweder ,,Delphin-sichere" Thunfischverarbeiter, die überprüft werden, oder das IMP ist dort mit verschiedenen Projekten zur Einbindung von Fischern, Verarbeitern, Importeuren und Verbrauchern in das Thunfisch-Kontrollprogramrn zur Beendigung des sinnlosen Massenmordes an Meeressäugetieren beschäftigt.
Mexiko, Venezuela und Columbien z.B. gehören zu den Staaten, deren Thunfischflotten noch immer absichtlich Netze um Delphinschulen ziehen.
Die GRD und der deutsche Thunfischmarkt
Durch Aufklärung der Bevölkerung und Appelle zum Thunfischverzicht ist es bereits 1993 gelungen, deutsche Thunfischimporteure und -händler an den Verhandlungstisch zu bringen. Durch zähe Verhandlungen erreichte die GRD, mittlerweile rund 95% der Importeure zu verpflichten, nur bei Firmen einzukaufen, die dem IMP angeschlossen sind, und keinen ,,Delphin-tödlichen" Thunfisch anbieten. Sie haben den Vertrag mit dem EII unterschrieben, demzufolge sie mit Verarbeitern, die auch nur in kleinen Mengen Treibnetzware anbieten, keine Geschäftsbeziehungen mehr unterhalten. Die GRD ist stolz darauf, das International Monitoring Program auf Deutschland ausgedehnt zu haben, und unterstützt die Finanzierung der weltweiten Kontrollen.
Welche Kontrollen werden in Deutschland von der GRD durchgeführt?
· Thunfisch-Einkaufsbelege der Importeure
Alle bestätigten deutschen Importeure müssen vierteljährlich Kopien ihrer Einkaufsbelege der GRD zur Überprüfung überlassen. Hier wird noch einmal verglichen, ob die dort aufgeführten Thunfischverarbeiter vom Ell erfaßt sind. Selbstverständlich unterliegen alle Angaben der Firmenbelege dem Datenschutz und werden von uns streng vertraulich behandelt. Wird ein vom Ell nicht bestätigter Verarbeiter gefunden, fordert die GRD den betreffenden deutschen Importeur zur Stellungnahme auf und gibt gleichzeitig eine Meldung an das Ell. Sollte sich herausstellen, daß der Verarbeiter, bei dem der deutsche Importeur einkaufte, tatsächlich nicht dem Kontrollprogramrn angeschlossen ist und nach Aufforderung durch das Ell auch nicht dazu bereit ist, wird der Importeur vom Ell verpflichtet, den Einkauf bei diesem Verarbeiter sofort einzustellen. Die Einhaltung dieser Auflage wird von den Agenten des EII überwacht.
· Supermarktkontrollen
Mit Unterstützung von ehrenamtlichen Helfern, den GRD-Aktionsgruppen und Förderern wird mit vorgefertigten Formularen in den deutschen Supermärkten das Thunfischangebot überprüft. Alle für die Kontrolle wichtigen Daten, die sich auf den Thunfischdosen befinden (Thunfischmarke, Thunfischart, Name und Adresse des Verarbeitersllmporteurs, Herkunftsland, Codenummer), und die Anschrift des Supermarktes werden in die ,,Thunfisch-Überwachungsblätter" eingetragen und an die GRD-Zentrale eingesandt.
· Überprüfung der Daten aus den Supermarktkontrollen
Die GRD überprüft anhand der vom Ell vorliegenden Liste, ob alle gefundenen Thunfischkonserven von Verarbeitern/Importeuren stammen, die sich dem Kontrollprogramm angeschlossen haben.
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