<Atari? Ein bißchen Hüstorie!


Ein bekennender Atarianer weiß, was er an seinem Rechner hat. ;-)

Mir gefällt das Flair meines gut 6 Jahre alten TT's.

Und das Betriebssystem (hier nicht mehr das Original-TOS, sondern Magic, ein Atari-kompatibles Betriebsystem), das zumindest den Eindruck erweckt, man könnte noch nachvollziehen, was wo installiert wird und wie man's wieder wegbekommt. Ein für meine Begriffe sehr transparentes System, das allerdings schon präemptives Multitasking praktizierte, als Windows noch davon träumte, einmal ein echtes Betriebssystem zu werden...

Der Atari-Markt ist in den letzten Jahren ziemlich geschrumpft, was angesichts der Tatsache, daß es Atari als Computer-Firma gar nicht mehr gibt, auch nicht verwundern dürfte. Trotzdem gibt es noch ein ziemliche aktive Szene, regelmäßig neue Software, Firmen, die das System noch unterstützen. Erleichtert wird die Sache durch den Umstand, daß es für die gängigen Hardware-Plattformen bzw. deren Betriebssysteme Emulatoren gibt: MacOS, Win95 und Unix/Linux.

Die Übersichtlichkeit der Szene bedeutet auch einen guten Draht zu vielen Entwicklern, insbesondere über das MausNet, einem deutschsprachigen Mailbox-Netz, in dessen Atari-Gruppen viele Programmierer und Anwender anzutreffen sind.

Vor etwa zwei Jahren bin ich von meinem alten Atari ST, Baujahr 1987, auf einen TT030 umgestiegen (Oh, alles so schön bunt hier. Und so schnell...)
Seit dem ist mein RAM-Verbrauch drastisch gestiegen.

Der gebraucht gekaufte TT hatte 8 MB, dann wurden's 20 und jetzt schließlich 36 MB, was zwar noch nicht das Ende der Fahnenstange, aber zumindest vorerst des Bedarfs ist. Atari-Software ist für gewöhnlich sehr schlank programmiert und resourcenschonend (die meisten Anwendungen laufen auch auf 4 MB-Rechnern, z.T. auch mit noch weniger). Platz & Prozessorleistung fressen aber die Farben (die ST's wurden meist in DTP-freundlichen Monochrome benutzt, mein TT läuft meist auf 65k Farben) und die dazugehörigen Graphiken.
Für WIN-User dürfte dies sicher keine neue Erkenntnis sein, aber diese Zwangsläufigkeit von "schön bunt" und "Speicher voll" wurde mir erst im Vollzug deutlich.

Tja, Atari ...

Daß es vom Erfinder der Videospiele auch mal "echte" Computer gab, ist vielen noch in grober Erinnerung. 1985/86 präsentierte Jack Traimiel, Gründer und Ex-Besitzer der Firma Commodore und der ihm gefolgte C64-Erfinder mit dem unausprechlichen indischen Namen (wie hieß er noch g'rade?) einen der besten Computer der Saison: den Atari ST. Obwohl der Legende nach auf dem Küchentisch entwickelt, benahm er sich wie ein Macintosh, kostete aber viel weniger: "Power without the price" eben - Atari's Motto, seitdem Traimiel die Firma übernommen hatte. Mit dem Motorola 68000 und 8 MHz ließ der ST die PC's seiner Zeit entweder so dumpf-DOSsig aussehen, wie sie waren oder zeigte, wie schnell eine graphische Oberfläche (GEM) sein konnte. GEM auf den PC's war nicht viel mehr als ein Zeitlupen-Witz, von Windows ganz zu schweigen.

Es folgte ein kleines Computermärchen, vieleviele verkaufte Einheiten, aber hauptsächlich in Europa, gerade aber in Deutschland. Besonders der aufgebohrte Nachfolger TT schaffte es in viele Unis und in den DTP-Bereich. Der ST war dank eingebautem MIDI bald in vielen Studio's zuhause und werkelt wohl auch heute noch auf einigen CD's mit. Was wäre Steinberg (Software-Sequenzer) ohne wohl ohne den Atari ST?

Dann schoß Atari ein paar Böcke, verstrickte sich in Inkompatibilitäten, entwickelte teure, aber unverkäufliche oder einfach verfrühte Projekte wie das ST-Book, das erste CD-ROM (1985!) oder die Transputer Workstation ATW800 (wem um alles in der Welt wollten die einen Parallel-Rechner verkaufen?).

Ein nice try war der Rechner, der Atari's letzter sein sollte: der Falcon030, der erste Multimedia-Computer für den Heimgebrauch überhaupt. Dummerweise sah er genauso aus wie der Atari ST (so, where's the progress?) - und für diese Art der Consolen-Computer war die Zeit mittlerweile echt schon abgelaufen. Zwischenzeitlich eroberten die PC's auch den Consumer-Markt. Im AtariHQ in Sunnyvale erkannte man nicht die Zeichen der Zeit, das Ende der klassischen "Homecomputer". Die Produktion des Falcon wurde bald eingestellt und schließlich sagte man der Computer-Linie ganz adieu.

Nach dem Motto "Back to the Roots", nämlich den Spielekonsolen-Markt, steckte Atari seine letzten Mittel in eine neue Spieleconsole namens Jaguar. Man ließ frecherweise die 32-bit-Technik, auf die sich die Konkurrenz gerade einschoß, einfach aus, um die erste 64-Bit-Spieleconsole überhaupt auf den Markt zu bringen. Zum Weihnachtsgeschäft 1993 blieb sie in den USA aber wie Blei in den Regalen liegen, denn die Spieleentwicklung kam nicht hinterher. Man blieb auf großen Stückzahlen sitzen, und das Geld ging aus.

Dann war Ende im Gelände. Die Traimiels fusionierten Atari mit dem Festplattenhersteller JTS (warum auch immer). Kaum tröstlich, daß Atari damit etwas länger über Wasser bleiben konnte als Traimiels Ex-Firma Commodore, die mit ihrem Amiga auch gegen den Baum gefahren war und schließlich von Escom aufgekauft wurde, bis schließlich auch hier der Pleiteadler kreiste.
(Ich glaube, irgendwo gibt's da jetzt eine Lehre zu ziehen, aber wo nur..?)

Vor ein paar Monaten schließlich kaufte der Spielekonzern HASBRO alle Atari-Rechte von JTS auf. Seitdem sind ein paar Spiele-Klassiker wiederauferstanden (Frogger...), Unverbesserliche hoffen auf ein Wiederaufleben der Computer-Linie mit neuer Atari-Hardware, aber das wird wohl ein Traum bleiben.

Schon vor Atari's traurigem Abgang gab es Bastler, die in Handarbeit oder Kleinstauflage Atari-Clones bauten, was wohl daran liegen dürfte, daß der Atari, ähnlich wie der alte C64, ein guter Bastler-Computer war.
Der erste Clone dürfte Wohl der der Rothron-ST gewesen sein, dessen hervorstechende Eigenschaft war, daß er in ein industrieübliches 19-Zoll-Gehäuse paßte und so für professionelle Steuerungs- und Regelanwendungen benutzt werden konnte. Den Setzern und Grafikern, die mit dem ST oder TT angefangen hatten, verlangten auch nach schnellerer Hardware. Dabei heraus kamem High-End-TOS-Maschinen wie der Eagle, die Medusa oder der Hades (der immer noch gebaut wird), aber diese Geräte liegen für den Normalverbraucher preislich einfach jenseits von gut und blöde.

1995 muß es gewesen sein, daß mit MagicMac ein erster ernsthafter Emulator für TOS-Software auf Apple Macintosh's auf den Markt kam. Ein gutes Jahr später folgte dann mit MagicPC der zweite Streich für WIN95/NT. Mittlerweile gibt's sicher ein gutes Dutzend Atari-Emulatoren für WIN, Mac und UNIX, Software- und Hardware-Emulatoren, so daß die Frage nach neuer, moderner Atari-Hardware eigentlich unwichtig geworden ist.

Trotzdem gibt's jetzt zur Überraschung vieler den MILAN, einen komplett neu entwickelten TOS-Rechner, für den das deutsche Entwicklerteam Atari sogar die Betriebssystem-Lizenzen abgekauft hat, um es weiterentwickeln zu dürfen. Seit Frühjahr/Sommer 1998 wirbelt er frischen Wind in die Szene und ist mit einem Basispreis um 1.400 DM zumindest bezahlbar, auch wenn man sich überlegen sollte, ob eine Emulator-Lösung nicht doch die sinnvollere ist. Gerüchten zufolge verkauft sich der Milan aber schon besser, als die Kleinserienproduktion hinterherkommen kann. Ist das vielleicht nix?
Und wenn ich mal Geld überhabe, dann kauf ich mir auch einen :-)


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