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ist noch nicht fertig und auch nicht vollständig! Es werden zunächst
nur einige markante Verhaltensweisen der Mongolischen Rennmaus (Meriones
unguiculatus) dargestellt.
Hoffentlich bald gibts mehr Text und mehr Fotos!
Nagen ist für Rennmäuse sehr wichtig. Manch neuer
Rennmausbesitzer wird sich vielleicht schon gewundert haben, wenn das neugekaufte
Plastiklaufrad nach einem Tag nur noch in kleinen Stücken am Käfigboden
zu finden war...
Ich denke, wir können zwischen zwei verschiedenen Situationen unterscheiden, in denen Rennmäuse gewöhnlich nagen:
Die erste eher naturgemäße ist, daß Rennmäuse Nistmaterial brauchen. Dies ist ein stark ausgeprägter und wichtiger Rennmausinstinkt, um zum Beispiel das kalte rauhe Klima, das in der Mongolei im Winter herrscht, überdauern zu können. Auf dem Foto sind zwei Agouti-Rennmäuse zu sehen, wie sie in Teamarbeit Kistenholz zu feiner Holzwolle zerkleinern. Zahlreiche andere Materialien, wie z.B. Heu und Papier, werden von Rennmäusen zu Nistmaterial verarbeitet. Nebenbei finden sie, z.B. im Heu, auch was zum Fressen.
Die zweite Situation, in der Rennmäuse nagen, ist, wenn sie in kleinen Käfigen gehalten werden. Es scheint ein Zeichen von Verzweiflung oder Langeweile zu sein, wenn Rennmäuse häufig an den Gitterstäben nagen. Es ist als Botschaft an den Rennmaushalter anzusehen: "Bitte laß mich raus!" oder "Bitte, kümmer dich mehr um mich!" oder sogar "Ich bin so hungrig!".
Literatur: Weinandy, R. (1996): Untersuchungen zur Chronobiologie, Ethologie und zu Streßreaktionen der Mongolischen Wüstenrennmaus. Dissertation Halle: Universität Halle.

Scharren
Angeregt durch die Untersuchungen des Schweizer Psychologen Christoph Wiedenmayer hat auch Vera Brückman dieses Scharren im Käfigeck mal näher untersucht.
Wenn Rennmäuse in einem Käfig mit einem Höhlensystem (ein künstlich nachempfundenes funktioniert auch) geboren werden und aufwachsen zeigen sie dieses stereotype Scharren im Käfigeck überhaupt nicht. Dagegen ist es ganz ausgeprägt bei all den Tieren zu sehen, die ohne Höhlensystem aufwachsen mussten (und offenbar instinktiv versuchen, diesen gravierenden Mangel in ihrer Behausung zu beheben, selbst wenn es ohne Erfolg bleibt). Sie behalten diese in der Jugend angeeignete Stereotypie auch dann noch bei, wenn später ein Höhlensystem zur Verfügung gestellt wird!
Aber wie mag es denn im umgekehrten Fall sein? Rennmäuse wurden in einer Höhle geboren aber später in einen höhlenlosen Käfig umquartiert. Werden sie dann auch beginnen, sinnlos im Eck zu scharren? Antwort auf diese Frage gibt Vera Brückmanns Artikel, den sie für die Ausgabe September 1997 des National Gerbil Society Journal schrieb (daher auf englisch).
References: Wiedenmayer C, 1997: CAUSATION OF THE ONTOGENETIC DEVELOPMENT OF STEREOTYPIC DIGGING IN GERBILS, Animal Behaviour, 53(3), 461-470
See Weinandy too (chapter scratching and digging).
SandbadenRennmäuse lieben es, sich im Sand zu baden. Wenn sie irgendwo einen feinen Sand finden, wälzen sie sich darin mit einer sehr raschen Körperbewegung. Offenbar lieben sie es, reinlich zu sein, aber Thiessen et. al. (1982) glauben sogar, daß damit auch der Wärmehaushalt beeinflußt werden könnte. Wenn Rennmäuse ihr eigenes Fell pflegen, verteilen sie darin ein lipidhaltiges dunkelrotes Sekret der Harder'schen Drüse. Die dadurch etwas dunklere Fellfarbe absorbiert die Sonnenstrahlen besser. Dagegen werden beim Sandbaden die dunklen Lipide wieder entfernt und so kann die Rennmaus vielleicht die Wärmeabsorption ein wenig regulieren.

Rennmäuse
sind sehr gesellige Tiere. Sie lieben es, eng aneinander gekuschelt zu
schlafen und sich zwischendurch auch gegenseitig das Fell zu pflegen.
Lernen
und KonditionierenFür ihre Diplomarbeit hat Vera mit Rennmäusen gearbeitet und sie darauf dressiert, zwischen einem Dreieck und einem Kreis zu unterscheiden. Die Reize wurden in zufälliger Abfolge gegeben, und die Rennmaus wurde immer dann mit Futter belohnt (Hanfsamen :-)), wenn sie die Taste auf der richtigen Seite gedrückt hatte, nämlich dort wo das Dreieck zu sehen war. Die Rennmäuse hatten den Versuch täglich 20 mal zu absolvieren und lernten diese Aufgabe in drei Wochen. Später lernten sie auch, zwischen waagrechten und senkrechten Linien zu unterscheiden. Weitere Informationen können Sie gerne bei Vera erfragen.
Das
Eintragen von JungtierenDas
Eintragen der Jungtiere ist ein Instinkt, den Rennmausweibchen (seltener
auch Männchen) zeigen, wenn sie verirrte Jungtiere unverzüglich
und auf dem direkten Weg ins Nest zurückbringen. Es gibt dazu auch ein mpeg-movie (ca. 2 MB) auf Solon Luigi Lutz' Gerbilseite:http://www.obh.snafu.de/~solon/gerbile.html (Dort das zweite Video auf dieser Seite: maus2.mpeg).
Es gibt Anzeichen
dafür, daß die Jungen ihre Mutter durch Ultraschall-Rufe auf
sich aufmerksam machen. Immer dann, wenn ein Rennmausjunges die Nestwärme
vermißt und zu frieren anfängt, beginnt es automatisch mit diesen
Rufen. Ehrenfried konnte auf diese Art ein in der Stube laufendes Rennmausweibchen
necken: Auf seine Fieplaute hin eilte es sofort in den Käfig zurück,
um im Nest nachzusehen, ob alle Kleinen noch wohlauf sind.
Manchmal, wenn ein Weibchen an anderer Stelle einen geeigneten Nistplatz findet und sie am alten Ort vielleicht zu häufig gestört wurde, trägt es, wie es im Foto zu sehen ist, sämtliche Junge rüber in das neue Nest. Offensichtlich spürt es, daß das derzeitige Nest nicht mehr sicher genug ist. Es ist schon vorgekommen, daß ein Rennmausweibchen, besonders wenn es jung und nervös ist, mehrmals am Tag umgezogen ist. Und es kann sogar passieren, daß man den Käfig leer wiederfindet und z.B. hinter einem Schrank versteckt die Jungen zwitschern hört, wenn man das in der Stube laufende Weibchen einen Augenblick unbeobachtet ließ... :-)
Das Orientierungverhalten ist sehr komplex. Verschiedene Sinne sind daran beteiligt:
Geruchssinn
Wer hat auch schon die Erfahrung Gail Seigel's gemacht , dessen Rennmäuse mit ihr die Nasen berühren? Sie schrieb:
"Zum
normalen Begrüßungsverhalten berühren sich Rennmäuse
kurz mit den Nasen. Unser Käfig hat mehrere durch Röhren miteinander
verbundene Räume. Immer wenn eine Rennmaus in einen Raum geht, in
dem gerade eine andere Rennmaus ist, begrüßen sie sich durch
einen kleinen Nasenstubser. Oftmals, wenn ich sie herausnehme, versuchen
sie auch meine Nase zu berühren! "
Frank Müller ergänzt: Es ist zur Zeit die einzige Möglichkeit die "Mäuse" nach einem Freilauf wieder einzufangen. Mit Gewalt will ich es nicht probieren (wegen der Verletzungsgefahr) und alle anderen Tricks scheinen sie schon zu kennen.
Das einzige was immer funktioniert ist das Begrüßungsritual mittels
Nase. Ich "schmuse" dann so intensiv mit der Maus, daß meine Tochter
keine Probleme hat sich anzuschleichen und die Maus zu fangen (schnell
und geschickt muß man schon sein!).
Ein schönes "Schmusefoto" ist übrigens auf der Webseite der "National Gerbil Society" zu sehen.
Von Gail stammt auch folgende nette Beobachtung:
"Immer wenn eine unserer Rennmäuse ein einigermaßen begehrtes Futter findet, rennt sie damit in eine Ecke und dreht sich ruckartig nach rechts. Das scheint wohl ein instinktives Verhalten zu sein, damit ihr das Futter nicht weggenommen werden soll. Das lustige daran ist allerdings, daß gerade da meist schon eine andere Rennmaus sitzt, die nun versucht, das Futter zu stibitzen. Das Verhalten zeigen Rennmäuse aber auch dann, wenn gar keine anderen Rennmäuse in der Nähe sind. Ich konnte dies bei allen zehn Rennmauspaaren beobachten, die wir im laufe der Jahre hatten."
Trommeln
und rasches SchwanzwedelnTrommeln
mit den Hinterbeinen ist ein Zeichen von Erregung.
Rennmäuse, die eine Gefahr wittern, trommeln. So werden die (Käfig)genossen
gewarnt. Diese richten sich ängstlich witternd und umherschauend auf,
um sich vor drohender Gefahr zu sichern. Eine kleine Handbewegung, die
vielleicht wie ein Raubvogel auf die Rennmäuse wirkt, genügt
und alle Rennmäuse verschwinden blitzartig in ihrem Bau.
Versuchen Sie mal das Trommeln nachzuahmen! Manchmal wird die Rennmaus dieses Trommeln aufgeregt erwidern.
Erregtes Trommeln gehört aber auch zum Paarungsverhalten. Meist ist es etwas schneller und leiser als in Gefahrensituationen. Eine erwartungsvolle neugierige Rennmaus wird rasch zu Ihnen kommen, wenn Sie dieses Paarungstrommeln geschickt nachahmen.
Verwandt mit diesem Trommelverhalten ist das rasche horizontale Schwanzwedeln. Die Rennmaus zeigt es oft in ängstlicher Erregung.
Literatur: Eibl-Eibesfeldt (1951) (siehe unten)
Augenzwinkern
;-)Manche Rennmäuse zwinkern oft mit einem Auge, wenn sie einen Leckerbissen bekommen haben. Es scheint daher ein Zeichen von Wohlbehagen und Dankbarkeit zu sein.
Aber auch in ängstlichen Situationen zwinkern Rennmäuse offenbar unterwürfig. Sie sagen ihrem Besitzer, der sie z.B. gerade erwischt hat und nun resolut in der Hand hält sowas wie "Tu mir nichts, ich tu Dir auch nichts". ;-)
Zwinkern
Sie doch mal Ihrer Rennmaus zu! Nicht selten erwidert sie es ebenfalls
mit einem Zwinkern. Eine ganz besondere Art zu Rennmäusen Kontakt
aufzunehmen.
Jedermann kennt, daß Katzen, die sich sehr behaglich fühlen, zu schnurren anfangen
Ich finde es aber interessant, daß auch Rennmäuse schnurren können! Meine Beobachtung hat mir Gail Seigel bestätigt. Folgendes schrieb er mir: "Ein weiteres normales Rennmausverhalten ist eine schnurrende Vibration, die Rennmäuse machen, die daran gewöhnt sind, in der Hand gehalten und gestreichelt zu werden. Man kann zwar nichts hören, aber man fühlt es deutlich in der Hand."
Literatur:
Eine
der ausführlichsten, frühesten und lesenswertesten Beschreibungen
des Verhaltens einer nahe verwandten Rennmausart stammt vom bekannten Verhaltensforscher
Irenäus Eibl-Eibesfeldt. Sie entstand im Max-Planck-Institut für
Meeresbiologie, Abteilung Verhaltensphysiologie, in Buldern bei Dülmen,
Westfalen:
I. EIBL-EIBESFELDT (1951): "Gefangenschaftsbeobachtungen an der persischen Wüstenmaus (Meriones persicus persicus BLANFORD): Ein Beitrag zur vergleichenden Ethologie der Nager." Z. Tierpsychologie 8, 400-423.
Insbesondere für den Biologieunterricht dürften die folgenden beiden interessant sein:
SCHRÖPFER, R. (1988): "Das Verhalten der Mongolischen Rennmaus." In: Praktische Verhaltensbiologie, (Parey-Studientexte 61), Herausgeber: ZUPANC, G., Parey-Verlag Berlin u. Hamburg 1988
SCHRÖPFER, R. (1979): "Die Mongolische Rennmaus (Meriones unguiculatus) im ethologischen Experiment", i Praxis der Naturwissenschaften, Biologie 28(6), S.141-153
Ihre Meinung, auch Kritik und Ergänzungen, ist uns sehr willkommen! Bitte schreiben Sie uns per E-mail! Und wir freuen uns natürlich auch über interessante Einträge in unserem Gästebuch.
Auf Rennmausecke.de findet Ihr interessante Videoclips auch mit typischem Rennmausverhalten
To
Die besten Rennmausseiten im Internet
Zu
Ehrenfrieds Homepage oder in seinen Stall
;-))
Erstellt: 27. März1996, Zuletzt geändert am: 17. Nov 1996 Hits: