Thalion dreht auf !

THALION - renommiertes deutsches Softwarehaus - will 1990 richtig Dampf machen. Hat man doch 1989 recht wenig Programme herausgebracht, so will man bis Ende '90 noch einen ganzen Schwung voll Spiele veröffentlichen. ASM stattete Thalion einen Besuch ab, um den Programmierern über die Schultern zu schauen. Alle Programmierer sind momentan voll bei der Sache: zwei Spiele müssen in den nächsten Tagen fertig werden. Wir konnten aber vorab schon einen Blick auf die Projekte werfen und Euch berichten, was demnächst auf Euren Screens ablaufen wird.

Marc Rosocha, Programmierer von Chambers of Shaolin, hat ein ganz besonders heißes Ding auf der Pfanne. Mit Wings of Death (Arbeitstitel) versucht er sich zum ersten Mal an einem hammerharten Ballerspiel, bei dem wirklich die Post abgeht. Marc will nämlich das Letzte aus dem ST und natürlich Amiga herausholen. Er ist der Meinung, dass nach wie vor zu viele technisch mangelhafte Programme erscheinen. Und gerade bei einem Shoot-'em-up spielt die Technik eine besonders wichtige Rolle. Ruckelscrolling motiviert da genausowenig wie eine miese Kollisionsabfrage. Da Marc absoluter Ballerfreak ist, kennt er so ziemlich alles, was auf dem Markt umhergeistert. Mit Wings of Death hat er aber ein Spiel in der Mache, das - nicht nur von der technischen Seite - fast alle vorhandenen Ballerspiele als aussehen lässt! 90 Prozent der Ballerware läuft weltraummäßig ab. Wings of Death ist da eher Dragon Spirit angelehnt, das auf einer Planetenoberfläche spielt. Leider haben die Engländer die Umsetzung auf 16bit damals ganz schön verhunzt. Wings of Death ist aber keinesfalls ein "Kupferstich" von Dragon Spirit oder ähnlichem. Vielmehr enthält es von jedem etwas und eine ganze Reihe von neuen Ideen. Die Story ist noch nicht vollendet; bei einem Programm dieses Genres ist dies allerdings auch nicht vonnöten. Nur soviel: Alles abballern, was sich nur irgendwie bewegt oder schießt! Der Bildschirm scrollt dabei vertikal von oben nach unten. Unmengen von Sprites kommen aus allen Richtungen angeflogen oder befinden sich auf dem Untergrund und machen einem das Leben zur Qual. Fünf verschiedene Extrawaffen stehen dem Spieler zur Verfügung, die allesamt noch in fünf verschiedenen Stufen ausgebaut werden können: Flammenwerfer, Streuschuss u.v.m. Das komplette Spiel läuft (auf Amiga und ST) in 20 Bildern pro Sekunde ab. Es gibt auf dem Amiga und auf dem STE (richtig gelesen, Wings of Death ist speziell für den STE programmiert) keine

Ein weiterer Renner, besonders was den technischen Bereich anbetrifft, ist Enchanted Land, programmiert von Niclas Thisell, einem Schweden. Enchanted Land ist ein klassisches Jump-and-Run-Spiel mit Scrolling in alle Richtungen. Der Programmierer hat mit diesem Programm auf dem ST etwas möglich gemacht, das eigentlich vollkommen unmöglich schien: Der ganze Bildschirm scrollt in alle Richtungen in 50 Bildern pro Sekunde. Niclas hat dies erreicht, indem er eine spezielle Scrolltechnik anwendet, die aus dem ST ein sogenanntes Hardwarescrolling herausholt, obwohl dafür keine Scrollregister vorhanden sind. Der helle Wahnsinn! Auch vom Konzept her kann Enchanted Land überzeugen: Ein alter Zwerg muss mehrere Magie-Teile finden, die an vielen verschiedenen Stellen versteckt sind. Fünf Level gilt es zu erforschen. Begonnen wird in einem Wald. Von dort aus geht es über andere Landschaften runter in einen See und weiter durch ein Bergwerk bis in eine große Stadt. Jeder Level umfasst satte 80 Screens. Riesige Endgegner (Frösche, Fische, Spinnen und ähnliche Viecher) müssen am Ende eines jeden Levels erledigt werden. Enchanted Land ist ein sehr niedliches Spiel, das fantastische Grafiken bietet, an die bisher kein Jump-and-Run herankommt. Der englische Vertriebspartner U.S. GOLD (Thalion hat erst kürzlich seinen englischen Partner gewechselt) ist - ebenso wie wir - von Enchanted Land vollkommen angetan.

Beide Spiele werden wir in der nächsten Ausgabe ausführlich vorstellen - man kann aber jetzt schon davon ausgehen, dass beide Programme die vorderen Ränge der Charts stürmen werden. Torsten Oppermann (ASM 8+9/90)

Stelle, an dem das Spiel langsamer wird. Doch auch auf allen anderen ST-Computern macht Wings of Death einen absolut hervorragenden Eindruck. Alle Versionen dieses Shoot-'em-ups enthalten Digisound während des Spiels. Unterstützt werden bis zu vier Megabyte Speicher und der Blitter (ST: falls vorhanden). Bis zu 95 Sprites tummeln sich gleichzeitig auf dem Screen, und im Gegensatz zu z.B. Xenon II wird all diese Technik nicht auf Kosten der Kollisionsabfrage gehen. Sie ist genau, aber - ähnlich den Konsolen- und Automaten-Shoot-'em-ups - nicht zu genau. Die ST-Version wird ein spezielles Soundmodul unterstützen, angeschlossen wird es an den Druckerport. Dieses Modul, dessen VK-Preis bei ca. 30 DM liegen soll, macht es möglich, Digisound in hervorragender Qualität abzuspielen, ohne das Unmengen von Rechenzeit verloren geht. Als alter Ballerhase hat Marc natürlich daran gedacht, eine Highscore-Save-Funktion einzubauen. Die Vorversion, die wir begutachten konnten, sah sehr vielversprechend aus und enthielt vier gut durchdachte Level. Das endgültige Produkt wird in den nächsten Wochen erscheinen und acht Level beinhalten.