Entstehungsgeschichte des Landes
Thüringen
Die Geschichte des Bundeslandes Thüringen reicht bis weit in die Vorzeit. Reste prähistorischer Menschen aus der Zeit von 30.000 v. Chr. und um 100.000 v. Chr. wurden bei Bizlingsleben beziehungsweise Weimar-Ehringsdorf gefunden. Die ersten Thüringer wurden erstmals um 380 n. Chr. erwähnt, aber schon 150 Jahre später ging das Thüringer Königreich in einer Schlacht im Kernland unter. Den fränkischen und slawischen Eroberern folgten viele Fürstenfamilien. Bis zur napoleonischen Zeit war das Land in eine Vielzahl von Kleinstaaten aufgespalten.
 
Das Landeswappen Thüringens zeigt: ein steigenden Löwe, umgeben von acht Sternen. Diese symbolisieren jene Gebiete, die sich erstmals 1920 wieder zum Land Thüringen zusammengeschlossen haben. Aus dem Thüringer Fürstenfamilien gingen übrigens mehrere europäische Fürstenhäuser hervor, z.B. die Königshäuser von Belgien und England.

 
Woher kommt der Name "Thüringen"?
 
Folgende Legende ist überliefert:
Vor etwa 2000 Jahren bereiste der römische Geschichtsschreiber Tacitus germanisches Gebiet. Dabei kam er auch zu den Hermunduren und Angeln, den Ahnen der Thüringer.
Diese Menschen verehrten damals den Donnergott Thor. Tacitus nannte die Söhne Thors und das Land, in dem sie lebten, Thoringia.
 
Geschichte des Landes Thüringen
 
Gegen Ende des 4. Jahrhunderts nach Christi entstand aus elb- und westgermanischen Stämmen (Hermunduren, Angeln und Warnen) der Stammesverband der Thüringer. Er gründete das Königreich Toringi (um 400 erstmals erwähnt), dem das heutige Bundesland seinen Namen verdankt. Seine größte Ausdehnung -von der Altmark bis zu Main und Donau- erreichte dieses Königreich um 500 unter Bisinius. Bereits 531 jedoch wurde in der Schlacht an der Unstrut von den Sachsen und den Franken unter Führung des Merowingers Theoderich erobert und aufgeteilt. Der nördliche Teil kam unter sächsische, der größere südliche unter fränkische Herrschaft. Weit über ein Jahrtausendlang (genau bis zum 1. Mai 1920) gab es daraufhin kein Thüringen mehr - nur der Name hat sich über die Jahrhunderte erhalten. Fast 1.400 Jahre hindurch blieb das einstige Reich zersplittert. Und die Zersplitterung erreichte hier ein solches Ausmaß, daß diese Region später zum Inbegriff deutscher Kleinstaaterei wurde und bis zum heutigen Tage davon geprägt ist.
 
Die Chritianisierung wurde vor allem von dem Benediktinermönch Bonifatius vorangetrieben, der 742 in Erfurt ein Bistum errichtete. Zu Beginn des 10.Jahrhunderts ging die Vormachtstellung in Thüringen an die sächsischen Ludolfinger über, deren Herzog Heinrich 919 zum deutschen König gewählt wurde. Um die häufigen Überfälle der Ungarn abzuwehren, ließ Heinrich I. an der Saale ein Reihe von Burgen sowie in Erfurt, Tilleda, Wallhausen und Allstedt Pfalzen errichten. 933 wurden die Ungarn endgültig vertrieben.
 
Nach dem Tod von Heinrichs Urenkel Otto III. löste sich der Verbund Sachsen und Thüringen auf. Einflußreiche Adelsgeschlechter übernahmen das Regiment -zunächst die Grafen von Weimar, dann die aus Franken stammenden Ludowinger, 1130 von Kaiser Lothar zu Landgrafen erhoben. Die Staufer vergrößerten im 12. und 13. Jahrhundert die Reichsterritorien in Nordthüringen, im Vogtland und im Saaletal. Den später sagenumwobenen Kyffhäuser befestigten sie mit einer gewaltigen Burganlage.
 
1247 starb Heinrich Raspe, der letzte Ludowinger. Sein hessischer Besitz fiel nach einem Kriege gegen die sächsischen Wettiner an Sophie von Brabant, die Tochter der heiligen Elisabeth, und deren Sohn Heinrich das Kind. Herren von Thüringen wurden die Wettiner, die sich 100 Jahre später im sogenanntem Grafenkrieg gegen den aufbegehrenden heimischen Adel behaupten konnten.
 
Einer der mächtigsten Staaten des Heiligen Römischen Reiches, das Kurfürstentum Sachsen, das u.a. das einstige Reich Toringi umfaßte und sich zwischen Bayern, Brandenburg und Böhmen erstreckte, zerfiel bei der Wettinischen Teilung von 1485 und wurde zwischen den beiden Söhnen des verstorbenen Kurfürsten aufgeteilt. Albert, der Jüngere, erhielt den Kern des heutigen Landes Sachsen mit Teilen des nördlichen Thüringen und begründete die Linie der Albertiner. Sein Bruder Ernst erhielt das mittlere und südliche Gebiet des heutigen Thüringen sowie Teile des heutigen Sachsen-Anhalt und wurde zum Stammvater der Ernestiner. Im Schmalkaldischen Krieg stellte sich der Ernestiner Johann Friedrich an der Spitze der protestantischen Fürsten gegen Karl V. und nach seiner Niederlage im Jahre 1547 mußte er daher die Kurwürde und große Landesteile an den kaisertreuen Albertiner Moritz von Sachsen abtreten.
 
Im letzten Drittel des 16.Jh. setzte sich die Zerplitterung weiter fort durch die Erbteilung der Ernestiner 1572 in die Herzogtümer Sachsen-Coburg, Sachsen-Eisenach und Sachsen-Weimar. Zusätzlich komplizierte sich die politische Geographie Thüringens durch eine Reihe von kleinen Fürstentümern, die neben den sächsischen Herzogtümern bestanden: z.B. das der Schwarzburger, das sich 1599 in Schwarzburg-Rudolstadt und Schwarzburg-Sondershausen teilte, das der Henneberger, deren Besitz an verschiedene sächsische Fürsten und an Hessen aufgeteilt wurde, und das Fürstentum Reuß, das sich ebenfalls aufspaltete. Und schließßlich gab es noch eine Reihe von katholischen Besitztümern im Stammland der Reformation,wie beispielsweise Stadt und Land Erfurt, das dem Erzbischhof von Mainz gehörte und nach dem Wiener Kongreß sogar zur preußichen Exklave wurde. So war die Landkarte des heutigen Thüringen bis ins 20.Jahrhundert ein buntscheckiger Flickenteppich, der sich aus einem runden Hundert verschiedener Farbflecke zusammensetzte.
 
Doch hatte diese Zerplitterung auch ihre guten Seiten. Denn da die thüringischen Zwergstaaten zu klein waren, um sich Ansehen und Feldzüge leisten zu können, suchten sie ihre Erfolge auf dem Gebiet der Kultur. Während andere Staaten ihre Steuereinkünfte für den Krieg aufwendeten, fördeten die thüringischen Kleinfürsten, die zum Teil recht aufgeklärte und liberale Leute waren , die Künste, holten Dichter und Musiker an ihre Höfe, gründeten Theater und sammelten Bilder. Ihre Höfe wurden wurden zu Kristallisationspunkten deutscher Kultur. Weimar wurde durch Goethe, Schiller und Herder und andere zum Zentrum der Literatur; in Meinungen entstand das berühmteste Theater der damaligen Zeit, und Musiker wie Richard Wagner, Franz Liszt, Max Reger und Richard Stauß haben hier gewirkt; die Universität Jena, die als Ersatz für die nach der Niederlage im Schmalkaldischen Krieg verlorene Wittenberger Universität gegründet worden war, entwickelte sich zur intellektuellen Hochburg fortschrittlichen Denkens in Deutschland, und die Herzöge von Sachsen-Gotha trugen eine bedeutensten Gemäldesammlungen und eine Bibliothek mit 500.000 Bänden und Tausenden von Handschriften zusammen.
 
Mit dem Reichsdeputationshauptschluß von 1813 änderten sich die politischen Verhältnisse in Thüringen. Die Preußen gewannen die Oberhand, mußten ihr Einfluußgebiet allerdings schon wenig später - nach ihrer Niederlage gegen die Franzosen bei Jena und Auerstedt - vorübergehend an das westfälische Königreich unter Napolions Bruder Jerome abtreten. Die Befreiunggskriege von 1813/14 beendeten die Franzosenzeit.
 
Preußen erlangte seine Besitzungen in Thüringen zurück und zusätzlich bis dahin zu Sachsen gehörende Gebiete, die der sächsische König auf dem Wiener Kongreß abtreten mußte.
 
Das 19. Jahrhundert stand im Zeichen einer raschen Industrialisierung. Die optischen Geräte der Jenaer Zeisswerke errangen Weltgeltung. Auch Tuche aus Gera, wo 1892 11.000 Menschen in der Textilindustrie arbeiteten, Uhren aus Ruhla, Waffen aus Suhl und Spielzeug aus Sonneberg gingen in den Export. In Mittelthüringen wurden Maschinenfabriken gebaut, im Osten des Landes entstand eine beachtliche Papierindustrie. Im Westen baute man Kali ab, während der unrentabel gewordene Erzbergbau im Thüringerwald eingestellt wurde.
 
Die thüringischen Fürstentümer wurden im November 1918 Freistaaten und vereinigten sich am 1. Mai 1920, ein Jahr nach Gründung der Weimarer Republik, zum Freistaat Thüringen mit der Hauptstadt Weimar. Nur Erfurt gehörte noch nicht dazu, da die Preußen ihre Exklave nicht aufgeben wollten, und Coburg stimmte für den Anschluß an Bayern.
 
Quelle: Gerhard Köbler, Historisches Lexikon der deutschen Länder: die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart, München, 1992
 

 
Heinemann
Vorwort
Stammbaum
Eichsfeld
Dingelstädt
Remscheid
Lüttringhausen
Nachfahren
Briefkasten