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Als Cicero als römischer Konsul die verbrecherische Verschwörung des
Catilina niedergeschlagen hatte, riefen ihn der ehrwürdige Lutatius Catulus vor
versammeltem Senat und der Tribun Cato von der öffentlichen Rednertribüne
unter dem Beifall des Volkes zum "Pater Patriae", Vater des Vaterlandes, aus. Genau
zwanzig Jahre später stellten Soldaten des Triumvirn Antonius das Haupt und die
rechte Hand Ciceros als grausige Zeugnisse für den Tod des Geächteten auf derselben
Rednertribüne zur Schau auf.
Cicero war in manchmal peinlich wirkender Weise selbstgefällig, aber er hatte Grund
dazu, da er den römischen Staat aus schwerster Gefahr gerettet hatte. Er hat
verschiedentlich zwischen den Parteien geschwankt, weil sein Verstand viel zu scharf war,
um nicht den Widersinn jeder starren Doktrin zu erkennen. Sein Schicksal war, daß er in
einer Zeit lebte, da die Geschichte der zivilisierten Welt von skrupellosen Männern
von dem Format eines Cäsar gemacht wurde und das er ihnen in keiner Weise gewachsen
war. Diesen Mangel hat er schließlich mit dem Leben bezahlen müssen.
Das Interesse der Nachwelt galt weniger dem Staatsmann als dem Philosophen und Gelehrten.
Cicero war der blendendste Redner, den Rom je hervorgebracht hat. Seine Reden sind
Kunstwerke, geschliffen wie Diamanten, klar und prägnant, geschrieben in einem Stil,
der die Biegsamkeit und Schönheit der lateinischen Sprache in wahrhaft klassischer
Form demonstriert; sie gehören neben seinen Briefen zu den besten Zeugnissen antiker
Bildung.
Originalkupferstich (36 x 25,5 cm) von Peter Paul Rubens.
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