R U B E N S , Peter Paul * 28.6. 1577 in Siegen
(Westfalen), † 30.5. 1640 in Antwerpen. Berühmtester Maler des Barock und zugleich
wichtiger Diplomat der spanischen-habsburgischen Krone. Wichtigster Vertreter der
flämischen Malerei, Zeitgenosse unter anderem von Caravaggio, Velasquez und
Rembrandt.
Rubens übte als Künstler einen großen Einfluß aus, den er selbst gezielt zu steuern
wußte. Er beauftragte Kupferstecher, von seinen Gemälden graphische Reproduktionen zu
fertigen.
Die hier vorgestellten Kupferstiche antiker Persöhnlichkeiten wurden unter seiner Aufsicht
von den Spezialisten: L. Vorstermans, H. Withouc und P. Pontius im Jahre 1638 gestochen.
In größerem Stil als Rembrandt betrieb er den Werkstattbetrieb als Wirtschaftsunternehmen.
Neben zahlreichen Schülern hatte Rubens Kollegen engagiert, die nur
für Spezialaufgaben, wie dem Malen von Tieren oder Stilleben, zuständig
waren.
Rubens war jedoch ein vielseitiger Mann, der nicht nur als Künstler und erfolgreicher
Werkstattleiter, sondern auch als Diplomat und Politiker großen Einfluß
hatte und eine wichtige Rolle in seiner Zeit spielte.
Geboren wurde Rubens als sechstes von sieben Kindern von Jan Rubens und
Maria Pypelincks in Siegen, Westfalen. Sein Vater Jan war ein in Italien
ausgebildeter Rechtsanwalt und Schöffe in Antwerpen. 1568 mußte
er mit seiner Familie im Zuge der Religionsunruhen - Jan Rubens war reformiert
- nach Köln fliehen und arbeitete als Berater der Gemahlin von Wilhelm
von Oranien, Anna von Sachsen. Eine Affäre mit ihr, ob real oder nur
fingiert, half zwar Wilhelm, die ungeliebte Gattin per Scheidung loszuwerden,
brachte Rubens aber 1570 in das Gefängnis auf der Festung Dillenburg.
Nur die beharrliche Fürsprache seiner Frau Maria befreite ihn, künftig
stand er unter Hausarrest in Siegen. 1578, ein Jahr nach Peter Paul Rubens
Geburt, durfte die Familie wieder nach Köln umsiedeln. Nach dem Tod
Jan Rubens 1587 wechselte die Witwe mit ihren Kindern den Wohnsitz erneut:
sie zog zurück nach Antwerpen. Dort besuchte der junge Rubens
die Lateinschule und erwarb, nach Aussage der Mutter, früh Selbständigkeit.
Auf dem Landschloß der Gräfin Marquerite de Ligne, der Witwe
des Grafen von Lalaing, diente Rubens einige Monate als Page, eine
Ausbildung, die ihm später sehr zugute kommen sollte.
Danach erfüllte sich Rubens seinen Traum indem er Malunterricht nahm
und Schüler von drei Malern, Tobias Verhaecht, Adam van Noort und
Otto van Veen wurde. 1598 schloß Rubens seine Lehrzeit ab,
und durfte sich Freimeister und Mitglied der Lucasgilde nennen. Aber nicht
in Antwerpen startete Rubens seine künstlerische Karriere,
vielmehr zog es ihn 1600 nach Italien. Der Herzog von Mantua, Vincenzo
Gonzaga, erkannte sein Talent, denn er ernannte ihn 1600 zu seinem Hofmaler
und erlaubte es ihm sogar, zu Studienzwecken in Italien herumzureisen.
Außer Rom, wo er 1601 für den ehemaligen Kardinal und Erzherzog
Albert, der 1599 die spanische Infantin Isabella geheiratet hatte, Aufträge
ausführte, besuchte Rubens weitere italienische Städte,
wie Genua und Padua. 1603 weilte Rubens als Abgesandter von Gonzaga
am spanischen Hof in Valladolid und verbrachte die beiden folgenden Jahre
in Mantua bei seinem Arbeitgeber. Doch schon 1606 zog es Rubens wieder
nach Rom. Dort wohnt er bei seinem Bruder Philip, ebenfalls Maler und zwischen
1605 und 1607 Sekretär und Bibliothekar des Kardinals Ascanio Colonna,
in der Strada della Croce beim Piazza di Spagna.
Beider Interesse für die Antike war groß und sie erwarben sich gute Kenntnisse in der
römischen Kunst; Philip legte sie in einem Buch 1607 nieder, das von Rubens bebildert wurde.
Das Studium von Rubens galt aber nicht ausschließlich der Antike, neben den italienischen
Meistern widmete er sich auch der Architektur. 1622 veröffentlichte er ein Buch über die
`Palazzi di Genua'. Trotz wiederholter Aufforderungen seitens seines Auftraggebers
Gonzaga, kehrte Rubens nicht mehr nach Mantua zurück. Nachdem er selbst 1606 an Pleuritis
(Rippenfellentzündung)schwer erkrankte, erreichte ihn 1608 die Nachricht von der Krankheit
seiner Mutter. Sofort brach Rubens nach Antwerpen auf, kam jedoch zu spät. Seine Mutter
war bereits vor seiner Ankunft verstorben.
In seiner Heimat wurde Rubens gebührend empfangen, galt er doch
als überragender flämischer Maler. Die Stadt Antwerpen ließ
deshalb auch nichts unversucht, den Künstler zu halten. Erste große
Aufträge erfolgten, so die "Anbeteung der Könige" für das
Rathaus, in dem 1608 der 12jährige Waffenstillstand zwischen den spanischen
und den Niederlanden unterzeichnet wurde. In Briefen Rubens an seine Freunde
in Rom wird deutlich, wie der Künstler mit sich rang: Sollte er nach
Rom zurückkehren oder in Antwerpen einen Neuanfang wagen? Die lukrativen
Aussichten auf eine Werkstatt, die der Waffenstillstand eröffnete
und das Angebot des Statthalter-Ehepaares von Spanisch-Niederlande, Erzherzog
Albert und die Infantin Isabelle, ihn als Hofmaler zu beschäftigen,
veranlaßten Rubens zum Bleiben. Der Posten als Hofmaler brachte
ihm nicht nur einen Jahresgehalt von 1000 Gulden ein, er war zudem nicht an die
Residenzstadt Brüssel gebunden, erhielt Steuerfreiheit und durfte soviele Gehilfen
einstellen, wie er benötigte. In kürzester Zeit eroberte Rubens den Markt in seiner
Heimat, baute eine gutfunktionierende Werkstatt auf, in der neben A. vam Dyck auch F.
Snyders oder Jan Bruegel der Ältere arbeiteten, und begann ein Leben als angesehener und
vermögender niederländischer Bürger. 1609 heiratete er Isabella Brant, die damals
18jährige Tochter des angesehenen Juristen Jan Brant. Rubens schätzte sie als
Lebenspartnerin sehr und war bei ihrem überraschenden Tod 1626 lange Zeit schwer
getroffen.
Grund für Isabellas Tod war wohl die verfrühte Rückkehr der Familie
nach Antwerpen, wo die Pestepedemie noch schwelte und sie sich ansteckte.
In den Jahrzehnten zuvor hatte sich Rubens als Künstler und
Geschäftsmann einen festen Platz in der Oberschicht gesichert, der
in seinem - heute noch besichtigbaren - Haus herrschende Luxus, zeigt dies.
Das Wohnhaus und ein Werkstatt-Gebäude sind von einer ausgedehnten
Gartenanlage umgeben. Nachdem die ersten Aufträge zumeist aus der
Bürgerschicht und von der Kirche kamen, wurde Rubens ab 1622
verstärkt ein Maler der Adelsschicht. Neben der französischen
Königin Maria de Medici und deren Sohn Louis XIII, erhielt er Aufträge
vom spanisch-habsburgischen Hof (Philip IV) und sogar vom englischen König
Karl I.
In die Jahre um 1622 fällt der Beginn seiner Karriere als Diplomat, Politiker
und Geheimagent. Da trotz des Waffenstillstandes keine diplomatischen Beziehungen
zwischen den spanischen und `freien' Niederlanden zustande kamen, wirkten
die Geschäftsleute als Vermittler. Familienbande und Händler
hielten sich nicht an die Grenzen und auch Rubens hatte einflußreiche
Verwandte auf beiden Seiten. Er wurde schließlich in Verhandlungen
zwischen den Statthaltern der nördlichen und der spanischen Niederlande
einbezogen und avancierte in der Folgezeit sogar zum persönlichen
Berater und Agenten der Infantin und Regentin Spanisch-Niederlande Isabella
und ihres Mannes Albert. Der Tod seiner Frau veranlaßte Rubens
zu verstärkter diplomatischer Tätigkeit oder eher zu Agententätigkeit
für den spanischen Hof. Durch seine Verbindungen zu Kunsthändlern
und Kunstinteressenten in ganz Europa verfügte er über zahlreiche Kontaktleute und
diplomatische Verhandlungen ließen sich gut unter dem Deckmantel `Kunstgeschäfte'
verbergen. 1627 weilte Rubens für mehrere Monate am spanischen Hof - für Freunde war er
auf einer Kunstreise in Italien -, um dort über seine Verhandlungen
mit England zu berichten und für neue Aufgaben vorbereitet zu werden.
Ein Jahr später fungierte Rubens dann als offizieller spanischer
Unterhändler am Hof des englischen Königs Karl I. Die Aufnahme
diplomatischer Beziehungen zwischen beiden Königreichen und das Akzeptieren
eines Waffenstillstandes krönten sein diplomatisches Geschick. 1630
kehrte er nach Antwerpen zurück mit dem Bestreben, sich fortan ins
Privatleben.
Rubens heiratete die 16jährige Helene Fourment, weil er, wie er in einem
Brief bekannte, nicht als Eremit leben könnte. Dennoch ist er weiterhin
diplomatisch tätig: als Betreuer von Maria de Medici, die vor Kardinal
Richelieu aus Frankreich nach Spanisch-Niederlande geflohen war, und als
Vermittler bei einer erneuten Friedensinitiative beider niederländischer
Regionen. Streit und das Scheitern dieser Verhandlungen sowie der Tod der
Infantin Isabella, 1633, beendeten seine diplomatische Karriere jedoch
endgültig und der Maler zog sich nun wirklich zurück.
1635 erwarb er ein Landgut, nannte sich fortan `Herr von Steen' und verbrachte
die Sommer dort im Kreise seiner Familie. Inspiriert von seiner jungen
und schönen Frau widmete er sich erneut der Malerei. Allerdings litt
er verstärkt an Gicht, bereits 1626 hatte er Anfälle durchgestanden,
und seine letzten Lebensjahre wurden hart für ihn. Teilweise konnte
er sich weder fortbewegen, noch Briefe schreiben oder malen. Schließlich
führte die Krankheit am 30.5 1640 zum Tode des Malers und Diplomaten.
Rubens kommt eine Sonderrolle als Künstler zu, denn er glänzte durch
eine beachtliche Vielseitigkeit. Er war ein geschickter Geschäftsmann,
ein geschätzter Diplomat und Politiker, einer der besten Antikenkenner
seiner Zeit, immer wohlhabend, sehr gebildet und an vielen Dingen des täglichen
Lebens interessiert. Diese Eigenschaften veranlaßten den Genueser
Feldherrn im Dienste von Albert und Isabella, Ambrogio Spinola, zu der
Aussage, daß »in Rubens so viele Talente glänzen,
daß die Malerei mir als das geringste erscheint.« Dieser »am meisten unter
Druck stehende Mann «, wie sich Rubens selbst einmal bezeichnete, unterwarf
sich einem festen und geregelten Tagesablauf, in dem er sogar Zeit für
körperliche und geistige Entspannung einplante. Sein großes
Organisationstalent wirkte sich in erster Linie in seiner Werkstatt aus,
in der jeder Schritt geplant ablief, so daß er schnell und produktiv
arbeiten konnte. Die Zeitgenossen bewunderten zudem sein Konzentrationsvermögen,
das ihm mehrere Tätigkeiten neben dem Malen erlaubte. Ein starkes
Selbstbewußtsein, Zielstrebigkeit und Beharrlichkeit rundeten eine
außergewöhnliche Persönlichkeit ab, über die die umfangreiche
Briefkorrespondenz (etwa 230 Briefe sind erhalten) ein gutes Bild vermittelt.
Diese Briefe zeichnen Rubens zudem als einen herausragenden Korrespondenten
des Zeitgeschehens und der Kunst aus. Humorvoll und zuweilen ironisch nahm
er zum Geschehen seiner Zeit zu Kunst und Antike Stellung.
Die Antike hat den Katholiken Rubens auch philosophisch geprägt.
Seine stoische Weltanschaung kam jedoch nach dem Tod seiner ersten Frau,
die ihm eine geistig ebenbürdige Partnerin war, ins Wanken. An seiner
zweiten Frau schätzte Rubens die Jugend, Unbekümmertheit
und sexuelle Vitalität, was sein Spätwerk untermauert. Geschätzt
wurde er an den Höfen der Mächtigen, nicht nur wegen seiner Kunst
seines Allgemeinwissens und seiner Umgangsformen, die ihn zu einem geschätzten
Gesprächs- und Verhandlungspartner machten; er galt als ehrlich und
mit einem feinen Urteilsvermögen ausgestattet. Rubens besaß
jedoch auch negative Charakterzüge: Neben seiner Beharrlichkeit, die
durchaus unangenehm werden konnte, unterlag er häufig der Gewinnsucht.
Neben Reichtum erstrebte er ein dem Adel angeglichenes Leben, was ihm spätestens
mit dem Erwerb des Gutes Steen gelang.
Rubens versuchte sich als Mensch und Diplomat bzw. Geheimagent für den Frieden
einzusetzen. Nur dieser ermöglichte seiner Meinung nach Wohlstand, der erbärmliche Zustand
seiner Heimat Flandern hatte ihn diesbezüglich stark beeinflußt. Selbst wenn
ihm seine Rivalen und Gegner Hörigkeit gegenüber der spanischen
Krone vorwarfen, übte Rubens auch Kritik an der spanische Politik.
Treu und ergeben war er dagegen immer seiner Förderin, der Infantin
Isabella.
Rubens war als Künstler ein Spätzünder. In einem langsamen
schöpferischen Entwicklungsprozeß galt es die vielseitigen Einflüsse,
denen er in Italien ausgesetzt war, zu verarbeiten. Während seiner
Lehrjahre in Italien löste er sich von dem kühlen Klassismus
seines Lehrers Otto van Veen. Die Antike, vor allem Statuen und Sarkophage,
und die Farbgebung der venezianischen Malerei bestimmten diese Frühphase.
Der unerschöpfliche Reichtum der italienischen Kunst floß in
der Folgezeit verstärkt in sein Werk ein. Auch nach seiner Rückkehr
nach Antwerpen, 1608, dominierte zunächst das italienische Element,
ehe eine `Sturm und Drang'-Periode einsetzt. Zu den monumentalen Kompositionen
und der großen Plastizität kamen Pathetik, Lebendigkeit, gekonnte
Lichtführung und die berühmten Diagonale im Bildaufbau. In der
Mitte der 20er Jahre des 17. Jahrhunderts kennzeichneten eine Beruhigung
und Vereinfachung der Komposition sowie einer Harmonisierung in der Farbgebung
seine Bilder. Die Jahre zwischen 1620 und 1628 brachten für Rubens
den internationalen Durchbruch und große Aufträge für Bildzyklen.
An die Stelle der Diagonalen trat in diesen Jahren verstärkt das ausgewogenen
Verhältnis zwischen Bewegung und Gegenbewegung. Die späten 30er
Jahre bedeuten einen diplomatische Höhepunkt in seinem Leben, ehe die Heirat mit der
jungen Helene Fourmant eine letzte, die `lyrische' Periode einleitete.
Die Gemälde der Spätphase wurden immer monumentaler, die Farbskale
erneut aufgehellt und die Schönheit der Frau stand verstärkt
im Zentrum. Ein Aspekt, der schon zu seinen Lebzeiten für Kritik sorgte,
denn vielfach erregten seine `Nuditäten' Anstoß. Selbst seine
Frau soll zahlreiche Aktbilder von ihr nach seinem Tod zerstört haben.
Ab 1635, nach dem Erwerb des Landguts, widmete sich Rubens verstärkt
der Landschaftsmalerei. Es hat zudem den Anschein, daß er in seinen
letzten Lebensjahren den Werkstattbetrieb nicht
mehr so diszipliniert überwachte wie zuvor. Es ist beispielsweise
überliefert, daß er ein Bild aus seiner Werkstatt zurücknehmen
mußte, das er selbst nie abgesegnet hatte.
Rubens pflegte jedes seiner Gemälde lange vorher zu planen und zu entwerfen.
Mittels zahlreicher Zeichnungen und Ölskizzen spielte er alle Möglichkeiten
durch, ehe er einen ersten Entwurf in Öl wagte. Diese Ölskizzen
hatten schon zu seinen Lebzeiten einen hohen Sammlerwert und waren begehrt.
Er selbst schrieb einmal, daß das Gemälde an sich nicht so wichtig
sei, das könne man auch in der Werkstatt machen lassen, vielmehr sei
der Entwurf, die Erfindung, ausschlaggebend. Das erklärt seinen gut
durchorganisierten und effizient arbeitenden Werkstatt-Betrieb. Verschiedene
Schüler und andere Meister waren für ganz spezielle Aufgaben
zuständig, was sich besonders bei großformatigen Aufträgen,
wie Altarbilder oder Raumausstattungen, auszahlte.
Rubens arbeitete daneben auch als Graphiker und Illustrator, beispielsweise für
die Druckerei seines Freundes Balthasar I. Moretus. Als Kolorist, in der
virtuosen Behandlung der Farbe, war er zeitlebends unübertroffen.
Zudem versuchte er eine Harmonisierung zwischen einer realistischen Darstellung
und einer idealisierenden Formgebung sowie zwischen seiner ungezügelten
Vorstellungskraft und der ordnenden Komposition zu erlangen. Dabei half
ihm seine Fähigkeit, mit wenigen Strichen und Farbklecksen eine außergewöhnliche
Aussagekraft zu erreichen. Aus seinem klassisch-humanistischem Geist und
einer sublimierten Sinnlichkeit schuf er eine neue Bilderwelt, die von
leidenschaftlichem Leben erfüllt war. Das widersprach seinem eigenen
Wesen, er galt als besonnener und disziplinierter Mann; seine Darstellungen
sollten daher als Gegenentwurf zur Realität verstanden werden. Lediglich
die Bilder aus seinem letzten Lebensjahrzehnt scheinen sein wahres Empfinden
widerzuspielen, als er die Frau und die Landschaft thematisierte.
Rubens verstand die Malerei immer als seine `dolcissima professione', selbst wenn
er auch als Diplomat, Kunsthändler oder Korrespondent
(in seinen Briefen) außergewöhnliche Fähigkeiten an den
Tag legte. Zwar arbeitete er viel als Graphiker oder Zeichner, doch sah
er darin nur ein Hilfsmittel zum Endprodukt, dem Gemälde. Interessanterweise
hat er die Reproduktion von Kunstwerken vorangetrieben. Von ihm überwachte
Spezialisten fertigten Stiche seiner Werke an, zum Zwecke der Verbreitung
seiner Kunst einerseits, aber auch um als eigenes Kunstwerk verkauft zu
werden. Rubens war immer darauf bedacht, für diese Drucke das
Urheberrecht zu erhalten.
Zu seinen Hauptwerken zählen großformatige Altarbilder, Bildzyklen
für Räume jeglicher Größe und Genrebilder für
das Bürgertum. Die Themen waren zumeist dem religiösen, geschichtlichen,
mythologischen oder allegorischen Bereich entlehnt. Bildnisse und Landschaften
spielen in seinem Övre eine untergeordnete Rolle. Sein Werk ist sehr
umfangreich. Außer Gemälden sind Graphiken, Zeichnungen und
Ölskizzen erhalten. Anders als bei Zeitgenossen, beispielsweise Rembrandt,
studierte er ein Thema ausführlich und experimentierte zunächst.
An die 3000 Werke jeglicher Art sollen aus seinem Werkstattbetrieb stammen,
etwa 600 davon sind von ihm zumindest offiziell abgesegnet.
Die großen Altarwerke: "Kreuzaufrichtung" (1609/ 1610) und "Kreuzabnahme"
(1611/12; beide Antwerpen, Kathedrale) kennzeichnen die erste Reifestufe
einer Kunst, die die Grundlage der europ. Barockmalerei wurde. Es folgen
Bilder wie der "Raub der Töchter des Leukippos" (um 1616/17) und "Amazonenschlacht"
(vor 1619) sowie weiterhin religiöse Darstellungen, das große
und das kleine "Jüngste Gericht" (um 1615/16 bzw. 1618-20), "Der Höllensturz
der Verdammten" (um 1620; alle München, Alte Pinakothek)".
Zu seinen größten Aufträgen zählen zwei Medici-Gemäldezyklen
für Paris (1622-25 für Palais Luxembourg; heute Louvre; Entwürfe
[1628-31] zur Geschichte Heinrichs IV., u. a. Berlin-Dahlem und Florenz,
Uffizien). Das letzte große Altarwerk, der "Ildefonso-Altar" (1630-32;
Wien, Kunsthistor. Museum), führt die kolorist. Entwicklung (seit
Mitte der 1620er Jahre) zum Höhepunkt. Seine späten Landschaften,
u. a. "Landschaft mit Regenbogen" (um 1635; München, Alte Pinakothek),
beruhen auf Naturstudien, weisen aber auch ins Allegorische. Außerdem
Porträts: "Helene Fourment mit ihrem Sohn Frans" (um 1635, München,
Alte Pinakothek), "Das Pelzchen" (um 1638, Wien, Kunsthistor. Museum).
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