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Dieser unantastbare Moralphilosoph und Dichter war unter Kaiser Claudius schon einmal nach
Korsika verbannt worden; als er zurückgerufen wurde, übergab man ihm den jungen Nero zur
Erziehung. Der Spanier Seneca war ein gescheiter Kopf; er wird mit allen Mitteln der
Pädagogik, von der Moral bis zum Witz, versucht haben, seinen Zögling auf die Bahn der
Tugend zu bringen, die für Seneca der höchste Lebenswert war.
Nero hörte sich, auch nach seinem Regierungsantritt, einige Jahre die Predigten seines
Lehrers an und las wohl auch seine Werke, zumal die Schrift "Über die Milde", die Seneca
ihm gewidmet hatte. Vielleicht hat Nero auch sein mimisches Talent an einigen Tragödien
Senecas erprobt, am "Rasenden Herkules" etwa oder am "Ödipus" und "Thyestes". Dann aber,
nach zehnjähriger Erziehung, brachte Nero seine Mutter um und wurde der Massenmörder und
Tyrann, als den wir ihn kennen. Seneca hörte nicht auf, stoische Moralschriften zu
verfassen. Endlich aber beschuldigte ihn Nero, er habe an der Verschwörung des Piso
teilgenommen, und er durfte sich mit vielen anderen vornehmen Literaten den Tod geben.
Seneca hatte sich allerdings schon früh an der Idee der gottähnlichen Diktatur gerächt. Als
Claudius starb, verfasste er eine bissige Satire auf den Tod und die Himmelfahrt des
Kaisers unter dem Namen "Verkürbissung" (Verwandlung in einen Kürbis). Den Tod begrüßte er
als Freund, der ihm weit die Tore aus der Enge des irdischen Diesseits in eine bessere und
tugendhaftere Welt öffnete. Die Wirkung Senecas auf die mittelalterliche Philosophie und
Dichtung war stark.
Originalkupferstich (32 x 22,5 cm) von Peter Paul Rubens.
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