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Von den 123 Dramen des Sophokles, die der Antike bekannt waren, sind sieben erhalten
geblieben. Sophokles war der Geistvolle unter den drei griechischen Tragikern, zugleich
auch der kunstvolle Meister der tragischen Form. Er schuf in seinem "Ödipus" das Modell
eines "analytischen" Dramas, das die Handlung nach rückwärts, in die Vergangenheit,
entwickelt. Den "dritten" Schauspieler hinzunehmend, machte er das tragische Gewebe
reicher und führte die Chöre zur Vollkommenheit lyrisch, tragischen Ausdrucks.
Glücklicherweise wurde er in der Hochblüte griechischer Kunst hineingeboren, in das
Perikleische Zeitalter, das ihn zu würdigen wußte. Bei den dichterischen Wettkämpfen
erhielt er achtzehn mal den ersten, sonst immer den zweiten Preis. Den Ruhmgekrönten
betraute man mit hohen Staatsämtern. Im Feldzug des Perikles gegen Samos ernannte man
ihn zum Strategen und versetzte ihn nach seinem Tode unter die Heroen.
Sophokles ist der strahlendste unter den griechischen Dichtern, von hoher Würde, allem
Edlen voll zugewandt. Er war göttergläubig, ließ aber auch der menschlichen Persönlichkeit
ihr Recht und hielt so die klassische Mitte zwischen der alten und der neuen Zeit, die
schließlich dem Sophismus verfiel und den Untergang des Staates heraufbeschwor. Seine
fromme "Antigone", sein "Ajax" und seine "Elektra" werden heute noch gespielt. In seinem
"Ödipus auf Kolonos" spricht der geblendete König Gedanken aus, die christlich anmuten.
Lessing hat ein "Leben des Sophokles" geschrieben und in ihm den Geist der griechischen
Klassik verkörpert gesehen.
Originalkupferstich (33 x 24 cm) von Peter Paul Rubens.
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