Rede von Heinrich Ripphausen zur Eröffnung der Ausstellung Jochen Gottelt - Farbe bekennen" in der Galerie KunstStück Linnich am 17.April 1999.

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde, ich begrüße Sie zur achten Ausstellung der Galerie KunstStück hier in Linnich. Ich möchte Ihnen heute den Künstler Jochen Gottelt vorstellen, der in Wuppertal lebt. Kennengelernt habe ich Ihn über einen gemeinsamen Freund - Dirk Hedderich - der heute auch hier ist und Jochen Gottelt im Internet aufgespürt hat.

Dort betreibt Jochen Gottelt eine virtuelle Galerie, wo man viel über ihn und seine Bilder erfahren kann. Wie der Zufall es will, heißt diese Galerie ebenfalls KunstStück - sogar mit großem S in der Mitte.

Wenden wir uns den Kunstwerken zu. Es fällt leicht, ein Motto für diese Bilder zu finden. Der Künstler hat es in seiner Edition von Karten - 1995 herausgegeben - bereits selbst gegeben: DIE WELT IST BUNT, PUNKT,PUNKT, PUNKT

Diese Welt zeigt uns Jochen Gottelt, so glaubt man zumindest auf den ersten Blick. Seine Bilder sprühen vor Farbigkeit, unsere Augen werden vielfältig durch interessante Formen und Farbkombinationen gereizt.

Aber irgendwie sind diese Reize anders, als wir sie z.B. in der täglichen Werbung erleben. In der Werbung geht es um eindeutige Botschaften, der Konsument wird bevormundet: Dieses gezeigte Lebensgefühl hat man, wenn man genau dieses beworbene Produkt kauft und umgekehrt.

Anders ist das bei Jochen Gottelt: Die Bilder sind abstrakt, die Eindeutigkeit fehlt und damit darf - nein muß - der Betrachter seine eigene Phantasie bemühen. Allenfalls bekommt er durch den Bildtitel einen Hinweis; diese Titel haben oft lyrischen Charakter, manchmal werden sie auch auf überraschende Weise verfremdet.

Schauen wir uns exemplarisch das Bild hier an der Südwand an. Es heißt "Der Zauberlehrling". Mich erinnert dieses Bild an einen subtropischen Dschungel: An jeder Ecke sprießt etwas, schlängelt sich empor. Das Gewirr von Pflanzenteilen und vielleicht auch Tieren und Menschen wirkt dabei nicht undurchdringlich und unwirtlich, sondern freundlich neben- und hintereinander angeordnet.

Und ist es nicht so, daß sich unsere Phantasie hier viel weiter ausbreiten kann, als dies in einem naturgetreuen Bild mit einer bestimmten Stimmung möglich ist?

Nun kommen wir zu einer Besonderheit der Werke Jochen Gottelts: Fertige Bilder nutzt er als Fundgrube für neue Werke. Das kann wieder in Öl auf Leinwand geschehen, aber auch in der Form der Fotokunst. Beispiele sind diese beiden Bilder "Big Taste" und "Der zweite Himmel". Hier ist es noch relativ leicht die Ausschnitte aufzuspüren. Schwieriger wird es da schon bei den Fotos - wir bewegen uns im Makrobereich - vorne am Eingang rechts.

Interessant an den Bildern Jochen Gottelts ist auch, daß er für jede Fläche die Farbe extra anmischt, so daß nie zwei gleiche Farbtöne entstehen. Diesen Vorgang nutzt er, um wiederum neue Bilder entstehen zu lassen, unter dem Motto: "Gewischtes Entsorgen übriggebliebener Ölfarben". Beispiel dafür: "Von Pontius nach Pilatus" im Schaufenster nach innen. .Dieser Zyklus ist Vorlage für alle Bilder, die an der Hauptwand hängen. Diese Möglichkeiten der Bildentstehung lassen sich damit immer weiter fortsetzen, wie ein Perpetuum mobile.

Ich lade Sie ein, in den Bildern Jochen Gottelts Ihre persönliche Sicht der Welt zu entdecken. Dazu darf ich Sie noch auf ein Glas Sekt bitten, vielleicht stoßen wir auf diese schöne, bunte Welt an und vergessen für ein paar Stunden das Traurige, das es in dieser Welt auch gibt.

Zum Schluß möchte ich mich gern bedanken, bei Ihnen allen für Ihren Besuch, beim Künstler, dessen Bilder uns hier zusammengeführt haben und bei den Frauen (Karin und Sylvia), die ihre Männer unterstützt haben, damit diese Ausstellung zustande kam .

Vielen Dank.