APS-FAQ V1.1a

compiled by Kai Rode (kai_rode@bigfoot.com)

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Vorwort

Im Bereich der Consumer-Technik gibt es zwei Dauerbrenner, die - je nach Lebensalter - schon seit vor der Geburt der meisten Leser in beinahe unveränderter, nur in Details verbesserter Form existieren. Dies sind zum einen die Audio-Compactcassette und zum anderen der Kleinbild-Film.

An der Ablösung der Compactcassette haben sich schon mehrere Systeme (DAT, DCC, MiniDisc) versucht, in Europa jedoch mit nur mäßigem Erfolg, und auch im Fotobereich hat es schon einige Versuche gegeben, konkurrierende Systeme einzuführen (Pocket-FIlm, Disc-Film), die leider unter mangelhafter Qualität litten.

Seit April 1996 ist nun jedoch ein System auf dem Markt, das eindeutig die Chance hat, zumindest im Consumer- und teilweise im Fotoamateur-Bereich erhebliche Marktanteile zu erobern: APS


APS? Was ist denn das?

APS ist die Abkürzung für "Advanced Photo System", auf Deutsch "Fortschrittliches Fotosystem" und ist eine neue Filmart, die zusammen mit APS-Kameras einige Verbesserungen aufweist, die mit dem Kleinbildsystem nicht zu erreichen wären. 


Verbesserungen? Zum Beispiel?

Zum Beispiel die Möglichkeit, verschiedene Bildformate direkt bei der Aufnahme wählen zu können, kleinere und leichtere Kameras, kinderleichtes Einlegen der Filme, sichere Aufbewahrung von Film und Negativen, Aufdruck von Aufnahmedatum und -zeit und wählbaren Titeln auf der Bildrückseite und die Möglichkeit, dem Kopierautomaten Hinweise für die Verarbeitung jedes einzelnen Bildes geben zu können. 


Und wodurch werden diese neuen Features möglich?

Die wesentliche neue Eigenschaft der APS-Filme ist eine transparente Magnetschicht auf der Rückseite des Filmes, auf die die Kamera wie bei einer Diskette die benötigten Daten schreiben kann.

Weiterhin trägt dazu die neue, kleinere und leichtere Filmpatrone bei, in der der Film vor und nach der Belichtung vollständig verschwindet, und die auch zur Aufbewahrung der Negative dient. 


Negative in der Patrone? Und wie sieht man, welche Bilder da drauf sind?

Bei der Filmentwicklung wird ein Indexprint angefertigt, auf dem alle Bilder verkleinert und farbrichtig säuberlich durchnummeriert abgebildet sind. Dieser Print und die Filmpatrone tragen eine Nummer, die die Zuordnung zwischen Print und Patrone ermöglicht. Diese Nummer wird auch auf die Rückseite jedes Bildes aufgedruckt.

Vorteil: keine Fingerabdrücke und kein Staub mehr auf den unersetzlichen Negativen. Der Status des Filmes (unbelichtet/teilbelichtet/belichtet/entwickelt) wird übrigens an der Patrone angezeigt und die Kameras nehmen bereits belichtete oder gar entwickelte Filme nicht mehr an. 


Wie bekommt man den Film dann aus der Patrone?

Das macht die Kamera selbsttätig. Die Patrone beinhaltet eine Mechanik, so daß der Film nicht herausgezogen werden muß, sondern herausgeschoben werden kann. 


Das Filmeinfädeln ist also einfacher?

Ja. Die Zeiten, wo entweder der Filmanfang fehlbelichtet war und einige Bilder verloren gingen oder - im anderen Extrem - der Film statt mit Bild 1 mit Bild Null oder gar Bild Doppelnull begann, ist vorbei. Bei APS kann man garantiert so viele Bilder korrekt aufnehmen, wie auf der Patrone angegeben werden. Auch Katastrophen wie die, daß der Film nicht richtig eingefädelt war und nicht weitertransportiert wurde (was man nach Murphy natürlich erst merkte, nachdem bereits zwanzig Bilder aufgenommen waren), sind nicht mehr möglich.

Das Filmeinlegen ist mit APS so einfach, wie ein Batteriewechsel, einfacher sogar, da man den Film nicht verkehrtherum einlegen kann. Klappe auf, Film rein, Klappe zu. Der Rest läuft automatisch, selbst der Rücktransport. 


Wie viele Bilder passen denn auf einen Film?

Statt der Kleinbildüblichen Anzahlen von 12, 24 und 36 gibt es APS-Filme mit 15, 25 und 40 Aufnahmen. Momentan gibt es Farbnegativfilme in ISO 100, 200 und 400. Dia- und Schwarzweißfilme werden nach Aussagen der Hersteller ebenfalls bald erhältlich sein, ebenso Filme mit höherer oder geringerer Empfindlichkeit. 


Welche Bildformate bietet APS?

Jede APS-Kamera außer den allerbilligsten Film-mit-Linse-Wegwerfkameras kann Bilder in drei verschiedenen Formaten aufnehmen:

Classic/Standard:

Dieses Format entspricht mit einem Seitenverhältnis von 3:2 fast genau dem bekannten Kleinbild-Format. Die Abzüge haben üblicherweise das Format 8,25x12,10 cm, 8,9x13,3 cm oder 10,2x15,2 cm.

Ideal/High-Definition:

Dieses Format hat das Seitenverhältnis 16:9, also exakt das Seitenverhältnis moderner Fernsehnormen wie PAL-Plus. Die Abzüge haben das Format 8,25x14,6 cm, 8,9x15,2 cm oder 10,2x17,8 cm. Es eignet sich besonderns für Gruppenfotos.

Panorama:

Dieses Format ist mit einem Seitenverhältnis von 3:1 doppelt so breit wie das Classic-Format. Die Abzüge haben das Format 8,25x23,5 cm, 8,9x25,4 cm oder 10,20x29,2 cm, allerdings wählen manche Labors etwas schmalere Formate um die Abzüge nicht unhandlich breit werden zu lassen. Das Panorama-Format eignet sich besonders für Landschaftsaufnahmen. 


Passen auf einen Film nur halbsoviele Bilder, wenn man Panoramafotos aufnimmt?

Nein. Das Negativ ist immer gleich groß und hat das Ideal-Format 16,7x30,2 mm (16:9). Wählt man an der Kamera eines der anderen Formate, so wird nur ein entsprechender Bereich im Sucher ausgeblendet und eine Markierung auf den Film geschrieben, die das Labor bei der Herstellung der Abzüge anweist, links und rechts etwas wegzulassen (Classic) bzw. oben und unten etwas wegzulassen und den Rest so zu vergrößern, daß die Papierbreite ausgenutzt wird.

Im Gegensatz zu einer "echten" Panoramakamera wird also keine spezielle Weitwinkellinse benutzt, man muß also darauf achten, daß die Kamera ein ziemlich weitwinkliges Objektiv hat. Außerdem sind Panoramabilder, da sie eigentlich Vergrößerungen sind, etwas unschärfer und körniger. 


Die Negative sind kleiner. Auch die Objektive?

Ja. Bei APS sind alle Brennweiten 1/4 kleiner. Statt eines 300mm-Teleobjektivs benötigt man also nur 225mm für extreme Teleaufnahmen und übliche Consumer-Kameras mit fester Brennweite haben üblicherweise 25mm statt 31mm. 


Schadet die kleinere Negativgröße nicht der Bildqualität?

Nicht unbedingt, da die APS-Filme viel feinkörnigere Emulsionen benutzen. Der Fuji-Nexia A200 ist beispielsweise trotz kleinerer Negativgröße um 12% schärfer (Quelle: fotomagazin 5/96) als sein Kleinbild-Bruder Super G plus 200. Allerdings sind im Kleinbildbereich auch noch Verbesserungen zu erwarten, sobald die verbesserten Emulsionen auch dort verwendet werden. Für den Consumer-Bereich spielt dies jedoch kaum eine Rolle, da im Allgemeinen das Objektiv die Bildqualität mehr beschränkt, als der Film.

Die Pocket- und Disk-Systeme scheiterten unter anderem an diesem Punkt: das Negativ einer Disk-Kamera hatte nur 1/10 der Größe eines Kleinbildnegativs, was sich auch durch besseres Material nicht mehr ausgleichen ließ.


Datums- und Titeleinblendungen können einige Kleinbildkameras aber auch.

Ja, es gibt Kleinbildkameras mit Datenrückwand. Dort erfolgen die Einblendungen aber im sichtbaren Bild und stehen für alle Zeit unverrückbar fest. Möglicherweise will man sie später gar nicht mehr haben - zu spät!

Bei APS werden Datum und Titel auf der Rückseite aufgedruckt und nur optional ins Bild eingeblendet. Datum und Titel können auch nach der Entwicklung für weitere Abzüge geändert oder gelöscht werden. 


Welche Daten kann man dem Film denn noch mitgeben?

Man kann schon bei der Aufnahme bestimmen, wie viele Abzüge gemacht werden sollen. Bild verwackelt? Kein Problem: einfach auf '0 Abzüge' stellen. Auch für Familienfotos, von dem jeder einen Abzug erhalten soll eignet sich diese Funktion.

Kameras ab der unteren Mittelklasse speichern Informationen über die jeweilige Aufnahmesituation (Kunstlicht/Tageslicht, Gegenlicht, Blitzaufnahme, Belichtungszeit, Blende etc.) die der Printer ausnutzen kann, um die Qualität der Abzüge zu optimieren. Bei Kameras der Oberklasse kann man außerdem einstellen, daß der Printer bestimmte Optimierungen nicht vornehmen soll.

Zum Beispiel kann man die Information "Dieses Bild habe ich etwas überbelichtet, und das soll es auch bleiben." mitgeben, so daß der Printer nicht versucht, diesen vermeintlichen Aufnahmefehler auszugleichen. 


Was bringt APS für Profis und engagierte Amateure?

Leider nicht so viel. Wenn man die Filme selbst entwickeln und Abzüge herstellen will, dann muß man den Film aus der Patrone entfernen. Außerdem kommen die gespeicherten Zusatzinformationen nicht zum Tragen. Wenn man aber zusätzlich zu seiner Spiegelreflex-Kamera eine kleine, leichte Zweitkamera für schnelle Schnappschüsse sucht, oder nicht selbst entwickeln will, dann ist man mit APS abgesehen von der noch fehlenden Möglichkeit. Dias und s/w-Bilder aufzunehmen recht gut bedient.


Ist APS teurer?

APS-Filme sind etwas (man kann mit etwa DM 1 rechnen) teurer als Kleinbild-Filme. Die Abzüge sind in Qualitätslabors etwa gleich teuer wie Kleinbildabzüge gleicher Größe. Ideal- und Panoramaformatabzüge sind natürlich teurer. Die Entwicklung ist meist teurer, dafür werden die Fotos dann nicht in einer Papiertasche, sondern in einer stabilen Plastikbox geliefert, in der man Abzüge, Filmpatrone und Indexprint sicher aufbewahren kann.

Die Kameras sind zurzeit noch teurer als Kleinbild-Kameras. Man kann in etwa mit folgenden Preisen rechnen:

Fixfokus-Kameras

Um DM 100. Keine qualitätsverbessernden Informationen, kein Titel- und Datumsdruck, keine Abzugsvorwahl.

Autofokus-Kameras mit Festbrennweite

DM 150-300. Printzahl nicht wählbar. Titel-/Datumsdruck und Informationsaustausch meist möglich

Zweifachzoom-Kameras

DM 300-DM 500. Informationsaustausch und Datumdruck Standard, Titeldruck und und Printzahlwahl meist nicht möglich (außer Fuji).

Dreifachzoom-Kameras

DM 550-800. Meist alle Features vorhanden.

Spiegelreflex-Kameras

DM 800-DM 1000. Alle Features, zusätzlich Austausch teilbelichteter Filme möglich (z.B. falls man für Innenaufnahmen einen empfindlicheren Film benötigt). Legt man einen teilbelicheten Film ein, wird automatisch zum nächsten freien Bild vorgespult. 


Und worauf sollte man noch achten?

Darauf, daß man das richtige Labor erwischt. Theoretisch sollten alle zertifizierten (erkennbar am APS-Zeichen) Labor denselben Service bieten, praktisch ist dies nach eigener Erfahrung nicht immer der Fall. Beispielsweise ignorierte ein AGFA-zertifiziertes Labor sowohl die Vorwahl der Printzahl, als auch den Titeldruck. Die Abzüge kamen in einer Papptüte zurück. Ein Kodak-Labor hingegen nutzte alle Features aus und lieferte in Plastikbox. (Fairerweise sollte man sagen: das erste Labor war billiger). 



(c)1996-1998 Kai Rode, Wuppertal