Liebe Freundin . . .

 


... waren das zuletzt trübe Tage! Dann kam endlich Sonne, die Straßen trocken, ich wollte mein Auto waschen lassen. Das wollten andere auch. Also eine Warteschlange vor der Waschanlage. Im Wagen wollte ich nicht sitzen bleiben, wollte mein Gesicht lieber der Sonne entgegenhalten. Als ich in den besonnten Windschatten des Gebäudes trat, stand da jemand, der das bereits tat. Was der wohl denkt, wenn ich mich dazu … Ja, wenn man immer denkt, was andere denken. Ich stelle mich dazu, schließe die Augen, werde ganz ruhig, lächele mit dem Herzen, atme tief und gleichmäßig, werde ganz leicht und locker – herrlich! Da tippt man mir auf die Schulter: "Sie sind schon lange dran". "Oh". Wir stehen inzwischen schon zu vieren und genießen die Sonne. Eigentlich ganz gut, dass es die dunkle Jahreszeit gibt, nicht wahr? Wie werden wir erst den Frühling genießen, das Osterfest feiern, aufleben! Hängt irgendwie alles zusammen. Kommen wir darauf erst in unseren Jahren? Könnte wieder so ein Pluspünktchen des Alters sein. Die Jungen genießen die Sonne, wir Älteren wissen, warum wir's tun.
Übrigens finde ich es prima, dass Deine Enkelin darüber nachdenkt, zu uns in den Kirchenchor zu kommen. Sie soll nicht zu lange nachdenken! Jede versäumte Chorprobe ist versäumter Spaß. Sag ihr das.
Und nächsten Mittwoch Tee wieder bei mir. Und am Freitag den Weltgebetstag nicht vergessen. Erinnere bitte auch die anderen daran, ja?
Herzlichst Deine

Heidemarie Bederke