Lies mal wieder . . .
Bei einer Massendemonstration am 28. August 1963 in Washington D.C. hielt Martin Luther King seine berühmte Rede "Ich habe einen Traum". Darin fällt auch der Satz "Ich habe einen Traum, dass eines Tages die Söhne früherer Sklaven und die Söhne früherer Sklavenhalter miteinander am Tisch der Brüderlichkeit sitzen werden …"
Von diesem friedlichen Miteinander ist zu diesem Zeitpunkt in Kathryn Stocketts Geburtsstadt Jackson, Mississippi, noch nichts zu spüren. Wie viele weiße Kinder, die in den amerikanischen Südstaaten aufwuchsen, wurde auch sie von einer schwarzen Haushaltshilfe umsorgt, die ihr fast näher stand als ihre Mutter. Dennoch hätte kein Erwachsener der Familie diese Person als vollwertiges Mitglied der menschlichen Gesellschaft angesehen oder auch nur einen Gedanken an deren Gefühle verschwendet. Viel später erst fängt sie an, über das Schicksal ihres Kindermädchens nachzudenken und schreibt einen Roman, der von diesen Erlebnissen stark beeinflusst wird.
Die eigentliche Hauptperson des Buches ist Eugenia Phelan, genannt Skeeter, Tochter eines wohlhabenden Baumwollfarmers. Sie kommt im Sommer 1962 vom Studium zurück auf die elterliche Farm. Alle ihre Freundinnen sind bereits verheiratet und führen das typische Leben der weißen Oberschicht in den Südstaaten. Jede hat ihr schwarzes Dienstmädchen, so dass genügend Zeit für Bridgekränzchen und Wohltätigkeitsarbeit bleibt. Mit Feuereifer werden Spenden für die armen hungernden Kinder Afrikas gesammelt, gleichzeitig werden die vor Ort lebenden Schwarzen als Menschen zweiter Klasse behandelt.
Skeeter will nicht so leben wie ihre Freundinnen, ihr Ziel ist es, nach New York zu gehen und Schriftstellerin zu werden. Da bekommt sie die Chance, ein Buch über ein ungewöhnliches Thema zu schreiben und sie ergreift entschlossen die Möglichkeit, über das Leben der schwarzen Hausangestellten zu schreiben. Sie gewinnt das Vertrauen zweier farbiger Frauen, die ihr von ihrem Alltag erzählen, von den vielen Demütigungen aber auch von der Liebe, die ihnen von den weißen Kindern ihrer Herrschaft entgegengebracht wird. Das Buch erscheint tatsächlich, die Frauen erstarren in stummer Erregung, was passieren wird. Werden sie erkannt, wie werden ihre Dienstherrinnen reagieren?
Kathryn Stockett lässt drei Frauen erzählen, die Schwarzen Aibileen und Minny und die Weiße Skeeter. Es sind sehr beeindruckende, emotionalen Schilderungen, die Erinnerungen wachrufen an die Bemühungen der Bürgerrechtsbewegung in den USA, die Rassentrennung aufzuheben, an Rosa Parks, die nicht mehr das Busabteil für Schwarze benutzen wollte, an die neun Schüler von Little Rock, die nicht mehr akzeptieren wollten, dass ihnen die Schulen der Weißen verschlossen bleiben sollten und vor allem an Martin Luther King, der zum gewaltlosen Widerstand aufrief. Zu all diesen Aktionen gehörten zunächst Mut und Kraft einzelner Menschen, die Stimme zu erheben und sich gegen Unrecht zu wehren, wie die von Aibileen und Minny , den "Guten Geistern". Die Rassentrennung in den USA wurde offiziell mit einem Gesetz im Jahr 1964 beendet, jedoch war es noch ein weiter Weg bis zur völligen Gleichstellung der farbigen Bevölkerung, der auch bis heute noch nicht ganz zu Ende gegangen ist.
Uschi Weckelmann
Kathryn Stockett
Gute Geister
Verlag btb EUR 21,99
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