Schwanengesang - Grüße vom Wappentier

Liebe Menschen in Haßlinghausen, Herzkamp und Silschede!

Jane Fonda ist nicht nur eine amerikanische Schauspielerin, sondern auch einen altgediente Umweltaktivistin. Schon vor Jahrzehnten sagte sie: "Wir gehen mit dieser Welt um, als hätten wir eine zweite im Kofferraum." Tja, da lag Frau Fonda denn doch etwas daneben, denn es gibt, wie wir inzwischen festgestellt haben, ja tatsächlich eine zweite Welt – nur dass die nicht im Kofferraum liegt, sondern im Computer und anderen elektronischen Gerätschaften.

Die virtuelle Welt ist wirklich praktisch. In ihr kann man Dinge anstellen, auf die man im (richtigen) Leben nie käme. Nehmen wir nur die unzähligen Simulatoren: manch verhinderter Sebastian Vettel fährt seine Rennen auf der Playstation (das ist immerhin besser, als es auf der Autobahn zu tun), die Dampfloknostalgiker heizen ihre Loks per Mausklick an, und wer die Luft der großen weiten Welt schnuppern will, setzt sich in das von Computerbildschirm perfekt abgebildete Cockpit eines Großraumflugzeuges und wartet auf die Startfreigabe.

Aber die virtuelle Welt ist nicht nur praktisch, sie ist in mancher Hinsicht sogar besser als die reale Welt. Ich habe z. B. gehört, dass man im Internet virtuelle Aquarien herunterladen kann. Da schwimmen die Fische dann eben nicht in einem Glasbehälter, sondern quer über den Bildschirm. Na und, fragt Ihr jetzt, was soll daran besser sein? Überlegt doch mal: Ihr müsst z. B. nie ins Zoogeschäft, um Futter zu kaufen. Das virtuelle Futter für die virtuellen Fische kauft Ihr mit virtuellem Geld – natürlich ohne Euren Stuhl vor dem Computer je verlassen zu müssen. Und noch was: wenn Ihr in Urlaub fahrt, müsst Ihr nie mehr Euren Nachbarn fragen, ob er denn wohl bitte Eure Fische füttert. Allerdings solltet Ihr bedenken, dass die Schöpfer der virtuellen Welten schon darauf achten, alles so realistisch wie möglich zu gestalten. Beschickt vor der Abreise also bitte den virtuellen Futterautomaten, sonst treiben Eure Fische bei Eurer Rückkehr bäuchlings an der Wasseroberfläche.

Ach, wie schön könnte diese Welt sein, wenn man manche Dinge virtuell auslagern könnte, wenn man das Internet sozusagen zur "Bad Bank" des Lebens machte! Warum beispielsweise werden Kriege nicht nur noch als Ballerspiele am Computer ausgetragen? Dann hätte jedenfalls kein Volk mehr darunter zu leiden. Schade, dass Ihr Menschen darauf noch nicht gekommen seid. Umgekehrt aber gibt es Freundschaften zwischen Menschen, die sich außer bei Facebook noch nie begegnet sind. Also mal ehrlich: wenn ich ein Mensch wäre, würde ich mit meinen Freunden ja gerne mal einen trinken gehen und nicht nur den "Gefällt mir"-Button drücken, wenn irgendjemand mal wieder was Belangloses auf seine Seite gestellt hat. Aber ich bin ja auch nur ein dummer Schwan, der keinen Zugang hat zur virtuellen Welt und sich mit der realen begnügen muss. … Hallo?... Hört mir überhaupt jemand zu? … Ist da jemand?

Euer Schwan