Das Rad ist das "A" und "O" einer
gelungenen Fahrrad-Trekking-Tour. Man kann noch so tolle Luxusartikel mit
sich herumschleppen - ohne einen zuverlässigen Drahtesel geht es nicht!
Wer ein Mountain-Bike
benutzen möchte, wird für Island nichts verkehrt machen. Mountain-Bikes
scheinen extra für Island gemacht worden zu sein, etwa so ähnlich,
wie isländische Lava- und Aschewüsten für die NASA zur Mondlandungserprobung
gemacht zu sein schienen...
Wer lieber einem Trekking-Rad
den Vorzug gibt (so wie ich), sollte auf einen stabilen Rahmen und vor
allem auf gute Felgen achten! Von verstärkten Speichen
kann ich aber nur abraten, da mir in Münster bei einem spektakulären
Zwischenfall nicht die Speichen gebrochen sondern selbige AUS DER NARBE
gerissen sind (will heißen: Hinterrad im Ar***)! Sinnvoller ist bei
Trekking-Rädern eine möglichst breite Bereifung.
Auf die normale 37er-Breite sollte verzichtet werden, die taugt höchstens
was für die geteerten Straßenabschnitte sowie für die Ringstraße.
Für 28er-Räder gibt es Mantelbreiten bis 48 oder 50, die passen
aber nicht zwischen jedes Schutzblech oder der Rahmen ist zu schmal. Bei
mir reicht es für 42er-Breite mit Grobprofil! Der direkte Vergleich
mit den schmalen Mänteln bei lockerem Straßenbelag war enorm
und sollte nicht unterschätzt werden!
Neben der Grundstabilität ist die
Qualität des Gepäckträgers und (falls gewünscht) der
Low-Rider von entscheidender Bedeutung! Jedem, der schon einmal mit dem
Rad auf Island unterwegs gewesen ist, wird entweder selbst etwas an diesen
beiden Trägern gebrochen sein, oder er hat zumindest wen getroffen,
der spontane Materialermüdung bis zur Selbstaufgabe zu beklagen hatte.
Für den Gepäckträger
gilt: Möglichst stabil und möglichst drei durchgezogene Streben
auf jeder Seite, am besten aus ChroMo-Rohr (kein Aluminium).
Die Achillesferse eines jeden Island-Rads
stellt jedoch der vielfach verwendete Low-Rider
dar! Da gibt es die interessantesten Hersteller-Varianten - doch
noch als viel mannigfaltiger erweisen sich die Zerfallsmöglichkeiten.
Keine Strebe ist vor einem glatten Durchbruch sicher, und wem nicht der
Träger bricht, dem werden die "Augen" abgerissen, an denen der Low-Rider
festgeschraubt ist (beides ist mir 1996 passiert). Als Goldene Faustregel
gilt: Auch der teuerste TUBUS-Low-Rider ist vor Brüchen nicht
gefeilt! Mein ´96er war ein Tubus-Modell, Peter fuhr mit einem ESGE-Low-Rider
(auch hier zwei Brüche). Die Blackburn-Träger und die Alu-Nachbauten
taugen meiner Ansicht nach überhaupt nichts! Ich habe einen hilflos
lächelnden Typen kennen gelernt, der sich dank Blackburn und dem rustikalen
isländischen Straßenverhältnissen eine seiner Vordertaschen
hinten auf den Gepäckträger schnallen durfte. Soll super für
das Fahrgefühl sein! Eigentlich konnten mich bisher nur zwei Modelle
restlos überzeugen:
1. ein 1,5 kg selbstgeschweißtes
Teil aus dickem Rohr mit 1,5 mm Wandstärke, der neben Achse und Gabel
noch eine Befestigung am Lenkkopf aufwies
2. der im Fachhandel erhältliche
TUBUS-DUO! Dieser Low-Rider besitzt auf beiden Seiten parallel verlaufende
Rohrstreben und ist auf jeder Gabelseite doppelt verschraubt! Hierzu braucht
man aber eine Trekking-Gabel, die innen und außen Bohrlöcher
aufweist, sonst ist der Träger nicht zu befestigen. Ich habe beim
Kauf des Fahrrades für die ´98er-Tour schon im Vorfeld auf diese
Bohrungen geachtet. Um trotzdem ganz sicher zu gehen, habe ich 1998 jeden
Tag vor der Abfahrt einen Spannriemen um Taschen, Low-Rider und Gabel festgezurrt,
damit die Taschen am Träger nicht arbeiten können. Diese ruckartigen
Bewegungen führen nämlich auf unebener Piste fast unweigerlich
zum Bruch (näheres hierzu beim Thema "Ersatzteillager")!
Für ein dauerhaft vernünftiges
Fahrgefühl sind Sattel und Lenker von
Bedeutung. Der Sattel oder die
Sattelstütze sollte gefedert sein (ich bevorzuge Ledersättel),
manche mögen´s aber lieber hart. Für den Lenker
ist es sinnvoll, wenn er mehrere Griff- und Sitzpositionen bietet. Für
den Mounti-Fahrer bedeutet dies meistens neben der "Affenstange" (die mir
so tierisch auf das Kreuz geht) die Montage der obligatorischen "Hörnchen".
Auch viele Trekking-Räder sind so bestückt. Bis vor kurzem habe
ich ja auf all meinen Touren den klassischen geschwungenen Touren-Lenker
bevorzugt (der sich optisch erstaunlich wenig von einem Hollandrad-Lenker
unterscheidet), inzwischen schwöre ich auf den MoDoLo-Trekking-Lenker.
Es gibt ihn in unterschiedlich geschwungener Form und wohl auch in verschiedenen
Preisklassen von unterschiedlichen Herstellern. Ihr habt sie sicherlich
schon mal gesehen, der Prototyp sieht aus wie eine eckige "Acht", die um
90° gedreht am Lenkkopf befestigt ist. Diese Lenker weisen mindestens
drei Griffpositionen auf, so dass man auch mal mehr oder weniger gerade
sitzen kann. Der Nachteil der meisten dieser Modelle ist, dass die Montage
der Lenkertasche Probleme bereiten kann (zumindest bei Ortlieb-Taschen).
Auch hier muss man entweder mit handwerklichem Geschick zu Werke gehen,
oder man besorgt sich den von mir erwähnten MoDoLo-Trekking-Lenker
(nicht
das Model "Touring"), bei dem dieses Problem nicht auftritt.
Um vernünftig vorwärts zu
kommen, bietet eine vielseitige Gangschaltung
den größtmöglichen Erfolg. Für die oft eigenwilligen
isländischen Straßen- und Witterungsverhältnisse können
besonders die kleinen Gänge von entscheidender Bedeutung sein. Je
geringer die kleinste Übersetzung desto besser. Eine Schaltung mit
21 Gängen ist dringend zu empfehlen, mehr davon schaden auch nicht.
Kettenschaltungen mit nur zwei Vorderritzeln oder Nabenschaltungen laden
häufig an Steigungen oder Stellen mit lockerem Bodenbelag zum Schieben
ein (manche Leute mit 3-Gangschaltung können das übrigens besser
als andere fahrend). Ich habe aber auch schon Typen gesehen, die ohne Schaltung
das Hochland bezwungen haben...
Als letzten Punkt möchte
ich Bremsen und Beleuchtung ansprechen. Gut eingestellte Bremsen
mit ausreichendem Gummibelag können an schwierigen Abfahrten mit Schotterbelag
lebenswichtig sein! Besonders in solchen Situationen gilt: scharfes Abbremsen
aus voller Fahrt vermeiden, lieber regelmäßig "pumpen", um schnell
zum Stehen kommen zu können. Licht
am Fahrrad erscheint für Islands lange Sommertage zwar überflüssig,
kann aber für Fähren-Anreisende beim Färöer-Zwischenstopp
in den Tunneln gute Dienste leisten und macht sich auch auf Island ausgesprochen
gut bei plötzlich aufkommenden Unwettern (Platzregen, Nebel) oder
in heftigen Mückenschwärmen am Mývatn...
Ersatzteillager
Mäntel
(mindestens einer)
Schläuche
Speichen
(Achtung: Meistens benötigt man drei unterschiedliche Längen!
1. am Vorderrad; 2. hinten links; 3. hinten rechts; letztere ist die gefürchtete
"Ritzel-Seite". Die Speichen dieser Position sind die kürzesten und
brechen naturgemäß am häufigsten - klar, sie sind ja auch
am schwersten auszutauschen, da zunächst das Ritzelpaket entfernt
werden muss! Mehrere Speichenbrücke an dieser Position sind keine
Seltenheit, 10 Brücke können im Extremfall auftreten! Daher:
Speichenspanner und Ritzelabzieher bzw. Kettenpeitsche nicht vergessen!
Ein Tipp am Rande: Speichen mit
Überlänge können (bei abgeknipsten Endstück) mit einer
Zange s-förmig gebogen werden, so dass man die Speiche einsetzen kann,
ohne das Ritzel abziehen zu müssen. Hab es zwar selbst nie probiert,
ein Typ im Fahrradladen schwört aber auf diese Behelfs-Methode.
Schalt-
und Bremszüge (auch hier gibt es unterschiedliche Längen
für Vorne und Hinten)
Ersatzkette
(nützt natürlich nur bei mitgeführtem Kettennietendrücker)
eventuell Extra-Satz Bremsklötze
stabiler (aber
gut biegsamer) Draht, um behelfsmäßig für weitere tausend
Kilometer Gepäckträger- oder Low-Rider-Brüche zu verarzten
eine Extraportion
runde Zeltheringe
(Metallstifte) zum Schienen von Gepäckträger- oder LowRider-Brüchen...
Schlauchschellen
(wichtig!) unterschiedlicher Größe, um Heringe und gebrochene
Trägerstreben fixieren zu können (bekommt man in Heimwerkerläden
und Baumärkten, aber auch an gut sortierten isländischen Tankstellen!)
diverse Schrauben,
Muttern, Unterlegscheiben...
Generell gilt:
Ersatzteile sind auf Island nur ganz schwer zu bekommen. Natürlich
kann man sich nicht gegen alles absichern, aber man muss sich darüber
im Klaren sein, dass gerade bei Islands fahrradunfreundlichen Straßen-
und Pistenverhältnissen Komplikationen vorprogrammiert sind. Der nächste
schlecht sortierte Fahrradladen ist häufig viele 100 km entfernt!
Werkzeug
kompletter Satz
Schraubenschlüssel
"Knochen"
, um ggf. kontern zu können
Imbusschlüssel
(siehe unten)
Zange,
mit der man auch Draht zertrennen kann
Schraubenzieher
Kettennietendrücker
(auch, wenn man keine Ersatzkette mit hat)
Speichenspanner
Ritzelabzieher/Kettenspeitsche
Flickzeug
Sägeblatt
für eine kleine Eisensäge
eventuell Rohrzange,
um am Lenkkolben ´rummetzeln zu können
Generell gilt:
Vor Reiseantritt gründlich checken, ob man für jede Schraube
das passende Werkzeug dabei hat! Schraubenschlüssel, die nicht benötigt
werden, können zu Hause gelassen werden. Für gewöhnlich
benötigt man auch nur drei oder vier verschiedene Imbusschlüssel.
Einzelschlüssel reichen gegenüber einem schweren Komplettset
aus.
Wichtig:
Multifunktionswerkzeug spart Platz und Gewicht, man kommt aber manchmal
nicht an alle Stellen ran. Eine preisgünstige Alternative bietet der
Einkauf im Baumarkt (zumindest für das gängige Werkzeug). Hierbei
ist besonders ein Dreier-Imbusschlüssel zu empfehlen, bei dem von
einem mittigen Griff drei unterschiedliche Imbus-Stifte in unterschiedlicher
Richtung abgehen (Vorteil: große Hebelwirkung; Nachteil: man kommt
nicht überall ran, daher Einzelstifte zusätzlich mitnehmen, die
braucht man so oder so).
sonstige
Ausrüstung
Zelt:
Fahrt niemals ohne Zelt nach Island!!! Ich habe 1996 und 1998 doch tatsächlich
jeweils eine Seele getroffen, die ohne Plane über dem Kopf unterwegs
gewesen ist! Einen Hütte-zu-Hütte- oder Hütte-zu-JuHe-Urlaub
kann man nicht planen, auch wenn es viele Schlafsackunterkünfte gibt.
Ebenso wie beim Fahrrad gilt: Qualität macht die Musik! Ein Kaufhauszelt
für 150,- DM kann den Islandaufenthalt von grund auf vermiesen! Wer
noch kein Zelt besitzt, sollte sich im Fachgeschäft gut beraten lassen.
Aber Achtung: Auch wenn die Verkäufer häufig wie Reinhold Messner
angekleidet sind, haben viele von ihnen keine Ahnung, was man für
Island braucht (das gilt insbesondere für Fahrradhändler!). Ein
Zelt für Island muss zwingend folgende Voraussetzungen erfüllen:
Sturmsicherheit
Wasserfestigkeit
Am gebräuchlichsten sind heutzutage
Kuppel- oder Tunnelzelte. Wer noch kein Zelt besitzt, sollte beim Zeltkauf
neben den schon beschriebenen Kriterien vor allem auf folgendes achten:
Gewicht
Größe des Innenzeltes
Stauraum für Gepäck (besonders
bei Radfahrern wegen der vielen Taschen wichtig)
eingehängtes Innenzelt, so dass
man Innen- und Außenzelt nicht separat aufbauen muss (besonders interessant
bei Regen)
Der Renner sind zur Zeit wohl die Tunnelzelte,
da sie wie kaum ein anderer Zelttyp eine günstige Raumausnutzung im
Verhältnis zum Gewicht besitzen und relativ leicht und schnell aufzubauen
sind. Allerdings sind die normalen 2-Personen-Tunnel für zwei Personen
(plus Gepäck!) eigentlich zu eng. Sinn macht hier ein Tunnelzelt mit
drei Gestängebögen, so dass neben dem Innenzelt ein ca. 80 cm
langer Vorraum entsteht, in dem man viel Platz zum verstauen und Kochen
hat. Leider gibt es bei fast allen Herstellern beim 2-Personen-Modell nur
einen Seitenausgang vorne, so dass man nur begrenzten Ausblick hat.
Tunnelzelte, die mit der schmalen
Seite im Wind stehen, sind äußerst windstabil. Man sollte es
aber vermeiden, dem Wind die breite Zeltfront zuzuwenden. Eine gute Abspannung
ist in so einem Fall besonders wichtig. Zelte diesen Typs bekommt man ab
ca. 400,- DM (z.B. Tatonka, Jack Wolfskin, Four Seasons, VauDe),
der ewige Klassiker in Nordeuropa in Sachen Qualitäts-Tunnelzelte
ist aber wohl Hilleberg (Super Zelte ab ca. 850,- DM).
Kuppelzelte
sind wesentlich vielgestaltiger. Von vornherein sollte man auf Kuppelzelte
mit nur zwei Gestängebögen verzichten. Die schlimmsten Heuler
sind die "Silberlinge" (auch "Alu-Tempel" genannt), welche ein beeindruckend-schauriges
Bild bei oft windkanalähnlichen Verhältnissen auf Island abgeben
können! Ein Kuppelzelt sollte über 2 1/2 (z.B. Salewa) oder 3
Gestängebögen verfügen, um ausreichende Windstabilität
zu ermöglichen. Dieser Zelttyp ist meistens etwas schwerer als ein
einfaches Tunnelzelt ohne Extras, weist aber oft zwei Eingänge und
Absiden (Stauräume) auf. Ich selbst besitze ein Dreigestänge-Kuppelzelt
von Hilleberg (Staika), welches meinen Vorstellungen vom idealen
Zelt am nächsten kommt.
Eine Variante der Kuppelzelte
die solche mit geodätischer Form.
Hierbei überkreuzen sich vier oder fünf Gestängebögen
mehrfach, so dass das Außenzelt netzartig abgespannt wird. Diese
Zelte sind extrem wind- und schneestabil und besitzen einen großen
Innenraum. Sie sind aber auch schwerer, Innen- und Außenzelt müssen
meistens getrennt aufgebaut werden, und sie bieten meistens einen miserablen
Ausblick, nämlich gar keinen. Marktführer in diesem Bereich ist
The
North Face (Zelte um die tausend Piepen).
Schlafsack:
Augen auf beim Schlafsackkauf! Die mitgeführte Penntüte sollte
auch bei Sommerreisenden Bodenfröste gut überstehen lassen. Hinzu
kommt, dass es im Zelt häufig zieht! Der Komfortbereich (die Extremzahlen
sind Kappes) sollte bei mindestens -5°C liegen, ansonsten kann es bei
klammen 5 Grad im Zelt nach einem durchgefrorenen Tag ungemütlich
werden. Daunenschlafsäcke sind etwas leichter, platzsparender
und wärmer als Schlafsäcke mit Hohlfaserfüllung,
sie kosten aber auch mehr und sind pflegebedürftiger. Ein feuchter
Daunenschlafsack verliert schnell seine isolierende Wirkung (die Daunen
verklumpen) und trocknet schlecht, während ein Kunstfaserschlafsack
in diesem Fall wesentlich unempfindlicher ist (besonders zum draußen
schlafen). Besitzer von Daunenschlafsäcken mit gutem Zelt und wasserdichten
Packsäcken sollten eigentlich nur den Nebel fürchten...
Isomatte:
Ob Therm-A-Rest bzw. Metzler zum Selbstaufblasen
und Wohlfühlen oder "nur" Schaumstoffmatte ist vor allem
eine Geldfrage. Wer es sich leisten kann und will, gibt gerne 120,- DM
oder mehr für die Komfortprodukte aus England oder Deutschland aus,
besonders dann, wenn man wochenlang am Stück zu zelten gedenkt. Sie
sind häufig auch platzsparender als herkömmliche Isomatten, aber
auf jeden Fall auch schwerer. Ein Problem ist, dass sie trotz Flickset
nicht immer zu reparieren sind (bei mir hat sich z.B. bei meiner T-A-R
Ultralight das Innenmaterial vom Außenmaterial gelöst - einfach
so -, da half es wenig, wenn man drei Wochen später wieder zu Hause
einen kostenlosen und zweifelsohne kulanten Garantiefall nach Ablauf der
Garantiezeit und ohne Kaufbeleg diagnostiziert bekommt - der isländische
Boden war trotzdem hart!). Der unschlagbare Vorteil der einfachen Schaumstoffmatte
ist der, dass sie einfach unverwüstlich ist! Wenn man sich damit vors
Zelt legen möchte, muss man nicht erst das ganze Gelände nach
Splittern und Dornen absuchen. Darüber hinaus sind sie einfach billig!
Kocher:
Drei Kochertypen gibt es meistens am Abend auch Zeltplätzen zu bestaunen.
Der auffälligste von ihnen ist wohl der bleifreie Benzinkocher,
denn er macht mit Abstand den meisten Krach! Der Vorteil des Benzinkochers
(z.B. von Coleman) liegt auf der Hand. Benzin ist vergleichsweise
billig, und man bekommt es überall auf der Welt! Benzin hat darüber
hinaus auch einen recht hohen Brennwert, mit dem sich schnell Wasser erhitzen
lässt. Allerdings sind sie windanfällig, so dass zur serienmäßigen
Ausstattung meist ein kleiner Alu-Windschutz gehört. Wegen seiner
Stichflammenanfälligkeit (besonders wenn er kalt ist) verbietet sich
sein Einsatz in schmalen Vorzelten. Und wie schon erwähnt, Benzinkocher
sind einfach unverschämt laut! Kaum ein Campingplatz, auf dem nicht
von 17 Uhr bis 22 Uhr durchgängig diese fauchenden Dinger Lärm
machen.
Ähnlich gut im Brennwert liegen
die Gaskocher. Kompatible Gaskartuschen gibt es auf Island eigentlich
in jeder Tankstelle. Gas lässt sich sehr gut regulieren, ist auch
relativ sparsam, man muss die Kartuschen nach Gebrauch aber wegwerfen.
Immerhin sind Gaskocher geräuscharm und auch nicht ganz so windanfällig
wie ihre Spritkumpels. Im übrigen sind die einfachen Butan-Gaskocher
in der Anschaffung ziemlich günstig.
Das dritte Modell, das ich vorstellen
möchte, ist der Spirituskocher. Auf dem deutschen Markt ist
das eigentlich nur der Kocher von Trangia. Hier kauft man ein Komplettset
an Töpfen, Deckel und windgeschützter Kocheinheit. Den Trangia
kann man von allen drei Kochern am ehesten im Zelt verwenden, sollte aber
den Zeltwänden auf keinen Fall zu nahe kommen. Der Brennwert des Spiritus
ist geringer als der von Benzin oder Gas, dementsprechend dauert das Erhitzen
von Flüssigkeiten länger. Auch Brennspiritus ist an isländischen
Tankstellen zu erhalten (ca. 10-12 DM pro Liter), darüber hinaus gibt
es ihn auch in der Apotheke zu kaufen (isl. Name: "T-Röd"). Er ist
meistens rot eingefärbt. Reisende, die mit der Norröna
ankommen, sollten sich einen kleinen Vorrat mitnehmen, da Brennspiritus
in Deutschland wesentlich günstiger ist. Und noch etwas: für
ca. 40,- DM kann man den Trangia mit einem Gasbrenner nachrüsten.
Bekleidung: Über wetterfester
Ganzkörperbekleidung braucht man wohl nicht zu sprechen. Es kann
auf Island tagelang regnen und dabei auch noch schweinekalt sein! Eine
Fleecejacke
(oder ein Wollpullover) gehören auf jeden Fall ins Reisegepäck.
Auch schnelltrocknende Kunstfaserunterwäsche, die beim Schwitzen
nicht so klamm auf der Haut liegt, kann ihre Vorzüge haben (und überlege
ich mir fürs nächste Mal, bisher bin ich immer "Mr. 100 % Cotton"
gewesen). Als Oberbekleidung zum Fahren bevorzuge ich Kaputzen-Sweat-Shirts
(mit oder ohne Reißverschluss), da mir einfache Hemden bei Regen
zu kühl sind und das Fleece oder ein Pullover einfach zu warm sind.
Auch Handschuhe gehören auf jeden Fall in die Satteltaschen
(selbst eine Gesichtsmaske scheint mir angedenk eines bestimmten Tags nicht
übertrieben).
Der radwandelnde Islandreisende sollte auch auf festes Schuhwerk
achten, denn man muss ja auch mal zum *ihr wisst schon* absteigen
oder möchte sich mal einen Tag der Wanderung fernab der Straßen
gönnen. Trekking-Schuhe machen also auch für Radfahrer durchaus
Sinn, und wenn man sie nicht bis oben hin zuschnürt, sitzen sie beim
Strampeln bequemer, als ihr jetzt vielleicht denkt. Ich selbst bevorzuge
Volllederschuhe mit möglichst wenig Nähten. Gore-Tex halte ich
bei Wanderschuhen für unangebracht, da sich die Membran nach mehreren
Jahren verabschiedet, und ihre Wirkung somit futsch ist (...ich weiß,
wovon ich schreibe...). Kauft euch bloß keine Schuhe aus Cordura-Nylon,
nach dem Verfalldatum der Innenmembran könnt ihr die nicht mal mehr
einwachsen. Im übrigen: Bei starken Regenfällen nützt auch
immer wieder die altbewerte Plastiktüte über dem Schuh.
Sieht zwar zum Schreien aus, ist aber effektiv!
Darüber hinaus ist weitere Fußbekleidung für diejenigen
von Bedeutung, die gerne Furten möchten. Am besten geeignet sind wohl
die Trekking-Sandalen von Teva oder vergleichbare Modelle,
Badeschlappen aus dem Kaufhaus tun es aber auch - Hauptsache die Füße
sind über einen Hackenriemen gut fixiert.
Satteltaschen: Bis vor wenigen
Jahren hat man deutsche Radfahrer in europäischen Landen schon immer
von weitem erkennen können, denn deutsch fuhr rot! Inzwischen bietet
Ortlieb
auch andere Farben im Sortiment in ganz Europa an, so dass diese Weisheit
nicht mehr ganz schlüssig ist. Eines ist aber geblieben, für
regenreiche Gebiete sind die Plastiktaschen mit oder ohne PVC einfach spitze!
Die Backrollers sind absolut wasserdicht (oder sollten es zumindest sein,
ich habe ein oder zwei Klagen von Leuten vernommen, die Wassereinbrüche
an Nieten zu bemängeln hatten). Wasserdichtigkeit macht sich insbesondere
beim Überqueren von Furten bezahlt! Leider ist das Material meiner
Ansicht nach nicht so abriebsfest wie zum Beispiel das Nylon-Material der
Karrimor-Taschen
(um mal einen anderen Markennamen zu nennen). Nylon-Taschen müssen
bei starkem Regen mit einer Außenhülle abgedeckt werden (und
Plastiktüten innen haben noch niemanden geschadet).
Löcher in Ortliebs kann man mit dem Reparaturset gut flicken,
oder man klebt bei den PVC-Taschen einfach einen Tesa-Gewebeklebebandstreifen
über die Stellen - hält mindestens für zwei Jahre! Neben
Ortlieb bietet auch VauDe seit einigen Jahren PVC- bzw. Polyester/PU-Taschen
an.
Auch Packsäcke und Lenkertaschen aus PVC o.ä. sind dringend
anzuraten, besonders dann, wenn man in der Lenkertasche Kamera oder Fernglas
transportieren möchte.
Flüssigkeitsbehälter:
Auf Island herrscht bekanntlich ein humides Klima, somit ist genug Trinkwasser
für alle vorhanden, das man abseits menschlicher Siedlungen auch bedenkenlos
aus den Flüssen und Bächen trinken kann. Allerdings ist abends
beim romantischen Wildzelten nicht immer einer zur Stelle, besonders spärlich
werden sie im Hochland. Man sollte also pro Person immer 3-4 Liter Wasser
mit sich führen können. Wassersäcke (z.B. von Ortlieb)
können recht lohnend sein (2 od. 5 l), um beim Kochen nicht dumm da
zu stehen. Wer sich das nicht leisten will, nimmt sich vielleicht ein paar
feste PE-Pfandflaschen von zu Hause mit (sie sind stabiler als die isländischen
Plastikflaschen und sind darüber auch geschmacksneutral!). In PE-Flaschen
umgefüllt lässt sich übrigens auch hervorragend Milch transportieren.
Neben normalen Trinkflaschen macht
die Mitnahme einer Stahl-Thermoskanne Sinn. Die 0,35 oder 0,5 Literkannen
passen auch in so manche Fahrradflaschen-Halterung (vor dem Kauf am besten
abmessen).
Reiseapotheke:
Komplettangebote gibt es in allen Apotheken, man muss aber wohl immer noch
was den eigenen Bedürfnissen entsprechend dazu kaufen. Zum Beispiel
kann eine kleine Alu-Decke zum Körperwärmen nützlich sein.
Und jetzt etwas zum Schluss: Taschenöfen
zum Trocknen von feuchtem Schuhwerk sollen der Renner sein! Ich bin echt
am überlegen, ob ich mir für meine nächste Tour welche anschaffe
(vermutlich mit Kohlestäbchen). Sind übrigens nicht so teuer.
Wer es musikalisch mag und zwischendurch
auch noch so wissen möchte, was in der Welt so abgeht, sollte auf
einen Weltempfänger nicht
verzichten. Als sehr gut hat sich im Herbst 2000 in Irland das nur 200
Gramm schwere Gerät von SuperTech erwiesen, welches ich für
knapp 30,- DM bei Saturn erworben habe.
Wer sich dafür interessiert, kann
sich hier meine nahezu komplette Gepäckliste
als Word-Dokument herunterladen.
Anreise
Die An- und Abreise nach Island erfolgt
entweder mit dem Flugzeug oder mit dem Schiff.
Flieger:
Der wesentlich schnellere Reiseweg. Island bedienende Flughäfen in
Deutschland sind hauptsächlich Frankfurt, Hamburg, aber auch Köln,
Stuttgart und München. Die häufigste Fluglinien sind Icelandair
und SAS (aber auch Lufthansa
und Air Atlanta). In der Hochsaison
gibt es tägliche Maschinen nach Keflavík. Fahrradmitnahme ist
möglich, kostet aber meist extra, wenn man nicht im Freigepäcklimit
bleibt (20-30 kg). Mit zusätzlichen 100,- DM aufwärts muss gerechnet
werden. Die Räder müssen hübsch verpackt sein (nach passenden
Kartons im Fahrradladen nachfragen!). Wer es schafft, seine Verpackung
irgendwie in Keflavík zu lagern, ist der König für den
unvermeidbaren Rückflug. Ansonsten empfiehlt es sich, den kompletten
Rahmen zum Schutz gegen Kratzer mit Tape abzukleben.
Seit geraumer Zeit gibt es unter
www.fliegen-ist-schoener.de
die Möglichkeit, um auf mehrere Flugdatenbanken großer Reiseunternehmen
zugreifen zu können. Vielleicht besteht hier die, einen Schnäppchenflug
zu ergattern...
Fähre:
Das Fährschiff Norröna der Smyril-Line
fährt von Mai bis Anfang/Mitte September einmal pro Woche (Sa. Nachmittag)
von Hanstholm im Nordosten Dänemarks Richtung Färöer und
Island. Ankunft in Seyðisfjörður an der Ostküste Islands
ist Donnerstag Morgen. In Thórshavn auf den Färoer-Inseln wird
man für zwei Übernachtungen rausgeschmissen, da die Norröna
noch nach Bergen/Norwegen fährt, um weitere Passagiere aufzunehmen.
Die ist eine gute Gelegenheit, um sich die reizvolle Inselgruppe näher
anzuschauen.
Die Rückfahrt (Do. Mittag)
dauert nur knappe drei Tage, da man von Thórshavn direkt nach Hanstholm
weiterfährt (Ankunft: Sa. Nachmittag). Für An- und Abreise ab
Hanstholm sind also eine Woche einzurechnen. Von Hamburg aus fährt
am Samstag Morgen immer ein Bus nach Hanstholm, der auch Fahrräder
transportiert (Hin- und Rück ca. 120,- DM). Die Preise auf der Homepage
sind in Dänischen Kronen (DM:DKK ca. 1:4) angegeben.
Für mich ist die Schifffahrt
auf jeden Fall die schönere Variante. Ich liebe das Meer, und man
erhält während der Fahrt viel Gelegenheit, um sich mit anderen
Reisenden auszutauschen. Auch ist das Ankommen und das Abschiednehmen nicht
mit der üblichen Flieger-Hektik verbunden, sondern man kann es genießen,
und den Urlaub ausklingen lassen. Preislich ist die Fährfahrt übrigens
auch attraktiv. Als Schüler/Student unter 27 Jahren erhält man
25 % Ermäßigung, und wenn man Hauptsaison hin- und Nebensaison
(September) zurückfährt, zahlt man unter 800,- DM mit Fahrrad
und 4-Bett-Standard retour. Die abschließbaren 4er-Kabinen im Unterdeck
sind übrigens wesentlich mehr zu empfehlen als die 9er-Stapelkammern
oben, wo man nicht weiß wohin mit den ganzen Taschen - und jeder
kann theoretisch ran. Kostet nicht viel mehr!
Es ist auch eine Kombination von Flug
und Schiff möglich (Angebote auf der Smyril-Homepage beachten).
Islandlinks
Sammlungen von Reiseberichten:
Dieter Graser hat hier mit seiner
Seite Isafold
wirklich alles gegeben! Eine ausführlichere deutschsprachige Reiseberichts- und
Link-Listen-Seite über Island gibt es wohl gar nicht. Darf man nicht verpassen!
BRAVO !!!
Annie
hat einige erfrischend muntere Reisetagebücher aus "fremden Ländern"
ins Netz gestellt, auch wenn Island leider (im Moment noch) nicht dabei
ist...
Die meiner Ansicht nach besten Tipps
rund ums Radfahren in Island gibt es hier: