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Elch in See 2

Hier erfahrt ihr, was ihr immer schon über Elche wissen wolltet, euch aber nie zu fragen getraut habt.

Allgemeines Körperbau Nahrung Verhalten Brunstzeit Jahresablauf

Elchkuh

Allgemeines:

Felszeichnungen dokumentieren, daß Elche schon in der Alt-Steinzeit (also vor ca. 100.000 Jahren) auf der Erde verbreitet waren. Eine erste Beschreibung dieser Tiere nahm Julius Cäsar in seinem "Gallischen Krieg" vor, obwohl diese Beschreibung wenig zutreffend war. Im Frühmittelalter (also vor ca. 1700 Jahren) waren Elche auch in Deutschland heimisch, wie zahlreiche Zahn- und Knochenfunde beweisen. Sogar einige deutschen Ansiedlungen wurden nach den Elchen benannt, z.B. Ellwangen, was soviel wie "Elch-Wiese" bedeutete.

Elche sind nur auf der nördlichen Erdkugel anzutreffen. Noch bis 1810 wurden Elche im Kaukasus, an der Schwarzmeerküste und an der Donaumündung, beobachtet, mit dem Verschwinden vieler Laub- und Sumpfwälder ging auch der Elchbestand zurück. Gegenwärtige Verbreitungsgebiete sind Nordeuropa (Skandinavien), Nordamerika (Alaska, Kanada, USA) und Nordasien (Sibirien).

Innerhalb der Gattung der Elche (Alces Alces) unterscheidet man verschiedene Untergruppen: Nord-Elch (Europa), Ostamerikanischer Elch, Alaska-Elch, Yellowstone-Elch (alle Nordamerika) und Kaukasus-Elch (Asien).


Elch in See 3

Körperbau:

Elche sind die größten Lebewesen in der Gattung der Hirsche. Ausgewachsene Elche erreichen eine Länge von bis zu 3,10 m und eine Schulterhöhe von bis zu 2,30 m, bei einem Gewicht von bis zu 800 kg. Ihre Schwänze sind nicht so gewaltig, sie erreichen nur eine Länge von wenigen Zentimetern.

Elchkopf nah Je nach Form des Geweihs unterscheidet man zwischen den Schaufelelchen (der "typische" Elch) und den weniger bekannten Stangenelchen. Das mächtige Geweih kann bis zu 1,60 m breit werden und wiegt dann ca. 25 kg. Pro Seite können sich bis zu 20 Enden herausbilden.

Obwohl Elchbullen jeden Winter das Geweih abstoßen, werden meist nur selten Schaufeln gefunden. Nordamerikanische Indianer vermuteten, daß Elche das Geweih nach dem Abstoßen in der Erde verscharren. In Wirklichkeit sind es aber kleine Waldbewohner (z.B. Mäuse, Eichhörnchen, usw.), die die Geweihe wegen der enthaltenen Mineralstoffe verspeisen.

Der charakteristische "Bart" (Wamme) besteht aus Bindegewebe und Fell und hat eigentlich keine Aufgabe. Da sich sein Aussehen von Tier zu Tier stark unterscheidet, kann er jedoch gut zur Identifizierung herangezogen werden. In strengen Wintern kann es vorkommen, daß ein Teil des "Barts" abfriert, was aber keine negativen Folgen für die Elche hat.

Die Anordnung der Augen ermöglicht Elchen fast eine 360-Grad-Rundumsicht. Lediglich Gegenstände, die sich unmittelbar hinter dem Körper befinden, können nicht wahrgenommen werden.

Elche haben ein sehr ausgeprägtes Gehör. Die Ohren können unabhängig voneinander ausgerichtet werden. Wenn Elche am Grund von Tümpeln nach den Wurzeln der Wasserpflanzen suchen, sind die Ohren oft die einzigen Teile des Kopfes, die aus dem Wasser ragen. Man vermutet, daß die Schaufeln bei Schaufelelchen die Geräusche der Umgebung zusätzlich verstärken.

Das Fell auf dem Widerrist ist ca. 3 cm dick und isoliert hervorragend gegen Kälte. Die einzelnen Haare sind ausgehöhlt, dadurch wird zum einen eine noch bessere Isolierung erreicht, zum anderen erhöhen die Hohlräume die Schwimmfähigkeit.

Die weit spreizbaren Paarhufe ermöglichen Elchen ein müheloses Überschreiten von Moordecken und Schneeflächen und unterstützen die Schwimmtätigkeit. Zusätzlich werden die Hufe als Waffe eingesetzt.


fressende Elchkuh

Nahrung:


Elche leben meist in Sumpfgebieten und feuchten Niederungen. Dort finden sie ein reichhaltiges Nahrungsangebot, bestehend aus Blättern, Zweigen und Rinde junger Bäume und Büsche, Gräsern und Pilzen. Sehr gerne nehmen sie auch Wasserpflanzen (Seerosen in Tümpeln, Seetang in Meeresnähe) zu sich, die sie wegen des hohen Salzanteils schätzen.

Die Art, in der Elche mit Hilfe von Zunge und Gaumen die Blätter von Zweigen abstreifen, hat zu der Bezeichnung "Moose" geführt, was bei den nordamerikanischen Indianern soviel bedeutet wie "abstreifen". Die rüsselartige überhängende Oberlippe ist stark und beweglich dabei gleichzeitig sehr empfindlich und feinfühlig, trotzdem verträgt sie kleine Dornen und Disteln.

Beim Grasen stehen Elche oft mit weit auseinandergespreizten Vorderläufen, damit sie mit dem kurzen Hals den Boden besser erreichen. Häufig knien sie sich dabei auch nieder. An Bäumen erreichen sie stehend spielend ruhende Elchkuh Blätter in einer Höhe bis zu 3 m, oft biegen sie mit dem Hals Zweige herunter oder knicken mit ihrem Körpergewicht sogar Bäume um, wodurch noch höher gelegene Blätter erreicht werden können.

Elche sind Wiederkäuer. Beim ersten "Gang" wird die Nahrung nur wenig gekaut und direkt hinuntergeschlungen. Für das Wiederkäuen nehmen sich Elche dann mehr Zeit.


Verhalten:

Elche sind Einzelgänger, sie bilden normalerweise keine Herden. Auch während der Paarung bleibt ein Elchbulle nur ca. 7 - 10 Tage bei einer Elchkuh, danach verläßt er sie, um weitere Kühe zu decken. Im Winter können sich an Stellen mit großem Nahrungsangebot kleine Herden bilden, die jedoch sofort wieder auseinanderfallen, sobald im Frühjahr überall ausreichende Mengen an Nahrung zu finden sind.

Einige Elchgattungen begeben sich auf ausgiebige Wanderungen von mehreren hundert Kilometern, die sie manchmal sogar auf andere Kontinente führt. Der Yellowstone-Elch dagegen ist kein Zugtier. Falls genug Nahrung vorhanden ist, liegen Sommer- und Winterquartiere nur wenige Kilometer auseinander. Oft spielt sich das gesamte Leben (Elche erreichen ein Durchschnittsalter von 20 - 25 Jahren) in einem Kreis mit dem Radius von 20 km um den Geburtsort ab.

Elche sind sehr kommunikativ, äußern sich allerdings selten durch Laute sondern meist durch Körpersprache (Gestik, Augen, Ohren).

trinkender Elch Elche lieben das Wasser und sind hervorragende Schwimmer. Begünstigt durch die ausgehöhlten Haare und die spreizbaren Hufe können sie viele Stunden mit einer Geschwindigkeit von bis zu 10 km/h schwimmen, ohne zu ermüden. Viele Kilometer von der Küste entfernt wurden schon Elche bei der Überquerung größerer Meeresarme beobachtet.

Elche sind in der Lage, ca. 7 m tief zu tauchen, um an die Wurzeln der Wasserpflanzen heranzukommen. Auch die Kälber werden schon sehr früh an das Wasser gewöhnt. Bei längeren Schwimmetappen legt das Kalb die Vorderläufe und den Kopf auf den Rumpf der Mutter und läßt sich ziehen.

Die langen Läufe ermöglichen es Elchen, Geschwindigkeiten von ca. 50 km/h zu erreichen. Dennoch sind solche hohen Geschwindigkeiten sehr selten. Elche sind keine Fluchttiere, d. h. sie flüchten nicht sofort, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert. Es macht den Eindruck, daß Elche die Situation zunächst analysieren, nachdenken und dann entscheiden, wie zu reagieren ist.

Aufgrund ihrer Größe haben ausgewachsene Elche nur wenig natürliche Feinde. Gegen Wölfe und Bären können sich gesunde kräftige Tiere wirkungsvoll verteidigen. Der größte Feind ist, wie so oft, der Mensch, der durch Autoverkehr und Jagden den Bestand der Elche gefährdet. Elche stehen unter Naturschutz und werden in einigen Gebieten sogar wieder gezüchtet.

Wegen ihrer Stärke, Ausdauer und enormen Kälteresistenz wurde oft versucht, Elche als Arbeitstiere einzusetzen, was wegen ihres starken Willens und ihrer Unempfindlichkeit gegen menschliche Steuerungsversuche jedoch meistens fehlschlug. Dennoch sind in Finnland und Sibirien Fälle bekannt, in denen Elche als schnelle Reit- und Zugtiere für Schlitten eingesetzt wurden.


Elchpaar

Brunstzeit

Im Herbst denken Elchbullen nur an das "Eine". Sie bilden Reviere und verteidigen sie. Bevor es jedoch zu Kämpfen mit Rivalen kommt, demonstrieren die Bullen erst ihre Kraft und versuchen, den Gegner einzuschüchtern. Oft können bereits dadurch Kämpfe vermieden werden. Ein Kampf gilt als beendet, wenn sich einer der Kontrahenten zurückzieht, selten gehen Kämpfe tödlich aus. Da die Kämpfe äußerst heftig sind, benötigen Bullen oft mehrere Stunden, um wieder zu Kräften zu kommen.

Elchkühe produzieren während der Paarungszeit einen moschus-ähnlichen Duft, der von Bullen schon aus 2 km Entfernung gewittert werden kann. Im Gegensatz zu den Bullen nehmen sie in diesem Zeitraum weiter Nahrung auf, Bullen fressen nicht und verlieren bis zu 20 % ihres Körpergewichts. Ein Elchbulle begattet pro Jahr ca. 3 Kühe.

In Nordamerika werden 80-90 Prozent der Elchkühe jedes Jahr trächtig. Kühe sind schon nach einem Lebensjahr gebärfähig. Die Tragzeit beträgt ca. 8 Monate.


Elchmum mit Kleinem

Aufzucht der Jungen:

In nahrungsreichen Gegenden werden pro Elchkuh meist ein bis zwei Kälber geboren. Kurz vor der Geburt werden die Erstlinge aus dem letzten Jahr vertrieben, sie bleiben meist trotzdem in der Nähe der Mutter, um weitere Dinge dazuzulernen. Kälber werden mit offenen Augen geboren, meist sind sie bereits nach einer Stunde in der Lage zu säugen. Sie wiegen bei der Geburt ca. 15 kg bei einer Schulterhöhe von ca. 80 cm, nehmen jedoch in der darauffolgenden Zeit jeden Tag ca. 1 kg zu, verdoppeln also das Gewicht in den ersten drei Lebenswochen. Schon nach ca. 3 Tagen sind die Jungen in der Lage, der Mutter zu folgen. Nach einer Woche nehmen Kälber neben der Muttermilch auch schon Blätter zu sich.

aufmerksame Elchkuh Elchkälber leben meist 1 - 2 Jahre bei der Mutter. Im ersten Lebensjahr sind sie vollständig abhängig von der Fürsorge der Mutter. Sie haben keine Tarnfarbe und keine Möglichkeit, sich gegen Feinde zu verteidigen. Elchkühe sind in dieser Zeit besonders wachsam und aggressiv. Wenn sie sich bedroht fühlen, greifen sie sofort an und teilen mit den Hufen heftige Schläge aus oder schlagen mit dem Kopf. Elchkälber sind sehr neugierig und lernen schnell durch Imitation des Verhaltens der Mutter. Die Väter spielen bei der Erziehung keine Rolle.


Ein Jahr im Leben der Elche:

Im Frühling nach der Schneeschmelze erhöht sich das Nahrungsangebot der Natur und Elche essen täglich bis zu 25 kg Nahrung, um die verlorenen Fettreserven wieder aufzubauen. Die im Winter gebildeten Herden werden aufgelöst. Im März wird das Winterfell abgelegt, Elche sehen in dieser Zeit oft sehr struppig aus. Ende Mai werden die Kälber geboren.

Auch der Sommer dient dem Auffüllen der Energiereserven. Elche verbringen den ganzen Tag damit, zu fressen und sich auszuruhen. Um Elch in See 4 genügend Mineralstoffe aufzunehmen, bevorzugen Elche Wasserpflanzen. Das Geweih der Elchbullen wird durch einen samtartigen Überzug geschützt und mit Blut versorgt, es wächst in dieser Zeit bis zu 3 cm pro Tag. Da das Geweih in dieser Zeit besonders empfindlich ist, sind Elchbullen sehr friedlich und gehen jeder Konfrontation aus dem Weg. Um sich vor der Hitze zu schützen, halten sich die Tiere gerne im Schatten oder im Wasser auf.

Im Herbst steht die Brunst im Vordergrund. Durch eine Hormonumstellung vertrocknet der samtartige Überzug und das Geweih verknöchert. Um die herunterhängenden Samtfetzen zu entfernen und um sich auf die Paarungskämpfe vorzubereiten, stoßen Elchbullen das Geweih gegen Bäume und Büsche. Die Kälber werden von der Muttermilch ganz auf feste Nahrung umgestellt.

Eine große Gefahr für Elche stellen in dieser Zeit Zecken dar, die sich oft zu tausenden im Fell eingenistet haben. Elche versuchen den Juckreiz durch Reiben an Bäumen zu lindern, dabei verlieren sie oft Teile des Winterfells, so daß das Fell unter Umständen zu dünn wird, um sie vor dem Frost zu schützen.

Der Winter ist die härteste Jahreszeit. Bei Temperaturen bis minus 50 Grad Celsius überdecken die Schneemassen einen Großteil des Nahrungsangebots. Auf der Suche nach Nahrung verirren sich Elche manchmal in die Nähe der Zivilisation. Elche leben im Winter hauptsächlich von ihren Fettreserven. Um die Reserven zu schonen, bewegen sich Elche nur wenig und stehen oder liegen oft stundenlang an einem Fleck. Das dicke Winterfell schützt vor Wärmeverlust, zusätzlich wird durch die dunkelbraune bis schwarze Farbe die Wärme der Sonnenstrahlen absorbiert. Gegen die Kälte sind die Tiere gut geschützt, eine größere Gefahr stellt jedoch die massive Nahrungsknappheit dar. Besonders Erstlinge, die während der ersten Lebensmonate nur wenig Fettreserven bilden konnten, und trächtige Kühe sind gefährdet.

Im Dezember bilden sich bei den Elchbullen die Geweihknochen zurück und das Geweih wird abgestoßen.


Quellenverzeichnis:
+ Seasons of the Moose, Jennie Promack, Peregrine Smith Books, 1992
+ Grzimeks Tierleben, Dr. Dr. B. Grzimek, Deutscher Taschenbuch Verlag 1979
+ RoRoRo Tierwelt, Bd. 3, Hans Petzsch, Rowohlt-Verlag 1972