GegenGift Extra
Die Arbeitsgruppe der Initiativen Schadstoffe in den ehemaligen US-Housings in Frankfurt informiert
 

c/o Norbert Dichter, 60431 Frankfurt am Main,
Tel. u. Fax.: 069/ 530 56 440, http://nodi.home.pages.de

Bürgerversammlung zum Thema PAK und Pestizide

Mittwoch, 28. Oktober 1998 um 18.30 Uhr

im Plenarsaal des Römers

Anfang September 1998: CDU und SPD lehnen im Gesundheitsausschuß einen Antrag der Grünen ab, in dem diese für die Mieter eine Informationsveranstaltung zur Schadstoffbelastung in den Housings gefordert hatten.

Da die Grünen aber das diesjährige Vorschlagsrecht für eine Bürgerversammlung haben, kommt man jetzt doch unserem Willen nach. Es sollen nur keine Experten auf das Podium. Man hat wohl Angst vor unabhängigem Sachverstand. Mit den Fragen der Betroffenen werden sie noch fertig, denken sie sich. Aber aufgepaßt, der Bürger und die Bürgerin sind nicht dumm. Ihr habt bestimmt noch ein paar Fragen.

Wann wird bei mir saniert? Warum reißt der Vermieter in leeren Wohnungen die Schränke raus? Wo bleiben die Blut- und Urinwerte aus dem Gesundheitsamt? Meine Werte sind so hoch, haben sie da was verwechselt? Vermieter, Fresenius, C.A.U., TÜV, Gesundheitsamt etc. Niemand kann hier Fehler ausschließen, nur Götter machen keine. …

Ist hier jemand befangen?

Finanzdezernent Glaser, der Kämmerer, der für die Stadt das Geld "zusammenhält", sagte im Gesundheitsausschuß, dort ist er dann der Gesundheitsdezernent, er kenne die Stimmung der Menschen gut: "Was wir informationsstrategisch getan haben, ist gigantisch." Woher kennt er unsere Stimmung? Hat er Sie schon mal befragt? Von wem wurden Sie so gigantisch informiert? Von der Stadt etwa? Nein, informiert haben Ihre Nachbarn, die Housing Post, die Giftzeitungen, das GegenGift. Alles unbezahlte Nebentätigkeiten von besorgten Eltern und Mietern. Die Stadt hat es ja nicht mal mehr nötig, mit Ihren Bürgern zu reden. Aber vielleicht bekommen wir ja auf der Bürgerversammlung Antworten auf unzählige Fragen.

Wir sind hier die Versuchskaninchen.

Der Jurist Glaser (CDU) setzte den Ausführungen von Frau Dr. Heudorf im Gesundheitsausschuß hinzu: Die Bewohner lebten erst sehr kurze Zeit in den US-Siedlungen (die meisten schon fast drei Jahre!). Pestizide könnten sich im Körper über lange Zeit anreichern. Und dann besorgt: "Wir können nicht mit letzter Sicherheit sagen, was beispielsweise in zehn Jahren bei einer solchen Untersuchung herauskäme." Wollen wir wirklich hier so lange die Versuchskaninchen sein, bis man vom Giftcocktail in den Wohnungen genug in Blut und Urin nachweisen kann? Norbert Dichter

Nachrichten aus den Bundesvermögensamtswohnungen

In den immerhin etwa 1.200 bundeseigenen ehemaligen US-Wohnungen, die von der öffentlichen Berichterstattung häufig vernachlässigt werden, liegt im Staub soviel Gift wie eh und je. PAK, PCB, DDT, Lindan, Chlorpyrifos u.a. werden nämlich nicht dadurch weniger, daß z.B.

  • statt von den 16, allesamt krankmachenden bzw. immunsystemschwächenden PAK-Substanzen (von über 200) inzwischen nur noch von einer, dem BaP, die Rede ist;
  • von anerkannten Wissenschaftlern unter Druck mehr oder weniger willkürlich Grenzwerte festgelegt werden, die andere anerkannte Wissenschaftler für einen Hohn und schlichtweg katastrophal erachten;
  • von den Vermietern gegen die Weisung des Gesundheitsministeriums mit Meßmethoden gearbeitet wird, die genau den Anteil des Staubes, in dem das Gift überwiegend sitzt, nicht erfassen;
  • wir weiterhin gehalten sind, täglich feucht zu wischen und folglich überaus oft mit schlechtem Gewissen rumlaufen (ohwei, heute habe ich es wieder nicht geschafft) usw. usf.

Nichts hat sich verändert. Das Bundesvermögensamt, namentlich dessen Leiter, Herr Brückmann, hatte im März d.J. versprochen, ab sofort für mehr Transparenz und bessere Öffentlichkeitsarbeit zu sorgen. Bis heute wurde weder eine Zusammenstellung der Staub- oder Luftproben bekanntgegeben, noch wurde darüber informiert, wie es in den hoch- bzw. mittelbelasteten Wohnungen (ermittelt nach o.g. mangelhafter Meßmethode) weitergehen soll.

Das Bundesvermögensamt hat aber nun Schreiben an die MieterInnen versandt, die die Miete gemindert haben, in denen ihnen ein gerichtliches Mahnverfahren angedroht wird. Dies, obwohl Herr Brückmann definitiv zugesagt hatte, über die angemessene Höhe der Mietminderung werde noch zu verhandeln sein, Kündigungen würden nicht ausgesprochen!! Soviel zum Thema Glaubwürdigkeit und Transparenz …

Was bleibt? Ohnmächtige Wut und Fassungslosigkeit über den Umgang des Bundes mit seinen Mieter(inne)n, die in den meisten Fällen auch noch eigene Bedienstete sind. Gründe genug, sich weiterhin vehement zu wehren, zu hinterfragen, bloßzustellen, unbequem zu bleiben. Barbara Wirtz