| FR 8.7.1998 Kontaminiert Ein Beitrag zu Albrecht Glaser und seiner Interpretation der Meßwerte in den ehemaligen US-Housing areas. Am 30. 6. 1998 druckten Sie die Äußerung des Herrn Albrecht Glaser (CDU) ab, daß es in den ehemaligen US-housings keine Wohnung gibt, die "zweifelsfrei hochkontaminiert" sei. Entweder lügt Herr Glaser bewußt, oder er hat keine Ahnung. Beides kann er sich als Politiker eigentlich nicht leisten. In unserer Wohnung wurden im Hausstaub Chlorpyrifos, PCB und PAK in "Handlungsbedarfhöhe" gemessen. Die Messung von Chlorpyrifos ergab das 11,5fache des Wertes, ab dem laut ARGUK Handlungsbedarf (= sofortige Sanierung) besteht. Nach der Sanierung sollte ein Wert von unter 1 mg/kg im Hausstaub sein, wir haben derzeit 34,4 mg/kg. Das Umweltbundesamt und das Hessische Umweltministerium empfehlen eine Sofortsanierung bei einem BAP-Wert von mehr als 10 mg/kg Hausstaub. Mir sind Werte von Wohnungen bekannt, wo diese Meßwerte um das 10-50fache überschritten werden. Herr Glaser kennt diese Werte angeblich nicht, obwohl dem Gesundheitsdezernat sämtliche Ergebnisse von ARGUK in Kopie vorliegen müßten. Die von der ABG-Frankfurt Holding in Auftrag gegebene Schadstoffuntersuchung, deren Ergebnis hoffentlich bald vorliegt, hat ebenso den Stallgeruch der Parteilichkeit, wie er unseren selbst in Auftrag gegebenen Untersuchungen angeblich anhaftet. (Wes Brot ich eß, des Lied ich sing.) Da also im Endeffekt nur noch ein unabhängiges Obergutachten Licht ins Dunkel bringen würde, die meisten der jetzigen Bewohner aber nicht die Nerven und die Geduld zu warten mehr aufbringen können und wollen, werden immer mehr Wohnungen von denjenigen verlassen werden, die es sich noch leisten können. Letztlich werden zahlreiche Wohnungen wegen langem Leerstand (Wohnraum-Zweckentfremdung) vom Wohnungsamt zwangsbelegt, und das schöne "Frankfurter Modell" geht den Bach hinunter. Dann entsteht hier das Ghetto, welches von den Bewohnern des Dichterviertels von Anfang an befürchtet wurde. Der Appell der Noch-Bewohner lautet eindeutig: Gemessen und beprobt wurde genug, ebenso lange und ausufernd geredet. Es ist jetzt an der Zeit, die Nato-Typen (no action - talks only) in die Wüste zu schicken. Tut endlich etwas. Georg-Michael Mathes, Frankfurt [ zurück ] FR 7.7.1998 Sanierung, jetzt! Gift in den Wohnungen der ehemaligen US-Housings beunruhigt nach wie vor die FR-Leser. Seit 18 Monaten besteht zumindest der Verdacht, daß in den ehemaligen US-Wohnungen Wohngifte in extrem starker Konzentration vorhanden sind. Einige Städte haben daraufhin die Konsequenz gezogen, und die Wohnungen saniert, bzw. haben sofort Messungen veranlaßt. Sie verhielten sich kooperativer als die Frankfurter Blockade aus Stadtgesundheitsamt, Bundesvermögensamt und Wohnungs-Holding. Sie sanierten ohne rechtliche Notwendigkeit, rein aus Fürsorgepflicht und der Erkenntnis, daß Nichtstun sehr teuer werden kann. Die Messungen des Fresenius-Institutes sind nicht nach den gültigen und vorgeschriebenen Meßmethoden des hessischen Umweltministeriums durchgeführt worden. Darauf hatte die Holding monatelang gewartet. Es wurde eine Methode gewählt, die wenig bis gar keine Schadstoffe mißt. Nachher steht die Holding da und sagt: "Seht her, bei euch sind doch keine Schadstoffe." Gesundheitsdezernent Glaser hat dies im Gesundheitsausschuß auch schon angedeutet. So wurde z.B. von Mietern beobachtet, daß in einer leeren Wohnung Minuten vor der offiziellen Holding-Messung ein privates Reinigungsunternehmen die leere Wohnung verließ. Die beiden Unternehmen haben sich quasi die Klinke in die Hand gegeben. Natürlich findet man in einer noch feuchten Wohnung keinen Krümel Schadstoffe und die Holding sagt den Mietern dann, daß sie nichts gefunden haben. Vielleicht erklärt sich hierdurch, warum das von der Holding beauftragte Fresenius-Institut grundsätzlich immer weniger oder gar keine Schadstoffe im Vergleich zu privat beauftragten Instituten feststellt. Am Anfang hatte die Holding den Mietern geraten, öfters naß aufzuwischen und nicht mit dem Staubsauger zu reinigen. Dies hatte den Hintergrund, daß die Entsorgungsfirma FES selbst verpackte Staubsaugerbeutel wegen zu höher Schadstoffkonzentration nicht annahm und sogar als Sondemüll deklariete. Mit diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob dann das Wischwasser nicht ebenfalls verseucht ist und sich die Mieter der Umweltverseuchung schuldig gemachten haben. Wann endlich haut Frau Roth als Aufsichtsratvorsitzendende der Holding auf den Tisch und ordnet die Sanierung an? Jürgen Eiselt, Frankfurt [ zurück ] Herbert Obenland schreibt: Es war vorauszusehen: Kehrproben zur Ermittlung der PAK-Belastung des Hausstaubs in Wohnungen der ehemaligen US-Housings werden genau zu dem Ergebnis führen, das Gesundheitsdezernent Glaser jetzt der Öffentlichkeit vorgestellt hat. Herbert Obenland, Frankfurt [ zurück ] Hilferuf!Von Beate Hunger
Gewußt haben wir es freilich schon bei Einzug; das mit der Mieterhöhung. Aber daß die ABG das in dieser sehr gespannten Situation so gnadenlos durchziehen würde, das hätten wir nicht gedacht. Wir wohnen seit November 1995 in einer ehemaligen Housing Area. Als wir hier einziehen wollten, bzw. uns um eine dieser Wohnungen bewarben, haben die meisten unserer Freunde uns gewarnt: "Paßt nur auf; wer weiß, wer da hinzieht", oder: "Die vom "Dichterviertel" haben schon mobil gemacht", oder "Da ziehen doch nur Assis ein!" Allen Schmährufen zum Trotz, sozusagen jetzt erst recht, haben wir es gewagt. All unser Erspartes, Zuschüsse von den Schwiegereltern und der Bank, eigentlich unsere ganze Existenz haben wir in diese Wohnung gesteckt. Jeder, der diese Wohnungen vor der Renovierung durch die Mieter kannte, weiß, wovon ich schreibe, denn sie waren zum Teil in einem sehr schlechten Zustand. Decken fielen herunter (zimmerweise), das Parkett war ziemlich zerschlissen, Schränke zwar vorhanden, aber sehr renovierungsbedürftig, und die Wände erst mit einigen Kilo Putz tapezierfähig... Wir haben das alles in Kauf genommen, haben unsere Kraft, Zeit und unser Geld in diese Wohnungen gesteckt, haben einen Anwohnerverein gegründet um auch die soziale Infrastruktur zu verbessern, und wer durch unsere Strasse geht, der sieht, daß dies auch gelungen ist. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel, aber die meisten Bewohner identifizieren sich mit ihrer "Housing". Sie bepflanzen Vordächer und -gärten, mähen Rasen, pflegen Nachbarschaft und kehren die Straße vor "ihren" Häusern. Und dann der Schock! In unseren Wohnungen sollen Gifte schlummern! Erst war ich sehr ungläubig und habe gedacht: "Na, wenn da `was dran ist, dann wird die ABG (also Herr Junker) uns schon helfen, und das Stadtgesundheitsamt hat sich auch schon eingeschaltet." ALLES WIRD GUT! Das war im Oktober 1997. Ich fing an, mich besser zu informieren, und musste zu meinem Erschrecken feststellen, wie uninformiert, desinteressiert, gar ablehnend sich die Verantwortlichen verhielten. Hysterisch? Panikmacherin? Nein , so etwas war ich nicht und auch kein anderer. Aber daß diese Gifte, die in unseren Wohnungen nachweisbar sind, uns Angst machen, das steht uns zu, und das demokratische Grundrecht, sich Informationen, von allen (!) Seiten einzuholen, um sich eine Meinung zu bilden, das steht uns auch zu. Weiterhin haben wir unsere Informationen auch an all die anderen Betroffenen weitergegeben, denn auch diese wollten sich unabhängig, vor allem aber schnell und umfassend eine Meinung bilden. So, und jetzt ist über ein halbes Jahr vergangen, ich würde sogar sagen, verschwendet worden, denn meine Kinder, mein Mann und ich leben immer noch in einer Wohnung mit 1720 mg/kg PAK, mit DDT und PCB, und all unsere Anstrengungen, hier eine umfassende Entfernung der Gifte zu erreichen sind bis jetzt fruchtlos geblieben. Es sieht sogar so aus, als wolle man uns nicht helfen, als wäre man froh, wenn wir auszögen. Und jetzt wieder ein Rundschreiben, wir sollen Geduld haben, und es geht weiter mit dem Messen; Messen, Messen. Dann sind es bald 3 Jahre, in denen wir als Familie in dieser Situation leben. Man erfindet eigens ein neues Wort für "unsere" Messmethode. STAUBKEHREN, ja wirklich! Staubsaugen gibt es und staubwischen,aber staubkehren?? Jede(r) Hausfrau (oder -mann) greift sich an den Kopf. Der Staub wird in die Luft gewirbelt oder in die vielleicht vorhandenen Ritzen gekehrt, übrig bleibt dann ein kleiner Rest (Sand, Erde, Dreck...). Der wird analysiert, und schon ist die Gesundheitsgefahr für die meisten Familien aus der Welt gefegt. Der PAK-haltige Feinstaub wird nicht berücksichtigt. Und was war noch gleich mit den Pestiziden oder dem PCB? Das interessiert nicht, denn die Einbauten gehören ja angeblich den Mietern (Hi, Hi): Seht doch zu, wie Ihr den Dreck da raus bekommt. So langsam werde ich müde. Müde des Kampfes, denn bis heute erkennt man noch nicht einmal an, daß wir einen Mangel in unserer Wohnung haben. Auch unser lauter Protest mit bis jetzt dreimonatiger 100%-iger Mietkürzung fruchtet nicht.
Unserer Bitte, uns mit den Kindern vorübergehend in eine Ersatzwohnung umzusetzen, wird nicht entsprochen, obwohl es eine Vereinbarung zwischen der Holding und dem Wohnungsamt diesbezüglich gibt. Aber wir haben ja keinen Mangel!, deshalb... Und jetzt die Mieterhöhung (150 DM). Da zahlen wir nun für sogenannten sozialen Wohnraum 1250 DM Miete und 250 DM Wärme (zuzüglich noch Strom). Und das für eine mit Giftstoffen belastete Wohnung. All mein soziales Engagement, daß dieses multikulturelle Wohnexperiment in "unserer" Housing nicht baden geht, all unsere Bemühungen, den Vorurteilen entgegenzuwirken, gehen den Bach `runter. Meine Nachbarn, meine Freunde ziehen weg. Viele suchen neue Wohnungen; alle engagierten Mitbewohner räumen das Feld. Und was kommt dann? Die, die bis dato doch nicht an Auszug gedacht haben, werden auch weggehen, weil ihre Freunde wegziehen. Soziale Strukturen brechen ein, freifinanzierter Wohnraum wird leerstehen, denn wer möchte schon in verseuchten Wohnungen leben, in denen unter dem Linoleum das PAK schlummert. Zurück bleiben Menschen, die aufgrund finanzieller Probleme nicht wegziehen können, Nachbarn, die durch sprachliche Hürden die Situation oder die Brisanz des Themas noch nicht erfaßt haben, und Familien, die den Feind, den sie nicht sehen können, auch nicht fürchten. Wenn nicht bald damit angefangen wird, diese Wohnbereiche umfassend zu sanieren (Parkett + Eßtrich + Einbauten raus), dann schafft sich die Stadt Frankfurt ihre Ghettos, vor denen sie eigentlich immer gewarnt hat, selbst. Wir wollen hier wohnen bleiben, wir wollen keinen Zank oder Rechtsstreit mit unserem Vermieter, wir wollen unsere Nachbarn behalten. Ich liebe es, hier zu wohnen. Aber die Gesundheit meiner Familie geht vor, und wenn der Stadt Frankfurt etwas an ihren Bürgern liegt, dann handelt sie endlich im Sinne der Menschen und nicht nach dem Motto der finanziellen Schadensbegrenzung. Die Stadt Fürth (Bayern) hörte, sah und handelte. Dort wird umfassend saniert. Und hier in Frankfurt streiten wir immer noch. Fürther Menschen sind nicht gefährdeter als Frankfurter. Und wie schon unser Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer in einer Broschüre über die Gefährlichkeit des Rauchens (Rauchfrei") schreibt: Unsere Freiheit ist immer auch die Freiheit Andersdenkender. Sich aus dieser Erkenntnis heraus für gesunde Lebensverhältnisse zu engagieren, setzt Verantwortungsbewußtsein und Einfühlungsvermögen voraus" (aus dem Geleitwort). "Eine Unschädlichkeitsgrenze für die Konzentration krebserzeugender Stoffe kann nicht angegeben werden." (Seite 16). Also laßt uns, die Stadt und die Behörden verantwortungsbewußt miteinander und füreinander handeln! Schützt die Leben unserer Kinder!
Beate Hunger Telefon 069/ 51 47 97 [ zurück ] Freie Aussprache FR 25.5.1998 Mama HoldingZum FR-Artikel "Mietersprecher gekündigt" vom 15. 5. 1998 meldet sich der Betroffene zu Wort. Der Geschäftsführer der ABG Frankfurt Holding, Frank Junker, straft nicht nur seine eigenen Worte Lügen, er verstößt auch gegen die Empfehlung des Umweltbundesamtes und gegen Aufsichtsratsbeschlüsse der Holding. Hat Herr Junker da etwas nicht verstanden? Die Gifte, Herr Junker, nicht die Mieter, die sich darüber beklagen, sollen aus den Wohnungen entfernt werden! Ich finde, es ist an der Zeit, das Thema der Verantwortlichkeit in dieser Sache anzusprechen. Herr Junker versteht es zwar, einfachere Gemüter und vielleicht auch Frau Petra Roth mit seinen verbalen Ergüssen zu beeindrucken. Seine Fehler versucht er - aber immer vergeblicher - mit rhetorischer Raffinesse auszugleichen. Die meisten seiner Aussagen sind haltlos und zielen vor allem darauf hin, die Mieter entweder einzuschüchtern oder sie in dem Glauben zu wiegen, Mama Holding wird's schon richten. Viele empfinden mittlerweile sein Verhalten als feige. Er ist nicht bereit, sich den Fragen der schadstoffbetroffenen Mieter auf einer längst überfälligen, von seiner Gesellschaft einzuberufenden Mieterversammlung oder einer entsprechenden öffentlichen Veranstaltung zu stellen. Junker, der große Miet-Zampano vom Main - nur er darf reden. Es gibt allem Anschein noch nicht einmal einen Stellvertreter, der in der Lage wäre, Stellung zu dieser Thematik zu beziehen. Was machen eigentlich all die Geschäftsführer der einzelnen Wohnungsgesellschaften, die Politiker in den Aufsichtsräten? Gibt es intern einen Maulkorberlaß oder was hindert diese Herren auf ihren verantwortungsvollen Positionen, eigene Entscheidungen zu treffen. Unterdrückt Herr Junker alle diese Herren oder ihre Ansichten? Das, was Herr Junker an Schaden anrichtet, haben auch alle anderen mitzuverantworten, die ihn schalten und walten lassen. Eberhard Centner, Frankfurt am Main [ zurück ] |