Träger des Frankfurter Umweltpreises 1999


Arbeitsgruppe der Initiativen

Schadstoffe in den ehemaligen US-Housings in Frankfurt am Main

c/o Norbert Dichter

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60431 Frankfurt am Main

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Karl-Heinz Schäfer

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Donnerstag, 9. September 1999

Herrn Prof. DDr. E. Marth, Herrn Prof. Dr. Th. Eikmann, Herrn Prof. Dr. U. Heinrich, Frau Dr. Ursel Heudorf
OFFENER BRIEF an die ISEM-Konferenz in Graz

9.-11.9.99 Graz: Internationale Konferenz für Umweltmedizin / International Multidisciplinary Conference on Environmental Medicine

Frankfurt am Main: PAKs, PCBs, DDT und Pestizide/Umweltmedizinische Sprechstunde

Sehr geehrte Damen und Herren,
zu den Umweltmedizinischen Vorträgen von HEUDORF et. al haben wir als Betroffene einige unbequeme Fragen und Bemerkungen, die Sie bitte aufnehmen mögen.


Thursday, September 9

14.00 - 15.30 Session 1 (Toxicology)

S 019; EXTERNAL AND INTERNAL EXPOSURE OF INHABITANTS OF FORMER US-HOUSINGS TO ORGANOPHOSPHATES;

Hardt Jochen, Heudorf Ursel, Peters Margarete

Angerer Jürgen

S 020 ; ORGANOCHLORINE PESTICIDES: ARE

THEY A SPECIAL PROBLEM IN FORMER US -

HOUSING IN GERMANY? - DATA ON EXTERNAL

AND INTERNAL EXPOSURE OF THE INHABITANTS TO DDE, DDT, PCP, AND LINDANE;

Heudorf Ursel, Peters Margarete, Angerer Jürgen

S 021; COAL TAR PITCH PARQUET GLUE - A

PROBLEM OF OLD HOUSES IN GERMANY

INCLUDING FORMER US-HOUSING-DATA ON

EXTERNAL AND INTERNAL EXPOSURE OF THE

INHABITANTS;

Heudorf Ursel, Peters Margarete,´Angerer Jürgen

S 022; POLYCHLORINATED BIPHENYLS IN THE

BLOOD PLASMA OF CHILDREN AND TEENAGERS - DATA FROM THE FORMER AMERICAN FORCES HOUSING ESTATES IN FRANKFURT AM MAIN, GERMANY;

Heudorf Ursel, Peters Margarete,Angerer Jürgen


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Friday, September 10

14.30 - 16.00 Session 7 (Bioaerosols)

S 057; ASSESSMENT OF EXPOSURE TO

PYRETHROIDS IN FORMER US-HOUSING;

Schettgen T., Heudorf U., Peters M., Angerer J.

 

 

Seit Ende 1997 wurden in Frankfurt am Main Daten zur Belastung mit Giftstoffen in den ehemaligen US-Housings gesammelt. Im Februar 1998 gab es das Versprechen von Stadtrat A. Glaser, umfassende Messungen in allen betroffenen ehemaligen US-Wohnungen durchzuführen und das Angebot einer Umweltmedizinischen Sprechstunde durch das Stadtgesundheitsamt. Bis August 1998 hatten ca. 400 Erwachsene und 600 Kinder die Sprechstunde aufgesucht. (Von den etwa 10.000 Bewohnern insgesamt sind über die Hälfte Kinder.) Der eigens dafür befristet eingestellte Umweltmediziner erhob umfassende Anamnesen.
Die Auswertung dieser "glaubhaft vorgetragenen Gesundheitsbeschwerden" (Stadtgesundheitsamt FFM)
in Zusammenhang mit dem Bezug der Wohnungen (ab 1995) wurde insgesamt in Frankfurt bis heute nicht veröffentlicht und auch den Untersuchten und allen Mitbewohnern nicht angemessen mitgeteilt.

Sind die Stadt Frankfurt am Main und ihr Gesundheitsamt technisch, personell und finanziell nicht in der Lage, eine Auswertung zu liefern?

Es handelt sich um vielfach belastete Wohnungen. Niemand kann eindeutig sagen, welche synergistischen und antagonistischen Effekte von diesen Gemischen ausgehen: PAKs, PCBs, DDTs, Chlorpyrifos und andere Pestizide treffen hier Familien mit kleinen Kindern - und die Expositionszeit beträgt schon fast vier Jahre. Denn wenn man erhöhte Aufnahme einzelner Stoffe dieser verschiedenen Stoffgruppen nachweist, müßte dies Anlaß sein, sofort zu handeln; hier verbietet sich eine Einzelstoffbewertung!

Wir fordern deshalb schon lange: Die im Stadtgesundheitsamt vorliegenden Daten (Anamnesen und Human-Biomonitoringwerte müssen zu einer unabhängigen Auswertung verwendet werden können. Alle hier bereits gesammelten Daten (Materialproben, Hausstaubproben, Raumluftmessungen - auf Pestizide, PCBs und PAKs/BaP) sind zur Bewertung freizugeben und zur Auswertung in Zusammenhang mit den Gesundheitsbeschwerden zu bringen, um eine Risikobewertung und Risikoabschätzung möglich zu machen und die Familien insgesamt umfassend und öffentlich zu unterrichten. Die Betroffenen-Initiativen sollten ein Mitwirkungsrecht bei der Bennung eines Epidemiologen bekommen..


Wir fragen nun die Tagungsleitung, die Referentin und die Teilnehmerschaft:

Warum präsentiert hier das Stadtgesundheitsamt Frankfurt lediglich Einzelstoffbewertungen?
Warum wird nicht die unendliche Vielfalt möglicher Wechselwirkungen der verschiedenen Schadstoffe und ihrer Abbauprodukte im menschlichen Körper berücksichtigt?
Warum wurden die Anamnesen zur Beurteilung nicht einem Epidemiologen vorgelegt?

Wie ist es wissenschaftlich und medizinisch-ethisch zu vertreten, die Gesundheitsgefahren eines der bestuntersuchtesten krebserregenden Stoffe (Benzo-a-pyren) nicht angemessen zu minimieren und sich für eine Auswertung mehr als ein Jahr Zeit zu nehmen?

Über eine Antwort würden wir uns freuen.
Mit freundlichen Grüßen
im Auftrag der Arbeitsgruppe

Norbert Dichter
Karl-Heinz Schäfer

Träger des Frankfurter Umweltpreises 1999