| Arbeitsgruppe der Initiativen
Schadstoffe in den ehemaligen US-Housings in Frankfurt am Main
Freitag, 28. August 1998
Offener Brief Frau Priska Hinz
Sehr geehrte Frau Ministerin Priska Hinz, ich schreibe Ihnen diesen Offenen Brief, in welchem ich darauf hinweise, daß die Gesundheitsfürsorge der Stadt Frankfurt für ihre BewohnerInnen hier und heute grob fahrlässig verletzt wird, und die seit Anfang des Jahres bereits vorliegenden Hausstaubwerte der BewohnerInnen noch zu keinem Ergebnis geführt haben: Noch keiner Familie ist geholfen worden, keine Minimierungsmaßnahme ergriffen (außer dem häufigen feuchten Wischen durch die BewohnerInnen). Im Gegenteil: Durch die Präsentation auf der ISEM-Tagung in Gießen werden Ergebnisse des fragwürdigen Biomonitorings und der Pestizidmessungen mit einer Aufwertung versehen werden, die stark angezweifelt werden muß. (ISEM, International Society of Environmental Medicine, Internationale Gesellschaft für Umweltmedizin, 2. Jahrestagung 28.-30.8.1998 in Gießen) In der nächsten Woche werden Meßergebnisse der ABG Frankfurt Holding (des städt. Vermieters des größten Teils der ehemaligen Housings in Frankfurt) zusammen mit fragwürdigen Bewertungen des Gesundheitsamtes versehen, dazu dienen, das Problem aus der Welt zu schaffen. Tenor wird sein: In fast keiner Wohnung müsse etwas wegen des PAK-belasteten Parketts bzw. der Pestizidbelastung der Wohnung getan werden. Wie kann es angehen: Die Gesundheitsbehörde der Stadt Frankfurt und die Stadt als Vermieter wenden grob fahrlässig Methoden an, die letzlich zu keinem Ergebnis führen. Wie bewerten das Land Hessen und seine Gesundheitsministerin die Situation? Frau Ministerin Priska Hinz, müssen Sie da nicht eingreifen?
Hier folgen nur kurz Stichworte zu der Situation, wie sie seit November 1997 öffentlich ist: - Anzweiflung des Biomonitorings, u.a. fragwürdige Vergleichbarkeit von im Winter genommenen Proben (Kinder spielen meist Drinnen) mit den jetzt im Sommer erfolgten. - Mangelnde Auseinandersetzung mit neuerer internationaler Literatur zum letzten Stand von Pestizid- und PAK-Belastung (Erlangener Biomonitoring ist nicht einzige Möglichkeit Schadstoffbelastung zu ermitteln). - Nichtanwendung der besten medizinischen Möglichkeiten zur Untersuchung (Beschränkung auf nur ein Institut). - Völlige Ignoranz der Mischintoxikation und der Belastungssituation der Betroffenen (multifaktorelles Geschehen) von Seiten der städtischen Gesundheitsbehörde. - Bewußt falsche Vergleiche wurden angeführt: Anfang Januar verglich man die PAK-Belastung unserer Kinder mit älteren Frauen, die jahrzehntelang an industriell-kontaminierten Orten im Ruhrgebiet lebten. - Es wurden vergleichbare Fälle von Pestizidfunden nicht herangezogen, die mit wesentlich geringeren Werten eine Gesundheitsgefahr belegen. - Mangelhafte bis unterlassene Aufklärung der BewohnerInnen - bis heute ist die einzige Minimierungsmaßnahme das bekannte feuchte Wischen. - Die ärztliche Sorgfaltspflicht ist verletzt: Gesundheitsgefahr erkennen und Abhilfe schaffen. - Anzweiflung der Kehrprobe im Vergleich zur Saugprobe. Unter Mißachtung des Erlasses und der Weisung des Hessischen Ministerium für Umwelt, Energie, Jugend, Familie und Gesundheit wird absichtlich und bewußt eine Methode verwandt, die durch Unberücksichtigung des Feinstaubanteils des Hausstaubes und unter zweifelhafter Probennahme zu minimalsten Ergebnissen führt. - Stadt, Gesundheitsamt und ABG Frankfurt Holding vergeuden Millionen mit der Durchführung ungeigneter Meßverfahren!
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