Schadstoff-Belastung in ehemaligen US-Housings:  

HOHE PCB-WERTE IM HAUSSTAUB FESTGESTELLT 



H. Obenland, ARGUK-Umweltlabor GmbH, Oberursel 
 
 

Vor einem Jahr fand am 5.2.98 die öffentliche Diskussion um die Schadstoff-Belastung in ehemaligen US-Housings mit dem Experten-Hearing der Stadt Frankfurt einen ersten Höhepunkt. 

Bereits zu dieser Veranstaltung wurden von unserem Labor Hausstaub-Analysen vorgelegt, die neben den später in den Mittelpunkt des Zentrums gerückten PAK- und Pestizid-Belastungen hohe Belastungen an PCBs auswiesen. PCBs sind hochtoxische, langlebige Industriechemikalien. Aufgrund dieser Eigenschaften ist ihre Anwendung in offenen Systemen in der BRD seit 1978 verboten. 

Die versammelten Experten befanden eine Bewertung des mit diesen Belastungen verbundenen Gesundheitsrisikos für unnötig, da PCBs im Hausstaub kein "Thema" seien. Baurechtliche Vorgaben zur Feststellung PCB-bedingter Sanierungsnotwendigkeit von Gebäuden hätten ausschließlich PCBs in der Raumluft zum Gegenstand. 

Letzteres ist zwar richtig, aber überhaupt kein Argument gegen die Anforderung, auf neue Sachverhalte mit der gebotenen Aufmerksamkeit einzugehen. 

Mittlerweile erweist sich diese Experten-Ignoranz für die Bewohner der US-Housings als verhängnisvoller Fehler und für die Wohnungseigentümer geradezu als Segen: 

Im Hausstaub-Untersuchungsprogramm, das die Frankfurt-Holding und das Bundesvermögensamt Frankfurt mittels der anderweitig von uns bereits kritisierten Kehrproben abspulte, wurden die PCBs ausgeklammert. Im Auftrag von Bewohnern durch unser Labor vorgenommene Untersuchungen beinhalteten dagegen allesamt auch eine PCB-Analyse und -Bewertung. 

  

Das Ergebnis: 
 

PCB im Hausstaub
 
Die Bewertung: 

Wir haben in Anlehnung an das von Dieter (UBA) im Bundesgesundheitsblatt (7/95) vorgestellte Konzept zur Risikoabschätzung von Schadstoff-Belastungen für den Menschen die PCB-Konzentrationen in Hausstäuben aus den US-Housings bewertet und dabei in Rechnung gestellt, daß Kleinkinder bis 5 Jahre von Hausstaub-Belastungen am stärksten betroffen sind. Sie stellen überdies auch einen herausragenden Anteil an der gesamten Wohnbevölkerung der US-Housings dar. 

  

Wir kommen dabei zu folgenden Werten: 
 
è WARNWERT: 1,2 µg/g Gesamt-PCB (nach DIN) im Hausstaub 

è GEFAHRENWERT: 12 µg/g Gesamt-PCB (nach DIN) im Hausstaub 

 
 

  

Das im letzten Jahr in Kraft getretene Bundesbodenschutz-Gesetz und die auf Grundlage dieses Gesetzes in Ausarbeitung befindliche Bodenschutz- und Altlastenverordnung (BodSchV) kennt den Wirkungspfad "Boden-Mensch (direkter Kontakt)", dem im Innenraum der Wirkungspfad "Hausstaub-Mensch (direkter Kontakt)" vergleichbar ist. 

Zu den im Wirkungspfad "Boden-Mensch" von der BodSchV genannten Stoffe und Stoffgruppen gehören neben den Schwermetallen, PAKs und Pestiziden auch die PCBs - und nicht nur das: Sie sind zusammen mit Benz(a)pyren (und Aldrin) die am schärfsten bewerteten Stoffe! 
 
 
Für Kinderspielflächen nennt die BodSchV einen Prüfwert von 2 µg/g Gesamt-PCB im Boden. 
 

Dieser Prüfwert ist in Konzeption und Betrag dem von uns ermittelten Warnwert sehr ähnlich. 

  

PCBs in Hausstaub noch immer kein Thema ? 

Ca. 70% der von uns untersuchten Housing-Wohnungen weisen Belastungen oberhalb unseres Warnwertes und ca. 60% weisen Belastungen oberhalb des Prüfwerts der BodSchV auf. 

Ca. 20 % liegen sogar oberhalb des von uns genannten Gefahrenwertes. Hier besteht nach unserer Ansicht unmittelbarer Minderungsbedarf! 

  

Die amtliche Bewertung der mit den Schadstoff-Belastungen in den ehemaligen US-Housings verbundenen Gesundheitsrisiken hat die PCBs im Hausstaub bislang einfach ignoriert. 

Wir halten das für in hohem Maße unsachgemäß und unvertretbar.
29.1.1999
 
 
 



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