Frankfurter Neue Presse 29.10.1998

PAK: Aufgebrachte Mieter fühlen sich verschaukelt


Frankfurt. Von den 1600 ehemaligen US-Wohnungen der Frankfurt Holding sollen 40 wegen hoher Konzentration von krebserregendem PAK und Pestiziden im Hausstaub so schnell wie möglich saniert werden. Das sagte Gesundheitsdezernent Albrecht Glaser gestern bei einer Bürgerversammlung im Römer, zu der etwa 200 Menschen gekommen waren. In 1590 Wohnungen der ehemaligen US-Siedlungen hatte die Stadt Parkettkleber und Hausstaub auf PAK's untersuchen lassen. Dabei seien in 20 Wohnungen Werte über 10 Milligramm PAK's pro Kilo Hausstaub gemessen worden, so Glaser. Weitere 20 Wohnungen sollen wegen hoher Konzentration von Pestiziden saniert werden. Ähnlich steht es mit den Wohnungen des Bundesvermögensamtes: 11 Wohnungen werden wegen hoher PAK-Belastung, 20 wegen hoher Pestizid-Belastung saniert.
Die aufgebrachten Mieter wollten sich damit nicht zufriedengeben. Sie kritisierten, daß nicht alle Bewohner die Meßergebnisse bekommen hätten und daß die Behörden ihre Sorgen nicht ernstnähmen. "Unsere Initiativen haben diverse Versammlungen organisiert und Vertreter der Stadt eingeladen, aber nie ist einer erschienen", sagte Jürgen Eiselt von einer Mieterinitiative. Barbara Wirtz aus Eckenheim berichtete, daß leerstehende Wohnungen in den betroffenen Siedlungen derzeit nicht vermietet würden. "Die Mieter aus den Housings müssen ihre Staubsaugerbeutel in den Sondermüll geben, aber wir bekommen von der Stadt nur den Rat, feucht zu wischen." Vor allem die Sorge um kleine Kinder wurde immer wieder angesprochen - ihre PAK-Werte im Urin liegen nach Untersuchungen des Gesundheitsamtes deutlich höher als bei Erwachsenen. Auch der Umweltmediziner Dr. Ulrich Ewers forderte, daß vor allem Kinder gründlich untersucht werden müßten. (viv)

Frankfurter Allgemeine Zeitung 29.10.1998

PAK: Kritik an Stadt auf einer Bürgerversammlung

mar. Bei der Bürgerversammlung im Römer zum Thema Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) in den ehemals amerikanischen Wohnsiedlungen haben die Mieter gestern Kritik am Gesundheitsdezernat und an der städtischen Wohnungsholding geäußert. Man habe zwar für einen ganz überwiegenden Teil der Wohnungen Entwarnung gegeben, dennoch seien alle Mieter weiterhin aufgefordert, ihre Staubsaugerbeutel als Sondermüll zu entsorgen, sagte eine Mieterin. Dies spreche dafür, daß eine Gesundheitsgefahr weiterhin gegeben sei.
Der Umweltmediziner Wolfgang Stück, er sprach für die Arbeitsgruppe der Mieterinitiativen, bezeichnete die Untersuchungsmethoden als "umstritten". Die zugrunde gelegten Grenzwerte seien "politische Werte" und als solche überaus fragwürdig. Stück ließ keinen Zweifel daran, daß es sich bei den Polyzyklischen Aromatischen Kohlenwasserstoffen um äußerst schädliche Substanzen handele, und forderte die Stadt und die Wohnungsholding dazu auf, "keine weitere Verschleppungstaktiken" zu unternehmen. Der Gutachter Ulrich Ewers wandte für die Gegenseite ein, daß der Nachweis von PAK im Hausstaub nicht gleichbedeutend sei mit einer Aufnahme dieser Stoffe in den menschlichen Organismus. (Ausführlicher Bericht in der morgigen Ausgabe.)
Frankfurter Rundschau 29.10.1998

Mieter fordern erneut Sanierung

PAK: Austausch alter Argumente bei der Bürgerversammlung

Zum Thema PAK-belastete Housing-Wohnungen prallten auch bei der Bür-gerversammlung gestern abend die unter-schiedlichen Bewertungen des Themas von Experten, Bürgern und Verantwortli-chen aufeinander. Zahlreiche Mieter im anfangs vollbesetzten Römer-Plenarsaal forderten von der Stadt erneut weiterge-hende Sanierungen der Wohnungen.
Gesundheitsdezernent Albrecht Glaser (CDU) legte zunächst unter Hinweis auf die Untersuchungen von Parkettkleber und Hausstaub in den Housing-Wohnungen dar, daß die Maßnahmen der städtischen Wohnungsholding und der Bundesvermögensverwaltung ausreichend seien. Danach müßten 50 der 1600 Holding-Wohnungen und 31 der 1200 Wohnungen im Besitz des Bundes aufgrund stark erhöhter Werte im Hausstaub sofort saniert werden.
Diese Sanierungen seien größtenteils im Gange und würden bis Dezember abgeschlossen sein. Glaser verwies auch auf freiwillige Blut- und Urinuntersuchungen von rund 1000 Housing-Bewohnern. Diese hätten keinen Zusammenhang zwischen der Staubbelastung und Abbauprodukten der Schadstoffe im Körper ergeben. Man könne der Stadt daher "nicht vorwerfen, daß sie nicht alles getan hat, um des Problems Herr zu werden".
Daran hatten zahlreiche Mieter jedoch erheblichen Zweifel. Sie warfen den Verantwortlichen unter anderem vor, die Hausstaubproben nach einem Kehr-Verfahren entnommen zu haben. Dadurch würden nachweislich erheblich niedrigere Belastungen gemessen als bei einem Saug-Verfahren. Dies zeigten Kontrolluntersuchungen, die einige Mieter auf eigene Kosten vornehmen ließen.
Ein von den Mietern mitgebrachter Experte, der Koblenzer Umweltmediziner und Internist Wolfgang Stück, nannte die Untersuchungsmethoden ebenfalls "relativ neu, umstritten und fragwürdig". PAK (Polyzklische aromatische Kohlenwasserstoffe), die im Parkettkleber der meisten Housing-Wohnungen in hoher Konzentration gefunden wurden, seien krebserzeugende Stoffe, für die es keine unbedenklichen Grenzwerte gebe. Statt weiter zu messen und eine "Verschleppungstaktik" zu betreiben, so Stück, müsse sofort saniert werden. Sonst bestehe vor allem für Kleinkinder eine erhöhte Gefahr, später an Krebs zu erkranken.
Demgegenüber hielt der vom Gesundheitsdezernat eingeladene Umweltmediziner und Toxikologe Ulrich Ewers vom Hygiene-Institut des Ruhrgebietes die bislang ergriffenen Maßnahmen für ausreichend.
Die Urin- und Blutuntersuchungen hätten ergeben, daß die zusätzliche PAK-Belastung im Verhältnis zur üblichen Hintergrundbelastung "relativ gering" sei. Die Schadstoffe entstünden beispielsweise auch beim Grillen von Fleisch oder beim Zigarettenrauchen.
Die Veranstaltung dauerte bei Redaktionsschluß noch an. Mat
FR 30.10.1998

Grüne wollen ein weiteres Hearing zu schadstoffbelasteten Housings


CDU sieht keinen Sinn darin, "weiter Vorwürfe auszutauschen", betont aber die "Ängste der Mieter ernstzunehmen"


Die Grünen im Römer haben vorgeschlagen, offene Fragen zur Schadstoffbelastung in den US-Housings in einem weiteren Expertenhearing klären zu lassen. Während die SPD den Vorstoß für überlegenswert hält, sehen CDU und FDP keinen Sinn in einer solchen Veranstaltung.
Der Grünen-Stadtverordnete Thomas Schlimme hatte am späten Mittwoch abend bei der Bürgerversammlung zum Thema "PAK-Belastung in den früheren US-Housings" erklärt, daß es noch immer zahlreiche Ungereimtheiten bei der Bewertung der Schadstoff-Messungen gebe. Zuvor hatte Gesundheitsdezernent Albrecht Glaser Untersuchungsergebnisse des Gesundheitsamtes referiert, denenzufolge kein Zusammenhang zwischen der PAK-Belastung im Hausstaub der Wohnungen und dem Vorhandensein von PAK-Abbauprodukten im Blut und Urin der Bewohner gebe. Schlimme sagte, eine Ursache könne sein, daß die Hausstaub-Messungen zu einem ganz anderen Zeitpunkt genommen worden seien als die Urinproben. Zudem seien die Urinproben im Sommer genommen worden, wo gerade die Kinder sich kaum noch in den Häusern aufhielten.
Auch der SPD-Stadtverordnete und Vorsitzende des Umweltausschusses, Heinz Lietz, wies darauf hin, daß der von den Mietern mitgebrachte Experte zu völlig anderen Ergebnissen bei der Bewertung des Problems gekommen sei als der von der Stadt eingeladene. Da bestehe noch Klärungsbedarf. Ein Hearing sei dafür eine denkbare Möglichkeit, wobei allerdings "der Blick nach vorne gerichtet sein" müsse. "Es darf nicht mehr darum gehen, wer welche Fehler gemacht hat, sondern wir müssen festlegen, was noch gemacht werden muß", sagte Lietz gestern der FR. Er sprach sich dafür aus, es nicht bei den bislang angeordneten und zum Teil erfolgten 50 Sanierungen in den 1600 städtischen Housing-Wohnungen zu belassen. Es müsse auch überall dort saniert werden, wo hohe PAK-Werte im Parkettkleber gemessen wurden und der Parkettboden erkennbar schadhaft sei.
Für die CDU sagte die Stadtverordnete Sieglinde Fedel, die Ängste und Sorgen der Mieter müßten weiterhin ernstgenommen werden, ein öffentliches Hearing sei dafür jedoch nicht der richtige Weg. Das hätten die bisherigen Veranstaltungen dieser Art gezeigt, in denen vor allem Vorwürfe ausgetauscht worden seien. Sie setze auf Einzelgespräche und werde zu diesem Zweck selbst verunsicherte Mieterinnen und Mieter aufsuchen.
Auch der FDP-Fraktionsvorsitzende Franz Zimmermann sieht "keine Veranlassung mehr für ein weiteres Hearing". Die FDP werde aber im Stadtparlament darauf dringen, daß alle noch offenen Fragen der Mieter beantwortet würden.
Vertreter der Mieter zeigten sich enttäuscht von der Veranstaltung: Es sei nicht erkennbar gewesen, "daß die Stadt und die Wohnungsholding auch nur in einem Punkt einlenken", sagte Mietervertreter Norbert Dichter gestern. mat
FAZ 30.10.1998

"Ein Konsens ist nicht in Sicht"

Bürgerversammlung: Experten nehmen Stellung zu PAK

mar. Mieter und Wohnbaugesellschaft der ehemals amerikanischen Wohnsiedlungen haben bei einer Bürgerversammlung im Römer mit Experten aufgewartet, um ihre Standpunkte zum Thema Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) zu untermauern. Der Koblenzer Umweltmediziner und Vorsitzende der deutschen Sektion des Ökologischen Ärztebundes, Wolfgang Stück, sprach im Sinne der Mieterinitiativen von einer "unverständlichen Zögerlichkeit" der städtischen Wohnungsholding bei der Sanierung der Quartiere. Seiner Ansicht nach müßten deutlich mehr Wohnungen von Schadstoffen befreit werden, als dies vorgesehen sei, zumal es bei PAK-Belastungen keine eindeutigen Richtwerte gebe. Die Wohnungsholding will, gestützt auf Meßergebnisse, 210 (???) von insgesamt: rund 1600 Wohnungen sanieren.
Stück kritisierte auch die Meßmethode: Bei der Kehrstaubanalyse werde im Gegensatz zur sogenannten Saugmethode der Feinstaub nicht berücksichtigt, was im Ergebnis zu niedrigeren PAK-Werten führe. Der Umweltmediziner wandte sich außerdem gegen die Entscheidung des Stadtgesundheitsamts, bei Kleinkindern kein Blut zur Schadstoffanalyse zu entnehmen. Die zuständige Ärztin im Stadtgesundheitsamt, Ursel Heudorf, hatte dies aus ethischen Gründen abgelehnt. Eine Blutentnahme bei Kindern ist ihrer Ansicht nach nur in Notfällen gerechtfertigt. Stück vertritt hingegen die Auffassung, eine Blutanalyse der in den Wohnungen lebenden Kinder sei deshalb geboten, weil diese wegen ihrer Größe stärker von Fußbodenausgasungen betroffen seien.
Ursel Heudorf stützte die Position von Gesundheitsdezernat und Wohnbaugesellschaft. Zwar seien bei Hausstaubanalysen unzweifelhaft PAK nachgewiesen worden. Ein Zusammenhang zwischen solchen Schadstoffen im Hausstaub und einer PAK-Belastung des menschlichen Organismus sei statistisch jedoch nicht nachweisbar. Dies hätten die Analysen von Blut- und Urinproben der Bewohner ergeben, sagte Heudorf.
Einige Mieter kritisierten, die Wohnbaugesellschaft habe es versäumt, ehemaligen Bewohnern der Quartiere die Ergebnisse der Hausstaubanalysen mitzuteilen. Dietrich Sommerfeldt von der Frankfurter Wohnungsholding ließ allerdings keinen Zweifel daran, daß nur die gegenwärtigen Mieter eine solche Analyse erhielten: "Wer ausgezogen ist, bekommt die Meßergebnisse nicht mitgeteilt." Sommerfeldt wies ebenfalls darauf hin, daß die Sanierung der Wohnungen, in denen kritische PAK-Werte gemessen worden seien, im Dezember abgeschlossen werde.
Ein Konsens zwischen Mietern und Wohnungsgesellschaft in bezug auf die Höhe dieser "kritischen Werte" sei in absehbarer Zeit vermutlich nicht möglich, sagte Sommerfeldt nach der Versammlung. Er wolle sich deshalb weiterhin an die einschlägigen Empfehlungen des Umweltbundesamtes, des Hessischen Gesundheitsministeriums und des Frankfurter Gesundheitsamtes halten.

??? --> 15 wg. PAK 30 wg. Pestiziden! (Nodi)