PAK: Meßverfahren ungeeignet  

Land: Proben aufsaugen, nicht fegen / Ergebnisse verfälscht

Von Matthias Bartsch  

Die millionenteuren Schadstoffmessungen in den früheren US-Housing-Wohnungen könnten sich als wertlos erweisen: Das hessische Gesundheitsministerium hält das Meßverfahren für ungeeignet.  
Saugen oder fegen? Über diese Frage haben Ende März im Berliner Umweltbundesamt die Experten lange gestritten. Am Ende sprachen sie dann aber doch eine Empfehlung aus: Um den mit krebserregenden PAKs belasteten Hausstaub in Wohnungen mit teerhaltigem Parkettkleber einzufangen und messen zu können, müsse der Staub mit einem Besen zusammengekehrt werden. Denn bei der alternativen Methode mit einem Staubsauger könnten auch kleine Partikel aus dem hochbelasteten Parkettkleber mit in die Probe gesaugt werden und das Meßergebnis verfälschen. Diese Empfehlung übernahm damals auch das hessische Gesundheitsministerium - und die Frankfurter Wohnungsholding sowie das Bundesvermögensamt starteten auf Grundlage dieser Empfehlungen ein umfangreiches Meßprogramm.

 Inzwischen sind den Experten in Wiesbaden und in Berlin aber Zweifel gekommen: Das Oberurseler Arguk-Umweltlabor hat nachgewiesen, daß beim Kehren gerade jene Feinstäube aufgewirbelt und deshalb nicht erfaßt werden, die besonders stark mit PAKs belastet sind. Ergebnis: Mit dieser Methode werde die tatsächliche PAK-Belastung vermutlich erheblich unterschätzt, bestätigte die Sprecherin des Gesundheitsministeriums, Renate Gunzenhauser, am Dienstag der FR.

 In einem Erlaß empfiehlt das Ministerium deshalb jetzt dem Frankfurter Gesundheitsamt, die Staubproben doch aufsaugen zu lassen, "um auf der sicheren Seite zu sein" (Gunzenhauser). "Da stehen wir vor einem Riesen-Problem", sagt Margarethe Peters, die Leiterin des Gesundheitsamtes. Das Meßprogramm der Bundesvermögensverwaltung, der etwa 1200 frühere Housing-Wohnungen gehören, sei fast abgeschlossen. Auch die Frankfurt Holding (1600 Wohnungen) habe schon weit mehr als die Hälfte der Proben genommen. "Wenn das Ministerium jetzt ein anderes Meßsystem verlangt, dann soll es uns auch das Geld dafür überweisen", schimpft Holding-Geschäftsführer Frank Junker. Immerhin koste das Meßprogramm alleine die Holding rund 1,5 Millionen Mark. Im Ministerium herrsche "Konfusion und Chaos", die Halbwertszeiten von Erlassen würden immer kürzer.

 Gesundheitsamts-Chefin Peters sucht den Ausweg in der Mathematik: Die bisherigen Meßergebnisse könnten vielleicht mit einem noch festzulegenden Faktor multipliziert werden, um mit den Saug-Ergebnissen vergleichbar zu sein. Das lehnt jedoch das Gesundheitsministerium ab. "Der Unsicherheitsfaktor wäre zu groß", meint Sprecherin Gunzenhauser.

 Peters und Junker weisen nun darauf hin, daß ein zweites Meßprogramm neben hohen Kosten auch einen erneuten Zeitverlust bedeute: "Wir müssen aber so schnell wie möglich mit der Sanierung der Wohnungen beginnen", meint Peters. Auch bei der Analyse der zusammengefegten Proben zeige sich schon jetzt, daß etwa ein Drittel der ehemaligen Housing-Wohnungen in die höchste Dringlichkeitsstufe eingeordnet und unverzüglich saniert werden müßte. 

 
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Erscheinungsdatum 17.06.1998