Schadstoffmobil sammelt Staubsaugerbeutel ein
PAK-Staub aus den Wohnungen der Housing-Siedlungen gilt weiterhin als Sondermüll / Anweisung des Umweltamtes
Hausstaub aus den Wohnungen der ehemaligen US-Housings muß weiterhin als Sondermüll am Schadstoffmobil der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES) abgegeben werden. Darauf hat das Unternehmen erneut hingewiesen. Die FES schickt auf Anweisung des Magistrats deshalb ein Sammelfahrzeug auf eine zusätzliche Tour in die betroffenen Siedlungen.
Während Gesundheitsdezernent Albrecht Glaser (CDU) kürzlich während einer Bürgerversammlung im Römer gesagt hatte, dies sei eine von der FES eigenverantwortlich festgelegte Vorsichtsmaßnahme, beruft sich das Unternehmen ausdrücklich auf eine Weisung des Staatlichen Umweltamtes und der Hessischen Industriemüll GmbH (HIM). Beide hätten die FES aufgefordert, die Staubsaugerbeutel aufgrund der hohen Belastung durch krebserzeugende PAK (Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe) im Schadstoffmobil zu sammeln und als Sondermüll zu entsorgen. Die PAK stammen aus dem Parkettkleber in den Housing-Wohnungen und reichern sich im Staub an.
Auch für den Sperrmüll aus den betroffenen Haushalten gelten besondere Regelungen, teilt die FES mit. Das Unternehmen müsse dafür sorgen, daß der Sperrmüll nicht in die Hände Dritter gerate. Deshalb sei die FES angewiesen, diesen Sperrmüll direkt in der Frankfurter Müllverbrennungsanlage zu verheizen - ohne die sonst übliche Vorsortierung.
Die Arbeitsgemeinschaft der Schadstoffinitiativen in den früheren Housing-Siedlungen hat erneut kritisiert, daß die städtische ABG Frankfurt Holding, Eigentümerin von 1600 Housing-Wohnungen, weiterhin nur 50 Wohnungen wegen zu hoher PAK- und Pestizidbelastung sanieren will. Die Initiativen wollen beobachtet haben, daß andererseits in allen Wohnungen, aus denen Mieter im Sommer wegen der hohen PAK-Belastung ausgezogen seien, derzeit der Parkettbelag mit Folie versiegelt und ein neuer Bodenbelag aufgebracht werde. Offenbar gehe die Holding davon aus, daß man die Wohnungen anders nicht mehr vermieten könne, meint Mieter-Sprecher Norbert Dichter. Derartige Vorsichtsmaßnahmen dürften aber nicht nur für künftige Mieter gelten, sondern müßten in allen Housing-Wohnungen mit PAK-belastetem Parkettkleber umgesetzt werden. mat
Das FES-Schadstoffmobil wird am Montag, 7. Dezember, zusätzlich in den Housing-Siedlungen unterwegs sein, um PAK-belastete Staubsaugerbeutel einzusammeln: von 9 bis 10 Uhr am Frankfurter Berg (Berkersheimer Weg, Ecke Oberer Ornberg) und von 11 bis 12 Uhr in Ginnheim (Sudermannstraße 14-22).
Copyright © Frankfurter Rundschau 1998
Erscheinungsdatum 18.11.1998
PAK in Housing-Siedlungen
Hausstaub gilt als Sondermüll
Durch den Aufruf der FES, gefüllte Staubsaugerbeutel aus den ehemaligen Housing-Siedlungen müßten als Sondermüll entsorgt werden, sehen sich die Mieterinitiativen in den Siedlungen bestätigt. Diese Haltung der FES zeige, daß die Belastung durch krebserzeugende Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) in den Wohnungen keineswegs so harmlos sei, wie die städtischen Gesundheitsbehörden immer wieder verkündeten, sagte die in Ginnheim wohnende Mieter-Sprecherin Aygül Klein am Freitag.
Die FES hatte sich auf Anordnungen des Staatlichen Umweltamtes und der Hessischen Industriemüll GmbH, die für die Sondermüll-Verbrennung zuständig ist, berufen. Danach seien die PAK-Konzentrationen in den bekanntgewordenen Hausstaubproben so hoch, daß eine Entsorgung mit dem normalen Hausmüll nicht in Frage komme. Das PAK stammt aus dem Parkettkleber in zahlreichen Housing-Siedlungen.
Aygül Klein sagte, in etwa zwei Drittel der 1600 Housing-Wohnungen, die sich im Besitz der städtischen ABG Wohnungsholdung befinden, seien die PAK-Werte im Parkettkleber überhöht. In den meisten dieser Wohnungen sei das Parkett zudem in schlechtem Zustand. Da sich die PAK dadurch immer wieder im Hausstaub anreichern könnten, wische sie aus Sorge um ihr eineinhalbjähriges Kind täglich ihre Wohnung. Gleichwohl bleibe eine große Angst, daß ihr Kind den Staub aufnehmen könne, der von den Behörden als Sondermüll klassifiziert werde.
Die Mieterinitiativen wollten nun erneut mit dem Gesundheitsdezernat und der ABG Frankfurt Holding Kontakt aufnehmen und erreichen, daß doch noch mehr als die bislang vorgesehenen 50 Wohnungen saniert werden. Im Stadtparlament waren bisher jedoch sowohl die Sozialdemokraten als auch die Grünen mit Anträgen, die eine weitergehende Sanierung erreichen wollten, gescheitert. mat
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Erscheinungsdatum 21.11.1998 |