FR 29.5.1998
PVC-Böden werden weiter verlegt
Mieter klagt, daß Wohnungs-Holding Empfehlung ignoriert
Wieder Streit um Bodenbeläge in Wohnungen der ABG Frankfurt Holding: Trotz anderslautender Empfehlung des Stadtparlaments baue die städtische Gesellschaft überall Böden aus PVC in ihre Wohnungen ein, klagt ein Mieter.
PVC (Polyvinylchlorid) ist in der Tat ein seit langem umstrittener Kunststoff. Aus Sicht von Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace ist er ein Symbol für überflüssige, gefährliche Chlorchemie, bei der immer wieder krebserregende Stoffe entstehen. Feuerwehrleute fürchten beim Brand des - allerdings schwer entflammbaren - Kunststoffs die entstehenden hochgiftigen Dioxine. W. F., der seit vier Wochen in einer Wohnung der städtischen ABG Frankfurt Holding in der Niederräder Kalmitstraße wohnt, klagt seit seinem Einzug über Übelkeit, Kopfschmerzen und Schlafstörungen. Den Grund dafür glaubt er er in einem PVC-Bodenbelag gefunden zu haben, den die Holding bei Sanierungen standardmäßig verlegt. "Es ist völlig unverständlich, daß eine städtische Gesellschaft ein derart in Verruf geratenes Material verwendet", klagt F..
Holding-Geschäftsführer Frank Junker bestätigte der FR, daß PVC bei Sanierungen üblicherweise als Bodenbelag verwendet werde. Auch als Ersatz für die mit krebserzeugenden PAKs belasteten Parkettböden in den früheren US-Housing-Wohnungen ist PVC zumindest im Gespräch. "Das ist ein absolut üblicher und zugelassener Baustoff'", sagt Junker. Beschwerden habe es außer der von F. auch nach nie gegeben. Da man für den Bodenbelag Markenprodukte hoher Qualität verwende, bestehe auch keine Gefahr, daß da irgendetwas ausdünstet".
Etwas differenzierter sehen das die Experten des Umweltbundesamtes (UBA) in Berlin. Für Bodenbeläge werde sogenanntes Weich-PVC verwendet. Die darin enthaltenen chemischen Weichmacher träten durchaus in die Raumluft aus und seien gesundheitlich grundsätzlich nicht unbedenklich, so die offizielle Auskunft des UBA. Allerdings sei bei bisherigen Messungen keine Schadstoff-Konzentration festgestellt worden, die zu akuten Gesundheitsbelastungen führen könnten. Beschwerden über Kopfschmerzen, Unwohlsein und Geruchsbelästigungen seien in der Regel auf die lösungsmittelhaltigen Kleber zurückzuführen, mit dem die PVC-Beläge fixiert würden.
Das Stadtparlament hat bereits im Januar 1990 beschlossen, in städtischen Betrieben oder bei von der Stadt in Auftrag gegebenen Neubauten und Renovierungen "den Ersatz von PVC-haltigen Produkten, soweit vorhanden und einsetzbar, sicherzustellen".
Die Grünen im Römer verweisen auf ihren Parlamentsantrag vom Mai 1996, in dem als Konsequenz aus dem Flughafenbrand in Düsseldorf gefordert wird, auch auf Gesellschaften, an denen die Stadt beteiligt ist", Einfluß zu nehmen, daß dort kein PVC mehr verwendet wird. Der Magistrat reagierte damals mit dem Hinweis auf die "gesonderten Vertragsbedingungen", die städtische Ämter bei der Vergäbe von Aufträgen zu befolgen haben. Danach dürfe in städtischen Gebäuden seit August '96 PVC nicht mehr in Fensterund Türprofilen, Wasserleitungen und Fußbodenbelägen verbaut werden.
Dieses PVC-Verbot, so Holding-Chef Junker, beziehe sich aber nur auf die von Ämtern verwalteten Liegenschaften wie Kindertagesstätten, Schulen und Rathäuser. "Wohnungen städtischer Gesellschaften sind nicht erfaßt." mat