EGNOS in der Praxis

Seit dem 1. April 2003 werden EGNOS-Korrekturdaten in einem Modus übertragen, der von Garmin-GPS ausgewertet werden kann. Je nach Standort werden Signale der Satelliten Nr. 33 und / oder Nr. 44 empfangen. Es handelt sich um geostationäre Satelliten, die von Europa aus gesehen im Süden (über dem Äquator) stehen. Die Positionen können auf der Statusseite des GPS (Skyview) nachvollzogen werden. Die EGNOS-Satelliten dienen nur als "Relaisstationen", um die Korrekturinformationen über ein großes Gebiet auszustrahlen. Das Signal selber wird von Bodenstationen aus zu den EGNOS-Satelliten übertragen.

Nachteilig für die terrestrische Nutzung ist die relativ geringe Höhe der Satelliten über dem Horizont. Nach meinen ersten Erfahrungen, überwiegend im PKW ohne Außenantenne, können die Korrektursignale bei möglichst freier Sicht in Richtung Süden gut empfangen werden. Bei Fahrten in Richtung Norden war häufig kein Empfang möglich.

Ist im Garmin die Option "WAAS" aktiviert, werden die Korrektursignale ausgewertet. WAAS ist der Korrekturdienst für den amerikanischen Kontinent, der zu EGNOS kompatibel ist. Für den ersten Empfang und die Auswertung der Korrektursignale benötigt der Empfänger einige Minuten, da für jeden einzelnen empfangenen GPS-Satelliten die Informationen ausgestrahlt und im Gerät berechnet werden.

Bei erfolgreichem Empfang des EGNOS-Signals schaltet die Statusanzeige auf "3D-Differential"  um. Zusätzlich erscheint in den Signalstärkebalken ein "D". Bevor für alle Satelliten die Korrekturinformationen vorliegen, kann die Statusanzeige auch auf "2D-Differential" umschalten und die Genauigkeit sinkt stark. Sie wird kurze Zeit später, bei 3D-Differential-Empfang, immer besser, wenn gute Empfangseigenschaften vorliegen. Ich konnte bisher Werte von 2 - 3 m beobachten. Bei ungünstigen Empfangsbedingungen (enge, bebaute Straßen) schwanken die Angaben zur Genauigkeit tlw. sehr stark (4 - 9 m).

Stationäre Positionsermittlung mit EGNOS-KorekturdatenBei günstigen Empfangsbedingungen kann man mit einer Genauigkeit von ca. 3 - 4 m rechnen, wie der  Grafik zu entnehmen ist. Sie zeigt über einen Zeitraum von etwa 2 h einen Track bei stationärem GPS-Standort. Die Daten wurden am 05.04.03 mit EGNOS-Empfang aufgezeichnet. Die Empfangsbedingungen waren gut, aber nicht optimal, da in Richtung Osten eine Abschattung durch Bebauung gegeben war. Während der Aufzeichnung kann man Ungenauigkeiten erkennen, da der Track eine Ausdehung von etwa 10 m darstellt. Innerhalb der roten Markierung liegen die häufigsten Trackpunkte, in einem Kreis von etwa 4 m Durchmesser. Die Höhenberechnung ergab Werte zwischen 4 m und -11 m. Die häufigsten Werte lagen im Bereich -4 m. Die wahre Höhe am Standort liegt bei ca. 4 m.

Werden die EGNOS-Daten nicht mehr empfangen, erscheint noch kurze Zeit die Differential-Kennzeichnung und die Genauigkeit sinkt, abhängig von der Zahl und Konstellation der noch empfangenen Satelliten.

Carsten Kurz hat in "maus.technik.gps" darauf hingewiesen, dass die Empfänger noch einige Minuten das Korrektursignal verarbeiten (können), auch wenn keine EGNOS-Daten empfangen werden. Dies sollte man am eigenen GPS überprüfen, wie es sich in diesem Fall verhält.
 

Nach einigen Wochen "EGNOS-Erfahrung" ergibt sich ein geteiltes Bild. So wie auch von anderen Anwendern berichtet wurde, sind manchmal "gute" Ergebnisse in der Genauigkeit zu beobachten, zeitweise aber auch nur Genauigkeiten, die im Bereich "normalen" Genauigkeit liegen. Da es sich nach wie vor um einen Testbetrieb des Gesamtsystems handelt, muss man mit Einschränkungen rechnen, da auch nicht sicher erscheint, dass stänig echte Korrekturdaten übermittelt werden.

Es ist weiter zu berücksichtigen, dass der aktivierte EGNOS-Empfang dazu führt, dass maximal nur 10 Satelliten empfangen werden können, da zwei Kanäle für den Empfang des Korrektursignals belegt sind.

Fazit bisher: EGNOS kann, wenn der Testbetrieb in den regulären Betrieb übergeht, in bestimmten Situationen eine höhere Genauigkeit in der Positionsbestimmung bewirken. Der momentane Testbetrieb ist für eine gesicherte höhere Genauigkeit nicht ausreichend.
 
 


EGNOS befindet sich noch im Testbetrieb: ESTB (EGNOS System Test Bed). Die empfangenen Daten können daher fehlerhaft und / oder unvollständig sein.

Eine interessante Beschreibung zur Funktionsweise von EGNOS / WAAS hat Michael Wößner veröffentlicht.
Informationen zu ESTB .

© Thomas Hasse
02.04.2003
Aktualisiert: 01.06.03