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Testbericht Magellan Explorist 600 mit Mapsend Topo 3D
Gerhard Haupt
Vorbemerkung
Ich bekam das Testgerät, mit folgender Software zur Verfügung
gestellt:
- Magellan Explorist Installation Wizard Version 1.07
- MapSend Topo 3D Version 1.00
- MapSend DirectRoute Europe Version 2.00c
Auf dem Explorist waren Teile der Topo 3D für Bayern
vorinstalliert, die Installation anderer Kartenausschnitte war wegen
fehlender Kompatibilität nicht, bzw. wie sich am Ende des Tests
herausstellte, nur über workarounds möglich (siehe unten).
Ich testete dieses Gerät ca. 2 Wochen. Meine mehr als
5-jährigen Erfahrungen mit GPS Geräten be-ruhen vorwiegend
auf diversen Garmin Geräten. Aktuell benutze ich einen Garmin 76CS
(Farbdis-play), an dem den Magellan messe und einen älteren Garmin
Vista (monochrom). Neben weiteren Garmin Geräten hatte ich in der
Vergangenheit schon einmal Gelegenheit verschiedene Magellan
Geräte zu nutzen (310, 330 nach meiner Erinnerung), sowie Silva
und MLR-Geräte .
Gerätekonzept und Aufbau
Der Explorist ist sehr kompakt und leicht aufgebaut, mit 155g sogar um
15g leichter als der Vista. Diese Gewichtsersparnis ist exakt der
Gewichtsunterschied der Stromversorgung des Magellan Li-Ionen Akkus
(3,7V/ 1300mAh) gegenüber von 2 Standard Mignon Akkus (1,2V/
2400mAh), die ich bei den Garmins verwende. (Bei Verwendung von Lithium
Mignon Batterien lassen sich bei den Garmins 32g einsparen.) Trotz
dieser minimalen Gewichtsersparnis halte ich die Stromversorgung
für den größten Knackpunkt beim Explorist. Die
Akkulaufzeit ist deutlich kürzer als die moderner Garmin
Ge-räte (Explorist ca. 14 Stunden, Garmin 76CS 22Stunden). Damit
ist es beim Explorist selbst für Tagestouren, vor allem im Winter,
wo die Akkuleistungen deutlich nachlassen, zwingend notwendig,
Ersatzakkus mitzunehmen und diese sind erfahrungsgemäß sehr
teuer. Erschwerend für den Akku-wechsel ist die Fummelei mit dem
Akkudeckel. Dieser schraubbare Deckel ist im Prinzip ohne Werk-zeug zu
öffnen, dieser zeigte sich als Fingernagel-Killer, weil der
klappbare Bügel zu klein ist, immer wieder in die
Gehäusevertiefung umklappt und mehrere Umdrehungen zum
Öffnen/ Schließen not-wendig sind (zum Vergleich: bei Garmin
größerer Bügel, ¼ Umdrehung). Trotz dieser
kurzen Akku-laufzeit kennt der Explorist keinen Demo- oder Offline
Modus, d.h. die batteriefressende GPS-Suche muss sogar bei der
Datenvorbereitung (auf der Hütte ohne Stromnetz) laufen.
Die Verwendung von Standardzellen (wie in fast allen Garmin- und
bisherigen Magellangeräte) halte ich im Outdoorbereich für
einen unschlagbaren Vorteil, zum einen wegen des günstigen
Preises, zum anderen wegen der hohen Leistungen. Außerdem sind im
Notfall passende Batterien überall auf der Welt erhältlich.
Meist gibt es sogar im Rucksack andere Geräte, die gleiche
Batterien verwenden (Stirnlampen, LVS-Geräte) und damit ist im
Notfall ein weiteres Backup möglich. Nachteile des im Explorist
verwendeten Li-Ionen Akkus sind die begrenzte Anzahl der Ladezyklen und
die Alterung auch bei Nichtbenutzung. Wegen der kurzen Akkulaufzeit
wird man diesen tunlichst vor jeder Tour nachladen und reduziert damit
die Lebensdauer Schritt für Schritt mit jedem Ladevorgang.
Natürlich ist auch die Lebensdauer von Standardzellen (NiMH)
begrenzt, aber bei einem Preis von ca. 5€ für einen Satz
fällt die Ausmusterung leichter, als bei ca. 50€ teuren
Spezialakkus.
Besonders gut gefallen hat mir beim Explorist: unter dem Akku befindet
sich eine wechselbare Standard SD-Karte, auf die Kartendaten sowie GPS
Tracks, Routen und Wegpunkte gespeichert werden können. Das
Wechseln der SD-Karten ist zwar nicht so einfach, wie bei einem PDA
(siehe oben, Batteriefach öffnen), aber im Gegensatz zu Garmin
Geräten ist der Speicher wechselbar, erweiterbar und das
Gerät sollte trotzdem wasserdicht sein (die Dichtungen im
Batteriedeckel habe ich nicht getestet).
Auch die Dateiverwaltung ist sehr flexibel: alle genannten Daten
können sowohl auf den internen 16MB Speicher, als auch auf der
SD-Karte lagern und es gibt eine echte hierarchische Datenverwal-tung.
Damit ist die Zahl der speicherbaren GPS-Daten (Tracks etc.) praktisch
unbegrenzt. Wenn die ersten Hürden beim Anschluss an einen PC
einmal überwunden wurden (siehe unten unter „Soft-ware“), wird der
Explorist unter Windows XP als wechselbarer Datenträger erkannt
und damit ist im Windows Explorer ein Zugriff auf die Daten des
Explorist möglich. Die Umschaltung zwischen inter-nem Speicher und
SD-Karte muss nach Anschluss am PC im GPS-Gerät erfolgen. Nur kann
man auf den aktiven Track erst nach Beenden und Neustart der
Trackaufzeichnung zugreifen.
Einschalten und Empfangseigenschaften
Lästig fällt zunächst die „Sicherheitsabfrage“ auf, die
zu bestätigen ist, weil sich das Gerät ansonsten wieder
ausschaltet (wobei die Frage nichts mit Sicherheit zu tun hat, sondern
nur einen unsinnigen Copyright-Hinweis gibt.)
Unter gleichen Bedingungen (auch hinsichtlich der „Vorgeschichte“, also
Ort und Zeit der letzten GPS-Nutzung), benötigt der Explorist
länger für den ersten GPS-Fix, als der Vista und 76CS
(Beispiel Garmin: 65, 70sec, Magellan 90sec). Diese Messungen streuen
naturgemäß und waren in wenigen Fällen auch anders,
aber die Tendenz ist in etwa wie aufgezeigt. Unter schwierigen
Empfangsbedin-gungen (Abschattung) dauert der erste Fix beim Explorist
mehr als doppelt so lang, wie bei den beiden Garmins. Allerdings bleibt
der Empfang nach dem Fix beim Explorist etwas stabiler bestehen, wenn
abgeschattet wird. Mein Eindruck: das Magellan Empfangsteil ist
geringfügig empfindlicher, als die von Garmin. Das Problem der
längeren Zeit für den ersten Fix dürfte eine
unterdimensionierte Prozessorleistung oder eine sehr ineffiziente
Programmierung sein (siehe unten).
Display, GPS und Kartennutzung
Beim Einschalten fällt die helle Hintergrundbeleuchtung des
Displays auf. Diese lässt sich nicht per default, sondern nur per
Timer oder manuell ausschalten. (genauer gesagt die Helligkeit der
Beleuch-tung wird reduziert, denn ganz abschalten lässt sich diese
nicht). Allerdings wird man den Explorist in den meisten
Fällen mit voller Hintergrundbeleuchtung nutzen, denn das Display
ist ohne Hintergrund-be-leuchtung fast in jeder Situation schlechter
ablesbar, als die Garmin-Displays, weil der nicht ver-änder-bare
Kontrast ohne Hintergrundbeleuchtung schlecht ist. Besonders krass
fällt dies bei Sonnen-ein-strahlung auf, wo die Garmin Displays,
insbesondere die neuen farbigen, hervorragend ablesbar sind. Bei Sonne
hilft auch die Hintergrundbeleuchtung beim Exploristen wenig. Nur bei
Dunkelheit und der Notwendigkeit der Hintergrundbeleuchtung ist der
Explorist deutlich heller und kontrastreicher.
Leider wird das Farbdisplay im Explorist kaum genutzt, nur die
Zahlenwerte sind blau. Bei den Karten wird meist die schwarze Farbe
verwendet. Nicht einmal Tracks oder Routen sind farblich
veränderbar. Tracks sind wegen der dünnen Linie kaum zu
erkennen. Nur einzelne Kartenobjekte sind in grellen Farben dargestellt
(Fußballplätze tiefrot, Wasserflächen tiefblau), was
nicht zur Übersichtlichkeit bei-trägt. Bei der
Outdoor-Nutzung (MTB) gefiel mir, dass Nebenstrassen, die bei der
Garmin Topo Mapsource dünn gestrichelt sind, bei Magellan
deutlicher erkennbar sind und sich von den Höhen-linien deutlich
unterscheiden. Wenn die Karten aus der Mapsend Topo 3D installiert
sind, werden am Explorist auch Höhenwerte unter dem Kartencursor
angezeigt.
Bei der Nutzung im Auto fällt die mangelhafte Performance
(Rechenleistung?) auf: je nach Maßstab dauerte es bis zu 15 sec,
bis der Positionszeiger in der Karte nachgeführt wurde. Bei
kleinerem Maß-stab sind die Zeiten kürzer, aber dann werden
nur noch die Hauptstrassen angezeigt. Fazit: im Orts-bereich ist der
Explorist (mit der im Testgerät installierten Karte) absolut
unbrauchbar.
Die schlechte Performance der Karte zeigt sich auch bei Display
Änderungen ohne Positions- Änderungen: oft kommt sehr lange
die Sanduhr, bevor die Karte neu aufgebaut. Bei mehrfachen
Maßstabsänderungen wird unnötigerweise eine Karte mit
Zwischenmaßstab aufgebaut (langsam), und Mehrfacheingaben werden
teilweise „verschluckt“. Beim Garmin 76CS bewirkt jedes Ein- /Auszoomen
eine sofortige Änderung Maßstabsbalkens und nur das
endgültige Kartenbild wird aufgebaut (um Faktoren schneller).
Der Verlust des Satellitenempfangs ist beim Explorist nur schwer
erkennbar: in der Karte erscheint nur die Sanduhr (wie sonst auch sehr
oft), die angezeigte Geschwindigkeit, Kurs und sogar die
Kompass-rosette bleiben auf dem letzten Stand. Bei Garmin: Warnhinweis,
Geschwindigkeit, Kompass etc. bleiben leer.
Die Anzeigen des Explorist bieten nur eine sehr eingeschränkte
Auswahl und sind zudem kaum anpassbar. Es gibt die Satelliten-,
Karten-, Navigations- und Datenseite und das war’s schon. Ein paar
zusätzliche Informationen sind beim Explorist in Untermenüs
versteckt, wobei die Namensgebung einiger Menüpunkte sehr
gewöhnungsbedürftig ist (gilt auch für die Software
Mapsend). Nicht für jeden Anwender ist die Vielfalt bei der
Konkurrenz notwendig, aber besonders bei den Höhendaten gibt sich
der Explorist für ein GPS-Gerät mit Höhenmesserfunktion
sehr spartanisch. Außer Höhe und Barometer gibt’s nichts,
keine Höhensummen für Auf- oder Abstieg. Auch die bei Garmin
auto-matische, mögliche Trennung, Zeit im Stand, in Bewegung und
damit Durchschnittsgeschwindigkeit in Bewegung, fehlt neben vielen
anderen Daten. Die Datenfelder auf der Datenseite können
überhaupt nicht geändert werden. Auf der Karten- und
Kompassseite sind jeweils 2 Datenfelder aus den verfüg-baren 16
Möglichkeiten wählbar (bei Garmin ca. 40 mögliche
Infodaten). Kleiner Pluspunkt beim Explorist: direkte Anzeige der
Temperatur und der Sonnen- und Mondrichtung.
Der Explorist hat zur Bedienung einen ähnlichen Mini-Joystick, wie
die Garmin Etrex-Serie, nur ist der Joystick schwergängiger und
die Gummiabdeckung wirkt schwabbelig, so dass ich eine geringe
Lebensdauer befürchte. Mit Handschuhen dürfte die Bedienung
schwer fallen.
Software
Oben wurde die „Initial Hürde“ zur Datenübertragung
erwähnt: das mitgelieferte Datenkabel muss, wie bei Magellan
üblich, mühsam am GPS Gerät festgeschraubt werden. Noch
dazu war es bei diesem Gerät (im Gegensatz zu älteren
Magellan Geräten) möglich, das Kabel in 2 verschiedenen
Richtungen zu montieren. Es gab zur richtigen Montage keinerlei
Hinweise im Manual oder im Internet (zum Test-zeitpunkt). Im Gegenteil,
eine Aussparung auf Geräterückseite (die aber offensichtlich
keine Funktion hat), sowie die Kabelführung ließ die falsche
Montagerichtung des Steckers vermuten. Fatalerweise wird das Gerät
in dieser Stellung brav geladen, Windows meldet sogar ein Gerät,
dass aber nicht richtig erkannt wurde. Ich habe den mitgelieferten USB
Treiber mehrfach in verschiedenen Konstel-lationen installiert,
deinstalliert, weil ich weiß, dass mache USB Geräte
empfindlich auf die Folge (Installation, Anschließen,
Einschalten) reagieren. Eine Anfrage beim Magellan Support blieb ohne
Antwort. Erst durch einen Zufall kam ich auf die, für mich
unlogische Ausrichtung, die den Ausspa-rungen im Deckel widerspricht
und das Kabel unter dem Gerät verlaufen lässt, wobei der
Akkudeckel verdeckt wird.
Das Verdecken des Batteriedeckels war bei den Versuchen der
Datenübertragung zwischen der Magellan Software und dem Explorist
mühsam, weil sich der Explorist mehrfach so aufgehängt hat,
dass kein Knopf, nicht einmal der Ausschalter funktioniert hat und ein
„Reset“ nur durch Entfernen des Akkus möglich war. Weiterhin
unangenehm: sobald der Explorist mit dem PC verbunden ist, kann dieser
nicht mehr bedient werden. D.h. zum Überprüfen, ob die Daten
im Gerät gelandet sind oder Abfrage der Seriennummer (siehe unten)
muss der Explorist erst vom PC getrennt werden.
CD Installation Wizard
Fehler der Installationsroutine: es wird eine Verknüpfung
„Benutzerhandbuch“ angelegt, die Zieldatei existiert aber nicht. Der
Installation Wizard installiert neben dem USB-Treiber ein Programm zum
Datenaustausch von GPS-Daten und Karten. Bei der Anwendung des
Installation Wizards (wie auch der Mapsend Programme) ist
ärgerlich, dass dieser immer auf seine Default Verzeichnisse
zugreifen wollen und sich andere Einstellungen nicht merken und damit
eine ewige Klickerei notwendig ist.
CDs Mapsend Topo 3D
Diese beiden CDs enthalten topografische Vektorkarten für
Deutschland. Unangenehm: die Original Daten-CD muss bei jeder Nutzung
im Laufwerk liegen. Also Disk-Jockey spielen und ein Hindernis für
Anwender von Subnotebooks ohne CD Laufwerk. Außerdem installiert
jeder Mapsend CD-Datensatz ein eigenes Programm und die
Kartenumschaltung ist nicht so einfach, wie bei Garmin Mapsource. Das
Verschieben der Karte ist nur über Icons oder die
Übersichtskarte möglich, die Windows-üblichen Laufbalken
fehlen.
Positiv gegenüber der Garmin Topo Mapsource fällt auf, dass
in der Mapsend Topo 3D Höhendaten nicht nur in Form von
Höhenlinien, sondern auch in digitaler Form hinterlegt sind, so
dass die aktuelle Höhe unter dem Cursor angezeigt wird. Weiterhin
positiv: die Vektorkarten wirken genauer, weniger „eckig“ und enthalten
teilweise mehr Details (Bäche). Wanderwege sind allerdings ebenso
spärlich, wie bei der Garmin Topo, weil die Kartengrundlage, die
ATKIS Daten der Vermessungsämter diese nicht enthalten. Zum
Beispiel sind Höhenlinien im 10m Abstand darstellbar die
Höhendaten unter dem Cursor sind metergenau. Möglicherweise
sind diese Genauigkeiten aber nur vorgetäuscht, weil diese inter-
oder extrapoliert sind. Dieser Verdacht kam mir beim Beispiel
Eschenlaine (zwischen Eschenlohe und Walchensee), wo in einem Bachtal
der Weg tiefer als der Bach liegt.
Die Höhendaten sind im Programm in zweierlei Hinsicht nutzbar:
eine so genannte 3D-Ansicht, die eine Karte mit Primitiv-Schummerung
oder eine 3D-Ansicht erzeugt. Beide Darstellungen können nicht
überzeugen, besonders die Schummerungsdarstellung kann ich nicht
ernst nehmen, da diese trotz entsprechend gesetzter Optionen kaum
Kartendetails zeigt.
Besser sieht die zweite Höhenfunktion aus, das Höhenprofil:
klickt man auf eine beliebige Strasse, wird ein Segment der Strasse
markiert und von diesem Segment wird ein Höhenprofil in einem
sepa-raten Fenster erzeugt. Nett: fährt man mit der Maus über
das Höhenprofil, wandert ein Punkt auf der Karte mit und es werden
alle erdenklichen Daten zu diesem Cursorpunkt angezeigt (Höhe,
Entfer-nung, Anstiegshöhe usw.). Dies funktioniert sogar für
alle in der Karte vorhandenen Strassen, Forststrassen und Wege (sofern
die Wege enthalten sind)! Das Ganze ist zudem sehr einfach und schnell,
so dass diese Funktion eine Hilfe bei der Planung von Radtouren sein
könnte.
Letztgenannte Einschränkung aus folgendem Grund: die Auswahl der
Segmentlänge durch Anklicken erfolgt willkürlich, ist je nach
Strasse unterschiedlich, beginnt oder endet nicht an markanten Punkten
und ist nur vom Kartenmaßstab abhängig. Außerdem kann
man keine Höhenprofile kombinieren, nicht einmal die Daten
(Aufstiegsmeter) können summiert oder gespeichert werden. Also ein
guter Ansatz, leider noch nicht praxisgerecht umgesetzt.
Weiteres Problem dieser Mapsend Software: die Funktionen, GPS-Upload,
-Download (Tracks, Routen, Wegpunkte), Laden von Kartenausschnitten zum
GPS sind in der Mapsend Software zwar vorhanden, funktionieren aber
nicht mit dem getesteten Explorist, weil dieser nur eine USB
Schnitt-stelle hat und Mapsend nur serielle Schnittstellen bedienen
kann. Gleiches gilt für die Mapsend DirectRoute Europe und ich
halte deshalb diese Versionen nicht für kompatibel mit dem
Explorist. Umso erstaunter war ich, als ich im Internet auf den Seiten
von Magellan erfuhr, dass die vorhandene Version als kompatibel zum
Explorist deklariert wird.
Und wie soll’s gehen? Kartenausschnitte in Mapsend erzeugen, speichern
und dann mit dem sepa-raten Programm „Magellan Conversion Manager“ oder
per Kartenlesegerät zum Explorist schieben. Also: wenn diese
Funktionen in Mapsend enthalten sind und für serielle Geräte
funktionieren, dann würde ich diese Lösung eher als einen
vorläufigen „workaround“ bezeichnen, aber offensichtlich kann oder
will Magellan den Käufern dieser Karten-Software keine Updates zur
Verfügung stellen. Beim Kartenexport wird übrigens die
Seriennummer des Explorist abgefragt, beim ersten Mal sogar zwei-mal,
beim nächsten Mal ist diese per Default eingetragen. Ebenso
kompliziert müssten GPS-Tracks vom Explorist transferiert werden,
bevor diese auf den Magellan Original Karten dargestellt werden
können.
Die Mapsend Direkt Send Europe habe ich nicht getestet.
Fremdsoftware
Der Explorist ist weder mit der GPS-Software Fugawi, noch mit Touratech
QV (TTQV) kompatibel, obwohl beide Programme andere Magellan
Geräte unterstützen. Der Grund liegt in dem neuen USB
Datenprotokoll, aber da selbst Magellan mit der eigenen Software
Mapsend die Datenübertragung noch nicht geschafft hat, ist dies
nicht verwunderlich. Ich habe dennoch bei einem der Software An-bieter
nachgefragt und sinngemäß folgende Auskunft erhalten: von
der Kunden oder Interessenten der GPS-Software wurde die Anbindung des
Explorist noch nicht angefragt, d.h. der Software Anbieter müsste
hier eine Vorleistung erbringen. Dies wird er aber nur dann tun, wenn
der Aufwand vertretbar ist. Konkret wird also erwartet, dass Magellan
den GPS-Software Anbietern Module (DLLs) zur Ver-fügung stellt.
Leider hat sich diese Erkenntnis bei vielen alternativen Herstellern
von GPS-Geräten noch nicht herum gesprochen und auf diese Art und
Weise bleiben Garmin Alternativen im Kreis der GPS-An-wender allein aus
diesem Grund Nischenprodukte. Offensichtlich meinen einige
GPS-Gerätehersteller immer noch, ihre Kartenangebote sind so
perfekt, dass die Kompatibilität zur hauseigenen Software
ausreicht (die in diesem Fall auch nicht gegeben ist). Dabei sollte
bedacht werden, dass es für viele Gebiete überhaupt keine
digitalen Karten gibt und der Anwender zur effektiven Erstellung von
GPS-Routen Karten erst scannen muss. Genau dies funktioniert im
konkreten Fall mit der Magellan Soft-ware natürlich nicht.
Auch für die Anschlussmöglichkeit des Explorist zu PDAs und
PDA Software habe ich Zweifel: es gibt bisher keine Verbindungskabel
für PDAs und ob dies technisch möglich sein wird und nicht
das gleiche Problem, wie bei den Garmin USB-only Geräten (VistaC,
LegendC) auftritt, sei dahingestellt. (Erläuterung: Garmin USB
Geräte fungieren als USB-Client und nur können nur an
USB-Hosts, also PC oder Notebooks angeschlossen werden können.
PDAs fungieren als USB-Client. Deshalb sind Garmin Geräte nur
über den seriellen Stecker, den auch neuere USB-Geräte wie
der 60CS oder 76CS zusätzlich haben, an den PDA
anschließbar. Mir ist also nicht bekannt, ob der Explorist
technisch überhaupt an einen PDA anschließbar ist.)
Abgesehen davon müsste natürlich zunächst in die PDA-GPS
Software Schnitt-stelle und Protokoll implementiert werden.
Support
Ich habe anlässlich meiner Anfangsprobleme (Kabelverbindung) Hilfe
auf den Webseiten von www.magellangps.com gesucht. Es waren weder
Updates für die getestete Konstellation vorhanden, noch hat es
durch die FAQ oder sonstige Informationen eine Hilfe gegeben. Ich habe
dann versucht eine Supportanfrage zu stellen: dazu muss man sich
zunächst namentlich mit unnötig vielen Daten registrieren
(neben Name, Mail, auch Telefonnummer, vorhandenes Gerät mit
Seriennummer, wobei der Explorist noch nicht aufgeführt war und
als „Sonstiges Gerät“ deklariert werden musste). Auf eine Antwort
habe ich vergeblich mehrere Wochen gewartet. Ich hatte vor einigen
Jahren vor einer Kaufentscheidung schon einmal eine Anfrage an Magellan
gestellt, damals ebenfalls keine Antwort.
Meine Erkenntnis: eine Supportanfrage bei Magellan ist für den
Anwender aufwendig und nutzlos, weil die Mailbox offensichtlich eine
WOM (Write Only Mailbox) ist.
Fazit
Der Magellan Explorist mit der Kartensoftware Mapsend Topo 3D hat ein
gutes Konzept und gute Ansätze. (Standard SD-Karten,
Datenstruktur, halbautomatische Höhenprofile). Leider haben sowohl
Gerät als auch Software noch so viele Nachteile und Schwachstellen
gegenüber den Garmin Pro-dukten, dass Magellan noch keine
Alternative zu den Garmin Produkten ist. Auch die fehlende
Unter-stützung und Kompatibilität durch Hardware (PDA-Kabel),
Magellan Software und Support, sowie durch die Markt-führer der
GPS-Fremd-Programme wären für mich ein weiterer Grund, im
Moment dieses Produkt nicht zu kaufen.
Nur für einen Anwenderkreis sehe ich einen bedingten Vorteil des
Explorist: wenn bei mehrtägigen Touren die Kapazität des
Trackspeichers von Garmin Geräten nicht ausreicht (10.000 Punkte
reichen je nach Art der Unternehmung ca. 3 Tage) und wenn auf diesen
Touren keine Möglichkeit besteht, Tracks auf ein Notebook oder PDA
herunter zu laden, müssen bei Garmin Geräten die Daten durch
Speichern im „saved log“ reduziert werden und damit gehen unter anderem
die Zeitinformationen ver-loren (interessant für Zuordnung von
Digitalfotos). Beim Expolorist können aufgrund der
Speicherver-waltung beliebig viele Tracks im GPS Gerät gespeichert
werden. Allerdings müsste beim Explorist das Akku-problem für
mehrtägige Touren noch gelöst werden. Ich persönlich
würde für diese Anwendung mein Garmin Gerät bevorzugen
und die Tracks auf einen PDA herunterladen, da mir der PDA mit der
Darstellung jeder topografischen Karte weitere Vorteile bietet und die
Anschlussmöglichkeit eines PDAs an den Explorist ungeklärt
ist.
Ergänzung nach Testabschluss
Im TTQV Forum wurde unter www.ttqv.com/phpBB2/viewtopic.php?t=6460
Die Frage nach der Daten-verbindung und Kommunikation zwischen
Explorist und TTQV diskutiert und der dortige Program-mierer hat die
verschiedenen Varianten aufgezeigt. So soll der Explorist als Modem
eingetragen werden und dann auch eine serielle Datenverbindung
möglich sein. Ich konnte dies aus Zeitgründen nur teilweise
testen. Bei meinem Rechner wurde der Explorist unter Modemverbindungen
als COM17 eingetragen und in der Magellan Software Mapsend können
nur die seriellen Ports 1-9 verbunden werden, d.h. auch hier keine
Kompatibilität in der Magellan Software. Traurig finde ich es,
dass der-artige Informationen, die auch für die Kommunikation mit
den Magellan Programmen interessant sind, von Anbietern von
Fremdsoftware kommen, während sich Magellan in den Manuals und auf
den Web-seiten darüber ausschweigt.
Immerhin war mit dieser Information eine nachträgliche Auswertung
parallel aufgezeichneter Tracks in TTQV möglich und diese
bestätigte oben genannte Vermutung: der ist Explorist etwas
empfindlicher als der Garmin 76CS ist und hatte in Waldgebieten weniger
Empfangsaussetzer. Unschön ist, dass auf dem Import als NMEA-Log
das flag „first point“ nicht gesetzt ist und bei
Empfangsunterbrechungen (auch Aus-/Einschalten an verschiedenen Orten
bzw. Tagen) alle Trackpunkte auch quer über die Landkarte
verbunden werden.
Nach Berichten in Foren soll es für den Explorist auch alternativ
die Möglichkeit geben, Standard Batterien oder Akkus anstatt des
Spezialakkus zu verwenden. Genaueres oder eine Bestätigung von
Magellan konnte ich nicht erfahren. Wenn Mignon (AA) Zellen zum Einsatz
kommen werden, wird das Gerät deutlich dicker werden. Bei Micro
(AAA) Zellen wäre die Laufzeit nochmals kleiner als mit dem
Spezialakku. Ob bei dieser Lösung die Wasserdichtigkeit erhalten
bleibt und ob für es diese Spezialdeckel Fahrrad-Halterungen geben
wird, ist ebenfalls offen.
Der Bericht wurde von Gerhard Haupt zur Veröffentlichung
bereitgestellt.
08.08.05