Fugawi für Palm

Die GPS-Karten-Software Fugawi bietet ab der Version 3.0.3.76 erweiterte Funktionen, die eine Nutzung auf PDA (Personal Digital Assistent) mit dem Betriebssystem PalmOS ermöglicht. Mit freundlicher Unterstützung von GPS24 und der GPS-GmbH konnte ich die Software in der Praxis testen. Fugawi wurde auf einem Palm M100 (2 MB RAM, PalmOS 3.5.1) und einem Palm IIIxe (8 MB RAM, PalmOS 3.5.2) installiert.
 
 

Kartenexport zum PalmDie Installation der PC-Version und der Palm-Version ist problemlos. Nach Freischaltung der Palm-Funktionalität auf dem PC, die durch Eingabe eines weiteren Registrierungsschlüssels erfolgt, wird automatisch ein Conduit (Hilfsprogramm für den Datenaustausch PC - Palm) bereitgestellt. Auf dem Palm belegt die Fugawi-Software 97 kB Speicher. Die Verbindung zwischen dem Palm und einem GPS-Gerät, in diesem Fall einem Garmin GPS12, erfolgte mit dem Hotsync-Kabel des Palm, dem Datenkabel des GPS12 und einem Nullmodem-Genderchanger. Nähere Einzelheiten zu der Verbindung Palm - GPS finden sich hier. Fugawi für Palm verarbeitet GPS- Daten im NMEA-Format (2.0).

Der erste Test war sehr positiv, da die PC- und Palmsoftware gut aufeinander abgestimmt sind. Man kann fast von einer "Plug-and-Play"-Lösung sprechen. Um eine Karte oder einen Kartenausschnitt auf den Palm zu übertragen, markiert man den Bereich auf der PC-Version, wählt den Menüpunkt "Bearbeiten - Auswahl zu Palm kopieren" und die kalibrierte Karte wird in das Palmformat konvertiert. Unter dem Menüpunkt "Funktionen - Palm Verwaltung" stehen einige Optionen zur Verfügung, um die Darstellung auf einem Palm zu optimieren und verschiedene Zoomstufen zu definieren, die auf dem Palm zur Verfügung stehen sollen.

Optimierung der Karten für den PalmUm eine optimale Darstellung der Karte auf den verschiedenen Palm-Geräten (Monochrom-, Farbdisplay) zu erreichen, kann man die Farbtiefe der Karte in vier Stufen beeinflussen: 4 oder 16 Graustufen und 16 bzw. 256 Farben stehen zur Auswahl. Mit einer Vorschaufunktion kann man das Ergebnis betrachten und entsprechend der jeweiligen Karte bzw. den jeweiligen Bedürfnissen anpassen. Ferner kann der Gamma-Wert, Helligkeit und Kontrast separat geregelt werden, um eine "Feinabstimmung" durchzuführen.

Als sehr nützlich empfinde ich die Möglichkeit 3 verschiedene Zoomstufen frei für die Karte zu definieren. Um Speicherplatz auf dem Palm zu sparen, kann man auch nur mit 1 oder 2 Zoomstufen arbeiten, da für jede Stufe ein eigenes Kartenbild generiert wird. Auf dem Palm kann man mit der Scrolltaste zwischen den unterschiedlichen Zoomstufen umschalten, mit dem Eingabestift kann der Kartenausschnitt auf dem Display beliebig verschoben werden.

Nach Installation der Karte durch Hotsync und Anschluß des GPS, erfolgte die erste Probefahrt bei Dunkelheit. Sobald Fugawi die Verbindung zum GPS hergestellt hat, wird dies optisch, durch ein Symbol, angezeigt. Mit der Option "Center on GPS" wird die Positionsanzeige auf der Karte in die Mitte des Displays gesetzt. Befindet man sich in Bewegung, wird die Positionsanzeige verschoben. Vor Erreichen des Displayrandes wird der Kartenausschnitt verschoben. Die Genauigkeit der Positionsanzeige war gut, d.h. ich bin nach der Kartenanzeige auf der Straße und nicht neben der Straße gefahren. Exportiert man Vektorkarten in einem entsprechenden Maßstab auf den Palm, erfolgt die Positionsanzeige auf der richtigen Straßenseite, ausreichenden Satellitenempfang vorausgesetzt. Die Darstellung auf dem beleuchteten Display ist gut lesbar, wenn nicht zu viele Details in der Karte enthalten sind.
 
 
TOP200 - Zoomstufe 50%
TOP200

Entfernung zwischen 2 Wegpunkten berechnen
Entfernung zwischen 2 Wegpunkten ermitteln

Navigationsseite für Routen
Routen-Navigationsseite

Wegpunkte editieren
Wegpunkt editieren

Anlegen von Routen
Route erstellen

 
Bewegt man sich aus einem Kartenausschnitt, wird, wenn vorhanden, automatisch eine andere Karte geladen und die Positionsanzeige fortgeführt. Ist für die aktuell ermittelte Position keine Karte verfügbar, verschwindet auch die Positionsanzeige, d.h. man kann nicht abschätzen, wo oder wann man erneut den Bereich der gespeicherten Karte erreicht. Dies dürfte in der Mehrzahl der Anwendungen jedoch kein Nachteil sein, wenn man für sein geplantes Einsatzgebiet entsprechend großzügig ausgelegte Karten auf dem Palm speichert. Die Karte wird immer in Nordrichtung dargestellt und nicht gedreht.

Sehr einfach stellt sich auf dem Palm die Verwendung und Verwaltung von Wegpunkten und Routen dar. Sie können aus der PC-Version übernommen werden oder manuell erzeugt werden. Wegpunkte können durch "Antippen" eines beliebigen Punktes auf der Karte erzeugt werden; es öffnet sich ein Eingabefenster in dem man die Bezeichnung und Notizen festhalten kann. Routen können durch einfache Auswahl der benötigten Punkte generiert und auf der Karte angezeigt werden. Bei der Bildung von Routen wird deren Gesamtlänge errechnet. Alle auf dem Palm erzeugten Daten lassen sich mit dem Conduit auf den PC übertragen und stehen somit auch in der PC-Version von Fugawi zur Verfügung.

Als weitere Funktion steht eine Distanzermittlung zwischen zwei Wegpunkten zur Verfügung. Aus der Liste der Wegpunkte können zwei Punkte ausgewählt und deren Entfernung berechnet werden. Mit dem Palm können auch Tracks aufgezeichnet werden, wobei man die Frequenz (den zeitlichen Abstand) zwischen den Trackpunkten sowie die maximale Anzahl der aufzuzeichnenden Punkte frei wählen kann.

Für die Navigation mit Routen bietet Fugawi eine eigene Navigationsseite. Mit einfachen Symbolen wird die Richtung zum nächsten Wegpunkt angezeigt. Zusätzlich werden weitere Daten, wie z.B. Geschwindigkeit, Kurs u.a. angezeigt.

Auf dem Palm habe ich Ausschnitte der digitalen topografischen Karte (TOP 50 / 200) und Ausschnitte der Teleatlas Europa-Karten (Hauptstraßen, Deutschland) genutzt. Der Speicherbedarf der Karten schwankt sehr stark, abhängig von der Farbtiefe, Zoomstufe und dem gewünschten Ausschnitt bzw. Blattschnitt. Positiv überrascht war ich, dass selbst mit dem Palm M100 gearbeitet werden konnte. Hier bieten die o.a. Möglichkeiten der Kartenoptimierung einigen "Spielraum" um selbst bei beschränktem freien RAM noch Karten zu laden. Naturgemäß ist die Darstellung auf dem Palm IIIxe angenehmer, da das Display größer ist. Zum Vergleich: Displaygröße M100 (5 x 5 cm), IIIxe (6 x 6 cm).

Eine Anmerkung zur Nutzung im Fahrzeug. Ich betrachte es als "Beifahrertaugliches System". Eine Bedienung allein durch den Fahrer ist zwar möglich, aber m.E. nicht zu empfehlen, obwohl sich einige Funktionen über die Hardware-Buttons steuern lassen.
 

Fugawi und TOP 50 / 200
Seit der Version 3.0.3.99 kann Fugawi die Karten der TOP-Reihe und die Austrian-Map verarbeiten. Das umständliche Importieren und manuelle Kalibrieren der Karten entfällt. Die Darstellungsqualität der Karten unter Fugawi (PC) ist sehr gut, auch in der verkleinerten Darstellung mit z.B. einer Zoomstufe von 50%. Die Anzeige auf dem Palm ist, selbst auf einem monochromen Display, gut.

Palm-Screenshots der TOP50 (16 Graustufen)
TOP50 - Zoom - 100 %
TOP50
Zoom: 100%
TOP50 - Zoom 75%
TOP50
Zoom: 75 %
TOP50 - Zoom 25%
TOP50
Zoom: 50%

Mit der neuen Funktionalität lassen sich Kartenausschnitte der TOP-Reihe ohne großen Arbeitsaufwand auf den Palm laden. Die bereits oben erläuterten Funktionen zur Optimierung der Karten auf dem Palm sind sehr hilfreich, um den Speicherbedarf der Karten auf dem Palm zu reduzieren und so auch größere Ausschnitte zu übertragen.

Ein Beispiel verdeutlicht den durch Karten belegten Speicher. Ein Ausschnitt der TOP50 (5 x 5 km) in 16 Graustufen (komprimiertes Fugawi-Format) wird in eine Datei mit 3 Zoomstufen für den Palm (50%, 75%, 100 %) exportiert. Die Größe auf dem Palm beträgt ca. 600 kB. Beschränkt man sich auf eine Zoomstufe für den Palm, ergibt sich folgender Speicherbedarf (Hinweis: Alle Größenangaben sind gerundet):
Zoom 50%: 100 kB
Zoom: 75%: 200 kB
Zoom 100%: 300 kB.

Um die überschlägige Größe für andere Farbformate zu ermitteln, lassen sich die Werte mit 0,6 multiplizieren und man erhält den Speicherbedarf für 4 Graustufen. Bei einer Multiplikation mit 1,6 erhält man den Speicherbedarf für 256 Farben. Karten mit 16 Farben sind von ihrer Größe etwa vergleichbar mit 16 Graustufen.

Fugawi - Info-BarEine interessante Funktion für Rasterkarten bzw. die Karten der TOP-Reihe ist die Overlayfunktion. Über die Rasterkarten können Vektorkarten gelegt werden. Die Eigenschaften der Vektorkarten können in diesem Modus verändert werden; POIs (Points-of-Interests) können ein- und ausgeblendet werden, die Darstellungsform der Straßen kann angepasst werden.

Die aktuelle Fugawi-Version (3.0.3.102, Januar 2002) enthält auch ein Update der Palmversion (01.01.04) und bietet nun die Möglichkeit eine Infozeile (Info-Bar) einzublenden. In der Infozeile wird eine Maßstabsleiste in Abhängigkeit von der gewählten Zoomstufe eingeblendet. Somit lassen sich Entfernungen leicht abschätzen. Zusätzlich werden Geschwindigkeit und Kurs angezeigt (s. Grafik).

Setzt man Clip-on-GPS-Empfänger oder eine Navi-Mouse mit dem Palm ein, kann man unter Fugawi Statusinformationen (Anzahl, der empfangenen Satelliten mit Empfangsstärke, aktuelle Position, UTC-Zeit und -Datum, Höhe) abrufen.
 

Hardware-Ergänzungen
Beabsichtigt man eine dauernde oder längere Nutzung im Fahrzeug, sollte man die Stromversorgung seines PDA berücksichtigen. Hier empfiehlt sich die Verwendung von Akkus, da der Datenaustausch über die Schnittstelle des Palm Energie benötigt und gerade in der "dunklen" Jahreszeit die Hintergrundbeleuchtung öfter zum Einsatz kommt. Für die Geräte der Palm III-Baureihe gibt es eine recht praktische Lösung zum Nachrüsten. Im Batteriefach wird ein spezieller Akku eingelegt und der normale Deckel des Batteriefachs ausgetauscht. An dem neuen Deckel befinden sich Ladekontakte und eine Halterung, um ein Ladekabel zu befestigen. Die Spannungsversogung kann entweder über das Kfz-Netz oder durch den mitgelieferten Adapter über 230 Volt erfolgen. Einen Bericht über das Akkupack gibt es hier.

Als weitere Ergänzung ist eventuell ein externer Speicher für den Palm sinnvoll, insbesondere für die Modelle mit 2 bzw. 4 MB. Hier stehen mehrere Lösungen zur Verfügung, abhängig vom Modell. Der interne Speicher kann bei verschiedenen Modellen auf 4 / 8 MB aufgerüstet werden. Einen entsprechenden Service bietet Palmhelp. Einige Modelle der Palm IIIer-Reihe, und Baugleiche, können mit einem Modul aufgerüstet werden, das Smart-Media-Karten aufnimmt (axxxPac). Als mobiler Datenspeicher steht weiter Flashplug (8 MB) zur Verfügung, der mit vielen Modellen nutzbar ist.
Externe Speicherkarten, wie sie in neueren PDA-Modellen zum Einsatz kommen, werden nach Angaben von Fugawi z.Zt. noch nicht direkt unterstützt, dies soll mit einem späteren Update gewährleistet sein. Der externe Speicher kann also momentan nur als "Zwischenspeicher" fungieren, um Daten aus dem PDA-Hauptspeicher zu sichern, oder Karten(ausschnitte) mobil zu halten und bei Bedarf in den Hauptstpeicher zu übertragen.

Für den potentiellen Fugawi-Kunden wären, je nach vorhandener Geräteausstattung, möglicherweise Bundle-Angebote (Fugawi und o.a. Hardware) interessant.
 

Bugs
Bisher sind mir zwei Bugs aufgefallen:

Ein andere "Besonderheit" ist derzeit von Fugawi beabsichtigt: Wegpunkte, die in einer Route enthalten waren, lassen sich erst nach Löschen der Route und einem Hotsync wieder auf dem Palm bearbeiten.
Diese Vorgehensweise halte ich für unpraktisch. Befindet man sich mit seinem Palm fernab von einem PC, z.B. im Urlaub, und hat Routen auf dem Palm geplant, lassen sich die Wegpunkte der Route nicht editieren. Fugawi hat eine Überprüfung dieser Funktion zugesagt.

Wünschenswert ist die Option, Wegpunkte auf der Karte anzeigen zu lassen, wenn man sich in der Wegpunktliste befindet. Ferner wäre die Möglichkeit mehrere Tracks zu speichern sicher eine sinnvolle Ergänzung.
 

Tipps

Fugawi und HandEra
Thomas Schewe hat zum Einsatz von Fugawi auf einem HandEra 330 folgende Erfahrungen mitgeteilt: Die Software funktioniert und mit der grafischen Anzeige gibt es keine Probleme. Die Landkarten können auf der Compact-Flash-Karte abgelegt werden und sind mit mit AutoCF "sichtbar". Die Landkarten können nicht über einen Kartenleser installiert werden, da die Daten erst beim HotSync aufbereitet werden. Der Weg "durch den Palm" könnte bei großen Karten und Speichermangel sicherlich zu einem Problem werden.

Das Handling ist nicht ganz unkompliziert. Zunächst werden die Karten beim HotSync in den internen Speicher geladen. Dann werden sie mit McFile auf die CF-Card verschoben und sind aus dem internen Speicher raus. Merkwürdigerweise tauchen die Karten nach dem Aufruf von Fugawi wieder im internen Speicher auf. Da sich aber der freie interne Speicher nicht vermindert und die Karten nach dem Ziehen der CF-Card wieder verschwinden, scheint es sich um eine Art "Link" zu handeln. Auf jeden Fall kommt man dadurch ziemlich durcheinander und muss beim Verschieben von nachgeladenen Karten sehr aufpassen, dass man nicht versehentlich einen dieser Links erneut verschiebt, was zum Crash führt. Daher wäre ein direktes Laden auf die Speicherkarte via Card-Reader besser. Diese "Links" sind jedoch nicht nur bei Fugawi zu beobachten, sondern auch bei anderen Anwendungen.

Wünschenswert ist eine Möglichkeit die Waypoints und Routen, die man mit Fugawi auf dem Palm erstellt hat, direkt in das GPS-Gerät zu laden.
 

Fazit
Fugawi und Fugawi für Palm überzeugen durch eine einfache Übertragung von kalibrierten Karten zum PDA, sowie einem einfachen Austausch von Wegpunkten, Routen und Tracks zwischen einem PC und PDA. Die Bedienung der PDA-Software ist ohne großen Aufwand zu erlernen, aber steht momentan nur in englisch zur Verfügung.
Die große Auswahl an digitalen Kartenwerken (vorgefertigt oder eigene Scans) für Fugawi kann auf dem Palm genutzt werden und wird  um die TOP50/200-Reihe sowie Austrian-Map ergänzt.

Ich halte die Software für empfehlenswert. Fugawi für Palm bietet volle Moving-Map-Möglichkeit auf kleinen handlichen PDA, die, im Vergleich zu einem Notebook, zu deutlich geringeren Kosten angeschafft werden können.

Thomas Hasse
19. Dezember 2001
letzte Aktualisierung: 27.02.2002

Die Karten-Darstellung auf dem Palm ist qualitativ besser, als in den hier gezeigten Bildern.