Mein Weg zur und mit der GPS Software TTQV (Touratech QV)
Gerhard Haupt

Erste Erfahrungen mit GPS
Warum ist GPS im Outdoor-Bereich auch in unseren Breiten sinnvoll?
Anwendung der GPS-Software TTQV
Ausblick und Hinweise zu weiterer GPS-Software
Fazit und Empfehlung

Erste Erfahrungen mit GPS

Als ich vor mehr als 3 Jahren mein erstes Garmin GPS Gerät kaufte, hatte ich relativ vage Vorstellungen von Anwendungen in unseren Breiten. Für mich hatten diese Geräte immer den Touch vom Wüstenfahrer. Um es vorweg zu nehmen: auch in Mitteleuropa bietet die GPS-Anwendung für fast jede Outdoor Aktivität, für den Wohnmobil-Fahrer viele Vorteile und Anwendungsmöglichkeiten und nicht zuletzt macht es einfach Spaß eine Tour mit GPS und PC vorher zu planen und nach der Tour noch einmal am PC Revue passieren zu lassen und dabei vielleicht Anmerkungen und Fotos einzubinden. Noch eins vorab: die sinnvolle Anwendung der Kombination GPS-Karte-Software erfordert etwas mehr Wissen und Einarbeitung, als die Nutzung eines Navigationssystems im Auto, weil ich im Gegensatz zum "all in one" Autonavigationssystem GPS Einstellungen auf Parameter des Kartenherstellers anpassen muss und letztere sind in vielen Fällen schwer zu erhalten.

Auch meine erste MTB Tour mit dem neuen Garmin war ein Reinfall, weil die damaligen topografischen Umgebungskarten keinerlei Gitter enthielten. Die Versuche, Touren vorab am PC mittels der Top50-CD zu planen, war ein mühevolles Unterfangen, weil das CD-Cover zwar "Navigieren mit GPS" versprach, aber nur mit Notebook im Rucksack! Ich entschloss mich sehr schnell zum Kauf einer GPS-Software und entschied mich für "Touratech QV" (damals hieß es noch QuoVadis) www.touratech.com. Inzwischen gehören GPS Gerät, Notebook mit digitalen Karten und TTQV-Software zur Standardausrüstung meines Wohnmobils (Notebook-Halterung). Outdoor Unternehmungen wie Radfahren, Wandern, Kajakfahrten, Wanderungen, Skitouren, Langlaufen bereite ich meist mit GPS-Gerät und PC vor und speichere nach der Tour die aufgezeichneten Tracks mit zusätzlichen Kommentaren ab.

Warum ist GPS im Outdoor-Bereich auch in unseren Breiten sinnvoll?

Zugegebenerweise besteht für die GPS-Anwendung in unseren Breiten keine absolute Notwendigkeit und die Anwendung gehört eher in den Hobbybereich. Es gibt aber gute Gründe für die GPS-Anwendung:

1. Sicherheit: diese Motivation ist zum Glück in Mitteleuropa eher die Ausnahme. Aber wer im z. Bsp. im alpinen Gelände unterwegs ist, weiß, dass es auch bei gewissenhafter Planung unvorhergesehene Situationen geben kann: Wetterwechsel, keine Sicht mehr durch Nebel oder Schneefall, Unfälle und Verlaufen. All diese ungeplanten Fälle führen immer zu einem zusätzlichen Zeitaufwand, oft kommt als Erschwernis die Dunkelheit hinzu. Genau in diesen Situationen habe ich mit der GPS Ausrüstung einen enormen Zeitvorteil. Wer einmal in Nebel, Dunkelheit ein Ziel mit Kompass und Karte erreichen musste, weiß, was dies bedeutet: Zielrichtung auf Karte ermitteln, peilen im Gelände, bei schlechter Sicht versetztes Gehen, einer geht voraus, der andere peilt, bei Hindernissen diese rechtwinklig umgehen, dabei Schritte zählen... Also nochmals zum ungeplanten Ereignis ein zusätzlicher Zeitverlust. Mit GPS (am besten mit vor der Tour gespeichertem Zielpunkt) kann ich (auch bei Dunkelheit mit Displaybeleuchtung) locker drauf los laufen, weil die Zielrichtung und Entfernung jederzeit automatisch korrigiert wird und zudem erreiche ich mein Ziel mit wesentlich höherer Genauigkeit.

2. Einfachere Orientierung: bei vorab am PC geplanten GPS-Routen ist die Orientierung draußen sehr viel einfacher und bequemer. Insbesonderes bei Rad-/ MTB-Touren sehe ich den Vorteil, nicht an jeder Kreuzung wieder die Karte heraussuchen zu müssen und ich kann gleichmäßig durchfahren. Auch für selten begangene Skitouren ist die Planung mit Karte und GPS eine wertvolle Hilfe. Bei Wohnmobilreisen finde ich auch Jahre später schnell und sicher die markierten Punkte oder Strecken (Abkürzungen, Übernachtungsplätze, Ver- und Entsorgungsstellen), selbst wenn sich die Umgebung verändert hat. Andere Anwendung: ich habe Koordinaten eines Zielpunkts (vom Internet Hüttenstandorte oder Treffpunkte mit Freunden per SMS). Oder in fremden Städten kann ich Rundwege machen und finde trotzdem zum Auto zurück. Beim Autofahren mit Notebook und gescannten Karten werden auch die kleinsten Strassen gefunden, die auf keinem integrierten Auto Navigationssystem zu finden sind. (Soll aber nicht heißen, dass diese Kombination ein Ersatz eines Auto-NAV-Systems ist.)
 
3. Spaß an dem System: Automatisch entsteht von jeder Tour oder Reise eine hervorragende Dokumentation und ein elektronisches Tourenbuch, dass ich mit Kommentaren und Fotos verknüpfen kann. Für Sportler und "Statistiker" gibt es zusätzlich zurückgelegte Strecke, Summe der Höhenmeter, Höhenprofile, Geschwindigkeitsdiagramme bei Rad-Trainingsfahrten, beim Langlaufen...

Anwendung der GPS-Software TTQV

Den Rahmen der GPS-Nutzung bildet bei mir die GPS-Software TTQV (Touratech QV). Natürlich kann TTQV viele digitale Karten-CDs direkt lesen, selbst gescannte Karten integrieren und Daten zwischen GPS-Gerät und PC austauschen. Dabei ist die transparente und effiziente Datenbank (QV-Exlorer) das Kernstück, weil ich damit Karten, Tracks, Routen und Wegpunkte nach logischen Kriterien gruppieren kann. Diese Daten können jederzeit auf einfache Weise anders gruppiert werden. Trotz der hohen Datenmengen, die bei intensiver GPS Anwendung entstehen (schätzungsweise mehr als 100 Karten und mehrere 100.000 Koordinatenpunkte), leidet die Bearbeitungsgeschwindigkeit in keiner Weise darunter.

Bei der Nutzung käuflicher Karten-CDs hatte TTQV www.touratech.com lange Zeit die Nase vorn, da neben den üblichen BSB/KAP Karten auch die bei uns weit verbreiteten Topo-CDs der Vermessungsämter (Deutschland, Österreich, Schweiz 1:100T bis Version 2) gelesen werden. Inzwischen kann auch Fugawi www.fugawi.de die neuen Topo-CDs verarbeiten. Wer im Gebirge Touren plant, wird es schätzen, dass TTQV die genauen DGM-Höhenmodelle lesen kann und damit sind Höhenprofile schon vor der Tour möglich! Andere Programme bieten nur die Verarbeitung der groben weltweit gültigen DEM-Höhen mit einem Höhenwert alle ½ Bogenminute (ca. 900m Raster), was für Gebirgstouren zu grob ist. Auch die sehr umfangreichen und genauen Ortsdatenbanken der Topo-CDs sind nur mit TTQV lesbar. Mit wenigen Clicks können alle zuvor ausgewählten Punkte der Ortsdatenbank (Gipfel, Hütten, Almen) ins GPS geladen werden.

Die Bedienung von TTQV ist in der Weise optimiert, dass häufig zu wiederholende Aktionen mit einem Click funktionieren. So ist das manuelle Eingeben eines Tracks (Wegverlauf mit einem Track nachbilden) mit hunderten von Punkten in Minutenschnelle machbar. Der größte Aufwand der Vorbereitung einer Tour ist die Überlegung der Route nach Karte, ein Aufwand der bei jeder Planung notwendig ist. Die eigentliche Definition, der Datenaustausch zum GPS, ist der geringste Aufwand.

Die Einarbeitung in das Programm wird durch die Dokumentation unterstützt (Help, Handbuch, Filme als Tutorials) und bei offenen Fragen helfen engagierte Anwender und der Webmaster im TTQV-Forum innerhalb weniger Stunden. Auch nach langer Nutzung lohnt sich ein Blick in die Dokumentation, weil man oft einfachere oder neue Möglichkeiten entdeckt. Das liegt auch daran, dass der Funktionsumfang ständig wächst: wird in dem sehr lebendigen Forum ein sinnvoller Wunsch geäußert, ist dieser oft einige Tage später realisiert. Trotz des immens angestiegenen Leistungsumfang (gegenüber meinem Start vor 3 Jahren) sind alle Updates und Versionssprünge bisher kostenlos gewesen, was in der Branche nicht selbstverständlich ist.

Ausblick und Hinweise zu weiterer GPS-Software

Inzwischen gibt es eine Fülle von guten Programmen, teilweise sogar als Free- oder Shareware, die in ihrer Gesamtheit wahrscheinlich das ganze Spektrum abdecken: Programme zum Sichten digitaler Karten, zum Datenaustausch, Datenverwaltung etc. Nur, ich ziehe es vor, ein gemeinsames Programm für alle GPS-Anwendungen zu nutzen und nicht für jede Teilaufgabe ein eigenes Programm zu haben. Ebenso möchte auch ich kein anderes Programm benutzen, wenn mich meine Tour über eine Ländergrenze führt und die Kartenanbieter sich nicht auf ein Datenformat einigen können, weil jedes Programm eine Einarbeitung benötigt und jedes Programm meine GPS-Daten in anderer Form ablegt und verwaltet. (Analog dazu möchte ich für einen englischen Brief kein anderes Textverarbeitungsprogramm, als für einen deutschen Brief nutzen.) Aus diesem Grund verzichte ich auf die Nutzung der (zudem sehr teuren) Schweizer Karten-CDs mit einem eigenen speziellen Datenformat. Die mit den Topo-CDs gelieferte sogenannte “GPS-fähige Software” ist nur ein Notbehelf, da Grafikelemente für den GPS-Datenaustausch missbraucht werden.

Als ”ganzheitliche” Lösung für GPS-Anwendungen sind mir 3 Programme bekannt:

OZI-Explorer www.oziexplorer.com scheidet nach meiner Meinung für den deutschsprachigen Raum aus, weil die topografischen CDs immer noch nicht verarbeitet werden und damit generell der zusätzliche Aufwand des Scannens notwendig ist.

FUGAWI bietet ein ähnliches Leistungsspektrum wie TTQV und kann seit knapp einem Jahr die neuen topografischen Karten verarbeiten und ist damit in die engere Wahl zu ziehen.
Plus: Erweiterung für Skandinavienfahrer kann zusätzlich erworben werden
Minus: Topo Ortsdatenbank und Höhen nicht verwendbar, kein Support-Forum, schleppende Updates in großen Versionssprüngen.

TTQV ist im Erfahrungsbericht oben behandelt. Wer noch digitale Karten der letzten Version hat (Topo Version 1 und 2, auch für die Schweiz 1:100000) kann diese mit TTQV weiter nutzen.

Zwei Missverständnisse möchte ich noch ausräumen:

a.) Offensichlich wird die Meinung verbreitet, dass ein bestimmtes Programm genauer als die Konkurrenz ist. Das ist eine völlige Fehlinformation! ALLE genannten Programme (ebenso wie andere) sind um Potenzen genauer, als es die, zumeist auf Scans basierenden Karten-CDs hergeben.

b.) In einem Zeitschriftenartikel wurde kürzlich behauptet, gescannte Karten in TTQV sind ungenauer, weil keine unterschiedlichen Kartenbezugssysteme (map-datum) unterstützt werden. Auch das ist falsch: TTQV bietet mehr als 150 verschiedenen Kartenbezugssysteme und ca. 50 nationale Gitter. Wenn wirklich ein neues map-datum auftaucht, ist dies meist innerhalb weniger Tage integriert. Der Autor des besagten Artikels hat mir gegenüber zugegeben, TTQV nur oberflächlich zu kennen. (siehe meinen Leserbrief in TOURS Reisemagazin 5/2002)

Fazit und Empfehlung

Wer GPS-Technik im Outdoor Bereich aktiv nutzen will, wird um einen gewissen Zeitaufwand für die Vor- und Nachbereitung der Touren nicht herumkommen, der sich nach meiner Meinung lohnt. Ich bin aber der festen Überzeugung, dass nur derjenige, der ein optimales Werkzeug, sprich GPS-Programm hat, auf Dauer Spaß an dem System, der GPS-Nutzung haben wird und an der ”Sache dran bleibt”.

Ich empfehle jedem Interessenten, vor dem Kauf einer Software die sehr umfangreichen Informationsmöglichkeiten zu nutzen: Internet Web Seiten, Newsgroups (siehe http://home.wtal.de/noegs/mtg-faq.htm, http://home.wtal.de/noegs/wlinks.htm, http://kanadier.gps-info.de) oder zunehmend den Fachhandel oder Vortragsreihen z. Bsp. bei Alpenvereinen, Outdoor-Händlern. Meist sind die Anwender von ”Ihrer” GPS-Software begeistert, weil schon vom System an sich eine Faszination ausgeht. Nur sollte man skeptisch werden, wenn auf einer scheinbar unabhängigen Homepage, einem Zeitschriftenartikel oder beim Händler nur ein Produkt als “Non plus Ultra” angepriesen wird und die Konkurrenz ignoriert oder sogar falsche Fakten verbreitet werden. Jedes Produkt hat Stärken und Schwächen. Am besten ist es, wenn sich der Interessent selbst ein Bild macht, denn auf den Webseiten der Anbieter gibt es die GPS-Software als Testversion zum Download (z. Bsp. TTQV voll funktionsfähig für ca. 25 Tage).

Zum Abschluss zu meiner Person: ich beschäftige mich rein privat seit mehr als 3 Jahren mit dem GPS-Thema, bin also von keinem Anbieter abhängig. Mich hat diese Technik von Anfang an fasziniert, weil ich schon immer ein Faible für gute Landkarten hatte. Ich gebe mein Wissen auch durch ehrenamtliche Vorträge bei Alpenvereinen und Radclubs im Raum München weiter. Auch wenn ich auf meinen Touren vorwiegend TTQV einsetze und zugegebenerweise dieses Programm besser als andere GPS-Programme kenne, achte ich immer darauf, auch hinsichtlich der übrigen Produkte objektiv zu bleiben.

Gerhard Haupt  19.10.2002

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