eTrex Vista

Das Spitzengerät der eTrex-Reihe stand mir zu Testzwecken für einen Aufenthalt  in Italien zur Verfügung und sollte seine Tauglichkeit vor Ort, bei Radtouren und der Erkundung fremder Städte beweisen.

Das Vista besitzt einen nicht erweiterbaren Speicher von 24 MB, der mit den Karten der Metroguide-Reihe gefüllt werden kann. Der Speicher war für meine Zwecke vollkommen ausreichend. Die Feindaten von Österreich (West) und Norditalien (Garda-See bis südlich Livorno) konnte ich problemlos speichern. Für Deutschland habe ich auf die Basemap zurückgegriffen, da die Anreise über Autobahnen erfolgte.

Die eTrex-Reihe ist mit seitlichen Bedienknöpfen und, mit einigen Ausnahmen mit einem Click-Stick ausgerüstet, der mit dem Daumen von oben bedient wird. Der Click-Stick lässt sich in alle vier Richtungen bewegen und besitzt in der Mittelstellung eine Schalterfunktion (ENTER - zur Bestätigung von Eingaben). Die Bedienung war erst etwas gewöhnungsbedürftig, da ich von meinem GPS12 Drucktasten gewohnt war, die von oben bedient werden, was mir persönlich auch besser gefällt.

Ein großer Vorteil des Vista liegt in seiner kompakten Größe und dem geringen Gewicht, so dass man ihn ständig "mitschleppen" kann, was insbesondere in fremden Städten von Vorteil ist. Das  kleine, aber feine und hochauflösende Display lässt sich gut ablesen. Auf der Kartenseite muss man jedoch schon genauer hinsehen, da die Schrift und Symbolik etwas klein ausfällt. Ist man zu Fuss unterwegs, lässt sich das problemlos bewerkstelligen. Bei der Fahrt im Kfz oder auch auf dem Fahrrad ist die Darstellungsgröße nicht überzeugend.

eTrex Vista
Foto: Garmin

Bei Verwendung im Kfz kann man meiner Ansicht nach nur mit der Navigationsseite fahren. Dort erhält man in genügender Größe Richtungsangaben, die sich auch auf einen Blick ablesen lassen. Die Positions-Darstellung auf der Karte ist aufgrund der geringen Größe für den "Solo-Einsatz" im Kfz nicht geeignet.

eTrex Vista - KartenansichtDie Montage des Gerätes im PKW war mit einer Universal-Handyhalterung unproblematisch. Da der Vista aufgrund seiner Antennenbauform die besten Empfangsergebnisse erzielt, wenn er waagrecht gehalten wird, waren die Empfangseigenschaften, trotz der relativ senkrechten Halterung, in der Regel gut. In problematischen Bereichen (dichte Alleen, enge Bergtäler) gab es einige Aussetzer im Empfang. Die Verwendung einer externen Antenne wäre dann von Vorteil. Da der Vista jedoch keinen externen Antennenanschluss besitzt, kann man nur eine Re-Radiating-Antenne einsetzen, die die empfangenen Signale im Innenraum wieder abstrahlt. Bei der Verwendung im Kfz oder Boot ist dies auch unproblematisch, da in der Regel 12V-Bordspannung zur Verfügung steht. Für die externe Stromversorgung des Vista wird ein spezielles Stromkabel benötigt, dass die Eingangsspannung herunterregelt.

Beim Einsatz auf dem Fahrrad gab es in einigen wenigen Bereichen keinen Empfang, wenn man zwischen hochaufragenden Felswänden fuhr und der freie "Himmelsausschnitt" eingegrenzt war oder dichtes Laub den Empfang verhinderte. Da ich mehrere Touren spontan, ohne eine fest geplante Route, unternommen habe, war die Anzeige der momentanen Position auf einer Karte natürlich sehr hilfreich. Mit Hilfe der Zoomfunktion lässt sich entweder die nähere Umgegend oder das weitere Netz gut betrachten. Der Kartenausschnitt lässt sich mit Cursor verschieben. Die geladenen Karten lassen sich bei Bedarf auch ausblenden, so dass man zur Übersicht auch die Basemap verwenden kann. Nachteilig war in einigen Fällen, dass in den "Feindaten" Nebenstraßen nicht enthalten waren. Dies war allerdings nicht durchgehend der Fall und ist ein Mangel der Metroguide-Daten, der mir auch schon auf meinen "Hausstrecken" aufgefallen ist. Einige Wege fehlen oder sind nicht vollständig enthalten, was sich natürlich bei der Nutzung auf dem Fahrrad schnell bemerkbar macht. Insgesamt war das Kartenmaterial für Italien gut, insbesondere in größeren Orten oder Städten. In kleineren Orten waren tlw. nur die Durchgangsstraße und einige Nebenstraßen enthalten.

Die im Vista enthaltene Basemap hinterläßt einen zwiespältigen Eindruck. Teilweise war sie recht genau, in anderen Bereichen auch sehr ungenau. Dies spiegelt auch die Meinung anderer Nutzer wieder, die mit der Basemap sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht haben. Zur Nutzung auf dem Fahrrad ist sie nur als Orientierungshilfe tauglich, da keine Nebenstraßen enthalten sind. Mit der Basemap findet man zur nächsten übergeordneten Straße oder zur nächsten größeren Ortschaft.

Wie bereits erwähnt, ist das Display in der Kartendarstellung nicht sehr überzeugend, wenn man auf dem Fahrrad "zügig" unterwegs ist,  besonders wenn noch Vibrationen / Erschütterungen hinzukommen. Die für die Orientierung wichtigere Navigationsseite oder der informative Reisecomputer sind problemlos abzulesen.

Der Vista bietet vielfältige Informationsmöglichkeiten, die über verschiedene Menüs gut zu erreichen sind. Die Bedienung erfolgt  durch den Click-Stick. Über eine seitliche Taste (links) wird direkt die Suchfunktion (Find) aufgerufen. Man kann nach Wegpunkten, Orten, POIs (Points of Interest) und Favoriten suchen. Unter Favoriten lassen sich Ziele speichern, die häufiger gesucht werden. Man erhält über die Funktion einen schnelleren Zugriff auf diese Daten, da die Zielnamen aus einer Liste ausgewählt werden können.

Als "Zubehör" sind Informationen über die Mondphasen, die Auf- und Untergangszeiten sowie Sonnenauf- und -untergangszeiten abrufbar. Ferner können günstige Zeiten für den Fischfang und die Jagd abgefragt werden. Ergänzend ist noch ein Kalender mit Notizfunktion enthalten.

eTrex Vista - ReisecomputerIm Reisecomputer werden umfangreiche statistische Daten über den zurückgelegten Weg, Geschwindigkeit, Zeit u.a. erfasst. Die Anzahl der Datenfelder kann zwischen 4 mit großer Schriftart bzw. 8 mit kleiner umgeschaltet werden. Die Inhalte der Datenfelder lassen sich individuell anpassen.

Mit dem elektronischen Fluxgate-Kompass steht ein weiteres Orientierungs-Werkzeug zur Verfügung. Auch bei Stillstand lassen sich die Himmelsrichtungen feststellen und Peilungen vornehmen. Da der Kompass einen recht hohen Stromverbrauch hat, sollte er nur bei Bedarf aktiviert werden. Nach einem Batteriewechsel muss der Kompass neu kalibriert werden. Hierzu muss entweder der Vista auf einer ebenen Unterlage im Kreis gedreht werden, oder man hält ihn waagrecht in der Hand und dreht sich um die eigene Achse. Der Vista gibt hierzu im Display die notwendigen Angaben. Ein Hinweis auf die notwendige Kalibrierung erfolgt nicht.

Das Barometer liefert in der grafischer Anzeige Informationen zur Höhenänderung über Zeit oder Weg bzw. Entfernung und zeigt auch die Luftdruckänderungen im zeitlichen Verlauf. Der Vista kann als barometrischer Höhenmesser und / oder als Barometer zur Wetterbeobachtung eingesetzt werden, wenn man seine Höhenlage nicht ändert. Um verläßliche Höheninformationen zu liefern, sollte das Barometer vor einer Tour geeicht werden. Die Datenfelder hier lassen sich auch den individuellen Bedürfnissen anpassen.

Beabsichtigt man den Kauf eines gebrauchten Vista, sollte man auf einige Aspekte achten:
Handelt es sich um ein europäisches Gerät mit entsprechender Basemap?
Funktioniert der Click-Stick?
Ist das Gehäuse an den Nahtstellen unversehrt und haftet die Gummiarmierung?

Bei den beiden zuletzt genannten Punkten erfolgt normalerweise ein Umtausch durch Garmin. Ein Gerät mit amerikanischer Basemap kann nicht auf eine europäische Basemap geändert werden.

Fazit
Der Vista überzeugt durch seine kompakte Größe und die vielfältigen Funktionen. Für den Einsatz im Outdoorbereich und auf dem Fahrrad ist er gut geeignet, da er wasserdicht ist (Schutzart IPX7, 30 Minuten in 1 m Wassertiefe). Für den Einsatz in einem Kfz ist er bedingt einsetzbar, da die geringe Displaygröße das Ablesen erschwert.
 

Hinweis: Ralf Schönfeld hat den eTrex Vista mit dem GPSmap 76s verglichen.
 

Der Beitrag im PDF-Format (35 kB). Displayansichten für den Ausdruck in Originalgröße: Vista, GPS map76, GPS V (PDF-Format, 25 kB)

Thomas Hasse
24.09.2002