Erfahrungsbericht eTrex VistaC
Andreas Wernicke

hier mal in Stichworten meine ersten Erfahrungen mit dem eTrex Vista C und ein Vergleich mit dem Vorgängermodell eTrex Vista, das ich seit langem benutze.

Das neue Modell habe ich vor kurzem zusammen mit MapSource CitySelect erworben. Zum Autorouting habe ich noch Fragen (siehe Text). Nutzen tue ich das Teil vorrangig auf Motorrad- und Fahrradtouren.

1. Die Anzeige ist erwartungsgemäß brilliant, allerdings nur mit eingeschalteter Hintergrundbeleuchtung besser ablesbar, was wiederum die Betriebsdauer mit Batterien etwas beeinträchtigt.

Die Stärke der Hintergrundbeleuchtung kann zwischen 0 % und 100 % frei festgelegt und mittels der Einschalttaste in drei Stufen (aus, benutzerdefiniert, maximal) schnell angepaßt werden.

Im Vergleich zum Vorgänger ist das Format etwas breiter und weniger hoch. Vorteilhaft bei genordeter Kartendarstellung, nachteilig beim kursorientierten Fahren, weil man logischerweise weniger Voraussicht hat.

Subjektiv ist die Anzeigequalität deutlich besser, trotz 15 % weniger Pixel und obwohl das superfeine Graustufenanzeige des eTrex Vista auch schon sehr gut ist.


2. Die Arbeitsgeschwindigkeit ist spürbar höher als beim Vorgänger. Bildaufbau und -rotation gehen nun in akzeptabler Geschwindigkeit. Beim Vorgänger empfand ich die kursorientierte Kartenanzeige stets unbauchbar, weil man zu oft auf den Neuaufbau des Bildes warten mußte.

Ähnliches gilt für die Routenberechnung, beispielsweise 20 s bis 30 s für eine Innenstadtroute, oft auch weniger.


3. Tatsächlich wurde auch die Startzeit und die Empfangsqualität gegenüber dem Vorgänger signifikant verbessert. Aquisation am Fenster oder vor der Haustür klappte früher nie und ist nun möglich, und im Wald oder auf Alleenstraßen gibt es deutlich weniger Abrisse.

Bisher nervten diese, weil man die Tracklog-Fragmente in MapSource umständlich wieder zu einer Kursaufzeichnung zusammenflicken mußte.


4. Über USB hat man den 24 MByte-Speicher in weniger als zwei Minuten mit Kartendaten geladen.

Weiterer Vorteil, bei der Datenübertragung via USB wird die Spannung aus der Schnittstelle gespeist und schont die Batterien.

Zu beachten ist, daß mit der seriellen Schnittstelle auch die Möglichkeit zur Nutzung des NMEA-Protokolles entfällt. Wer damit nicht leben kann, sollte sich statt des eTrex Vista Color lieber das GPSmap 60C/CS zulegen.


5. Neu im Vergleich zum eTrex Vista sind Tonsignale, die für Meldungen, Tastenklick, Batteriewarnung und Wenden ausgewählt werden können.

Neu, bei Ankerdrift, Kursabweichung und Weckzeit können ebenfalls akkustische Alarme ausgegeben werden.

Eine generelle Stummschaltung ist in den Signaleinstellungen aber auch möglich.

Die Lautstärke der akkustischen Alarme ist eher gering, im Auto sicher auch mal zu überhören und auf dem Mopped sowieso nicht wahrnehmbar.


6. Zur erhöhten Standzeit im Batteriebetrieb und Einflüssen diverser Optionen wie Hintergrundbeleuchtung, Kompaß, Töne kann ich noch nicht viel sagen.

[...]

Gleiches gilt für die Batterietypen, denn die Firmware 2.10 kennt nur Alkaline oder NiMH. Die von mir bevorzugten Lithium-Zellen fehlen noch.

Übrigens hat Garmin die Batteriekontakte nur noch federlos, also als Klammern, und von Hause aus mit Moosgummi unterlegt ausgeführt. --- Auf einer Radtour habe ich auch querfeldein keine unvermittelten Abschaltungen mehr erlebt.


7. Der mitgelieferte Gürtelclip paßt übrigens auch an der Garmin Fahrradhalterung für eTrex-Modelle. Vorteil, man kann die mitgelieferte, gummierte Batteriefachabdeckung immer benutzen und braucht die billige Plastikvariante der Fahrradhalterung nicht mehr.

Bei Nichtgebrauch läßt sich der Clip leicht abschrauben.


8. Pluspunkt ist, daß mit dem Trip & Waypoint Manager gleich eine Software dabei ist, mit der man die minimalen Dinge in MapSource machen kann.

Das Autorouting im Empfänger erfordert, daß man CitySelect zusätzlich erwirbt, da MetroGuide bekanntermaßen Autorouting nur auf dem PC, aber nicht im Empfänger unterstützt.

Leider gibt es m. W. keine Crossupdate-Möglichkeiten von MetroGuide. --- Da die beiden Produkte ohnehin inhaltlich gleich sind, können Umsteiger ihr MetroGuide gleich mit dem Standardmodell zum Verkauf vorsehen.

Für Fahrradtouren benutze ich seit kurzem Topo Deutschland, das auf der Farbanzeige besser als auf dem Graustufendisplay 'rüberkommt.

Das bebaute Flächen anders als auf dem PC auf dem GPS-Empfänger nicht dargstellt werden ist ein Minus, daß bei Updates behoben werden sollte.

Ein paar weitere Details, Nach- und Vorteile, die bisher noch wenig beschrieben wurden, sollen nicht verschwiegen werden:


9. Der Clickstick ist nun nicht mehr so universell wie beim Vorgänger, und an diversen Punkten unverständlicherweise ohne Funktion.

Die Menüleiste mit Options- und Close-Gadget wird nun nur noch durch Drücken auf die nun doppelt belegte Menü-/Find-Taste eingeblendet.

Nachteile und zu Anfang ein ziemlich dickes Minus: Anstatt nur mit dem Clickstick Navigieren zu können, muß man nun lästigerweise die Menü-/Find- und die Page-/-Quit-Tasten benutzen, und für Find muß man lange Drücken.

Die Menü-/Find- und Page-/Quit-Tasten sind zudem schwergängiger als beim Vorgänger. Bei der Einhandbedienung und dem damit verbundenen Umgreifen verschiebt sich wegen der Schwergängigkeit der Batteriefachdeckel im Bereich seines Spiels (Knackgeräusch), was subjektiv ziemlich störend ist.

Die Einhandbedienbarkeit ist ein klares Plus des eTrex Vista C gegenüber den kopflastigen GPSmap-60C/CS-Modellen mit ihren unpräzisen Wabbeltasten, jedoch war der mausgraue Vorgänger hier einfach noch besser.


10. Dazu kommt, daß Icons und andere GUI-Elemente nun XP-like bunt, pratschig, verspielt geworden sind, worunter die Intuitivität und Übersichtlichkeit ebenfalls leidet. Beispielsweise wirken die fetten POI auf der Kartenseite bei vergleichbaren Einstellungen einfach störender als beim Vorgänger.

Auch hier war der Vorgänger mit seinem GUI, das an alte Amigas, Macs, Psions erinnerte (oder was man auch immer als Vorbild sieht), einfach intuitiver.

Also, wenn schon wie XP, dann bitte auch Einstellungen zum Abschalten und einen Classic Style vorsehen ;->

Immerhin kann man sich mit xImage nun Norm-Symbole in einfacher Sachlichkeit selbst erstellen/einspielen. --- Dennoch, ein eigentlich unnötiger Aufwand.

Vorteilhaft ist, daß die Seitenfolge, durch die mit der Page-Taste geblättert wird, nun frei festgelegt werden kann.

Weitere Seiten können hinzugefügt werden, nicht benötigte Seiten können entfernt werden, und die Reihenfolge kann ebenso geändert werden.

Nachteilig wiederum ist, daß die Positionsgenauigkeit auf der Satellitenseite nicht mehr angezeigt wird. Schade, das war beim Wegpunkt speichern nützlich.

Ebenso entfällt das obenstehende Infofeld des Vorgängers. Die Datenfelder sind nun oben, der Kartenteil nun unten. Etwas gewöhnungsbedürftig.

Dafür können nun zwischen zwei und bis zu vier Datenfelder frei gewählt werden.

Vorteilhaft und entscheidener Kaufgrund ist die geführte Navigation mit den Seiten Abbiegeliste und Abbiegevorschau.

Der Autobahnseite kann ich nur wenig abgewinnen, wie viele andere offenbar auch.


10. Das Autorouting ist gut konfigurierbar, im Gegensatz zu MapSource sind auch Offroad-Übergänge vorgesehen. Wichtig für Radrouten.

Leider weiß ich noch nicht wie man das Gerät dazu bringt, nach der Abbiegevorschau automatisch auf die Kartenseite zurückzukehren. --- Oder ist das ein noch nicht realisierter Kundenwunsch?

[Mittlerweile weiß ich aus dem Dialog mit Garmin, daß dies ein Fehler ist, der nur bei Benutzung anderer Sprachen als Englisch auftritt. Abhilfe schafft vorrübergendes Arbeiten mit Englischen Texten.]

Fazit, das eTrex Vista C ist eine konsequente Fortentwicklung des mausgrauen eTrex Vista. Nur den Speicher hat man dabei vergessen. Und die Intuitivität hat etwas gelitten, wobei dies möglicherweise nur Umsteiger stört und Updates der Firmware hier helfen können, wenn fleißig Feedbacks geschrieben werden.

Umsteiger wird es aus vielen Gründen geben. Hauptgrund dürfte die verbesserte Führung bei der Straßennavigation sein. Endlich sieht man am Abbiegepunkt, wohin es gehen soll. Die gesamte Routenentwicklung wird einfacher und vermutlich werden Routen austauschbarer als zuvor (wo jeder so seine Krücken für die Verwendung von Luftlinienrouten auf der Straße hatte).

Weitere Gründe: akkustische Alarme, verbesserte Anzeige- und Empfangsqualität, kürzere Startzeit, schnellere Berechnung und Datenübertragung.

Die Qualität und Verarbeitung ist mindestens so gut wie beim Voränger.

Das Mausgraue ist aber deswegen nicht unbedingt out. Noch ist einfach noch unkomplizierter und nun sicher auch günstiger zu bekommen. Wer ohnehin nur abseits von Straßen arbeitet, braucht das neue Farbmodell nicht wirklich.

Wer tatsächlich NMEA benötigt, sollte beim Grauen bleiben oder sich doch das GPSmap 60C/CS ansehen.

Gleiches gilt für Reisende, deren Zielgebiet nicht in den Speicher paßt, und die deswegen nicht noch ein Notebook mitschleppen können oder wollen. Zumal sekundäre Lizenzen für Notebooks auch nicht angeboten werden.

Für Umsteiger gibt es noch eine Fülle von Detailinfos zu beachten, nette Spiele, offenbar keinen Jumpmaster mehr etc., weswegen ich einen Vergleich beim örtlichen Fachhändler empfehle.

Kontakt: www.stars-and-wings.de


© Andreas Wernicke

veröffentlicht in maus.technik.gps am 08.09.04