Das Frequenzgutachten
"Versorgungssituation UKW-Hörfunk in Nordrhein-Westfalen"


Eine objektive Untersuchung der Frequenzsituation?

Vorstellung und Untersuchung des Frequenzgutachtens
von Helgo Ollmann

 

Herausgegeben im März 1999

E-mail an Helgo Ollmann


 

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Das Frequenzgutachten "Versorgungssituation UKW-Hörfunk in Nordrhein-Westfalen"
1.1 Zur Durchführung des Frequenzgutachtens
1.1.1 Datenerfassung auf theoretischer Grundlage
1.1.2 Ermittlung der technischen Reichweite

1.2 Ergebnisse des Frequenzgutachtens
1.2.1 Lokaler Hörfunk
1.2.2 WDR
1.2.3 Die übrigen Programme in NRW

1.3 Fazit des Gutachtens

2 Politische Forderungen aufgrund des Frequenzgutachtens
2.1 Forderungen der Landesanstalt für Rundfunk (LfR)
2.2 Forderungen des Verbandes Lokaler Rundfunk (VLR)
2.3 Forderungen des Verbandes der Betriebsgesellschaften
2.4 Forderungen von Radio NRW

3 Betrachtung des Frequenzgutachtens und der darauf begründeten politischen Forderungen
3.1 Zur Durchführung des Frequenzgutachtens
3.2 Zu den Ergebnissen des Frequenzgutachtens
3.3 Zu den politischen Forderungen, die sich auf das Frequenzgutachten beziehen

4 Das Frequenzgutachten - eine objektive Untersuchung der Versorgungssituation?

Quellennachweis

ANLAGEN:
Technische Reichweiten und Hörerreichweiten E.M.A.; Stationärer Empfang (Fläche und Bevölkerung); Mobiler Empfang
Technische Reichweiten und Hörerreichweiten E.M.A.; Stationärer Empfang (Bevölkerung)
Technische Reichweiten und Hörerreichweiten E.M.A; Mobiler/portabler Empfang
Technische Reichweiten beim stationärem Empfang


Einleitung

Im Auftrag der Landesanstalt für Rundfunk NRW, dem Verband der Betriebsgesellschaften in NRW e.V. und Radio NRW hat die Deutsche Telekom AG in Zusammenarbeit mit der Firma L&S Hochfrequenztechnik GmbH ein Gutachten erstellt, welches "eine Grundlage für die weitere Optimierung der Versorgungssituation des Lokalfunks erreichen" solle. (Schneider, Norbert [LfR]; Becker, Udo [BG-Vorstand]; Gläsmann, Hartmut [radio NRW] in: Vorwort Versorgungssituation UKW-Hörfunk in Nordrhein-Westfalen - Kurzfassung des Gutachtens - Stand: Januar 1999)

Ziel dieses Gutachten sei es, die offenkundige Schieflage im dualen Rundfunksystem in NRW zur Diskussion zu stellen in der Absicht "dem lokalen Hörfunk ein[e] verbesserte wirtschaftliche Grundlage zu sichern" (ebd.).

In dieser Arbeit werde ich dieses Frequenzgutachten, sowie die aufgrund dieses Gutachtens gestellten politischen Forderungen darstellen, untersuchen und hinterfragen.

Im ersten Abschnitt wird das Frequenzgutachten sowohl in seiner Durchführung, den erzielten Ergebnissen und in seinem Fazit vorgestellt.

Im Kapitel zwei werde ich politischen Forderungen, die dieses Gutachten nach sich zog, darstellen.

Anschließend werden Durchführung, Ergebnisse und Schlußfolgerungen des Frequenzgutachtens analysiert und die aus diesem Gutachten gefolgerten politischen Forderungen hinterfragt.

Im Abschlußkapitel soll der Fragestellung, ob es sich hier um eine objektive Untersuchung der Versorgungssituation handelt, nachgegangen werden.

In dieser Arbeit taucht mehrfach der Begriff "Störsender" auf. Hiermit sind Sender gemeint, die auf der gleichen, oder benachbarten Frequenz wie der untersuchte Sender ein Programm ausstrahlen. Sender, die auf der gleichen Frequenz strahlen sind meist räumlich weit von einander entfernt, so daß sie sich nicht gegenseitig beeinträchtigen. Findet eine Beeinträchtigung dennoch statt, so ist der Sender, der nicht empfangen werden soll, ein "Störsender".

Hervorhebungen in Zitaten sind dem Originaltext entnommen.

Das Deutschland Radio wird in den jeweiligen Quellen unterschiedlich bezeichnetet und zwar als "DeutschlandRadio", "DLR" und "DR". Diese Bezeichnungen werden in den Zitaten übernommen. Im übrigen Text wird dieses Programm mit "Deutschland Radio" bezeichnet.

 

1 Das Frequenzgutachten "Versorgungssituation UKW-Hörfunk in Nordrhein-Westfalen"

In der Einleitung erklären die Gutachter, daß sich der lokale Hörfunk in NRW "als fester Bestandteil der Rundfunklandschaft etabliert" habe und betonen die "gewollte, ausgeprägt lokale Struktur der Programme". (Versorgungssituation UKW-Hörfunk in Nordrhein-Westfalen - Kurzfassung des Gutachtens - Stand: Januar 1999, S.3)

Mit diesem Gutachten werde "erstmals der Versuch unternommen, alle Frequenzen bzw. Programme in Nordrhein-Westfalen objektiv (...) zu vergleichen." (ebd.)

 

1.1 Zur Durchführung des Frequenzgutachtens

1.1.1 Datenerfassung auf theoretischer Grundlage

Die gewonnenen Erkenntnisse des Gutachtens beruhen nicht auf Messungen der wirklichen Empfangsgegebenheiten vor Ort, sondern wurden "für alle zum 01.04.1998 in Nordrhein-Westfalen koordinierten Frequenzen auf theoretischer Basis mit Hilfe eines speziellen Rechnersystems" gewonnen. (Versorgungssituation UKW-Hörfunk in Nordrhein-Westfalen - Kurzfassung des Gutachtens - Stand: Januar 1999, S.1)

Ausdrücklich weist das Gutachten darauf hin, daß die notwendigen Senderdaten zur Durchführung der Berechnungen nicht die der Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation, also die der Genehmigungsbehörde und somit der tatsächlichen Daten der Sender im Verbreitungsgebiet, sondern Daten der "bewährten Senderdatenbank der Deutschen Telekom AG" seien. (ebd., S.4)

Weiterhin wurden nicht die tatsächlich strahlenden Sender für die Berechnungen verwandt, sondern "alle Frequenzen aus zum Stichtag der Auftragsvergabe eingeleiteten Koordinierungsverfahren berücksichtigt (...) auch 'temporär' oder 'alternativ' genutzte Frequenzen des Frequenzplans Genf '84" (ebd.).

Das Gutachten räumt ein, daß viele dieser Frequenzen eine reine Platzhalterfunktion hätten und lediglich "für eventuelle spätere Nutzungen" reserviert seien, die sogar "teilweise untereinander frequenztechnisch unverträglich" seien. Diese könnten nicht einmal einem speziellen Ort zugeordnet werden. (ebd., S.8)

Somit finde eine Beeinträchtigung lokaler Sender lediglich bei theoretischer Betrachtungsweise statt, "bei denen einige der berücksichtigten störenden Sender entweder nicht in Betrieb oder praktisch weniger wirksam sind als theoretisch berechnet, so daß in diesen Gebieten die reale Versorgung erheblich besser ist als der errechnete Wert." (ebd. S.10; hier in Bezugnahme auf die Kreise Unna und Kleve)

 

1.1.2 Ermittlung der technischen Reichweite

Um aus den auf theoretischer Basis ermittelten Senderdaten die Feldstärken am Empfänger von Nutz- und Störsendern prognostizieren zu können, sind sowohl die Topographie, als auch örtliche Bebauung und Bewuchs zu berücksichtigen. Bei dem vorliegenden Gutachten wurden dazu "die bei der Deutschen Telekom AG vorhandenen Daten der Topographie und Morphologie Deutschlands in das Rechnersystem integriert." (ebd., S.4) Zur Ermittlung der Feldstärken von Störsendern die außerhalb dieses Bereiches liegen, seien diese Daten, soweit verfügbar, zur Berechnung einbezogen worden (vgl. ebd., S. 5).

Das Gutachten unterscheidet sowohl zwischen Feldstärken am potentiellen stationären, als auch am mobilen, bzw. portablen Empfänger.

Es wird darauf hingewiesen, "daß die Planung des gesamten UKW-Sendernetzes in Deutschland auf stationären Empfang ausgerichtet ist und daß es (...) bis heute keine Regelwerke oder Planungsgrundlagen für den portablen / mobilen Empfang gibt." Jedoch sei der "gute Empfang, z.B. im Auto (...) in der Hörerpraxis ein brauchbares Indiz für die Qualität und Leistungsfähigkeit einer Frequenz". (ebd., S. 8)

Zur Vorhersage des stationären Empfangs an einem Ort wurde eine horizontal polarisierte Empfangsantenne mit Richtwirkung in einer Höhe von zehn Metern über Grund angenommen; beim mobilen Empfang wurde eine Antenne in einer Höhe von 1,50 Metern über dem Erdboden ohne Richtwirkung und ohne Berücksichtigung der Polarisation als Rechengrundlage definiert. (vgl. ebd., S. 6)

Beim stationären Empfang unterscheidet das Gutachten zwischen der versorgten Fläche innerhalb der medienrechtlich definierten Verbreitungsgebiete und der versorgten Bevölkerung innerhalb dieser Gebiete.

 

1.2 Ergebnisse des Frequenzgutachtens

Die durch das Rechnermodell gewonnenen Erkenntnisse über die theoretischen technischen Reichweiten der untersuchten Sender stufen die Gutachter in fünf Versorgungskategorien ein:

  • "Kategorie 1: Sehr gute Versorgung (90% bis 100% der Bevölkerung)"
  • "Kategorie 2: mittelmäßige bis gute Versorgung (80% bis 89% der Bevölkerung)"
  • "Kategorie 3: schlechte bis mäßige Versorgung (70% bis 79% der Bevölkerung)"
  • "Kategorie 4: schlechte bis sehr schlechte Versorgung (50% bis 69% der Bevölkerung)"
  • "Kategorie 5: sehr schlechte bis ungenügende Versorgung (<50% der Bevölkerung)"

(vgl. ebd., S. 8,9).

 

1.2.1 Lokaler Hörfunk

Der lokale Hörfunk in NRW ist in 47 Verbreitungsgebiete aufgeteilt, wovon 46 ein lokales Programm veranstalten. Diese Programme werden über 107 Sender verbreitet. (ebd. S.8)

Die theoretische Versorgungssituation stellt das Gutachten wie folgt dar:

Kategorie

Stationär

Portable/mobil

1

27 Verbreitungsgebiete

13 Verbreitungsgebiete

2

8 Verbreitungsgebiete

4 Verbreitungsgebiete

3

5 Verbreitungsgebiete

10 Verbreitungsgebiete

4

3 Verbreitungsgebiete

10 Verbreitungsgebiete

5

3 Verbreitungsgebiete

9 Verbreitungsgebiete

(vgl. ebd. S. 8 bis 10)

Bei der Betrachtung des mobilen, bzw. portablen Empfangs seien "erhebliche Versorgungsmängel" zu erkennen, die auf "unzureichende Feldstärkewerte" hinweisen würden. (ebd. S., 8)

Es wird darauf hingewiesen, daß in einigen Verbreitungsgebieten die ungünstige Topographie den Empfang erschwere. So seien "zum Beispiel im Märkischen Kreis bereits 8 Sender im Einsatz, dennoch ist die Versorgungslage nur mäßig" (in bezug auf Kategorie 3) (ebd. S. 9). Als Ursache für die Versorgungsituation in den Verbreitungsgebieten in der Kategorie 4 sei es "wie in der Kategorie 3 (...) oft auch wieder die schwierige Topographie, die den Empfang beeinträchtigt". So sinke die mobile Versorgung, weil "zum Beispiel (...) der Sender Lindlar mit seiner Sendeleistung von 4kW zwar eine große Fläche abdeckt, jedoch in den vielen Tälern des Bergischen Landes nur unzureichende Feldstärkenwerte für den portablen/mobilen Empfang zur Verfügung stellt." (ebd.)

Eine schlechte Versorgung liege zum Teil nicht nur in geringen Feldstärken begründet, sondern nahe gelegene Sender "auf der gleichen oder einer benachbarten Frequenz" würden als Störer auftreten und somit die Reichweite des jeweiligen Lokalsenders beeinträchtigen (ebd. S. 9,10).

Das Gutachten kommt für den Lokalen Rundfunk zu dem Ergebnis, daß "die große Zahl der (...) Gebiete, in denen weniger als 80% der Bevölkerung ihr Lokalfunkprogramm in einwandfreier Qualität empfangen können" den "hohen Bedarf an neuen Frequenzen oder an Frequenzoptimierungen" deutlich mache. (ebd. S. 10)

 

1.2.2 WDR

Das Gutachten untersuchte 104 Sender, die die fünf Programme des WDR landesweit verbreiten. Darunter seien "diverse Sender mit kleineren Sendeleistungen", die die "meist topographisch bedingten Versorgungslücken (...) weitestgehend ausgleichen". (ebd. S. 11)

Die Versorgungssituation des WDR unterscheide "sich deutlich von der des Lokalen Hörfunks", da die "hohen Sendeleistungen, die mit bis zu 100 kW um ein vielfaches höher liegen als die stärksten Sender des Lokalen Hörfunks." (ebd.)

Die Versorgungssituation der einzelnen Programme des WDR stellt das Gutachten wie folgt dar:

Programm

Stationär

Portable/mobil

Eins Live

94% der Bevölkerung

81% der Bevölkerung

WDR2

>99% der Bevölkerung

>98% der Fläche

WDR3, WDR4 und Radio 5

>99% der Bevölkerung

95% der Fläche

(vgl. ebd. S. 11 bis 13)

 

Mehrfachversorgung

Das Gutachten stellt beim WDR "deutliche, teilweise erhebliche Merfachversorgungen" fest. Es räumt zwar ein, daß "grundsätzlich (...) für eine flächendeckende Versorgung aus physikalischen Gründen ein gewisser Anteil von Überlappungen und die damit verbundene Mehrfachversorgung zwangsläufig nicht vermeidbar" seien, dennoch gingen die "festgestellten Werte (...) über dieses Maß deutlich hinaus". Abhilfe würde "eine den Erfordernissen angepaßte Leistungsreduzierung der eingesetzten Sender" schaffen. Dies würde "neue Planungsmöglichkeiten für den Lokalen Hörfunk in NRW schaffen." (ebd. S. 14)

 

1.2.3 Die übrigen Programme in NRW

Das Gutachten stellt fest, daß die übrigen Programme "eine weniger dominierende Position in der Frequenzlandschaft Nordrhein-Westfalens" hätten. (ebd. S. 15)

Die Versorgungssituation dieser Programme stellt das Gutachten wie folgt dar (vgl. ebd. S.15):

Programm

Stationär

Portable/mobil

Deutschland Radio

41% der Bevölkerung

16% der Fläche

DLF

45% der Bevölkerung

25% der Fläche

BFBS1

90% der Bevölkerung

63% der Fläche

BFBS2

3% der Bevölkerung

Ca. 1% der Fläche

Das Programm von AFN, sowie des Hochschulfunks in Bochum und der Kirchenfunk Carlholz würden frequenztechnisch bezogen auf NRW unbedeutend sein.

Da die Programme des Deutschland Radios nicht flächendeckend in NRW zu empfangen seien, bestünden "bei den Frequenzen des DR fast keine Modifizierungsmöglichkeiten". (ebd.)

 

1.3 Fazit des Gutachtens

Im Schlußwort betont das Gutachten, "daß bei einem Vergleich der Versorgungssituation des WDR und des Lokalen Hörfunks markante Unterschiede zum Nachteil des Lokalen Hörfunks auftreten". (ebd. S.16)

Es wird "eine noch durchzuführende Modellplanung für alle Programme und Frequenzen in NRW" vorgeschlagen. Diese könne erwarten lassen, "daß ein frequenzökonomisches Sendenetz mit Vorteilen für alle Programmanbieter in NRW geschaffen werden könnte." Hier gelte es zu untersuchen, "ob eine wirtschaftlichere Nutzung des WDR-Sendernetzes (...) ohne nennenswerte Verschlechterung der Versorgung bzw. Beeinträchtigung von Versorgungsaufträgen möglich" sei. (ebd.)

 

2 Politische Forderungen aufgrund des Frequenzgutachtens

Die Ergebnisse des Gutachtens sind Grundlage politischer Forderungen, die vor allem die Sender und Frequenzen des WDR in Leistung und Umfang reduzieren, sowie ein landesweites privates Hörfunkprogramm schaffen wollen.

 

2.1 Forderungen der Landesanstalt für Rundfunk (LfR)

Die Rundfunkkommission der LfR stellt unter Berufung auf das Gutachten in einer Entschließung fest, "daß bezüglich der regionalen und der Mehrfachversorgung des WDR dringender Erklärungsbedarf" bestehe (Punkt 2 der Entschließung) und fordert "die Einrichtung eines privaten landesweiten Hörfunkprogramms" (Punkt 4.b der Entschließung). (LfR-Info Nr. 58, vom 22. Februar 99, S. 3)

Zur Durchsetzung dieser Ziele seien der "WDR und das DeutschlandRadio (DLR) gemeinsam mit Vertretern des privaten Rundfunks zu einem runden Tisch einzuladen, der bis zur Sommerpause alle anstehenden Probleme klären sollte". (ebd.)

Versorgungsdefizite des lokalen Hörfunks seien durch "ein gemeinsames Frequenzmanagement" von WDR, Deutschland Radio, LfR und privatem Rundfunk abzubauen. (ebd.)

Bereits im LfR-Info Nr. 57 (26. Januar 1999, S. 2) betonte die LfR-Rundfunkkommission, daß "das Gleichgewicht im dualen Rundfunksystem (...) zunehmend in eine Schieflage gerate". Weiterhin beklagt die LfR, daß "dem privaten Rundfunk gegenüber dem öffentlich-rechtlichen Anbieter WDR geringere Entwicklungschancen eingeräumt würden" (Hahn-Cremer, ebd.).

 

2.2 Forderungen des Verbandes Lokaler Rundfunk (VLR)

Unter der Überschrift: "Gutachten beweist: WDR mit Frequenz-Mehrfachversorgung" faßt der Verband Lokaler Rundfunk (VLR) die Ergebnisse der Studie wie folgt zusammen (VLR-Infodienst. Nr.1/99, S. 4): "In lediglich 27 von 46 Verbreitungsgebieten des Lokalen Hörfunks in NRW können mehr als 90 Prozent der Bevölkerung ihr Lokalfunk-Programm in einwandfreier Qualität hören. Unter den Bedingungen des mobilen Empfangs sind es sogar nur 13 (...). Dagegen ist bei fast allen Hörfunk-Programmen des WDR landesweit eine sehr gute stationäre Versorgung feststellbar. Auch unterwegs im Auto sind diese Programme von über 80 Prozent der Bevölkerung störungsfrei zu empfangen." Zur Verbesserung der Situation habe die Rundfunkkommission der LfR einen runden Tisch vorgeschlagen, "an dem der WDR, das DeutschlandRadio, die Deutsche Telekom AG und die LfR beteiligt seien sollen". (ebd.)

Der Geschäftsführer des VLR, Frank Böhnke, beklagt für den Lokalfunk "Frequenzmagel", "Frequenzmängel" und "Frequenzmisere". (Frequenzmanagement: Konsequenz aus dem UKW-Gutachten. In: VLR-Infodienst Nr.1/99, S.1)

"Wenn es ein objektives Verfahren zur Verteilung und Ausgestaltung der (...) Frequenzen gäbe", ständen die Ergebnisse des runden Tisches für Böhnke bereits fest: "Jedes Verbreitungsgebiet erhält einen Versorgungsgrad, der mindestens dem der werbefinanzierten WDR-Programme entspricht. (...) Zeiten, in denen Lokalstationen fünf, oder mehr Frequenzen brauchten (...) gehören der Vergangenheit an. Spätestens zum 1. Januar 2000 geht die 6. Kette zur Erweiterung des publizistischen und werblichen Angebots des Lokalfunks flächendeckend in NRW auf Sendung." (ebd.)

Da dieses objektive Verfahren zur Verteilung der Frequenzen für Böhnke nicht vorhanden ist, kann der runde Tisch für ihn "nach der bestehenden Rechtslage (...) nur Erfolg haben, wenn der WDR bereit ist, seinen Frequenzbestand sachgerecht dem Frequenzmanagment zu unterstellen". (ebd.)

Für den VLR seien die notwendigen Schritte aus dem Frequenzgutachten: "Unverzügliche Schließung von Versorgungslücken; Optimierung der bestehenden Versorgung; Frequenz für eine 6. Kette zur Sicherung und Ausbau seiner Wettbewerbsposition - sowohl in publizistischer als auch ökonomischer Hinsicht" (Ein Hörfunkpakt für alle Veranstalter in NRW? In: VLR-Infodienst Nr.1/99, S.5).

 

2.3 Forderungen des Verbandes der Betriebsgesellschaften

Der Geschäftsführer des BG-Verbandes, Udo Becker, fordert "ein neues landesweites privates Hörfunkprogramm". (Gutachten beweist: WDR mit Frequenz-Mehrfachversorgung. In: VLR-Infodienst 1/99, S. 4)

 

2.4 Forderungen von Radio NRW

Für den Geschäftsführer von Radio NRW, Hartmund Gläsmann, könne das Frequenzgutachten dazu beitragen "die Hörfunklandschaft in NRW weiterzuentwickeln (...), ein landesweites privates Radio NRW 2 mit 'Power Radio' Vollprogramm in Nordrhein-Westfalen neben den faktisch sechs WDR-Programmen auszustrahlen". (ebd.)

 

3 Betrachtung des Frequenzgutachtens und der darauf begründeten politischen Forderungen

3.1 Zur Durchführung des Frequenzgutachtens

Zur Beurteilung der Qualität des Frequenzgutachtens ist es von wesentlicher Bedeutung zu untersuchen, wie die Gutachter zu den gewonnen Erkenntnissen gelangt sind.

Hierbei ist festzustellen, daß sämtliche Ergebnisse nicht auf Messungen beruhen, sondern auf theoretischer Basis mit Hilfe eines Rechnersystems gewonnen worden sind (vgl. Versorgungssituation UKW-Hörfunk in Nordrhein-Westfalen - Kurzfassung des Gutachtens - Stand: Januar 1999, S.4). Wie nahe Ergebnisse, die auf dieser Basis gewonnen werden, den tatsächlichen Begebenheiten kommen, hängt neben der Art und Qualität des Rechnersystems, vor allem von den Daten ab, die in dieses eingegeben werden.

Zur Ermittlung der theoretischen Reichweite zwischen einem Sender und dem potentiellen Empfänger gilt es vor allem folgende Faktoren zu berücksichtigen:

  1. Art und Qualität des Empfangsgerätes einschließlich seiner Antenne,
  2. Sendefeldstärke des untersuchten Senders,
  3. Sendefeldstärken der anderen, auf der gleichen oder benachbarten Frequenz strahlenden Sender (sogenannte Störsender),
  4. Die Topographie und Morphologie zwischen potentiellem Empfänger und jeweiligen Sender, sowie der Störsender.

Zu 1)

Über die Qualität der zugrunde gelegten Empfangsgeräte macht das Gutachten keine Aussagen. Es wird jedoch zwischen stationären und mobilen, bzw. portablen Empfängern unterschieden. Die Antennen für diese Empfänger sind im Gutachten definiert (vgl. ebd., S. 6). Es wird festgestellt, daß es "bis heute keine Regelwerke oder Planungsgrundlagen für den portablen / mobilen Empfang gibt" (ebd., S. 8). Die Gutachter haben daher eine Antenne in 1,50 Metern Höhe über dem Erdboden ohne Richtwirkung und ohne Berücksichtigung der Polarisation für den portablen / mobilen Empfang definiert (vgl. ebd.,S. 6)
Dadurch, daß die Polarisation der Empfangsantenne nicht berücksichtigt wird, können Abweichungen zwischen dem theoretischen und dem tatsächlichen Empfang von mindestens 6 dB entstehen. Das bedeutet u.a., daß mögliche Störsender mit einer um 75% reduzierten Feldstärke als angenommen beim Empfänger ankommen können.

Zu 2) und 3)

Ausdrücklich weist das Gutachten darauf hin, daß die notwendigen Daten der Senderfeldstärken zur Durchführung der Berechnungen nicht die der Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation, also die der Genehmigungsbehörde und somit der den tatsächlichen Daten der Sender am nähesten kommenden, sondern Daten der "bewährten Senderdatenbank der Deutschen Telekom AG" seien (ebd., S.4).

Weiterhin haben die Gutachter Daten für "alle zum 01.04.1998 in Nordrhein-Westfalen koordinierten Frequenzen" in ihr Rechnersystem eingegeben. Auch Frequenzen die gar nicht genutzt, oder nur zeitweise betrieben werden. (ebd., S. 1) Dabei räumen die Gutachter ein, daß sie diese Frequenzen nicht einmal einem bestimmten Ort zuordnen konnten und diese Sender niemals alle gleichzeitig senden könnten, weil sie "teilweise untereinander frequenztechnisch unverträglich" seien (ebd., S. 8).

Somit gibt das Gutachten bestenfalls Aufschluß darüber, was passieren könnte, wenn alle Sender, deren Frequenzen zum 1. April 98 koordiniert wurden, auf einmal senden würden.

Zu 4)

Daten über Topographie und Morphologie haben die Gutachter lediglich aus den "bei der Deutschen Telekom AG vorhandenen Daten" entnommen (ebd., S. 4). Sie räumen ein, daß diese Daten für die zu untersuchende Fläche unzureichend sind. (vgl. ebd., S.5).

Dies bedeutet eine sehr hohe mögliche Fehlerrate bei der Berücksichtigung, - vor allem der ausländischen - Störsender. Die Feldstärke dieser Sender kann bei Berücksichtigung wesentlich geringer ausfallen, als im Gutachten angenommen.

Somit ist aus den Betrachtungen der obigen Punkten zu schlußfolgern, daß aufgrund der Datenerfassung ein nur sehr unscharfes Ergebnis erwartet werden darf. Dies räumt das Gutachten auch zumindest in Teilen selber ein: "in einigen Gebieten [ist] die reale Versorgung erheblich besser (...) als der errechnete Wert" (ebd. S. 10).

 

3.2 Zu den Ergebnissen des Frequenzgutachtens

Wie bereits im vorigen Unterabschnitt 3.1 dargestellt, gibt das Frequenzgutachten die Empfangsrealität aufgrund des verwandten Datenmaterials bestenfalls sehr unscharf wieder.

Es kommt zu dem Schluß, daß von den 47 Verbreitungsgebieten des lokalen Privatradios 35 Gebiete eine mittlere bis sehr gute und drei eine sehr schlechte Versorgung beim stationären Empfang haben (vgl. Frequenzgutachten S. 8 bis 10).

Besonders die Ergebnisse bei den Verbreitungsgebieten mit einer ermittelten schlechten Versorgung sind mit äußerster Vorsicht zu betrachten. Da das Gutachten nicht von tatsächlich strahlenden Sendern, sondern von allen zum 1. April koordinierten Frequenzen und nicht von den tatsächlichen Sendeleistungen ausgeht, werden Störungen in der Realität weitaus geringer ausfallen, als berechnet.

Weil die Datenerfassung bei Topographie und Morphologie unvollständig ist, verschlechtert sich die theoretische Empfangsqualität nochmals. Es macht einen Unterschied, ob ein Störsender ungehindert den Empfänger erreicht, oder ob Berge oder andere Hindernisse seine Feldstärke dämpfen.

Bei den Ergebnissen für den portablen und mobilen Empfang werden die Ergebnisse dann noch ungenauer. Zu den oben aufgeführten möglichen Fehlern bei den Ergebnissen kommt eine weitere Fehlermöglichkeit hinzu, weil im Gutachten die Polarisation unberücksichtigt bleibt. Dies kann, wie in 3.1 zu1) bereits ausgeführt, einen möglichen Störsender um 75% stärker als in Wirklichkeit beim Empfänger erscheinen lassen. Dies mag auch eine Erklärung für die gravierenden Unterschiede zwischen mobiler und stationären Versorgung sein (siehe Anlage A).

Die ungenaue Untersuchungsmethode beim mobilen oder portablen Empfang ist verwunderlich, da die Gutachter für den guten Empfang "z.B. im Auto (...) in der Hörerpraxis [als] ein brauchbares Indiz für die Qualität und Leistungsfähigkeit einer Frequenz" sehen (Frequenzgutachten S. 8).

Noch verwunderlicher stimmt ein Vergleich zwischen den Hörerreichweiten und den technischen mobilen/portablen Reichweiten (s. Anlage C): In den Verbreitungsgebieten Düsseldorf, Erftkreis, Euskirchen, Kleve, Krefeld und Unna hören mehr Menschen den Lokalfunk, als ihn theoretisch empfangen könnten!

Da laut Gutachten nur fünf von 47 Verbreitungsgebieten weniger als 70% der Bevölkerung (neun weniger als 80% der Bevölkerung) stationär erreichen sollen und unter Berücksichtigung der oben dargestellten Unschärfen in den Resultaten, ist das Ergebnis der Gutachter, daß den "hohen Bedarf an neuen Frequenzen oder an Frequenzoptimierungen" sieht, (Frequenzgutachten S. 1O) nicht nachzuvollziehen.

Für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und im besonderen für den WDR kommen die Gutachter zu dem Ergebnis, daß hier eine "deutliche, teilweise erhebliche Mehrfachversorgung" gegeben sei (ebd. S. 14). Gemeint ist damit, daß in verschiedenen Orten ein WDR Programm auf verschieden Frequenzen empfangen werden kann. Zu untersuchen wäre hier, ob in diesem Fall ebenfalls nicht strahlende Sender, die potentiell ein WDR Programm ausstrahlen könnten, berücksichtigt worden sind.

Weiterhin gibt es ebenfalls eine "Mehrfachversorgung" beim lokalen Rundfunk: In sehr vielen Orten sind mehrere Lokalsender zu empfangen. Geht man davon aus, daß die meisten nur ein acht- bzw. sechs-stündiges Programm ausstrahlen und die andere Zeit das Rahmenprogramm von Radio NRW gesendet wird, kann zumindest von einer Mehrfachversorgung von Radio NRW ausgegangen werden; dies bleibt im Frequenzgutachten unerwähnt. Dieses Beispiel soll verdeutlichen, daß Mehrfachversorgung ein natürliches Resultat ist, wenn eine große Fläche über UKW mit einem Hörfunkprogramm versorgt werden soll. Dies räumen auch die Gutachter ein, kommen aber zu dem Schluß, daß "die festgestellten Werte (...) über dieses Maß deutlich hinaus" gehen würden (vgl. ebd., S. 14). Ob dies wirklich so ist, muß aufgrund der unscharfen Ergebnisse des Gutachtens näher untersucht werden.

Für die Programme, die neben WDR und lokalem Radio in NRW senden, kommen die Gutachter zu dem Schluß, daß diese "eine weniger dominante Position in der Frequenzlandschaft" hätten (ebd. S. 15). Dennoch sehen sie für das Deutschland Radio, welches laut Gutachten lediglich 41% der Bevölkerung erreicht, zumindest geringe Modifizierungsmöglichkeiten ("fast keine Modifizierungsmöglichkeiten", ebd.) zu Gunsten des Lokalfunks.

 

3.3 Zu den politischen Forderungen, die sich auf das Frequenzgutachten beziehen

Im Kapitel 2 dieser Arbeit sind die politischen Forderungen, die sich auf das vorgestellt Frequenzgutachten berufen, dargestellt. Dabei sind die Forderungen der Auftraggeber des Gutachtens (LfR, BG-Verband und Radio NRW), sowie des Verbandes des Lokalen Rundfunks (VLR) betrachtet worden.

Lediglich die LfR und der VLR erheben Forderungen, wonach die angebliche schlechte Versorgung des lokalen Rundfunks beseitigt werden soll: Die LfR will Versorgungsdefizite des lokalen Hörfunks durch ein "gemeinsames Frequenzmanagement" von WDR, Deutschland Radio, LfR und privatem Rundfunk abbauen (vgl. LfR-Info Nr. 58, S.3). Diese Forderung wird vom VLR unterstützt. Er will für das von der LfR geforderte gemeinsame Frequenzmanagement zusätzlich die Deutsche Telekom AG an einen runden Tisch holen (vgl. VLR-Infodienst. Nr.1/99, S. 4).

Als zentrale politische Forderung kann die Verbesserung der Versorgungssituation des lokalen Hörfunks allerdings nicht bezeichnet werden. Diese ist nämlich eindeutig die Schaffung eines landesweiten privaten Radioprogramms. Alle im Kapitel zwei dargestellten Kräfte erheben diese Forderung:

Die LfR Rundfunkkommission erklärt, daß "dem privaten Rundfunk gegenüber dem öffentlich-rechtlichen Anbieter WDR geringere Entwicklungsmöglichkeiten eingeräumt würden" (Hahn-Cremer. In: LfR-Info Nr. 57, S.2); und fordert in einer Entschließung: "die Einrichtung eines privaten landesweiten Hörfunkprogramms" (Punkt 4.b der Entschließung. In: LfR-Info Nr. 58, S.3).

Der VLR fordert eine "Frequenz für die 6. Kette zur Sicherung und Ausbau seiner Wettbewerbsposition - sowohl in publizistischer als auch ökonomischer Hinsicht" (Ein Hörfunkpakt für alle Veranstalter in NRW? In: VLR-Infodienst Nr.1/99, S.5).

Ebenso fordert der Geschäftsführer des BG-Verbandes, Udo Becker, "ein neues landesweites privates Hörfunkprogramm" (Gutachten beweist: WDR mit Frequenz-Mehrfachversorgung. In: VLR-Infodienst 1/99, S. 4).

Auch Radio NRW sieht aufgrund des Frequenzgutachtens die Chance "die Hörfunklandschaft in NRW weiterzuentwickeln" und fordert eindeutig "ein landesweites privates Radio NRW 2 mit 'Power Radio' Vollprogramm in Nordrhein-Westfalen" (ebd.).

Anhand der geäußerten politischen Forderungen ist festzustellen, daß es den Auftraggebern des Frequenzgutachtens hauptsächlich um die Errichtung eines landesweiten Hörfunkprogramms in NRW und weniger um eine Schließung von etwaigen Versorgungslücken im privaten Lokalfunk ging.

 

4 Das Frequenzgutachten - eine objektive Untersuchung der Versorgungssituation?

In der Einleitung der Veröffentlichung des Frequenzgutachtens erklären die Auftraggeber ihre Zielsetzung: "dem lokalen Hörfunk ein[e] verbesserte wirtschaftliche Grundlage (...) sichern". (Schneider, Norbert [LfR]; Becker, Udo [BG-Vorstand]; Gläsmann, Hartmut [radio NRW] in: Vorwort Versorgungssituation UKW-Hörfunk in Nordrhein-Westfalen - Kurzfassung des Gutachtens - Stand: Januar 1999). Wie diese verbesserte wirtschaftliche Grundlage erreicht werden soll, machen die politischen Forderungen, die sich auf das Frequenzgutachten berufen, deutlich: Schaffung eines landesweiten Hörfunkprogramms, mit "Power Radio"- Vollprogramm. Vor diesem Hintergrund betrachtet, erscheinen die ungenauen Daten, die zu den Ergebnissen des Gutachtens führten eher nebensächlich. Das Gutachten wollte "neue Planungsmöglichkeit für den Lokalen Hörfunk in NRW schaffen" (Frequenzgutachten, S. 14). Dafür waren sich die Gutachter, die lediglich die Versorgungssituation in NRW zu untersuchen hatten, nicht zu schade dem privaten Lokalfunk zu bescheinigen, daß er sich "als fester Bestandteil der Rundfunklandschaft etabliert" habe (ebd., S.3) - sie gingen sogar noch weiter und attestierten dem privaten Lokalfunk eine "gewollte, ausgeprägte lokale Struktur der Programme" (ebd.). Wie die Gutachter (Telekom AG und L&S Hochfrequenztechnik) zu diesen absolut untechnischen Erkenntnissen gelangt sind, bleibt im Gutachten offen.

Wenn das Ziel des Gutachtens eine weitere Privatisierung von Frequenzen wäre, verwunderte es nicht, daß sogar beim Deutschland Radio, bei einer Versorgungsdichte beim stationären Empfang von 41% der Bevölkerung, die weit unter allen Loakalradios, mit Ausnahme der Verbreitungsgebiete Kleve, Köln und Unna (vgl. Anlage D und Frequenzgutachten S. 15), liegt, lediglich "fast keine Modifizierungsmöglichkeiten" gesehen werden.

"Fast keine" bedeutet immerhin: "ein wenig". Ein objektiver Gutachter hätte hier eine eindeutige Unterversorgung beim Deutschland Radio feststellen müssen.

Die Ergebnisse der Gutachter fallen für den DLF ebenfalls in die Kategorie 5: "Sehr schlechte bis ungenügende Versorgung" (vgl. Frequenzgutachten S. 15). Einen "markanten Nachteil für den DLF" sehen die Gutachter hier aber nicht, wohl aber für den Lokalfunk im Vergleich zum WDR (vgl. ebd., S. 16), obwohl fast alle Lokalradios eine wesentlich bessere Versorgungssituation als der DLF haben.

Somit liegt der Verdacht sehr nahe, daß die Gutachter ihrer Zielvorgabe, nämlich der Verbesserung der wirtschaftlichen Situation des Privatfunks (und dazu gehört neben dem Lokalfunk auch ein landesweites Hörfunkprogramm) entsprochen haben und nicht objektiv die technische Versorgungssituation aller Rundfunkprogramme Nordrhein-Westfalens untersucht haben, wie im Frequenzgutachten auf Seite 3 behauptet.

Dies würde bedeuten, daß das Frequenzgutachten als Grundlage für die Privatisierung von Frequenzen dienen sollte. Die Betrachtung der Gutachter bei den Frequenzen des Deutschland Radios und des DLF verstärken diesen Verdacht.

Dabei ist festzuhalten, daß den größten Teil der Kosten des Gutachtens in Höhe von 280.000 DM ohne MwSt. der Rundfunkgebührenzahler aufgebracht hat: Die Kosten wurden gesiebtelt, 4/7 hat die LfR gezahlt, die übrigen 3/7 teilten sich der BG-Verband und Radio NRW (laut tel. Auskunft der LfR am 8.3.99, Herrn Loos).

Abschließend sei darauf hingewiesen, daß die Hörerreichweiten nicht unbedingt in unmittelbarem Zusammenhang mit den ermittelten technischen Reichweiten stehen. In 13 Verbreitungsgebieten erreicht der Lokalfunk eine sehr gute Hörerreichweite (>20%), obwohl er nur eine schlechte technische Reichweite beim stationären(!) Empfang in der Fläche (< 80%) hat. Andersherum haben acht Lokalsender bei guter technischer Reichweite beim stationärem Empfang (> 80% der Bevölkerung) nur eine geringere Hörerreichweite (< 20%) (vgl. Anlage A).

Quellennachweis:

Becker, Udo. Gutachten beweist: WDR mit Frequenz-Mehrfachversorgung. In: VLR-Infodienst 1/99, S. 4.

Böhnke, Frank. Frequenzmanagement: Konsequenz aus dem UKW-Gutachten. In: VLR-Infodienst Nr.1/99, S. 1.

Ein Hörfunkpakt für alle Veranstalter in NRW? In: VLR-Infodienst Nr.1/99, S. 5.

E.M.A.. Reichweitenergebnisse ; E.M.A. 98/99, 9. Welle. Hörer gestern Montag bis Freitag. In: Mitteilung des VLR an die Veranstaltergemeinschaften vom 28.01.99

Hahn-Cremer, Wolfgang. In: LfR-Info Nr. 57, vom 26. Januar 1999, S. 2.

LfR-Info Nr. 57, vom 26. Januar 1999. Landesanstalt für Rundfunk Nordrhein- Westfalen (LfR). Düsseldorf, 1999.

LfR Info Nr. 58, vom 22. Februar 99. Landesanstalt für Rundfunk Nordrhein- Westfalen (LfR). Düsseldorf, 1999.

Schneider, Norbert; Becker, Udo; Gläsmann, Hartmut. In: Vorwort Versorgungssituation UKW-Hörfunk in Nordrhein-Westfalen - Kurzfassung des Gutachtens - Stand: Januar 1999.

Versorgungssituation UKW-Hörfunk in Nordrhein-Westfalen

- Kurzfassung des Gutachtens - Stand: Januar 1999. Landesanstalt für Rundfunk Nordrhein - Westfalen (LfR). Düsseldorf, 1999.

VLR Infodienst Nr.1/99. Verband Lokaler Rundfunk in Nordrhein-Westfalen e.V.: Schürrmann + Klages, Herford, 1999.

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