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1.1 Das Radio wird in Deutschland zum Massenmedium
1.2 Die Arbeiterbewegung und der Rundfunk
1.2.1 Die Arbeiter-Radio-Klubs
1.2.2 Radiotheorie von Bertolt Brecht
1.3.1 Radio aus dem Untergrund
1.3.2 Deutschsprachige Auslandssender
1.3.3 Rundfunk im Dienst des Nationalsozialismus
1.4 Nach 1945: Der Rundfunk wird öffentlich-rechtlich
3 Entwicklung des Rundfunks: Die dritte Generation - das digitale Zeitalter
Seit Bestehen des Rundfunks hat es ebenso immer Kämpfe um seine Aufgaben und Ziele gegeben, als auch darum, wer in Besitz und Kontrolle des Rundfunks ist, sein darf oder seien sollte.
Angereichert wird diese bis heute andauernde Diskussion noch mit dem Streit darüber, was eigentlich Rundfunk ist. Diese neue Auseinandersetzung begann spätestens nach Einführung des Videotextes. Es stellte sich die Frage, ob es sich beim Videotext noch um Rundfunk (also Wort und Bild) handele, oder nicht.
Der bis dahin gültige Rundfunkbegriff war durch das Fernmeldeanlagengesetz von 1928 im Staatsvertrag der Länder über die Regelung des Rundfunkgebührenwesens vom 5.12. 1974 bestimmt: "Rundfunk ist die für die Allgemeinheit bestimmte Veranstaltung und Verbreitung von Darbietungen aller Art in Wort, Ton und in Bild unter Benutzung elektrischer Schwingungen ohne Verbindungsleiter oder längs oder mittels eines Leiters." (nach Ratzke 1977, zit. in Faulstich, W., 1979, S. 192)
Durch neue elektronische Massenmedien, wie zunächst der Videotext, wurde der weitgehend aufs technisch reduzierte Rundfunkbegriff vor allem durch die Zeitungsverleger in Frage gestellt, die sich in die Rundfunkdiskussion einmischten und zugleich den Zugang zur Breitbandkommunikation forderten, insbesondere bei der Einrichtung von lokalem Hörfunk und Fernsehen. (vgl. Ratzke 1977, zit. in Faulstich, W., 1979, S. 193).
Durch die technische Fortentwicklung der elektronischen Massenmedien wird die Auslegung des Rundfunkbegriffes im Sinne einer juristischen Definition entscheidenden Einfluß auf die Organisationsstruktur der Medienbetreiber und somit auf die Inhalte und deren Verfügbarkeit sowie Kontrollmöglichkeiten haben. (vgl. Faulstich, W., 1979, S. 192) Aktuelle und kontroverse Forderungen in der Diskussion um den Rundfunkbegriff sind u.a. die Abschaffung der Rundfunkgebühr für Nutzer und Nutzerinnen ausschließlich privater Rundfunkanbieter; Rundfunkgebührenpflicht für Internetzugang; Einschränkung des öffentlich rechtlichen Programmangebots auf Beiträge, die nicht durch Werbung finanzierbar sind.
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Wie restriktiv in Deutschland das Betreiben von Fernmeldeanlagen gehandhabt wurde, zeigt ein Vergleich mit den USA. War es in Deutschland, von Versuchslizenzen für Radioamateure abgesehen, bis 1923 sogar verboten Empfänger zu besitzen, gab es schon 1920 in den USA über 2 Millionen Empfangsstationen und über 35.000 Sendestationen, von denen die meisten jedoch kleinere selbstgebastelte Amateurstationen darstellten (vgl. Günther, H. 1923, S. 21).
Jeder Amerikaner konnte nicht nur problemlos ein Empfangsgerät betreiben, sondern auch einen Sender und damit ein beliebiges Programm ausstrahlen.
1920 gab es neben den vielen Amateursendern in den USA einige hundert Stationen, die von der Rundfunkindustrie betrieben wurden und fast die gesamte Fläche des Landes abdeckten. Das schnelle Anwachsen der Amateursender führte zu Forderungen, zumindest den Sendebetrieb einer scharfen staatlichen Kontrolle zu unterwerfen, während zuvor noch "die völlige Freiheit auch des Sendeverkehrs in den Vereinigten Staaten als das Ideal des Radiosportlers galt" (Günther, H. 1923, S. 22).
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Am 29. Oktober 1923 wurde in Deutschland der Rundfunk als Massenmedium eröffnet. Die Berliner Funkstunde startete mit dem "Radio für alle" und erhielt eine doppelte Zielsetzung: Zum einen sollte es den Arbeitern und Arbeiterinnen Zerstreuung und Unterhaltung bieten, zum anderen der Industrie neue Absatzmöglichkeiten in Form von Rundfunkempfängern erschließen. Hans Bredow, Generaldirektor der Firma Telefunken, wurde erster Reichsrundfunkkommissar und ging in die Geschichte als "Vater des deutschen Rundfunks" ein. In seiner Eröffnungsrede zur Freigabe des neuen Mediums sagte er: "In einer Zeit schwerster wirtschaftlicher Not und politischer Bedrängnis wird der Rundfunk für die Allgemeinheit freigegeben." (Bredow 1956, zit in CD ROM 20er Jahre, SDR Schulfunk, 1994). "Das deutsche Volk ist wirtschaftlich verarmt, und es ist auch nicht zu bestreiten, daß auch die geistige Verarmung Fortschritte macht ... Erholung, Unterhaltung und Abwechslung lenken den Geist von den schweren Sorgen des Alltags ab, erfrischen und steigern die Arbeitsfreude: Aber ein freudloses Volk wird arbeitsunlustig. Hier setzt die Aufgabe des Rundfunks ein ... ,wenn gleichzeitig der Industrie ein neues Tätigkeitsfeld eröffnet ... wird, dann wirkt der Rundfunk aufbauend ..." (Bredow 1956, zit. in Faulstich, W., 1979, S. 193). In dieser Rede zeichnete Bredow einen ökonomischen und ideologischen Funktionszusammenhang des neuen Massenmediums Radio. Zum einen greift es indirekt in den Wirtschaftsprozeß ein: Durch "Erholung, Unterhaltung und Abwechslung" sollen die arbeitenden Menschen dem Produktionsprozeß wieder zugänglich gemacht werden. Zum anderen wird der Kommunikationsindustrie ein neuer Absatzmarkt geschaffen. (vgl. Faulstich, W., 1979, S. 193, 194).
Die Rechnung ging auf: Zu
Beginn des Jahres 1926 gab es eine Million Rundfunkteilnehmer. Die Expansion
des neuen Mediums erforderte bald neue Räumlichkeiten. Am 29. Mai
1929 war in Berlin Grundsteinlegung für das "Haus des Rundfunks".
Unter denjenigen, die Hammersprüche aufsagten waren der preußische
Kultusminister Carl H. Becker, der Berliner Oberbürgermeister Gustav
Boese, Hans Bredow und der geschäftsführende Direktor der Reichsrundfunkgesellschaft,
Kurt Magnus. (vgl. CD ROM 20er Jahre, SDR Schulfunk, 1994)
(s. Tondokument 1: Hammersprüche bei der Grundsteinlegung zum "Haus des Rundfunks")
"Mit Beginn der Weltwirtschaftskrise
und dem sprunghaften Anstieg der Arbeitslosigkeit verschärfte sich
das kulturelle und politische Klima der Weimarer Republik dramatisch. Die
Reichsregierung verkündete ihre Notverordnungen, mittels derer sie
regierte, über das Radio, und schon allein dadurch bekamen sie Gesetzeskraft.
Reichsinnenminister Freiherr von Gayl von der DNVP informierte am 15. Juni
1932 die Bevölkerung über den Rundfunk, welche Politik die Reichsregierung
angesichts der wirtschaftlichen Schwierigkeiten betreiben wollte." (CD
ROM 20er Jahre, SDR Schulfunk, 1994)
(s. Tondokument 2: Ausschnitt aus
der Ansprache des Reichsinnenministers Wilhelm, Freiherr von Gayl vom 15.6.1932)
Trotz aller harter Maßregeln
nutzte die Bevölkerung das angebotene Vergnügen, als Ablenkung
vom Alltag. Am 2. März 19930 hatte der Rundfunk mit etwas besonderem
aufzuwarten, das geradezu sensationell war: der Reportage eines Fußballänderspiels
- Deutschland spielte gegen Italien.
s. Tondokument 3: Ausschnitt aus
der Übertragung des Fußballänderspiels Deutschland - Italien
vom 2.3.1930 in Frankfurt am Main. Reporter ist Paul Laven)
Nach Erhebungen der Reichspost
waren Ende 1925 über eine Millionen Radios angemeldet - davon mehr
als die Hälfte (600.000) selbstgebaute. (vgl. Grieger, K.; 1995)
Die Arbeiter-Radio-Klubs
verstanden sich aber nicht nur als reine Bastelklubs technisch Interessierter.
Immer stärker wurde Kritik an der politischen Struktur des Programmschemas
des herrschenden bürgerlichen Rundfunks geäußert. Am 26.
Februar 1928 schrieb Erich Mühsam in der Zeitschrift Arbeiterfunk:
"Der Rundfunk wird ein sehr wertvolles Mittel zur Förderung des Selbstbewußtseins
... der Kultur des Proletariats werden, sobald er dem Monopol der bürgerlichen
Klasse entzogen seien wird.
Erich Mühsam formulierte
eine klare Forderung. Die Arbeiter sollten nicht nur Zugang zu den Empfängern
haben, sondern selber eigenverantwortlich das Programm gestalten: In eigenen
Sendezeiten im bürgerlichen Rundfunk und über eigene Arbeitersender.
Diese klar formulierte Forderung
fand jedoch nicht in der gesamten Arbeiterbewegung Rückhalt. Der von
der SPD dominierte Teil der Arbeiterbewegung wollte derart weitgreifende
Forderungen nicht unterstützen. Die SPD favorisierte ein System der
Mitbestimmung durch die organisierte Arbeiterbewegung am bestehenden herrschenden
Rundfunk, während die KPD die direkte Teilhabe einforderte. (vgl.
Grieger, K., 1995)
Spaltung der Arbeiterradiobewegung
Am 1. Mai 1929, als im Verlauf
der blutigen Auseinandersetzungen in Berlin der sozialdemokratische Polizeipräsident
auf demonstrierende Arbeiter schießen läßt, kommt es zur
endgültigen Spaltung der Arbeiterbewegung - und somit auch der Radioarbeiterbewegung.
Die KPD gründete den
"Freien Radio Bund Deutschlands", die SPD Anhänger waren weiterhin
im "Arbeiter Radio Bund Deutschland" organisiert. Beide Bewegungen bekämpften
sich untereinander.
Der "Freie Radio Bund Deutschland"
gab ab Januar 1930 wöchentlich die Zeitschrift "Arbeiter-Sender" heraus.
Der Name ist Programm, denn die KPD hält weiterhin an der Forderung
nach eigenen Sendern fest. Weiterhin veröffentlicht der "Arbeiter-Sender"
Artikel gegen den reformistischen Sozialdemokratischen Bund, sowie Aufklärung
über die zunehmende Unterwanderung des Rundfunks durch Rechtskonservative
und Nazis.
Die Entwicklung des sozialdemokratischen
"Arbeiter Radio Bund Deutschlands" spiegeln seine Presseorgane wieder.
Der "Arbeiterfunk" kehrt zu den Anfängen der Arbeiter Radiobewegung
zurück und entwickelt sich zu einer Radio-Selbstbau Zeitschrift. 1932
wird der Titel in "Volksfunk" umbenannt. Von nun an wird gänzlich
von klassenspezifischen politischen und kulturellen Forderungen Abstand
genommen.
Zerschlagung der Arbeiterradiobewegung
Am 26. Februar 1933 wird
der KPD-nahe "Freie Radio Bund Deutschlands" gewaltsam aufgelöst und
deren Mitglieder in die Illegalität getrieben. Der sozialdemokratische
"Arbeiter Radio Bund Deutschland" kann sich nur wenige Monate länger
halten und wird im Zuge des SPD-Verbots im Juli 1933 zerschlagen. (vgl.
Grieger, K., 1995)
Brecht wollte den einseitigen,
nicht umkehrbaren Kommunikationskanal vom Sender zum Empfänger aufheben
und die Hörer zu potentiell aktiven Mitgestaltern des Programms machen.
Allerdings sah er in der bestehenden Gesellschaftsordnung dazu keine Möglichkeit.
"Undurchführbar in dieser Gesellschaftsordnung, durchführbar
in einer anderen, dienen die Vorschläge, welche doch nur einen natürliche
Konsequenz der technischen Entwicklung bilden, der Propagierung und Formung
dieser anderen Ordnung." (Brecht, ebd.)
Die Parole "Ein Volk! Ein
Reich! Ein Rundfunk!" vom Reichssendeleiter Eugen Hadamovsky wird zum neuen
Dogma erhoben. Es duldet weder den Anspruch auf eigene Sender, noch den
Mitbestimmungsanspruch, oder überlegungen, den Rundfunk als gesellschaftlichen
Kommunikationsapparat einzurichten. Am 10. Mai 1933 brannten in Berlin
auf dem Opernplatz Bücher, als klares Signal, keinerlei vom nationalsozialistischen
System abweichende Meinungen und Wissenschaften zu dulden. Darüber
berichtete der Rundfunk:
(S. Tondokument 4: Ausschnitt aus der Reportage
über die Bücherverbrennung der deutschen Studentenschaft in Berlin
auf dem Opernplatz am 10.5.1933)
Nicht nur Sender des organisierten
Widerstands in Deutschland setzten den gleichgeschalteten Medien ihre Informationen
entgegen. Bereits im September 1938 hatte die BBC in London begonnen, deutschsprachige
Sendungen ins Deutsche Reich auszustrahlen: Die ersten Takte der 5. Symphonie
Beethovens, gefolgt von dem Morsezeichen "V" für Victory, geschlagen
auf einer Pauke, dies war das Erkennungszeichen für alle, die sich
nicht ausschließlich über die gleichgeschalteten deutschen Medien
informieren wollten.
(S. Tondokument 5: Erkennungsmelodie des deutschsprachigen
Dienstes der BBC).
Der bei den Deutschen beliebteste
Auslandssender wurde der deutschsprachige Dienst der BBC, der 1940 eine
feste Organisationsstruktur bekam. (vgl. Sarkowski, H., 1990, S. 20)
Leiter wurde Hugh Carleton
Green. Hier zu hören in einem Beitrag vom 22.10.1941, in dem er die
Ablehnung eines Friedens mit Hitler, nicht jedoch mit dem deutschen Volk
bekundete.
(S. Tondokument 6: 22.10.1941. Deutscher Dienst der BBC. Zur
Ablehnung eines Friedens mit Hitler, jedoch einem Ja zu einem Frieden mit
dem deutschen Volk. Hugh Carleton Green.)
Auch im Exil lebende Deutsche
verlasen Meldungen über die Sender im deutschen Ausland. Mit der bekannteste
Immigrant, der sich so an das deutsche Volk wandte ist Thomas Mann. Hier
zu hören mit einer Ansprache an das deutsche Volk im März 1941:
(S. Tondokument 7: "Deutsche Hörer!" - Ansprache an das deutsche Volk mit Warnung vor Hitler und seinem "Brandstifterregime". März 1940).
Die Nationalsozialisten kannten
die Wirkung, die von der Rundfunkpropaganda ausging, genau. Dazu erklärte
Joseph Goebbels 1933 gegenüber der Intendantenkonferenz seine rundfunkpolitischen
Vorstellungen: "Ich halte den Rundfunk für das allermodernste und
das allerwichtigste Massenbeinflussungsmittel., das es überhaupt gibt.
... Der Rundfunk muß der Regierung die fehlenden 48 Prozent zusammentrommeln,
und haben wir sie dann, muß der Rundfunk die 100 Prozent halten,
muß sie verteidigen, muß sie innerlich so durchtränken
mit den geistigen Inhalten unserer Zeit, daß niemand mehr ausbrechen
kann." (zit. in: Sarkowski, H., 1990, S. 8, S. 9)
Zusammen mit der Industrie
plante die Reichsrundfunkkammer Einheitsempfänger in hohen Stückzahlen
zu produzieren. Diese "politischen Rundfunkgeräte" sollten alle Privathaushalte
und Wehrmachtsangehörige aus politisch-propangandistischen Gründen
versorgen. Die Reichsrundfunkkammer übernahm die Hörerwerbung
und verpflichtete sich von 1936 an mindestens zehn größere Funkausstellungen
in Verbindung mit den Rundfunkwerbewochen zu veranstalten. Höhepunkt
der Werbung für den Rundfunk stellten die alljährlichen Berliner
Funkausstellungen dar. (vgl. Diller, A.; 1980, S. 158, ff.)
Ein erneuter staatlicher
Mißbrauch sollte durch seine Hauptstützpfeiler verhindert werden:
(vgl. Grieger, K. 1995)
Die Kulturhoheit und damit auch die Zuständigkeit in Sachen Rundfunk-
und Medienpolitik wird auf Länderebene angesiedelt. Mit der Einführung des
öffentlich-rechtlichen Rundfunksystems war ein Anspruch eines Teils
der Arbeiterradiobewegung, nämlich der der Arbeiterinnen und Arbeiter
an eigenen Sendern, oder eines eigen gestalteten Programms in bestehenden
Sendern, völlig aufgehoben. Der Anspruch der SPD auf Mitbestimmung
schien jedoch verwirklicht zu sein: Einige Vertreterinnen und Vertreter
des Deutschen Gewerkschaftsbundes, sind als "gesellschaftlich relevante
Gruppe" in den Aufsichtsräten und Programmausschüssen vertreten,
denn das Rundfunksystem ist repräsentativ gestaltet: Delegierte aus
Parteien, Verbänden und Institutionen haben als Rundfunkräte
Kontrollfunktion. Damit wurde zunächst im Radio, später auch
im Fernsehen, eine Programmstruktur entwickelt, die alle Meinungen der
Gesellschaft repräsentativ im Programm vertreten sollte.
Von Anbeginn war auch die
öffentlich-rechtliche Rundfunkordnung Gegenstand machtpolitischer
Einflußnahme und Kontrollversuche gewesen. Dies verstärkte sich
besonders ab Mitte der fünfziger Jahre, als das Fernsehen zum Massenmedium
wurde. Zwar war in den früheren Jahren die Rundfunkpolitik keinesfalls
unpolitischer, sie spielte sich vielmehr in einem wenig von der Öffentlichkeit
betrachteten Kreis von Politikern und Fachleuten ab. (vgl. Kleinsteuber,
H.J., 1982, S. 95)
Um zu begreifen, warum mit
dem Aufkommen des Fernsehens das massive Interesse an der Rundfunkpolitik
bei Politikern aller Richtungen, sowie anderen gesellschaftlichen Gruppen,
entstand, muß man "sich vor Augen führen:
Einen weiteren Versuch, das
alleinige Modell des öffentlich-rechtlichen Rundfunks abzuschaffen,
unternahm selbst gegen den Willen der CDU Ministerpräsidenten, der
Bundeskanzler Konrad Adenauer. Adenauer verbündete sich mit Unternehmern
und Verlegern und wollte so eine zweite Fernsehkette in Deutschland installieren
- die "Deutschland-Fernsehen-GmbH". (vgl. Grieger, K. 1995).
Nach Satzung und die in ihr
enthaltenen Programmgrundsätze, war die Deutschland-Fernsehen-GmbH
eine vom Staat beherrschte privatrechtliche Gesellschaft. In ihren Aufsichtsrat
waren mindestens zehn, höchstens fünfzehn Mitglieder zu wählen.
Bis zu zehn dieser Mitglieder wurden von der Bundesregierung bestimmt -
jeweils ein Mitglied von der evangelischen Kirche, der katholischen Kirche,
dem Zentralrat der Juden in Deutschland, des Arbeitgeberverbands und der
Gewerkschaft. (vgl. Bausch, H. 1980, S. 420). "Die jeweilige Bundesregierung
kann die Satzung jederzeit ändern, ohne daß die Öffentlichkeit
überhaupt etwas davon erfährt." (Erklärung der hessischen
Landesregierung. Zit in: Bausch, H., 1980, S. 421). Am 25. Juli 1960, dem
Tag der Unterzeichnung des Vertrags über die neue Fernseh-GmbH wandte
sich der Stuttgarter Intendant Hans Bausch, vor seiner Wahl Landtagsabgeordneter
der CDU in Baden Württemberg, nach der Tagesschau im Auftrag aller
Intendanten der ARD an das Fernsehpublikum. (ebd. S.417): "...Die Niedersächsische
Landesregierung ist von der Gründung einer Deutschland-Fernsehen-GmbH
ebenso wie die gesamte Bevölkerung völlig überrascht worden.
... Das eigenmächtige Handeln des Bundeskanzlers beweise, daß
es ihm in erster Linie nicht um ein zweites Fernsehen, sondern um ein Propagandainstrument
für die Bundestagswahl 1961 gehe. ... Die Intendanten der öffentlich-rechtlichen
Rundfunkanstalten der Bundesrepublik haben folgende Erklärung abzugeben:
'Mit der Gründung einer privatwirtschaftlich organisierten Gesellschaft
für das zweite Deutsche Fernsehprogramm wird die öffentlich-rechtliche
und gemeinnützige Basis der Rundfunkorganisation in Deutschland aufgegeben.
Dieser einseitige und vorbedachte Schritt der Bundesregierung erfüllt
die Intendanten mit Sorge und Bestürzung. Im Gegensatz zu der bewährten
öffentlich rechtlichen Grundlage des Fernsehens soll nunmehr ein kommerzielles
System, geschaffen werden. Die Intendanten sehen darin eine Gefahr für
die Unabhängigkeit und Objektivität eines der wichtigsten Informationsmittel.
Sie warnen vor den Folgen für unsere Gesellschaft und das politische
Leben.'" (zit. in Bausch, H., 1980, S.418, S.419).
Das von einigen Ländern
angerufene Verfassungsgericht erklärte am 28. Februar 1961 im Geschichte
gewordenen "Fernsehurteil" die Deutschland-Fernsehen-GmbH für verfassungswidrig.
Die Niederschrift über die mündliche Verhandlung, sowie die übrigen
Anträge und Schriftsätze umfassen über 800 Seiten. Sie wurden
1964/65 in einem zweibändigen Werk (Zehner. Der Fernsehstreit) veröffentlicht.
(ebd. S.433)
Drei Monate nach dem Fernsehurteil,
am 6. Juni 1961, unterzeichneten die Ministerpräsidenten der Länder
den "Staatsvertrag über die Errichtung der Anstalt des öffentlichen
Rechts Zweites Deutsches Fernsehen (ZDF)". Der Aufbau dieses zweiten
Fernsehens erfolgte nach dem Prinzip der Landesrundfunkanstalten. Es hat
an der Spitze einen Intendanten, einen Fernsehrat, bestehend aus Vertretern
der Allgemeinheit (den "gesellschaftlich relevanten Kräften"), sowie
einen Verwaltungsrat, welcher die Geschäftsführung kontrolliert.
Bis das ZDF sendebereit war, wurde das neue Fernsehprogramm vom 1. Juni
1961 bis zum 31. März 1963 von den ARD-Anstalten ausgestrahlt. (vgl.
Diller, A., 1997, S. 345)
22 Monate hatte nun die ARD
mit ihren eigenen Kapazitäten das zweite Fernsehprogramm gestaltet
und verbreitet. Diese mit dem eigenständigen Sendestart des ZDF am
1. April 1963 freigewordenen Kapazitäten wurden als Grundstock für
die regionalen Dritten Fernsehprogramme genutzt. Diese sollten die beiden
"nationalen" Fernsehprogramme ergänzen. (vgl. Bausch, H., 1980, S.509).
Einen weiteren Versuch der
machtpolitischen Einflußnahme auf das System des öffentlich-rechtlichen
Rundfunks und Abschaffung seiner Monopolstellung dokumentiert ein internes
Planungspapier der CDU-Bundeszentrale von 1978. Es geht davon aus, daß
die Bundestagswahl 1980 nur dann zu gewinnen sei, wenn der WDR in seinen
Programminhalten mehr auf CDU-Kurs gebracht werden kann. Dazu sollte ein
"Kurs der öffentlichkeitsgestützten Konfrontation" eingeschlagen
werden. (Originalzitate aus Wirtschaftswoche vom 11.08.77, S. 26f. zit
in Kleinsteuber, H.J., 1982, S.97): "Die Verunsicherung der linkslastigen
Führung und des überwiegenden Redaktionspotentials mit dem Ziel,
daß sich beide unter ständiger Kontrolle fühlen und dadurch
zu besonderer Vorsicht gegenüber der CDU angehalten sind." Es wird
gefordert, das Privatfernsehen als Gegengewicht zum öffentlich-rechtlichen
Fernsehen zu installieren: "Dies um einmal das etablierte System zu verunsichern,
zum anderen auch um den Rundfunk- und Fernsehmitarbeitern alternative Ausweichmöglichkeiten
aufzuzeigen, um dem goldenen Politik-Gefängnis zu entfliehen." (ebd.)
Nicht nur von Seiten der
Wirtschaft (hier insbesondere der Zeitungsverleger) und rechts-konservativer
Politiker wurde das System des öffentlich-rechtlichen Rundfunks kritisiert
und angegriffen. Auch die (zumeist bürgerliche) Linke hatte andere
Vorstellungen vom Rundfunk. "In der 'Stunde Null' wurden dem neuen, öffentlich-rechtlichen
Rundfunk die besten Anlagen mit auf den Weg gegeben. Doch die Anstalten
sind Aufpasser geworden. ... Das letzte Wort im öffentlich-rechtlichen
Rundfunk haben sie Aufseher der Ausgewogenheit., die Zeitnehmer des Proporz,
die Staats-Groupies und die Pioniere kommerzieller Glätte. Irgendwann
wird das Verteidigungsministerium das letzte Wort haben. ... Die wieder
aktuell gewordene Diskussion über demokratische Alternativen zum herrschenden
Rundfunksystem ist nicht nur eine Reaktion auf die kommerziellen Medienpläne
von Verlagskonzernen, großer Industrie und CDU/CSU. Mit ihrem Mix
aus seichter Muse, anspruchslosen Gags und ein paar kleingehexelten Wirklichkeitsfetzen
haben die Sendefabriken ihr entsprechend dösendes Publikum gefunden.
Das hat aber auch bei einigen Teilen der Bevölkerung produktive Phantasien
für andere Medien(be)nutzung provoziert." (Wolfgang Hippe u.a., 1983)
Mitte der siebziger Jahre
gingen von den Bürgerbewegungen (die wie es ihr Name schon verrät,
meist bürgerlichen Ursprungs waren) Gruppen hervor, die weg von der
öffentlich-rechtlichen Ausgewogenheit wollten. Sie forderten freien
Zugang zum Rundfunk. Diese Forderung konnten sie jedoch nicht durchsetzen.
So entstanden "freie Radios", die illegal betrieben wurden. Kleine Gruppen
technikbegeisterter Menschen bastelten Radiosender, die sie den Bürgerbewegungen
zur Verfügung stellten - ähnlich wie die "zentrale Funkleitung"
im November 1918. Diese Sender waren unter anderem in der Lage, bei der
Räumung von Hüttendörfern der Anti-AKW-Bewegung Öffentlichkeit
herzustellen.
Radio Freies Wendland
machte mit seiner Liveberichterstattung von der Räumung des Hüttendorfes
"Republik Freies Wendland" Rundfunkgeschichte. So informierte das Radio
die ausgesperrten Vertreter der Öffentlichkeit und Nachbarn mit Informationen
der Räumung durch die Polizei und den Bundesgrenzschutz. (vgl. Hadamczik,
M., 1983, S. 135)
Es ist nicht auszuschließen,
daß ohne diese Öffentlichkeit viele dieser Einsätze noch
weitaus brutaler verlaufen wäre. Auch dienten die "freien Radios"
zur Koordination von Demonstrationen. Des weiteren wurden über diese
Radiosender Themen besprochen und Ansichten verbreitet, die im öffentlich-rechtlichen
Rundfunk keinen Platz hatten. ähnlich wie im November 1918 wurde das
Radio als organisierende Kraft genutzt.
Den bisher letzten großen
Einsatz hatte das illegal betriebene Freie Radio bei den Auseinandersetzungen
um die Hamburger Hafenstraße 1987. Aus einem besetzten Haus heraus
sendete Radio Hafenstraße mit Direktschaltungen zu Demonstrationen
und Kundgebungen zu seinen Hörerinnen und Hörern.
(S. Tondokument 8: Radio Hafenstraße).
Doch wer waren und sind (potentielle) Hörerinnen
und Hörer des Freien Radios?
"Es ist paradox. Obwohl die
Normalbürger wohl nur in den seltensten Fällen ein Freies Radio
hören, wendet sich ein großer Teil des Programms an sie. Genauer
gesagt wendet er sich nicht an eine Öffentlichkeit, sondern an die
Öffentlichkeit. Wenn etwa Hausbesitzer eine Sendung machen, dann nutzen
sie die Zeit nicht unbedingt ... zum gezielten Ansprechen von Leuten, die
den Sender vermutlich hören, sondern dazu, um Verständnis zu
werben, um über die Wohnungsnot und Häuserspekulation aufzuklären.
Alles Dinge, bei denen die tatsächlichen Hörer wahrscheinlich
... nicken und sagen: sehr richtig, das muß den Leuten mal gesagt
werden. Diejenigen, für die das Programm gedacht ist, hören es
nicht. Die es hören, ... wird nicht viel neues erzählt ... auf
die Sendungen können sie verzichten." (vgl. Hadamczik, M., 1983, S.
146)
Mit dem Ende der Bürgerbewegungen
stellten die meisten "freien Radios" ihren Betrieb wieder ein. Eine Ausnahme
stellt das Freiburger "Radio Dreyeckland" dar. Es hatte in der Bevölkerung
eine so starke Basis gefunden, daß es gelang, eine legale Frequenz
zu erkämpfen. Dies blieb aber die Ausnahme.
Mit der Zulassung privat-kommerzieller
Sender in den Kabelpilotprojekten durch entsprechende Landesmediengesetze
löste das duale Rundfunksystem im April 1987, aufgrund eines Rundfunkvertrags
der Länder, das öffentlich-rechtliche Rundfunksystem offiziell
ab.
Ein Jahr nach Unterzeichnung
des Rundfunkstaatsvertrages über das duale System wurde der erste
ASTRA Satellit ins All geschickt. Mittlerweile befinden sich sechs dieser
Satelliten in gleicher geostationärer Position, d.h. alle diese Satelliten
können mit nur einem Parabolspiegel empfangen werden. über die
ASTRA Satelliten werden diverse Hörfunk- und über 60 analoge
Fernsehprogramme, davon derzeit 26 deutschsprachige, übertragen.
Dieses Verhältnis gibt
Anlaß zu öffentlich kontrovers geführten Debatten. Vielfach
wird argumentiert, daß die Fernsehgebühr von etwa 20,00DM/Monat
(die Radiogebühren sind hier nicht mit eingerechnet) für nur
40% des Programms ungerechtfertigt sind. Doch ist privat-kommerzielles
Fernsehen wirklich kostenlos? Hier machte Hans J. Kleinsteuber am 1.9.97
in der Süddeutschen Zeitung folgende Rechnung auf: Die Privat-kommerziellen
Fernsehsender hatten 1996 Werbeeinnahmen in Höhe von 6,3 Milliarden
DM (Quelle RTL-Hauszeitung). Teilt man nun diese Werbeeinnahmen auf die
32 Millionen Haushalte auf, so entfällt auf jeden Haushalt knapp 200,00
DM für das privat-kommerzielle Fernsehen. Kleinsteuber nennt dies
"versteckte Werbesteurer", finanziert über die Produkte der werbetreibenden
Industrie.
- nicht in jedem Bundesland
sind Live-Sendungen möglich,
- in manchen Bundesländern
sind die Offenen Kanäle nur über Kabel zu empfangen, und so nicht
allen potentiellen Empfängern zugänglich,
- teilweise senden die Offenen
Kanäle über die kommerziellen Sender zu Zeiten, in denen kaum
Hörerreichweite besteht,
- nicht in allen Bundesländern
tragen die Produzentinnen und Produzenten die Programmverantwortung, sondern
der Sender, über den sie ihre Sendungen verbreiten.
In NRW sind die privat-kommerziellen
Lokalradios verpflichtet, 15% ihrer eigenen Sendezeit sogenannten "Bürgerfunkgruppen"
zur Verfügung zu stellen. Die Sendezeiten für den Bürgerfunk
schwanken, je nach Lokalradio zwischen 45 und 70 Minuten täglicher
Sendezeit. Der Bürgerfunk wird in aller Regel zwischen 18.00 Uhr und
21.00 Uhr ausgestrahlt. Es dürfen faktisch keine Live Sendungen produziert
werden, sondern es wird auf Tonträger vorproduziert. Die Verantwortung
für den Bürgerfunk liegt beim lokalen Radiosender. In aller Regel
prüft dieser Sender drei Tage vor Ausstrahlung den Inhalt der Bürgerfunksendung
auf presserechtliche Unbedenklichkeit.
Weiterhin besteht in NRW
die Möglichkeit einen Offen Fernsehkanal, der über Kabel auszustrahlen
ist, zu lizensieren.
Seit 1994 wurde versucht
das digitale System der Fernsehübertragung in Europa zu nutzen. Dazu
wollte Leo Kirch zusammen mit Bertelsmann und der Telekom die Media-Service-Group
gründen. Dies wurde jedoch von der Europäischen Union untersagt,
weil dieser Zusammenschluß ein zu mächtiges Kartell gebildet
hätte. So versuchte es Leo Kirch im Juni 1996 im Alleingang und gründete
das DF 1 (Digitales Fernsehen 1). Um dieses Fernsehen empfangen zu können,
benötigt der Fernsehkonsument und die Fernsehkonsumentin eine sogenannte
"Set Top Box". Dieses Zusatzgerät wird zwischen den Satellitenempfänger
und dem Fernsehgerät geschaltet. Den Namen "Set Top Box" (setze oben
drauf Schachtel) trägt dieses Zusatzgerät, weil es üblicherweise
auf den Fernseher gestellt wird. Eine solche Box kostet etwa 1100,00 DM
und monatlich werden Gebühren in Höhe von 20,00 DM fällig.
Damit sind dann neben den üblichen Programmen noch 30 deutschsprachige
Fernsehprogramme zusätzlich zu empfangen. Dies sind u.a. 24 Stunden
Spielfilm Spartenkanäle, wie Westernkanal, Science-fiction-Kanal Liebesfilmkanal
und andere.
Weiterhin kann diese "Set
Top Box" mit dem Telefon verbunden werden. So besteht ein Rückkanal
zu DF 1. Hiermit kann die Konsumentin und der Konsument sich einen Film
aus einem großen Spielfilmangebot auswählen, den er dann direkt
nach der Bestellung bezahlt (ein Film kostet zur Zeit 6,00 DM). Dieses
Verfahren heißt "Pay per View" (PPV). Im Gegensatz
zum Pay-TV (Pay per channel), wie z.B. bei
premiere, werden nur Filme berechnet, die zuvor bestellt wurden sind und
nicht die Möglichkeit des Empfangs eines Fernsehkanals.
Weiterhin wird, wenn die
übertragungskapazität ausreicht (und dies wird bei drei bis viertausend
Fernsehkanälen im Jahr 2000 nicht mehr lange dauern) die Möglichkeit
des "Video on Demand" (VOD) bestehen. Hier besteht die Möglichkeit,
sich einen Film, wie in einer Videothek auszuwählen und in Sekundenschnelle
über den Rückkanal zu bestellen. Gleichzeitig besteht dann die
Möglichkeit, im Gegensatz zum "Pay per View", wie beim
Videorekorder Vor- Rücklauf und Stopfunktionen anzuwenden.
Eine weitere Möglichkeit,
die die "Set Top Box" über den Rückkanal darstellt, ist ein interaktives
"Teleshopping". Die über einen Verkaufskanal angebotene
Ware kann so direkt per Knopfdruck bestellt werden.
Die differenzierten Pay-TV
Angebote und Teleshoppingmöglichkeiten ergeben in den Zentralen des
neuen digitalen Fernsehens genaue Nutzerprofile der Kunden und Kundinnen.
So ist leicht zu ermitteln, welche Filme bevorzugt werden und welche Produkte
gekauft werden. Dies wirft Fragen des Datenschutzes auf, die noch gar nicht
behandelt sind.
Die "Set Top Boxen" sind
kleine Computer, die von den Zentralen fernbedienbar und somit auch umprogrammierbar
sind. Dies geht soweit, daß einzelne Programme aus dem Angebot genommen
werden können. 1996 hatten sich einige eine "Set Top Box" gekauft,
weil darüber italienisches Fernsehen zu empfangen war. Von einem Tag
zum nächsten, wurde die Box so umprogrammiert, daß kein italienisches
Fernsehen mehr zu empfangen war. Probleme des Urheberrecht waren der Grund.
Fest steht, daß der Anbieter des digitalen Fernsehens darüber
entscheiden kann, welche Programme der Konsument, oder die Konsumentin
empfangen kann. Technisch geht das soweit, daß theoretisch jede
einzelne Box beliebig programmierbar ist. In diesem Zusammenhang ist
es auch wichtig zu erwähnen, in welcher Reihenfolge die Programme
z.Z. angeboten werden: Beim DF 1 waren bei der Funkausstellung 1997 die
ersten 30 Programme selbstverständlich die eigenen DF 1 Kanäle.
Die ARD hatte einen Programmplatz bei den siebziger, das ZDF sogar erst
bei den achtziger Kanalnummern.
Der Rückkanal der heutigen
"Set Top Boxen" ist so schwach ausgelegt, daß er nicht ins Internet
zugreifen kann - obwohl es sich um die gleiche Technik, Datenübertragung
per Modem, handelt. Die Fernsehzuschauer sollen hier beim Fernsehen gehalten
werden, sie sollen nicht ins Internet wechseln. Hier unterscheidet sich
das Europäische Digitale Fernsehen eindeutig vom Nordamerikanischen.
In Nordamerika wurde 1993 der "Information Super Highway" ins Leben gerufen.
Nutzer des digitalen Fernsehens können dort über den Rückkanal
nicht nur ins Internet gelangen, sondern auch eigene Programme ins Netz
einspeisen. Dies ermöglicht auch kleinen Programmanbietern sich am
digitalen Fernsehen zu beteiligen, was mit der europäischen Technik,
die das starre Sender-Empfänger-Prinzip verfolgt nicht möglich
ist. Somit ist Europa von der Theorie Bertolt Brechts, daß jeder
Empfänger ein potentieller Sender sein muß noch weit entfernt,
während sie in Nordamerika Wirklichkeit zu werden scheint.
Allerdings hatte sich Leo
Kirch mit dem Einstieg in das digitale Fernsehzeitalter verkalkuliert.
Bis Ende 1996 hatte er damit gerechnet, 200.000 Abonnenten für DF1
zu bekommen. Allerdings waren es bis Mitte 1997 lediglich 30.000. Gleichzeitig
hatte Kirch sämtliche Filmmärkte für neue Hollywood Ware,
zum Teil überteuert, leergekauft. Damit hat er zwar dafür gesorgt,
daß Bertelsmann nicht als Konkurrenz auftreten kann, denn Bertelsmann
hatte nicht genügend Filme, um ein gleiches System einführen
zu können. Allerdings hatte sich Kirch weit höhere Umsätze
ausgerechnet. Es wird geschätzt, daß Kirch mit seinem DF 1 Projekt
bereits eine Milliarde DM verloren hat. So ist Kirch in den letzten Monaten
erneut, jetzt deutlich geschwächt, wieder in Verhandlungen mit Bertelsmann
getreten. Angestrebt wird wieder ein Kartell zwischen Bertelsmann, Kirch
und der Telekom.
Wie sich das digitale Medienzeitalter
bei uns in Europa und Weltweit weiterentwickeln wird, ist noch nicht abzusehen.
Es wird mindestens genau so spannend bleiben, wie die gesamte Entwicklung
des Rundfunks seit der Entdeckung der elektromagnetischen Wellen im Jahr
1887 gewesen ist.
Tondokument 1: Hammersprüche bei der Grundsteinlegung zum "Haus des Rundfunks"
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Tondokument2: Ausschnitt aus
der Ansprache des Reichsinnenministers Wilhelm, Freiherr von Gayl vom 15.6.1932
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Tondokument 3: Ausschnitt aus
der Übertragung des Fußballänderspiels Deutschland - Italien
vom 2.3.1930 in Frankfurt am Main. Reporter ist Paul Laven
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1.2 Die
Arbeiterbewegung und der Rundfunk
Selbstverständlich hatten
die Arbeiter auch ganz andere Vorstellungen über die Nutzung des Rundfunks.
Dies wurde bereits vor dem Start des ersten Sendeabends der Berliner Funkstunde
"Radio Für Alle" offensichtlich: Nach dem ersten Weltkrieg kehrten
190.000 Soldaten heim, die an Funkanlagen ausgebildet worden waren. In
den Auseinandersetzungen vom November 1918 gründeten einige dieser
der Funktechnik mächtigen Soldaten eine "zentrale Funkleitung". So
gelang es vorübergehend das Funkwesen in die eigene Hand zu nehmen
und es für die Ziele der Arbeiter- und Soldatenräte zu nutzen.
Diese übernahmen sämtliche im gesamten Reich verstreuten Funkstationen
und konnten so vier Wochen lang über die Sender die Revolution koordinieren
und Proklamationen sowie Bekanntmachungen ausstrahlen. In einem Geschichte
gewordenen Funkspruch "An Alle!" wurde über die revolutionären
Ereignisse in Deutschland berichtet. Zum ersten Male entstand eine organisierende
Kraft des neuen Medium Radio. Jedoch nicht für lange. Die bürgerlichen
Kräfte setzten sich bald durch und bestimmten von nun an auch die
Gestaltung und das politische Profil der Berliner Funkstunde "Radio für
alle". (vgl. Grieger, K., 1995)
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1.2.1 Die Arbeiter-Radio-Klubs
Die organisierten Arbeiter und
auch Arbeiterinnen bestimmten jedoch auch weiterhin die medienpolitischen
Aktivitäten mit. Zunächst wurden Anstrengungen in Gang gesetzt,
den Arbeitern das Radiohören überhaupt zu ermöglichen, da
industriell gefertigte Empfangsgeräte für werktätige Menschen
nicht erschwinglich waren. "1924 kostete ein Radiogerät ... zwischen
400 und 500 RM, ein einfacher Detektorempfänger kostete etwa 70 RM.
Ein gelernter Arbeiter ... verdiente durchschnittlich 88 Pfennige die Stunde,
ein kleiner Angestellter etwa 160 RM im Monat." (Dahl, P., 1983. zit. in:
Grieger, K.; 1995) Also bauten die Arbeiterinnen und Arbeiter ihre Radiogeräte
selber. So gründete sich am 10. April 1924 (ein halbes Jahr nach dem
ersten Sendeabend der Berliner Funkstunde) der erste Arbeiter-Radio-Klub
(ARK). Dieser Club hatte bei technisch interessierten Werktätigen
eine hohe Resonanz. Es folgten viele weitere solcher Clubs.
Es gibt keine Tendenzlose
Kunst, keine Tendenzlose Wissenschaft - es gibt überhaupt keine Tendenzlosigkeit.
Die Benutzung des Rundfunks den Klassentendenzen des Proletariats vorenthalten,
heißt den Rundfunk zur Waffe gegen das Proletariat zu machen. Das
Proletariat hat Anspruch auf die Dienstbarmachung des Radios für seine
eigene Sache unter vollständiger Befreiung von jeder bürgerlichen
Zensur."
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1.2.2 Radiotheorie
von Bertolt Brecht
1932, ein Jahr vor der Machtübernahme
der Nationalsozialisten, und dem damit verbundenen Ende jeglicher freiheitlicher
Rundfunkmodelle, stellte Brecht in einer Rede über die Funktion des
Rundfunks, seine Vision, nämlich den Rundfunk als Kommunikationsapparat
zu nutzen, vor: "Unsere Gesellschaftsordnung ... ermöglicht es, daß
Erfindungen gemacht werden, die sich ihren Markt erst erobern, ihre Daseinsberechtigung
erst beweisen müssen, kurz Erfindungen, die nicht bestellt sind.
So konnte die Technik zu einer Zeit so weit sein, den Rundfunk hervorzubringen,
wo die Gesellschaft noch nicht so weit war, ihn aufzunehmen. Nicht die
Öffentlichkeit hatte auf den Rundfunk gewartet, sondern der Rundfunk
wartete auf die Öffentlichkeit ... Man hatte plötzlich die Möglichkeit,
allen alles zu sagen, aber man hatte, wenn man es sich überlegte,
nichts zu sagen. ... Aber abgesehen von seiner zweifelhaften Funktion (wer
vieles bringt, wird keinem etwas bringen), hat der Rundfunk eine Seite,
wo er zwei haben müßte. Er ist reiner Distributionsapparat,
er teilt lediglich zu. ... Der Rundfunk ist aus einem Distributionsapparat
in einen Kommunikationsapparat zu verwandeln. ... Der Rundfunk müßte
demnach aus dem Lieferantentum herausgehen und den Hörer als Lieferanten
organisieren. ... Er hat überdies hinaus die Einforderung von Berichten
zu organisieren, das heißt die Berichte der Regierenden in Antworten
auf die Fragen der Regierten zu verwandeln. Der Rundfunk muß den
Austausch ermöglichen. ... Sollten Sie dies für utopisch halten,
bitte ich Sie, darüber nachzudenken, warum es utopisch ist. ... Es
ist keineswegs unsere Aufgabe, die ideologischen Institute auf der Basis
der gegebenen Gesellschaftsordnung durch Neuerungen zu erneuern, sondern
durch unsere Neuerungen haben wir sie zur Aufgabe ihrer Basis zu bewegen."
(zit. in: KUNST UND MEDIEN, S. 33 ff)
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1.3 Rundfunk
im dritten Reich
Tondokument 4: Ausschnitt aus der Reportage
über die Bücherverbrennung der deutschen Studentenschaft in Berlin
auf dem Opernplatz am 10.5.1933
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1.3.1 Radio
aus dem Untergrund
Aktivistinnen und Aktivisten
aus der Arbeiterradiobewegung schlossen sich im Widerstand gegen die Nationalsozialisten
zusammen. Sie errichteten im Deutschen Reich mehrere Widerstandssender;
mit dabei waren unter anderem auch Mitglieder der Widerstandsgruppe "Die
Weiße Rose". Selbst aus dem KZ Buchenwald konnten Sendungen ausgestrahlt
werden. Mit Hilfe eines von Häftlingen zusammengebauten Senders konnten
im April 1945 amerikanische Truppen um Hilfe gerufen werden, gerade noch
rechtzeitig, um die von der SS geplanten Evakuierungen und Massenvernichtungen
zu verhindern. (vgl. Grieger, K., 1995)
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1.3.2 Deutschsprachige
Auslandssender
Wer selbst beim abhören von Auslandssendern belauscht
wurde, sei es von Nachbarn, oder dem örtlichen Gestapospitzel, der
mußte mit hohen Zuchthausstrafen rechnen. Nicht wenige bezahlten
bei Weitergabe von Meldungen, die sie den "Feindsendern" entnommen hatten,
mit ihrem Leben. (vgl. Sarkowicz, H., 1990, S. 7). Um die "Volksgenossen"
eindringlich auf das Abhörverbot ausländischer Rundfunksender
hinzuweisen, verteilten 1941 alle NSDAP-Ortsgruppen Zettel, die an die
Senderabstimmknöpfe der Rundfunkempfänger angebracht werden mußten.
Tondokument 5: Erkennungsmelodie des deutschsprachigen
Dienstes der BBC
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Auf diesen stand: "Denke Daran. Das Abhören a u s l ä
n d i s c h e r S e n d e r ist ein Verbrechen gegen die nationale Sicherheit
unseres Volkes. Es wird auf Befehl des Führers mit schweren Zuchthausstrafen
geahndet." Trotz solch drakonischer Maßnahmen und dem Einsatz von
Radiokontrolleuren, wollten große Teile der Bevölkerung es sich
nicht nehmen lassen, Auslandssendungen zu empfangen. So weist die offizielle
Statistik der sogenannten "Rundfunkverbrecher" allein für 1942 fast
eintausend (985) Verurteilungen aus, wobei die Zahl der ohne ein Gerichtsverfahren
in ein KZ eingelieferten Gefangenen nicht bekannt ist. (vgl. Sarkowski,
H., 1990, S. 26)
Tondokument 6: 22.10.1941. Deutscher Dienst der BBC. Zur
Ablehnung eines Friedens mit Hitler, jedoch einem Ja zu einem Frieden mit
dem deutschen Volk. Hugh Carleton Green.
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Tondokument 7: "Deutsche Hörer!" - Ansprache an das deutsche Volk mit Warnung vor Hitler und seinem "Brandstifterregime". März 1940
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1.3.3 Rundfunk
im Dienst des Nationalsozialismus
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1.4 Nach
1945: Der Rundfunk wird öffentlich-rechtlich
Im Januar 1945 strahlten die
deutschen Radiosender Programme der Militärregierungen aus. Mit Unterstützung
der Alliierten wird am 5. August 1950 die Anstalt des öffentlichen
Rechts - die "Arbeitsgemeinschaft der Rundfunkanstalten Deutschlands" (ARD)
gegründet. Mit ihr sollten Lehren aus der Zeit der Weimarer Republik
und vor allem des Nationalsozialismus gezogen werden. In der Weimarer Republik
war der Rundfunk als Staatsrundfunk definiert und als eine Art staatlicher
Verwaltung konzipiert. Dies erleichterte den Nationalsozialisten die völlige
Gleichschaltung der Medien zur einer Popagandamaschine für ihre Zwecke.
Im neuen, demokratischen Deutschland sollte sich der Rundfunk an den unterschiedlichen
gesellschaftlichen Strömungen orientieren. Er durfte weder staatlich
gelenkt, noch kommerziell gestaltet sein. Vielmehr mußte er überparteilich
organisiert und dem Gemeinwohl verpflichtet sein.
öffentlich-rechtlicher
Rundfunk nach 1945
Förderalistische Struktur
des Rundfunksystems
Die Rundfunkanstalten werden
als selbstständige, selbstverwaltete Körperschaften des öffentlichen
Rechts ins Leben gerufen.
Die Finanzierung erfolgt
auf Grundlage von Gebühren der Rundfunknutzer und Nutzerinnen.
Auf staatliche Steuer wird verzichtet.
Gesellschaftlich bedeutsame
Kräfte in den Rundfunkräten kontrollieren den öffentlich-rechtlichen
Rundfunk im Interesse der Allgemeinheit. Sie sollen gewähren,
daß alle wesentlichen Meinungen, auch die von Minderheiten, im Programm
vertreten sind.
In den fünfziger Jahren
mischten sich auch die Zeitungsverleger in die Rundfunkdiskussion ein.
Zunächst traten 1951 einige einzelne Interessenten aus dem Kreis der
Süddeutschen Verleger auf, und versuchten Sendelizenzen zu erwerben.
Ausgelöst durch die Einführung eines kommerziellen Fernsehkanals
in Großbritannien 1954/55, erhoben die Zeitungsverleger als festen
Programmpunkt des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) Anspruch
auf einen eigenen Rundfunk. Mit der Einführung des Werbefernsehens
1956 fürchteten sie um Werbeeinnahmen ihrer Zeitungen. Sie argumentierten,
wenn Werbung im Fernsehen gesendet werde, dann sollen die Zeitungsverleger
(wie auch bei der Presse) die einzigen Veranstalter sein. Spätere
Untersuchungen (Ergebnisse der sog. Michel Kommission 1967) ergeben, daß
die Einführung des Werbefernsehens praktisch keine Auswirkungen auf
die Werbeeinnahmen der Presse hatte. (vgl. Kleinsteuber, H.J. 1982, S.
60)
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1.5 Freie
Radios
Tondokument 8: Radio Hafenstraße
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2 Rundfunk heute
2.1 Das
Duale System
Bis 1984 stellte das öffentlich-rechtliche
System die gesetzliche Grundlage für den Rundfunk dar. In diesem Jahr
viel der Startschuß zum Kabelpilotprojekt in Ludwigshafen. Dies war
die Geburtsstunde des privat-kommerziellen Rundfunks. Nach Eiführung
des elektronischen Mediums Rundfunk im Jahr 1923 stellte das duale Rundfunksystem
(die Koexistenz eines öffentlich-rechtlichen und des privat-kommerziellen
Rundfunks) die vierte Rundfunkordnung in Deutschland dar (vgl. Hall, P.,
1997, S. 21).
Das Verhältnis der Programme
(öffentlich-rechtlich zu privat-kommerziell) auf den
ASTRA-Satelliten entspricht in etwa auch dem der Publikums Reichweite:
40% der Einschaltquote gehen auf das öffentlich-rechtliche, 60% auf
das privat-kommerzielle Programm.
Deutschsprachige analoge ASTRA
Fernsehprogramme
ARD
öffentlich-rechtlich
ZDF
öffentlich-rechtlich
ARTE/Kinderkanal
öffentlich-rechtlich (Kulturkanal/Kinderkanal)
3sat
öffentlich-rechtlich
Phoenix
öffentlich-rechtlich (Ereigniskanal
ARD/ZDF)
MDR
öffentlich-rechtlich (3.Programm)
West 3
öffentlich-rechtlich (3.Programm)
Bayern 3
öffentlich-rechtlich (3.Programm)
N3
öffentlich-rechtlich (3.Programm)
Südwest 3
öffentlich-rechtlich (3.Programm)
ORB 3
öffentlich-rechtlich (3.Programm)
SAT.1
Privat-kommerziell
RTL
Privat-kommerziell
Super RTL
Privat-kommerziell
RTL2
Privat-kommerziell
PRO SIEBEN
Privat-kommerziell
Kabel 1
Privat-kommerziell
n-tv
Privat-kommerziell - Nachrichtenkanal
Eurosport
Privat-kommerziell - Sportkanal
DSF
Privat-kommerziell - Sportkanal
VOX
Privat-kommerziell
TM 3
Privat-kommerziell (Frauenkanal)
Nickelodeon
Privat-kommerziell (Kinderkanal)
H.O.T.
Privat-kommerziell (Einkaufsfernsehen)
QVC
Privat-kommerziell (Einkaufsfernsehen)
Teleclub
Premiere
Privat-kommerziell (Pay-TV, verschlüsselt)
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2.2
Offene Kanäle
Mit der Einführung des
Duales Systems wurden die "Offenen Kanäle" geschaffen. Dies
sind entweder eigene Frequenzen im Kabel, oder im Äther, bzw. Sendezeiten
in den Programmen der kommerziellen Rundfunkstationen. Es gibt Offene
Kanäle sowohl für Radio- als auch Fernsehprogramme. Die Struktur
dieser für jedermann frei zugänglichen Kanäle ist von Bundesland
zu Bundesland unterschiedlich. Allen gemeinsam ist der freie Zugang und
die Möglichkeit der freien Gestaltung der Sendungen. Erstmals in der
Geschichte der Bundesrepublik wurde damit die legale Möglichkeit geschaffen,
den Rundfunk als gesellschaftlichen Kommunikationsapparat zu nutzen, denn
prinzipiell kann hier jeder bisherige Medienkonsument und jede Medienkonsumentin
zum Medienmacher und zur Medienmacherin werden. Dennoch sind diese Offen
Kanäle noch weit von den Möglichkeiten der freien Radios
entfernt:
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3 Entwicklung des Rundfunks: Die dritte Generation - das digitale Zeitalter
Wir stehen im Moment an der
Schwelle einer neuen, der dritten Generation des Rundfunks in der Bundesrepublik.
Darüber, wie das digitale
Zeitalter genau aussehen wird, laßt sich nur spekulieren. Allerdings
werden heute die Weichen dafür gestellt - und einige sind bereits
gestellt. Wie bereits erwähnt werden ca. 60 analoge Fernsehprogramme
europaweit über die ASTRA-Satelliten ausgestrahlt. Drei viertel aller
Bundesdeutschen Haushalte beziehen das Fernsehprogramm direkt, oder indirekt
über Kabel (die deutsche Telekom speist ihre Programme über ASTRA
Empfangsanlagen in ihr Netz), über diese ASTRA-Satelliten. Betreiber
der ASTRA-Satelliten ist die luxemburgische SES (Société
Eurpéenne des Satellites), eine Gesellschaft Luxemburger Rechts
und somit auch keinerlei bundesdeutschen Mediengesetzen unterworfen. Zur
Zeit befinden sich sechs ASTRA-Satelliten im All, ein siebter soll in kürze
seinen Betrieb aufnehmen. Jeder dieser Satelliten ist in der Lage, 16 analoge
Fernsehprogramme zu übertragen. Werden nun statt analoger, digitalisierte
Fernsehsignale über diese Satelliten ausgestrahlt, so erhöht
sich die übertragungskapazität pro Kanal auf fünf bis 15
Programme. Dies bedeutet, daß ein ASTRA-Satellit statt16 etwa 150
Fernsehprogramme übertragen kann. Rein technisch gesehen ist es schon
heute möglich etwa eintausend digitaler Fernsehprogramme europaweit
auszustrahlen. Es ist geplant bis zum Jahr 2000 die Kapazität auf
drei bis viertausend Fernsehkanäle zu erweitern.
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Süddeutsche Zeitung vom 01.09.97
Wirtschaftswoche vom 11.08.77
Bausch, Hans. Rundfunkpolitik nach 1945. Erster Teil. München:dtv; 1980.
Brecht, Bertold. In: KUNST UND MEDIEN. Hrsg.; Staatliche Kunsthalle Berlin. Berlin: Publica Verlagsgesellschaft mbH, 1984.
Bredow, Hans. Im Banne der ätherwellen. Band 2, Stuttgart, 1956 (Autobiographie Bredows und Insider-Darstellung der Frühentwicklung des Hörfunks).
Dahl, Peter. Radio - Sozialgeschichte des Rundfunks für Sender und Empfänger. Renbeck, 1983.
Diller, Ansgar. Rundfunk in Deutschland. Band 2: Rundfunkpolitik im Dritten Reich. München: dtv, 1980.
Faulstich, Werner. (Hrsg.) Kritische Stichwörter zur Medienwissenschaft. München: Wilhelm FINK Verlag, 1979.
Grieger, Karlheinz. Ich möcht´ einmal am Sender stehen. In: Multi - Media?! Leben und Arbeiten in der Mediengesellschaft. DGB-Schwerpunktthema 95/96. Hrsg.: DGB Bundesvorstand; Sekretariat Gewerkschaftliche Bildung. Hannover: Buchdruckwerkstätten GmbH; 1995.
Günther, Hanns. Der praktische Radio Amateur. Radiosport Broadcasting. Stuttgart: Franckh´sche Verlagshandlung; 1923. Hier: Reprint, Köln: Wilhelm Herbst Verlag, 1989.
Hadmczik, Michael. In: Frequenzbesetzer - Arbeitsbuch für ein anderes Radio. Reinbeck: Rowohlt Taschenbuch Verlag, 1983.
Hippe, Wolfgan; Potting, Christoph; Scholze, Christian .(Network Medien-Cooperative Frankfurt); Busch, Christoph; Hadmczik, Michael. (Freundeskreis Freie Radios Münster). In: Frequenzbesetzer - Arbeitsbuch für ein anderes Radio. Reinbeck: Rowohlt Taschenbuch Verlag, 1983.
Kleinsteuber, Hans J. Rundfunkpolitik. Der Kampf um die Macht über Hörfunk und Fernsehen. Opladen: Leske Verlag + Budrich GmbH, 1982.
Mühsam, Erich. In: Arbeiterfunk vom 26. Feb. 1928.
Ratzke, Dietrich. (Hrsg.). Die Bildschirmzeitung. Berlin, 1977 (Sammelband mit Beiträgen zur Auseinandersetzung neuer Funktechnologien).
Sarkowicz, Hans. (Hrsg.)
Der Kampf um die Ätherwellen. Feindpropaganda im Zweiten Weltkrieg.
Frankfurt a. M.: Eichborn Verlag, 1990.
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