Bahnstraße
Die Bahnstraße ist die Verbindung
Holtens zum Bahnhof.
1856 wurde die Bahnlinie gebaut.
Vorher verband "der lange Weg", wie die
Straße zuvor hieß, Holten mit der Straße von Dinslaken
nach Essen, der heutigen Weseler-Emmericher Straße.
Bis zum Drostenkamp hieß die Straße
Steinweg, vermutlich weil sie hier gepflastert war.
Holten und damit auch die Bahnstraße
waren um das Jahr 1800 noch sehr abgelegen.
In einer alten Aufstellung wurde festgehalten,
dass während eines ganzen Jahres 17 Wagen, 17 Kühe, 12 Kälber
und drei Schweine die Straße passierten.
Bruchsteg
und Bruchstraße
Der Name erinnert an die ursprüngliche
Landschaft.
Unser Heimatgebiet ist eine Stufenlandschaft.
Vom Rhein aus steigt das Land in drei Stufen auf. Holten liegt auf der
untersten Terrasse am Fuße der Mittelterrasse. Unter dem ganzen Gebiet
liegt eine wasserundurchlässige Tonschicht. Wasser konnte also nicht
versickern und floss in vielen Bächen zum Rhein hin. Auf der unteren
Terrasse, die wenig Gefälle hat, staute sich das Wasser. So entstanden
hier viele Bruchgebiete mit Sümpfen und Mooren.
Eines der größten war das Holtener
Bruch, eine Sumpf- und Graslandschaft mir vielen kleinen Wasserläufen,
ohne Weg und Steg bis auf einen Fußpfad.
Hier gründete Engelbert II 1310 Holten zum Schutz der Landesgrenze. Doch in dieser abgelegenen Bruchlandschaft konnten die Menschen kaum ihr Auskommen finden. Daher schenkte er schon 1314 den Holtener Bürgern das Holtener Bruch als Stadtweide. So konnten die Holtener jahrhundertelang ihr Vieh dort kostenlos weiden und die meterdicken Torfschichten als Brennmaterial nutzen.
Das Holtener Bruch war jedoch jedes Jahr überschwemmt. Erst durch den Bau des Emscherkanals 1909 trocknete das Land aus.
1910 wurde ein großer Teil des Geländes verkauft. Da die frühere Stadtweide allen Bürgern gehörte, bekamen alle 157 berechtigten Bürger 2000 Goldmark Entschädigung. Mit dem Bau der Ruhrchemie kam die Industrie nach Holten. Auch heute ist dieses Gebiet noch Werksgelände.
Bunsenstraße
Die Straße wurde nach dem Chemiker
Robert Bunsen (1811 bis 1899) benannt.
Er war ein bedeutender Naturforscher des
19. Jahrhunderts
Die Bunsenstraße hieß ursprünglich Ziegelstraße. Aus Lehm und Ton, die an dieser Stelle zu finden waren, wurden Ziegel für den Bau von Häusern und Mauern in Holten gebrannt.
Dinslakener
Straße
Die Straße ist benannt nach der
alten Wegeverbindung , die über Wehofen durch das Bruch nach Dinslaken
führte.
Dinslaken ist ebenso wie Holten ein sehr
alter Ort, der auch zum Schutz der Landesgrenze des Herzogtum Kleve gegründet
wurde.
Drostenkampstraße
Holten gehörte zum Herzogtum Kleve.
Ein Amtmann oder "Droste" verwaltete das Gebiet.
Er sorgte für die Sicherung der Grenze,
regelte alle Angelegenheiten in Holten und hatte die Aufsicht über
die Wälder und das Wild. Er übernahm auch oft die Aufgaben eines
Richters.
Der Drostenkamp (Kamp = Feld) lag als
gutes Ackerland zwischen der heutigen Drostenkampstraße und
der Bahnstraße. Der Droste durfte dieses Land nutzen.
Elisenstraße
Sie hat ihren Namen vom Elsenbruch (siehe
auch Elsenbruch), zu dem sie führt. Früher verlief hier der Stadtgraben
an der Ostseite der alten Stadt Holten.
Elsenbruch
Das Elsenbruch ist das Gelände nördlich
von Holten und umfasst alle Wiesen und Äcker bei der Schule und dem
Kastell.
Es trägt seinen Namen von den Elsen,
wie man früher die Erlen nannte, die hier sehr zahlreich waren.
(Was eine Bruchlandschaft ist, erfährst
du unter Bruchsteg oder Bruchstraße.)
Das Elsenbruch war in alter Zeit sehr oft überschwemmt. Wenn die untere Holtener Kornmühle das Wasser zu hoch anstaute, trat der Stadtgraben über seine Ufer und setze das Elsenbruch unter Wasser.
Flugstraße
Bevor ein großer Teil des Holtener
Bruchs ( siehe hierzu auch Bruchsteg /Bruchstraße) Industriegelände
wurde, diente es einem anderen Zweck. Hier befand sich der älteste
Flughafen Westdeutschlands.
1909 gründeten Segelflieger einen
Verein. Mit dem 1. Weltkrieg (1914 - 1918) ging die Fliegerei zu Ende und
der Flugplatz wurde zum Werksgelände der Ruhrchemie.
Graf-von-der-Mark-Straße
Der Straßenname weist auf die Grafen
von der Mark hin.
Graf Eberhard II. von der Mark (1277 -
1308) wollte seinen Besitz gerne erweitern.
Sein Sohn Engelbert heiratete die Enkelin
der Mechthild von Holte.
Dadurch gelangte das Ländchen Holten
an die Grafen von der Mark.
1307 ließ Engelbert die Burg bauen.
Er gründete die Holtener Schützengilde (1308)
und verlieh der nun befestigten Stadt
1310 die Stadtrechte.
1319 errichtete er Holtens älteste
Kirche, die heute der evangelischen Gemeinde gehört.
Graßhofstraße
Sie ist die Verlängerung der Drostenkampstraße
und verbindet die Bahnstraße mit der Emmericher Straße.
Ihren Namen hat sie nach dem Graßhof
erhalten, einem sehr alten und wichtigen Hof.
Gustav-Adolf-Straße
Sie wurde benannt nach dem Schwedenkönig
Gustav Adolf II., der im 30jährigen Krieg für die Sache
der Protestanten kämpfte.
Hermannstraße
Schon 1794 stand hier ein kleines, einfaches
Haus, eine Kate. Der Tagelöhner Gerhard Tenter hatte sie erbaut. Nach
seinem Enkel Hermann Tenter, dem sie später gehörte, ist diese
Straße benannt. Damals nannte man sich unter Nachbarn nur mit dem
Vornamen, deshalb hieß der Weg zur Kate Hermannsweg, woraus dann
später Hermannstraße wurde.
Holtener
Marktplatz
Der Marktplatz Holtens ist erst nach dem
2. Weltkrieg, also nach 1945, in der heutigen Form ausgebaut worden.
Früher war er eine große Wiesenfläche,
auf der der Schweinemarkt und die Kirmes abgehalten wurden.
Der Platz lag außerhalb der Stadtmauern
vor dem ehemaligen Waldtor, das sich am Anfang der heutigen Kastellstraße
befand.
Holzstraße
Sie führt durch ein Gelände,
das früher stark bewaldet war.
Sie verbindet heute die Bahnstraße
mit dem Industriegelände an der Weißensteinstraße.
Dort grenzte früher der Waldteich
an das Holtener Bruch. Man staute dort das Wasser, um es für die beiden
Holtener Kornmühlen zu nutzen.
Kastellstraße
Die Kastellstraße führte gerade
auf die Burg zu. Sie war die längste Straße der alten Stadt
Holten und wurde daher auch "Lange Straße genannt. Früher lag
um die alte evangelische Kirche herum ein Friedhof, der aber vor mehr als
150 Jahren eingeebnet wurde.
Krumme Straße
Sie trägt ihren Namen wegen ihres
"krummen" Verlaufs. Ursprünglich hieß sie Bellweyerstraße.
Mit Belle ist die Pappel gemeint. Mit Pappeln war dort der Rand des Stadtgrabens
bepflanzt.
Küperstraße
Der Küper oder Küpper stellte
Holzbottiche her, in denen die Farben zum Wollfärben gekocht wurden.
Später wurden die Färber selbst Küper genannt.
Die Küperstraße ist nach der
Küperkate benannt. Es muss wohl das Haus eines Färbers gewesen
sein. Der Familienname Küper ist in Holten schon seit Jahrhunderten
vertreten.
Kurfürstenstraße
Die Kurfürsten (küren = wählen)
wählten vom 13. Jahrhundert an den König.
Die Kurfürstenstraße wurde
zu Ehren des großen Kurfürsten von Preußen so benannt.
Sie verbindet Holten mit Biefang und hieß
früher auch Leich -oder Notweg. Hier wurden nämlich die Toten
von Biefang nach Holten gebracht, weil Biefang keinen Friedhof besaß.
Auch die Kinder von Biefang benutzen die
Straße bis 1753 als Weg zur Holtener Schule. Ein weiter Weg!
Langenbergstraße
Von dort aus gesehen steigt das Holtener
Loh als langer Geländestreifen nur wenig auf und erweckt so den Eindruck
eines langen Berges.
Lohfeldstraße
Das Holtener Loh ist ein Höhenzug
von sehr geringer Höhe. Ursprünglich war es bewaldet. Es reicht
von der Drostenkampstraße bis zur Emmericher Straße. Wegen
seines guten Bodens wurde das Gebiet schon in frühester Zeit für
den Ackerbau gerodet.
Lützowstraße
Die Straße wurde nach dem preußischen
Reitergeneral Freiherr von Lützow benannt, der 1813/14 mit seinen
Soldaten in Holten einquartiert war. Entlang
der Lützowstraße, früher Leyweg genannt, verlief ein Bach.
Sein Wasser wurde aufgestaut und für die Holtener Kornmühlen
genutzt.
Mattlerstraße
Nach ihrer Heirat mit dem Burggrafen von
Köln ließ Mechthildis von Holte ihren Holtener Besitz von Burgmannen
und einem Burggrafen verwalten. Sie sollten in der Burg wohnen und sie
verteidigen. Dafür erhielten sie auch eine Besoldung (Lohn) und ein
Stück Land, um sich einen Hof zu bauen. Solch ein Hof war der Mattlerhof,
der heute zum Revierpark Mattlerbusch gehört. Nach diesem Hof ist
die Straße benannt.
Mechthildisstraße
Sie ist benannt nach Mechthild, Edelherrin
von Holten. Sie hatte die Holtener Besitzungen geerbt. Ihre Enkelin, die
auch Mechthild hieß, heiratete Graf Engelbert von der Mark, der die
Stadt Holten gründete. Mechthild die Ältere war eine sehr fromme
Frau und bekannt für ihre Wohltaten. Sie hat viel für die Kirche
getan. An sie erinnert der Brauch, abends um 9 Uhr die Kirchenglocken
zu läuten. Man hat sich früher erzählt, dass sich Mechthild
einstmals im dichten Neben im Holtener Bruch verirrt habe. Durch das Abendläuten
der Holtener Kirchglocken habe sie den Weg zurück gefunden. Das kann
aber nicht sein, denn die Holtener Kirche wurde erst nach ihrem Tod gebaut.
Mittelstraße
Sie verbindet in der Mitte der alten Stadt
Kastell- und Krumme Straße. Sie wurde früher auch Klosterstraße
genannt, obwohl es in Holten kein Kloster gab. Die Äbtissin des Sterkrader
Klosters war mit ihren Klosterfrauen 1583 während eines Krieges
von Sterkrade nach Holten geflohen. Sie lebten bis 1623 in einem Turm der
Stadtbefestigung, der sich dort befand, wo heute die katholische Kirche
steht.
Robert-Bosch-Straße
Der Name hat mit der Holtener Stadtgeschichte
nichts zu tun. Benannt wurde die Straße nach dem Industriellen Robert
Bosch. Seine Produkte spielten eine große Rolle für die Entwicklung
des modernen Kraftwagens.
Roggenstraße
Sie trägt ihren Namen nach dem "Roggenkamp",
zu dem sie hinführte. (Kamp = Feld). Das Land dort war als Ackerland
für Roggen und Gerste geeignet, stand aber häufig unter Wasser.
Schulstraße
Seit 1615 besaß die Stadt Holten
eine Schule. Die Schule lag bis 1843 beim Pastorat, wo heute der evangelische
Kindergarten steht. Danach siedelte sie in das Kastell über, das sie
sich mit der katholischen Schule teilte.
Siegesstraße
Im 1. Weltkrieg wurde sie so nach
den ersten Siegen genannt. Früher trug sie den Namen Hirschackerstraße,
nach dem ältesten Getreide, der Hirse, das hier wohl angebaut wurde.
Vennstraße
Die Vennstraße führte am ehemaligen
Vennbach entlang, der neben anderen kleinen Bäche das
Holtener Bruch entwässerte. Der Bach kam aus dem Teil des Bruches,
der Venn oder auch Veen genannt wurde, einem Moorgebiet. Die Vennstraße
hieß in alter Zeit auch "Vullichtsteg" oder "Fulksteg". Fullek bedeutet
Aas. An dieser abgelegenen Stelle außerhalb der Stadt wurde vermutlich
totes Vieh in Gruben verscharrt.
Wasserstraße
Wegen des sumpfigen Bodens führte
hier die Stadtmauer dicht an der Straße entlang, so dass nur eine
Seite der Straße bebaut werden konnte. Als später (1780) die
Stadtmauern beseitigt wurden, konnte man hier direkt an den Stadtgraben
heran. Deshalb wurde dort ein allgemeiner Waschplatz eingerichtet, wo die
Frauen ihre Wäsche waschen, klopfen und spülen konnten.
Weseler
Straße
Sie wurde nach der Stadt am Niederrhein
benannt. Vor 200 Jahren war diese Straße nur ein schlechter Fahrweg.
Er führte damals durch unbebautes Heidegebiet und war ein Teil der
Landstraße
von Dinslaken nach Essen. Erst später
wurde der Weg als Poststraße besser ausgebaut.
Quellen:
Karl Lange, Vom Hiesfelder Wald zum Mattlerbusch,
Heft Nr. 7 der Reihe "Jahreshefte
des Vereins für Verkehr und Heimatkunde Oberhausen-Nord e.V. "
Wilhelm Seipp, Oberhausener Heimatbuch, herausgegeben von der Stadt Oberhausen 1964