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Über Phaidon und mich

... und warum ich mich ausgerechnet nach ihm benannt habe


 

Nein, ich erzähle hier keine Details über irgendwelche eigenen Kindheitserlebnisse. Das tue ich nur selten und nur bei sehr wenigen Menschen. Wir sollten alle sehr darauf aufpassen, ob wir alle Details unseres Lebens immer in die Öffentlichkeit tragen müssen. – Meine Schmerzen sind in der Meute nicht gut aufgehoben.

 

 

  Nur so viel zu mir: Ich bin biologisch betrachtet ein Mann – das muss ich beim Thema »Sexueller Missbrauch« leider immer noch extra dazusagen, weil viele Menschen weiterhin darauf fixiert sind, dass ausschließlich Mädchen Opfer sexueller Gewalt sind und nur Frauen sich damit auseinander setzen. Ich erinnere mich nur an eine konkrete weibliche Täterin – und diverse Frauen, die mir als Kind irgendwie nachstellten, weil sie offenbar kein Bewusstsein dafür hatten, dass Jungen verletzbar sind wie jeder andere Mensch auch.

Die Front der sexuellen Gewalt gegen Kinder verläuft meiner Meinung nach nicht zwischen Männern und Mädchen, sondern ganz allgemein zwischen Erwachsenen und Kindern. Was mich bis heute verletzt ist die Ignoranz gegen männliche Opfer und die gesellschaftliche Toleranz für weibliche Täterinnen. Gerade als Betroffener erlebe ich da immer wieder Menschen verachtende Ansichten anderer Leute.
 

 

  Phaidon lebte im 5. und 4. Jahrhundert v. Chr. Er war ein griechischer Philosoph, von dessen Werk nichts überliefert ist, und der sein Leben als Sklave begann, bis Sokrates ihn befreite. Phaidon wurde einer seiner geschätztesten Schüler und soll auch bei Sokrates’ Tod zugegen gewesen sein. Platon benannte seinen Dialog über die Unsterblichkeit nach Phaidon.

Bewusst war die Entscheidung, mich »Phaidon« zu nennen, nicht. Aber ich glaube, dieser Aufstieg aus der Sklaverei in die Unsterblichkeit, die Freiheit des Denkens, die er wohl schon als Sklave genoss, und diese Mischung aus Unsterblichkeit und Anonymität – denn wir kennen ja seine verschollenen Schriften nicht – all das hat mich fasziniert, und ich habe mich darin wiedergefunden. Wenn auch mehr als erträumtes Ideal denn als Realität.
 

 

  Der griechische Buchstabe ›Phi‹, mit dem Phaidons Name beginnt, erinnert mich an einen stilisierten Baum oder an eine Knospe auf ihrem Weg, eines Tages eine Blüte zu sein. Ein schwungvoller, sehr harmonischer Buchstabe.  

 

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Letzte Änderungen: 06.07.2005
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