Morgen geht's auf die Turmspitze



Wie lange genau er schon beim Turmblasen mitmacht, kann Stefan Wilke nicht mehr sagen. "Das müssen so um die 15 Jah¬re sein", sagt er. Schon während der Adventszeit freut er sich auf das ganz besondere Konzert, das er an Heiligabend mit sechs bis acht seiner Kollegen aus dem Posaunenchor Stadt vom Turm der Stadtkirche aus geben wird. "Das Spannendste für uns ist das Hochklettern", sagt der Posaunist. "Erst geht es über eine Treppe bis zur Empore, danach kommt ein Gewölbegang zu den Glocken. Über die Glocken bringt uns dann noch eine Metallleiter, danach geht es über uralte Holztreppen bis ganz nach oben", erzählt Wilke. "Da oben sind teilweise noch die Signaturen von Handwerkern, die sich dort im 18. Jahrhundert verewigt haben." An so einen Ort kommt man natürlich nicht oft, ein guter Grund dafür, dass Stefan Wilke dem Turmblasen treu geblieben ist. Oben angekommen, haben die Musiker nur etwa eine halbe Stunde Zeit, um die Zuhörer und Kirchgänger mit ihrer Musik zu erfreuen. Traditionell spielen sie zwischen den beiden Nachmittagsgottesdiensten auf dem Turm und gehen dann sofort in den Gottesdienst um 16.30 Uhr, wo der gesamte Posaunenchor spielt. Spätestens um 16.15 Uhr müssen die Musiker wieder von der Turmspitze aufbrechen und hinunter klettern. "Wir müssen unten sein, bevor die Glocken läuten", sagt Wilke und erzählt: "Einmal haben wir es nicht rechtzeitig geschafft, da sind drei von uns oben geblieben und haben das Eröffnungsstück im Gottesdienst verpasst." Denn zwischen den Glocken herunter zu klettern, während diese schwingen, wäre lebensgefährlich. Trotzdem genießt Stefan Wilke das Konzert jedes Mal. Die Musiker spielen klassische Weihnachtsstücke wie "Leise rieselt der Schnee" und "Ihr Kinderlein kommet". Die Kirchgänger hören diese Klänge auf dem Weg zum Gottesdienst. "Mir macht es einfach Spaß, den Leuten an Weihnachten Freude zu bringen."