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2 'Unglaublich, was hier alles so am Wegesrand herumliegt!' Zogars' scharfe Augen hatten entdeckt, was mir eine merkwürdige Vorahnung schon seit Stunden bestätigen wollte. Im Gras neben dem Weg hatten wir wir nur einen Affensatz von Tidford entfernt gerade eine abgebrochene Dolchspitze entdeckt, und noch etwas viel Interessanteres: einen kupfernen Kettenanhänger in Form einer Scheibe, fast einen Finger im Durchmesser; vorne war darauf eine eingeritzte Eule zu erkennen, auf der Rückseite ein stilisierts Ohr. Fragend blickten wir uns an: Was, bei meinen Ahnen und Urahnen, hatte dies schon wieder zu sagen? Das ungute Gefühl, welches mich schon im Vorhinein beschlichen hatte, verstärkte sich nun. Irgendwie haben so scheinbar unwichtige Dinge schon öfter ihre Schatten länger vorausgeworfen, als es mir lieb war, und ich hatte das Gefühl,diesmal solle es nicht anders sein... Abrupt wurde ich durch ein lautes Knurren von Zogar wieder aus meinen Grübeleien gerissen: 'Eh, ich hab'n Bärenhunger, könnt'n ganzes Faß Bier leersaufen, wenn man mich ließe, und Tidford liegt fast vor unserer Nase.' Sulvahir murmelte etwas, was sich wie eine Zustimmung anhörte, und wir machten uns daran, die letzten Schritte des Weges zur Stadt im Tuarisc zurückzulegen. Bald erreichten wir die Stadtmauer, wo wir von Bütteln angehalten wurden. Sie fragten uns doch tatsächlich, ob wir etwas zu verzollen hätten. Wir und Geld, hihi, sowas Lustiges habe ich schon lang' nicht mehr gehört. Wir wollten auch gerade allesamt in schallendes Gelächter ausbrechen, als wir plötzlich eine kecke Jungenstimme vernahmen:'Heda Ihr, braucht ihr'n Stadtführer?' Erstaunt drehte ich mich um und wurde eines ziemlich zerlumpten, vielleicht 12-jährigen Jungen gewahr, der unglaublich schmutzig aus- sah und uns frech angrinste. Er gefiel mir, Zogar scheinbar auch, denn nach kurzem Blickkontakt mit uns brummte er ein 'Naja, warum nicht, wieviel verlangst du denn?''Von Euch gar nichts', lautete die prompte Antwort. Hm, was hatte das denn schon wieder zu sagen? Ein Junge, der uns freiwillig durch die Stadt führen will und kein Geldverlangt-sehr merkwürdig. Naja, gefährlich sah er nun nicht ge- rade aus, also sagten wir zu. Ich beschloß aber insgeheim, ihn im Auge zu behalten, bis wir mehr über ihn wußten. Die Frage nach einem passenden Gasthaus war schnell geklärt, Garan (so hieß der Junge) führte uns ins 'Rose & Dorn', einer gemütlichen Stube auf der Hauptinsel. Unterwegs wurde mir wieder bewußt, daß wir nach langer Reise durch Höhlen, endlose Steppen und schneebedeckten Hügeln wieder in einer Stadt waren - es stank einfach erbärmlich. Da wir alle drei von unserer Reise recht ermüdet waren, gingen wir, nachdem wir noch die recht merkwürdigen Töchter des Wirtes kennengelernt hatten, auch schnell zu Bett.

Der nächste Tag brachte neben etwas Sonnenschein einige Einkäufe mit sich, die erledigt werden wollten. Bei mir lag vor allem die Anfertigung einer neuen Rüstung an, da die Letzte auf der Reise von Llansilin hierher ziemlich gelitten hatte. Garan war dafür genau der richtige Ansprechpartner, nicht nur, daß er mich zu dem günstigstem Rüstungsbauer am Ort führte, sondern diesen auch noch um fast die Hälfte des Preises herunterhandelte. Auch Zogar und der Magier erstanden bei dieser Gelegenheit günstig einige Dinge, mit denen wir frohgemut zur Herberge zurückkehrten. Nach einem ausgiebigen Mittagessen führte uns Garan dann zu Marbod, seinem 'Großvater', einem sehr alten, aber dennoch recht würdevoll wirkendem Manne, welchem wir schon bald unser gefundenes Amulett zeigten und erklärten, wie wir daran gekommen seien. Marbod war plötzlich sehr bestürzt, wollte uns aber trotz eindringlichen Bittens nicht sagen, wer dieser verschwundene Besitzer wohl gewesen sei. Wir verabschiedeten uns bald wieder. Auf dem Rückweg wurden wir auf einige übel aussehende Typen aufmerksam, die scheinbar schon länger hinter uns herlungerten. Wir versuchten sie zu ignorieren und zogen noch neugierig in der Stadt umher, bis der Abend dämmerte.

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latex2html -split 0 -no_images -nolatex Garan.

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