Wie alles begann

Nun, da ich endlich Muße und auch einen entsprechenden Ort gefunden habe, die Kunst des Lesens und Schreibens zu erlernen, hat mein alter Freund und Weggefährte Zogar den Entschluß gefaßt, die Ereignisse, welche uns auf dem langen Weg, den wir nun schon hinter uns haben, schriftlich niederzulegen. Und auch wenn ich mich noch im Umgang mit Tinte und Feder etwas schwer tue, konnte ich doch der Versuchung nicht wiederstehen, ihm dabei nach Möglichkeit zu unterstützen, zeigt doch die jüngste Vergangenheit, daß unsere Bekanntschaften in den Nebelbergen noch längst nicht der Vergessenheit anheim fallen sollten. So sitze ich hier also in meiner recht gemütlichen Turmstube auf Burg Conuilhmir, und versuche, die Ereignisse aus jenen denkwürdigen Tagen wieder ins Leben zu rufen.

Es begann alles mit meiner Verbannung aus meinem Heimatdorf Apfrtl'tl auf der Insel Pfrtlpmpf, welche hier Vulkaninsel geheißen wird. Nach meiner langen Seereise war ich damals in der Hoffnung, hier eine neue Bleibe zu finden in Corinnis angekommen, wo ich aber schon nach kurzer Zeit mehr als genug von so vielen ungesund aussehenden Menschen auf einem Knäuel Land hatte, auf den es noch nicht einmal ein Stückchen Urwald gab. Eine unglaubliche Vorstellung, daß Menschen unter solchen Zuständen miteinander leben können, wahrlich. Die Suche nach Raxtimngul hatte ich schon bald nach meiner Ankunft in der großen Stadt aufgegeben, und so nahm ich den erstbesten Handelszug, welcher mich noch weiter in die Kälte und Unwirtlichkeit der Nordlande führte. Es mag nach einigen Tagen Reise gewesen sein, als wir in einem wahrscheinlich für die hiesigen Menschen gemütlichen Gasthaus einkehrten, wo der Pfad für mein weiteres Schicksal so grundlegend geschlagen werden sollte. In der Gaststube fand sich eine hellhäutige, junge Frau mit gelblich-weißen Haaren, blond, wie sie hier sagen, welche unter den Gästen von jenem berauschendem Getränke verteilte, daß die Eingeborenen hier 'Bier' nennen. Ihr Blick entfachte im Nu ein Feuer in meinen Lenden, welches, so nahm ich mir vor, bei entsprechender Gelegenheit einer dringenden Löschung bedürfe. Inzwischen hatten sich weitere Reisende im Gasthaus eingefunden, namentlich Mundir, ein etwas dicklich geratener Magier aus Alba, Unglar, ein barbarischer Krieger aus den nördlichen Steppen, wie er sagte, Magicor egoistor, eine düstere Gestalt aus dem Süden des Lan- des und schließlich Thalion, ein beeindruckender älterer Mann, der scheinbar aus dieser Gegend stammte. Bald schon hatten wir mitein- ander angestoßen, und das Gespräch drehte sich mehr und mehr um einen besonderen Ring, den Thalion in den Orchöhlen der Nebelberge vermutete und unbedingt zu erlangen trachtete. Unwillkürlich mußte ich bei diesen Worten erschauern: Nebelberge, dies klang so düster und unfreundlich, wollte ich da wirklich hin? Von Orcs wußte ich bis dato nur, daß es sich bei ihnen um häßliche, haarige, ständig grunzende Zeitgenossen handeln sollte, welche den Kräften des Chaos dienen. Aber Thalion redete und redete und versprach uns reiche Belohnung, und so willigten wir schließlich ein.

Leider geschah der Aufbruch dann viel zu schnell, daß mir nicht mehr die Zeit blieb, mich noch dem weißhäutigen Mädchen zu widmen. An die Reise, welche nun folgte, kann ich mich kaum noch erinnern, ich habe bei dem Gedanken daran nur eine dunkle Erinnerung daran, wie die 'verschleierten Riesen', wie ich die Nebelberge später einmal benannte, mit jedem Tage näher und näher rückten, und wir endlich die ersten Ausläufer erreichten. Die erste Nacht brachte uns direkt einen Ueberfall von einem Rudel dieser häßlichen, herumstreunenden Wölfe, deren Geheul uns schon seit Tagen verfolgte. Ihre haßerfüllten roten Augen habe ich bis heute nicht vergessen. Gar nicht so sehr viel später entdeckten wir auch schon einen Zugang zu den Orchöhlen, genaugenommen eher eine Felsspalte. Vorsichtig schlüpften wir hindurch und fanden uns von vollkommener Düsternis umhüllt. Thalion entzündete eine Fackel, und wir erkannten die Umrisse einer kleinen Höhle, an der sich ein dunkler Gang an- schloß. Nach kurzem Ueberlegen befanden wir es für richtig, dem Gang zu folgen. Thalion schritt voran, die hell brennende Fackel in der Hand. Wir folgten ihm durch den sich nach rechts und links, oben und unten windenden Gang, immer darauf bedacht, nicht noch mehr Geräusche zu verursachen als ohnehin schon durch unser Dahinstolpern entstanden. Mit einemal machte Thalion halt, und Unglar, welcher direkt hinter ihm gegangen war hatte Mühe, nicht hinten aufzulaufen. Als wir näher hinschauten, was Thalion's Weg so plötzlich gestoppt hatte, erkannten wir in der Finsternis vor uns eine tiefe Schlucht.

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latex2html -split 0 -no_images -nolatex Nebelberge.tex.

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