[spieler8]

Die Entdeckung der Zwergenbinge

'Unglaublich, wir haben tatsächlich die Zwergenbinge gefunden. Und es muffelt noch genauso wie in den Orkhöhlen.' So ähnlich müssen Lyranijas Worte wohl geklungen haben, welche Zogar nur mit einem undefinierbaren Knurren kommentierte, welches irgendwo aus den Tiefen seines Bartwaldes, ungefähr dort, wo ich seinen Mund vermute, herauskam. Aber ich will nicht unken: Schließlich hatten wir ja Dank Zogar's heroischen Einsatzes in einer verlassenen Orkhöhle diesen von einem unseligen Geist belebten Knochenhaufen ein Ende bereiten können. Dieser Geist war es auch gewesen, der ihm mit einem schweren Hieb das Bein so übel zugerichtet hatte. Bei den Geistern meiner Ahnen, Urahnen und Ururahnen, ich wüßte wahrhaftig nicht, ob wir ohne ihn so weit gekommen wären! Aber zurück zu den Geschehnissen:

Inzwischen waren wir auf einen großen Quergang getroffen, der mit Reliefresten zwergischer Machart bedeckt war. An einigen Stellen war die Wand mit übermannsgroßen Rußflecken bedeckt, was unserer Ansicht nach nur von der letzten und entscheidenden Schlacht der Zwerge gegen die einfallenden Dämonenhorden stammen konnte, von der uns Zogar einiges erzählt hatte. 'Hier stinkt's!' war momentan alles, was Lyranija dazu einfiel, und schon war sie nach links verschwunden. Da sie nun die einzige Laterne bei sich trug, blieb uns nichts anderes übrig, als ihr zu folgen. Bald schon machte der Gang eine scharfe Biegung nach rechts, und wir fanden uns vor einem großen, doppelflügeligen Portal wieder. Während wir noch berat- schlagten, wir nun vorzugehen sei, drückte Lyranija dem etwas verdutzt dreinschauenden Zogar die Laterne in die Hand und öffnete ein Portal. Helles Tageslicht flutete in den Gang hinein und blendete unsere Augen, und für eine geraume Weile konnten wir fast gar nichts mehr erkennen. Dann gewöhnten sich unsere Augen an das Licht und wir erkannten einen großen Raum,der uns Dank der fehlenden linken Wand einen guten Ausblick auf die in einen dichten Nebel- schleier liegenden Riesen der Erde hatten. Im Raum erblickten wir einen viel zu großen Stuhl, davor auf dem Boden viel zu viel Gold, als das es hätte keine Vision sein können, und daneben -Ups, eine viel zu große Echse, aus deren Nüstern feine Rauchschwaden auf- stiegen. Sie schien offenbar zu schlafen. Gerade als Zogar dazu ansetzte, mir zu erklären, daß es sich bei dem Raum um einen zwerg- ischen Thronsaal und bei der Echse um einen Drachen handeln mußte, schlug Lyranija die Türe wieder zu.

Die Feuerechse

Schlug! Zogar, welcher wie Dvarhelm und ich ebenso erzürnt wie erschüttert über das leichtsinnige Vorgehen der Elfe war, wurde kurzerhand von Dvarhelm und mir untergeklemmt, und wir rannten los, denn nichts lag näher, als das diese Riesenechse nun aufwachen und sich auf seine Weise mit den Störenfrieden auseinandersetzen würde. Ich flehte inständig zum Geiste meines verstorbenen Meisters, daß dieses Monstrum uns verschonen würde, und daß jemand dieser Elfe doch endlich einmal ein wenig Verstand abgeben würde, zum Pfrtldgnpf'dljojoj' nochmal! Aber mit dem Geschehenen war es noch nicht genug. Lyranija schien nun ein zweites Mal das Portal ge- öffnet zu haben, denn sofort war ein mächtiger Feuerhauch, welcher fast den ganzen Gang erhellte zu erkennen, und ein lauter Schrei von Lyranija war zu vernehmen. Kurz darauf roch es jedenfalls verdächtig nach gebratener Elfe. Ich habe zwar immer die Ansicht vertreten, meinen Freunden mit all' meiner Kraft in der Not beizu- stehen, aber dies schloß Lebensmüde und Wahnsinnige nicht mit ein. Die Anderen schienen dies ähnlich zu sehen, jedenfalls flüchteten wir weiter. Dann stießen wir unvermittelt auf ein weiteres, steiner- nes Portal, als plötzlich ein unglaublich heftiger Schlag den ganzen Stollen erzittern ließ. Das konnte nur der Drache sein, und uns wur- de ziemlich mulmig zumute. Ein weiterer Schlag ließ den Gang erzittern; Dvarhelm und ich versuchten nun mit unserer ganzen Kraft das steinerne Tor zu öffnen, was uns aber nicht gelingen wollte. Oh, ihr Geister, steht uns bei, ich möchte nicht als gebratener Pavian enden! Wieder klemmten wir uns den Zwerg unter die Arme, und weiter ging unsere Flucht. Ein dritter Schlag und ein furchtbares Bersten waren zu hören, und schwere, schnelle Schritte ließen den Gang vibrieren, welcher nun wiederum hell von einem Feuerhauch erhellt wurde. Lyranija flüchtete in den nächstbesten schmalen Gang, und nun kam der Drache hinter uns her. Hartl'rtlgrmpff! Diese verfl... Elfe! Wir hatten fast den einen kleinen Durchschlupf am anderen Ende des Ganges erreicht, als wir von diesem viel zu groß geratenen Feuer- elementar angegriffen wurden. Zogar zwängte sich, so schnell es sei- ne Verletzung zuließ durch die Spalte, während Dvarhelm und ich ein- en Moment lang zu verbrennen glaubten, so gnadenlos heiß war das Drachenfeuer! Schnell kroch ich auch hindurch, aber Dvarhelm wurde nun von den furchtbaren Tatzen des Untiers attackiert, und hilflos mußten wir mitansehen, wie mit einem Hieb Dvarhelms' Kettenhemd fast völlig zerfetzt wurde. Aber endlich schaffte er es auch, den Durchschlupf zu passieren. Nun standen er schweratmend da, dunkles Blut mischte sich mit Schweiß und floß ihm über die verbrannten Arme. Von seiner Rüstung war nur noch ein trauriger Rest geblieben. Wie ein angehender König sah er nun beileibe nicht aus! Aber das scherte im Moment auch niemanden. Wir waren einfach nur unsagbar froh, der Echse entkommen zu sein. Nach einer kleinen Pause stell- ten wir dann fest,daß wir am Rande eines felsigen Abgrundes standen. Tief unter uns rauschte Wasser, und ein Stück neben uns fanden wir im Lichtschein der Laterne den Rest einer alten Steinbrücke -leider war das andere Ende von hier aus nicht zu erkennen. Dieser Weg schied also aus. Zurück konnten wir auch nicht, weil sich der Drache dort niedergelassen hatte. Hm! Ich faßte einen Entschluß. Im tiefen Vertrauen auf meine Kletterfähigkeit legte ich Querbär und den Ruck- sack ab und begann,ein Stück weit an der Felswand entlangzuklettern. Leider konnte ich keinen irgendwie abführenden Gang entdecken. Also kletterte ich zurück, und wir ließen uns in der Nähe des Schlupf- loches nieder, um erst einmal auszuruhen und unsere Wunden zu verbinden. In der Dunkelheit vor uns war immer noch ein leichtes Glimmen erkennbar, was wohl nur aus dem Maul der Feuerechse stammen konnte.

Lyranija's Tod

Die einzige Möglichkeit, welche uns nun noch geblieben war, bestand darin, daß Lyranija etwas unternahm, um das Untier von uns wegzu- locken. Und tatsächlich: Nach einer geraumen Weile setzte auf einmal ein leichtes Schaben ein, wie von Schuppen auf Fels, und das Glimmen wurde schwächer. Der Drache schien sich von uns wegzubewegen! Vorsichtig spähte ich, der als einziger bisher noch unverletzt geblieben war um die Ecke und bemerkte, das die Echse sich unendlich langsam immer weiter von uns entfernte. Außerdem konnte ich in der schwachen Glut des Drachenfeuers eine Gestalt im Gang erkennen- Lyranija! Obwohl sie uns in den ganzen Schlamassel hineingezogen hatte freute ich mich unbändig, daß sie noch lebte. Doch dann geschah etwas Entsetzliches: Urplötzlich gab der Drache einen mächtigen Feuerstoß von sich und sprang mit einem einzigen Satz auf die arme Elfe, welche dem Ansturm nicht ausweichen konnte und schwer zu Boden gerissen wurde. Ich begann, völlig die Kontrolle über mich zu verlieren, als meine freundschaftlichen Gefühle für die Elfe sich nun endlich Bahn brachen, und kroch in Windeseile durch den Durch- schlupf mit der Absicht, mich auf den Drachen zu stürzen - da erstarrte ich in der Bewegung. Ein lauter Schrei war zu vernehmen, dann ein lautes Bersten von Knochen, schließlich ein weiterer, fürchterlicher Schrei Lyranijas, welcher abrupt abbrach. Mir wurde kalt ums Herz, denn ich wußte instinktiv, daß dies Lyranijas Todes- schrei gewesen war. Aber der Schrei hatte noch etwas bewirkt; mein Geist wurde nun wieder klar, und ich registrierte endlich, daß ich gerade dabei war, allein, nur mit einer Stabkeule in der Hand einen riesigen, feuerspuckenden Schuppenberg angreifen wollte! Oh Gnade der Erkenntnis, kam sie doch keinen Augenblick zu früh, denn eben gerade drehte das Untier seinen kantigen Kopf in meine Richtung, und seine gelben Augen, in denen eine entsetzliche Boshaftigkeit schimmerte, blickten mich warnend an. Eiligst kroch ich durch das Loch zurück zu meinen verbliebenen Freunden, denen ich nun diese bittere Nachricht überbringen mußte: Lyranija war tot.

Warten und Hoffen

Nun könnte man ja einwenden, daß sie in gewisser Weise selbst ihren Tod zu verantworten hatte, aber trotzdem: Eigentlich hatten wir sie alle in der kurzen Zeit, die wir miteinander verbracht hatten recht liebgewonnen, und nun war sie jetzt schon in das Reich der Geister gegangen. Wer weiß, vielleict werden ich ihr dort irgendwann einmal begegnen?

Aber zurück zu den Geschehnissen: Wir saßen nun in der Falle. Der Drache konnte nicht zu uns hinein, wir aber auch nicht hinaus. Als wir noch so beieinander saßen und berieten, was nun zu tun sei, bemerkte ich tief unter uns im dahinstömenden Wasser etwas großes, Silbernes aufblitzen und hörte dann ganz schwach ein schabendes Geräusch, so, als würde eine Schuppe oder eine große Kralle über Stein schleifen. Hm! Unangenehme Geschichte, nicht auszudenken, was passieren würde, wenn dieses Etwas unserem doch recht eng geratenen Lagerplatz einen kleinen Besuch abstatten sollte. Also fasten wir den Beschluß, unseren Aufenthaltsort zu verlegen, auch mit dem Hintergedanken, daß nach einer gewissen Zeit die Feuerechse ihr Interesse an uns verloren haben könnte. Wiederum legt ich meine Ausrüstung ab, kletterte einige Meter parallel an der steil abfallenden Felswand entlang und fand auch bald eine passende Stelle zum Lagern. So befestigte ich dei Seile und kletterte zurück. Das nächste Problem bestand darin, wie wir Zogar dort hinauftransport- ieren konnten, der mit seinem gebrochenen Bein nicht weit kommen würde. Wir lösten dies, indem Elrohir ihn mir auf dem Rücken festband und er so huckepack mitkletterte. Oben angekommen beschlossen wir, ungefähr 2 Tage zu warten und zu rasten. Eine schier unendlich dauernde Zeit des Wartens begann. Einmal hörten wir wieder dieses kratzende Schaben auf dem Fels, welches sich langsam unserer Lagerstelle näherte, verharrte, und dann wieder in der Tiefe verschwand. Endlich fasten wir den Beschluß, daß es nun genug sei, und machten uns auf den Rückweg. Ich kletterte voran, und obwohl der Zwerg auf meinem Rücken eine nicht unbedeutende Last darstellte, gelangten wir wohlbehalten vor dem Schlupfloch an. Ich spähte hindurch. Aber außer durchdringender Dunkelheit konnte ich nichts erkennen, aber viel wichtiger, auch nichts riechen. Der Drache schien sich also entfernt zu haben! Ich krabbelte durch das Schlupfloch, und konnte meine Vermutung bald bestätigt sehen. Eilig krabbelte ich zurück und rief Elrohir. Dieser rutschte an der Felswand noch übel ab, konnte sich aber Dank der Seile abfangen und somit dem drohenden Absturz in die Tiefe entgehen. Bald hatten wir ihn hochgezogen, und damit waren wir endlich bereit, uns der weiteren Expedition zu widmen.

Die Erforschung der Zwergenbinge

Was uns nun als Dringlichstes interessierte, war es herauszufinden, wo sich die Insignien befanden. Also begann unser kleines Häuflein die Zwergenbinge systematisch zu erforschen. Dabei durchstöberten wir einige Räume, welche angefüllt waren mit halbzerfallendem zwergischen Mobiliar. Eine Etage tiefer entdeckten wir noch einen richtigen Schlaftrakt, und in einem der oberen Räume mußten wir uns mit einem riesigen Insekt und danach mit einem sehr lebhaften Vorhang auseinandersetzen, ebenso mit einer von Geistern besessenen Truhe. Aber neben diesen vielen Räumen fanden wir einen Ausgang, welcher zu rauschendem Wasser führte. Dort schien sich ein gröSerer Schatten in der Dunkelheit zu bewegen, wenn mir meine Augen keinen Streich spielten. Aber wir trauten der Feuerechse viele hinterlistigen Dinge zu, weshalb wir uns nun zuerst wieder dem Thronsaal zuwandten, um zumindest zu gucken, wo sie denn nun wirklich war. Dabei entdeckten wir einen weiteren Zugang zur Drachenkammer, nämlich über eine Art Brüstung. Von dort aus stellten wir auch fest, daß die Echse gerade anwesend war, aber tief und fest schlief.

Der Raub der ersten Insignien

Daraufhin fasten wir bald einen Plan: Dieser erschien uns ebenso einfach wie genial, wie die Albioni's zu sagen pflegen. Elrohir sollte ein Seil mit einfachem Knoten an der Brüstung festbinden, an dem ich mich herabhangeln sollte; dann würde ich nach Helm und Rüstung greifen und mich möglichst schnell und unauffällig durch die Hintertür davonstehlen, welche Zogar offenhielt. So geschah es dann auch. Ich kletterte vorsichtig am Seil hinunter, immer ein Auge auf den (hoffentlich ) schlafenden Drachen haltend. Am Boden angekommen schlich ich zu diesem 'Thron ' hin und griff ganz, ganz vorsichtig nach dem Helm. Uff! Das war geschafft. Doch dann passierte es. Beim Versuch, die Plattenrüstung anzuheben, rutschte mir ein Aermel weg, und klirrte leise gegen den Thron, leider nicht leise genug, denn in diesem Augenblick erwachte der Drache. Mit einer Bewegung riß ich die Rüstung an mich, rief laut nach Zogar und hechtete mit einem gewaltigen Sprung durch die von ihm geöffnete Türe hindurch. Ein fürchterlicher Laut ertönte aus der Kehle des Untiers, und ein weiteres Mal bekam ich das Feuer, diese furchtbarste Waffe der Drachen hautnah zu spüren, dann endlich war ich draußen, und Zogar schlug die Türe zu. Schnell sprang ich auf und lief mit den beiden Anderen noch 3 Türen weiter, bis wir uns einigermaßen in Sicherheit wähnten. Schweratmend ließen wir uns in einer Zwergenwohnkammer auf halbzerfallenen Stühlen nieder. Nachdem wir uns soweit wieder erholt hatten, überreichte ich dann Elrohir die Rüstung und setzte Zogar den Helm auf den Kopf, wobei ich mir vorkam, als würde ich zwei angehenden Herrschern ihre rechtmäßigen Insignien überreichen. Aber die Feierlichkeit des Augenblickes wurde bald schon durch ein unangenehmes Rumpsen, begleitet von einem Beben, welches die Wände erzittern ließ, unterbrochen. Als wir vorsichtig durch die letzte tür vor dem Thronsaal blickten, bemerkten wir den Drachenkopf, welcher scheinbar die Hintertüre gesprengt hatte und damit einen der letzten Gänge, die wir noch nicht erforscht hatten, kontrollierte. Hier ging es nun nicht mehr weiter. Wir wandten uns der Erforschung der restlichen Gänge zu; leider endeten diese allesamt in Sackgassen. Wir beschlossen ein Ablenkungsmanöver: Ich schlich mich an die kleine vordere Türe des Thronsaales, öffnete sie vorsichtig und lugte hindurch. Als die Echse keine Anstalten machte, sich zu mir zu bewegen, griff ich kurzentschlossen nach den herumliegenden Münzen. Apfrütchdjök, da hatte ich aber etwas getan! Mit einem riesigen Satz sprang das Ungetüm auf mich zu und stieß dabei einen kräftigen Feuerhauch aus. Obwohl ich darauf gefaßt gewesen war, gelang es mir nur mit knapper Not, die Türe zuzuwerfen und panisch zu flüchten. Kaum hatte ich die zweite Türe hinter mir zugeworfen, hörte ich, wie die Vorige aus ihren Angeln gefetzt wurde und sich der Feuerschwall in den Gang ergoß. Puh, was konnte dieses Wesen für eine Geschwindigkeit entwickeln! Aber trotzdem: Ich hatte nun schon zum zweitenmal innerhalb kürzester Zeit einen Drachen beraubt, worauf ich zu recht stolz sein konnte; so dachte ich zumindest. Dann geschah etwas höchst Eigenartiges: Wir hörten den Drachen sprechen, allerdings nicht mit einer Stimme, sondern wir hörten ihn direkt in unseren Köpfen . 'Hahahahaha, ihr glaubt, ihr seid mir entkommen? Da habt ihr euch wohl getäuscht! Niemand entkommt mir, wenn ich es nicht will! Aber ihr habt euch bisher für Zweibeiner nicht dumm angestellt, deshalb will ich euch einen Handel vor- schlagen! Ihr gebt mir meinen Besitz zurück und alles Gold, was ihr hier findet, zusätzlich den Hammer des Zwergen, und ich lasse euch ziehen! Ueberlegt euch das gut, wenn ihr hier lebend herauskommen wollt!' Mit einem hämischen Lachen schloß die Stimme, und mein Herz war von einer kalten, lähmenden Furcht erfüllt. Beinahe hätten Zogar und ich uns schon auf den Handel eingelassen, aber dann erinnerte uns Elrohir an die Heimtücke dieses Geschöpfes, und an das, was es Lyranija angetan hatte. Aufgrund unserer verzweifelten Lage fasten wir nun einen Entschluß, den jeder Außenstehende wahrscheinlich als wahnsinnig bezeichnet hätte. Vielleicht war es dies auch gewesen. Nachdem wir noch eine Weile darauf gewartet hatten, daß die Echse sich allmählich wieder zur Ruhe legen würde, klemmten wir uns Zogar unter die Arme, und liefen los, ohne Rücksicht auf das, was da kommen würde, direkt am Drachenmaul vorbei. Als wir ihn passierten, sah ich seine heimtückischen gelben Augen kurz aufblitzen, und ich wähnte schon den riesigen Kiefer auf mich zukommen, aber alles, was wir mitbekamen war ein kurzes, höhnisches Lachen in unseren Köpfen, und der Gedanke: 'Lauft nur, meine Untertanen werden euch sowieso bekommen!' Dann war es vorbei. Wir konnten es noch kaum glauben: wir hatten es tatsächlich geschafft, unbehelligt die Feuerechse zu passieren, warum auch immer, und trotz all der lähmenden Ein- flüsterungen dieses Wesens begannen wir, nun endlich wieder Hoffnung zu schöpfen, daß diese Mission vielleicht doch noch von Erfolg gekrönt sein könnte.

Weitere Erkundungen

Im Laufe der weiteren Erkundung von Tumunzahar fanden wir neben einigen Merkwürdigkeiten noch ein paar Schriftrollen, mit denen wir aber momentan nicht sehr viel anzufangen wußten. Schließlich wurde Zogar in einem der Räume auf eine speerspitzenartige Vertiefung in der Wand aufmerksam, und bald hatten wir auch das entsprechende Gegenstück dazu gefunden, welches uns diese Geheimtür öffnete. Dahinter befand sich ein langer Gang, über welchen wir in eine Art Gruft vorstießen. Dort standen an den Wänden viele zwergische Ske- lette, welche Schwerter zwischen ihren Fingerknochen hielten. Wir beschlossen, daß es wohl günstiger sei, ihnen erst einmal ihre Waffen abzunehmen. Kaum hatten wir damit begonnen,als schon die von uns befürchtete Mobilmachung der Exzwerge einsetzte. Trotzdem hatten wir den Ueberraschungsmoment auf unserer Seite, so daß wir sie recht schnell überwältigt bekamen. Nachdem wir die Ueberreste gegen Zogars erbitterten Widerstand fein säuberlich auf dem Boden verteilt hatten, konnten wir uns wieder der Kammer zuwenden. Von Von dieser zweigten insgesamt acht Gänge ab. Durch unsere Nachfor- schungen fanden wir schnell heraus, daß diese zum größten Teil vor Felswänden endeten. Während der Untersuchung passierte mir in der Gruftkammer noch etwas höchst Unangenehmes: Ich fragte mich gerade, was es wohl mit diesem Steinblock in der Mitte auf sich habe, als unter mir der Boden nachgab. Geistesgegenwärtig schwang ich Querbär in die Waagerechte, und blieb dadurch an den anliegenden Platten hängen. Puh! Nach kurzem Schrecken zog ich mich nun an meiner Waffe wieder aus dem Loch, über dem ich schwebte, hinaus. Keinen Augen- blick zu früh, denn kaum war ich oben, als schwere metallene Speere aus zwei Seiten des Bodens herausschossen, und sich das Loch mit Wasser zu füllen begann. Das hätte wirklich eine ganz unangenehme Geschichte für mich werden können, und ich bedankte mich beim Geist meines alten Lehrers, welcher so gut über mich gewacht hatte. Nach weiteren Erkundigungen hatten wir festgestellt, daß es neben einer nicht funktionierenden Türe nur noch zwei Gänge zu geben schien, welche weiter führten. Einen davon begannen wir nun zu durchwandern, was einige Zeit in Anspruch nahm. Dann begann es immer weiter abwärts zu gehen, und die Luft wurde zunehmend feuch- ter. Kurz darauf fanden wir uns am Ufer eines unterirdischen Sees wieder. Grünlich schimmerte uns das Wasser entgegen, und in der Mitte konnten wir eine kleine Insel erkennen, auf der sich noch etwas befand, was wir von hier aus nicht so recht identifizieren konnten. Als wir noch so überlegten, wie wir dort herüberkommen sollten, warf das Wasser in der Mitte plötzlich kleine Wellen.

Die Nixe im See

Einige Augenblicke später tauchte vor uns eine Art Frau auf, oder vielleicht sollte ich sie besser als einen Geist des Wassers bezeichnen. Beim Geiste meines alten Lehrers, war dieses Wesen schön! Ich meine damit nicht diese oberflächliche Schönheit, wie sie den meisten Menschenfrauen zu eigen ist, nein: Dieses Wesen strahlte eine tiefe, innere Schönheit aus. Mir wurde warm ums Herz, als sie mich aus ihren unergründlichen meergrünen Augen anblickte, und mir dann mit einem verzaubernden Lächeln ihre Hand entgegen- streckte. Gerührt durch diese eigenartige Laune der Natur, ausge- rechnet mich dazu auszuwählen, die Gunst eines ihrer wunderbarsten Geschöpfe geschenkt zu bekommen, ergriff ich die dargebotene Hand und ließ mich ins Wasser hinabziehen, in ein Element, welches mir bis dahin immer noch fremd und unheimlich geblieben war. Wiederum versenkten sich ihre meergrünen Augen in den Meinen, und ich begann, die Sorge und das Leid meines Volkes auf meiner Heimatinsel Pfrtlpmpf zu vergessen, ebenso die Suche nach den Insignien, Elrohir, Zogar, Huracan, und alles andere. Hier wartete eine wunderbare Welt ohne Sorgen und Not auf mich, und ich tauchte im wahrsten Sinne des Wortes tief mit ihr hinein, in die Wunderwelt dieses Sees. Mehr und mehr legte sich meine Angst vor der Tiefe des Wassers, und jedesmal, wenn mir die Luft knapp zu werden drohte, legte sie ihre Lippen auf die Meinen und hauchte den Lebensodem in mich hinein, woran sich jedesmal ein langgezogener Kuß anschloß (woran ich im Uebrigen auch nicht so ganz unschuldig war...). Wir wären wohl noch lange so durch die glitzernde Tiefseewelt getaucht, wenn nicht der plötzliche, harte Griff zweier starker Hände uns auseinandergerissen hätte. Elrohir! Zu solcher Grausam- keit hätte ich ihn niemals vorher für fähig gehalten! Aber da mir nun die Luft knapp zu werden drohte, zog es mich schnellstens zur Wasseroberfläche zurück, wo ich prustend und wie wild nach Luft schnappend ankam. Direkt fühlte ich mich von zwei starken Armen gepackt und festgehalten-Zogar hatte sich also auch dieser Verschwörung angeschlossen! Und das nennt sich Freunde! Elrohir hatte inzwischen das Boot vom anderen Ufer geholt, und unter wilden Verwünschungen meinerseits wurde ich dorthinein gesetzt. Während- dessen redeten beide wie wild auf mich ein, wovon ich auch zuweilen etwas mitbekam und vielleicht auch antwortete, aber meine Gedanken weilten wieder bei ihr. Derweil mußten wir wohl noch an der Insel, auf der irgendwelche Schalen mit Edelsteinen herumstanden, vorbei- gekommen sein, aber ich wäre sowieso niemals auf den Gedanken ge- kommen, sie nun auch noch zu berauben.

Siegelring und Diamant

Im weiteren Verlauf unseres Weges hatten wir schon längst per Boot das andere Ufer erreicht, als sich mein Kopf langsam wieder zu klären begann, auch wenn mein Herz noch voll von Sehnsucht und Wehmut war. Ich stellte fest, daß wir gerade ein Höhlensystem durchwanderten, offensichtlich immer noch auf der Suche nach den nächsten Insignien. Nach einigen Irrwegen und Sackgassen erreichten wir einen Gang, an dem die Luft allmählich trockener und wärmer wurde. Wir folgten diesem, und bald darauf sahen wir vor uns einen weiteren See; in der Mitte davon war eine Insel erkennbar, auf welcher wiederum auf einer gläsernen Säule ein Diamant und ein Ring zu erkennen waren, unzweifelhaft die zweiten Insignien! Außerdem führte noch eine schmale Brücke von einer anderen Höhlenöffnung aus zur Insel. Wir mußten also irgendwie herüber, aber wie? Weil das Wasser so verdächtig dampfte, hielt Zogar probehalber den Fuß hinein, und schreckte blitzschnell zurück: Der Stiefel begann sich aufzulösen! Schnell rissen wir ihm diesen vom Fuß und entfernten uns erst einmal ein paar Schritte vom Ufer. Puh, wir hatten schon überlegt gehabt, ob es nicht am Sinnvollsten wäre, wenn einer von uns einfach in den 'See' springen und zur Insel herüberschwimmen würde, um die Insignien zu holen. Diese Möglichkeit schied jetzt natürlich aus. Auf der nun folgenden Suche nach dem Weg zu dieser Brücke entdeckten wir ein Boot, was allerdings vollständig aus Glas gefertigt war. Das war die Lösung! Elrohir und ich ergriffen den Kahn und trugen ihn zum See. Dieser löste sich nicht auf, und da auch noch zwei gläserne Ruder dabeigewesen waren, stiegen wir nun zu dritt in das etwas wackelige Boot und ruderten damit zur Insel. Dort angekommen, gingen Zogar und Elrohir an Land, während ich im Boot blieb. Dies sollte sich noch als Glücksgriff erweisen, denn kaum hatte Elrohir den Zwerg hochgehoben und dieser Ring und Diamant von der Säule gepflückt, als die Brücke mit einem lauten Auf- klatschen ins Wasser fiel und die Insel begann, im brennenden See zu versinken. Schnell kletterten die Beiden in das Boot, und wir ruderten eilig wieder an das Ufer zurück. Nicht auszudenken, was geschehen wäre, wenn wir über die Brücke auf die Insel gelangt wären! Aber wir hatten wieder einmal Glück gehabt, auch ohne unseren Glücksritter. Nun galt es noch, einen Ausgang aus diesen Höhlen zu finden, welcher uns zu den letzten Insignien führen sollte. Also wanderten wir weiter durch die feuchten Gänge, trafen noch auf einen viel zu großen Krebs, der ebenso kurze wie heftige Bekanntschaft mit Elrohir's Langschwert schloß. Dann legten wir endlich eine Rast ein, hatten wir doch seit unserem Aufbruch von der Felsnische keine solche mehr genossen, und auch wenn Zogar versuchte, beim Auftreten keine Schmerzen zu zeigen, sah er doch inzwischen ziemlich bleich um seine Zwergennase herum aus. Nach einigen Stunden Ruhe brieten wir uns ein Stück von dem Riesenkrebs, und machten uns erneut auf den Weg. Nachdem wir einige Gänge durchwandert hatten,stellten wir fest, das außer dem Weg, über den wir gekommen waren,kein weiterer Ausgang zu entdecken war. Daraufhin überquerten wir wieder den See der Nixe. Einen Moment lang glaubte ich wieder Sie , die Seele dieses Sees, in der unergründlichen Tiefe zu hören, wie sie eine langgezogene, klagende Melodie sang. Wieder überkam mich eine ungeheure Sehnsucht, kopfüber in den See zu springen und zu ihr zu tauchen, aber Zogars' starke Arme hielten mich gnadenlos im Boot fest. Warum hat auch das Schicksal gerade mich ausgewählt, in der Welt nach einer besseren Lebensweise, und einer neuen Herrscherin für mein Volk zu suchen, warum? 'Oh, ihr Geister, welch' unsagbares Leid, welches diese Mission mit sich bringt!' So haderte ich noch eine ganze Weile mit meinem Schicksal, bis wir endlich wieder an dem kleinen Sandstrand anlegten, wo wir hergekommen waren. Dort zogen wir das Boot ein Stück weit das Ufer herauf und machten uns auf den Rückweg durch den langen Gang, woher wir gekommen waren. Bald erreichten wir wieder die Gruft: Ein Gang war uns hier noch geblieben, und hier mußte wenn Zogar die Räume der Zwergenbinge, welche wir bisher entdeckt hatten richtig zuordnete, mit großer Wahrscheinlichkeit die Grab- kammer des Zwergenkönigs liegen. Kaum hatten wir jedoch die Türe zur ersten Gruft geschlossen, als ein dumpfes, unheimliches Klopfen einsetzte, welches beständig an Lautstärke zunahm und direkt aus dem Gang zu kommen schien.

Der Gott der Zwerge

(siehe Andre's Bericht)

Über dieses Dokument ...

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Thu Jan 9 22:55:32 MET 1997