Eschar September '93 Die große Salzkarawane Thomas Stein


[spieler14]

Aneren erzählt

,,Also, ich will noch berichten, was geschah, als ich meinen angestammten Platz verließ, um dem Ruf zu folgen, der mich in die Wüste schickte. Ich sollte eine Händlerin treffen, die in Corinnis mit einer Karawane von Nordwesten käme und dann ein Schiff nach Süden, zur Stadt Estoleo besteigen würde und noch Leute anzuheuern sucht. Ich traf also auf jene Händlerin und berichtete ihr, ich würde mitgehen, auch in das Land im Süden, wo ihr Ziel liege. Die Kauffrau und ihre Gefährten waren sehr erstaunt, aber bereit, mich mitzunehmen. Über Bezahlung wurde kein Wort verloren (darüber sollte ich mich nachher noch ärgern). Als wir in Estoleo ankamen, auf der Reise dorthin kam noch ein schwerer Sturm auf; ich stellte mich also auf Deck, stärkte mich durch einen Zauber und genoß das Wüten des Sturms, zwar nicht mein Element, aber die Gewalten der Natur sind ein beeindruckendes Schauspiel. In Estoleo angekommen zogen wir an den Stadtrand um den Onkel von Tarla zu besuchen, denn er hatte ihr geschrieben, daß er ihre Hilfe benötige. Gerade dort angekommen erfuhren wir vom Verwalter des Onkels, daß dieser vor nicht langer Zeit verstorben war und die Erbschaft in Nedschef auf uns warten würde. Oder halt die Probleme, die zu seinem Ableben geführt hatten.

Wir suchten also eine Karawane, die wir über die Berge bis Qum al'Nashir begleiten könnten, um dort eine Karawane nach Nedschef im Westen zu treffen. Der Ritt über die Berge verlief recht ereignislos. Und Qum al'Nashir ist abgesehen von der Macht jener, die die einzigen Waserstellen in der Oase innehaben. Wir erfuhren von den Dorfbewohnern, daß sämtliche Karawanen für dieses Jahr schon losgezogen seien und in absehbarer Zeit keine mehr vorbeikommen würden. Allerdings gäbe es für uns noch eine vage Möglichkeit, uns der großen Salzkarawane der Asad anzuschließen, die dieses Jahr noch nicht losgezogen sei. Allerdings seien die Asad sehr stolz und niemand sei in der Lage, sie zu finden, der nicht von ihnen eingeladen sei und den sie führen. Nun wieder einmal waren wir an einem Punkt angelangt, an dem wir nicht mehr weiterwußten, immerhin hatten wir die Jungtiere, auf denen wir nach Qum al'Naschir geritten waren erstanden und hätten so keine Probleme, wieder nach Hause zu gelangen, abgesehen davon, daß jeder eine Menge Geld in diese Reise gesteckt hatte. Am Abend hörten wir dann einen großen Lärm von außerhalb der Stadt, gerade unterhalb jenes Fortes, das ich mir für die Nachtruhe auserkoren hatte. Ein schwarzgewandeter Mann auf einem Kamel erwehrte sich einger von Männer ohne Kamel. War dies ein Überfall? Meine Kameraden waren der Ansicht, daß ja. Sie eilten ihm zu Hilfe und vertrieben oder erschlugen den Rest der Wegelagerer. Nun erfuhren wir, daß uns das Glück hold war, gerade jener Mann war ein Einflußreicher unter den Asad und er würde uns zu ihnen führen und dafür sorgen, daß unser Anliegen gehört werden würde.

Am nächsten Tag brachen wir auf, die Asad zu finden. Ein beschwerlicher Weg durch die Wüste lag vor uns, und niemand hatte schon längere Zeit in der Wüste verbracht. Also kauften wir Wasser und Lebensmittel für vier Tage und machten uns mit Amanug ag Amaya auf den Weg zum Asad Lager. In der Wüste hatten wir dann auch direkt Pech, Amanug war vorrausgeritten, mit den Spähern seines Volkes zu reden, die wir nirgends entdecken konnten, aber so waren wir uns sicher, jeden Fußtritt von uns überwachten. Genau dann griff ein Riesenskorpion unsere Kamele an und verletzte eins von ihnen so stark, daß wir es hernach töten mußten. Die anderen Kamele waren in Panik geflohen und Tamror setzte ihnen nach. Damit der Skorpion nicht noch weiteren Schaden anrichten könnte beschlossen Tarla und ich, ihn zu vertreiben, der bläulich schimmernde Giftstachel erschien uns auch nicht so ganz geheuer. Dies ging auch soweit gut, bis ich anscheinend den Schwarm Jungtiere auf dem Rücken des Muttertieres aufgescheucht hatte und er sich auf mich stürzte. Alle Tiere gemeinsam gegen mich allein. Nachdem wir diese Widrigkeit ohne größere Verluste als Tarlas Kamel überstanden hatten, erreichten wir am darauffolgenden Tag das Hauptlager der Asad in den Bergen.``

,,Die Asad: große schlanke Männer, die völlig verschleiert sind, bis auf die Augen, einen Turban tragen, die Gewänder sind weiß, indigoblau und auch schwarz, darüber sind X-förmig rote und weiße Schärpen angeordnet, jede Menge Amulette und Kettchen, Ringe, Broschen. An den Füßen tragen sie einfache Ledersandalen. Waffen: Stoßspeere und Dabukas (Krumm-Langschwerter). Abends wird immer Tee getrunken.``sic

Wir trafen auf das Lager der Asad: tausend Leute, zweihundert Zelte, [tex2html_wrap_inline77]Sklaven. Wir haben mit dem Amelokar gesprochen. Der hat uns ausgefragt, was wir machen wollen, wo wir hin wollen,wer wir sind ... wie unsere Gesinnung ist? Sie nehmen uns auf, wir dürfen bei der großen Salzkarawane mitreiten, weil wir ehrlich waren, und unsere Ziele einigermaßen korrekt waren, für die Maßstäbe des Amelokar. Wir blieben also bei den Asad. Wir haben festgestellt, daß die Stellung der Frauen dort interessant ist. Die Frauen suchen sich die Männer aus, besitzen nicht zu unterschätzende Macht, die Männer wetteifern um die Gunst der Frauen. Es gibt eine weiße Königin, die hat die rote Garde, rotgekleidete Männer, als Boten. Iklan=Sklaven. Gott: Ormut, Arinna (weiblich): Sonne. Dunkler Bruder Alaman (Mond ist Alamans Auge). Aufbruch ins Erg Scharuch, wie die Asad die Sandwüste nennen, die wir nun schon einige Zeit bereisen. Wir erfahren noch, daß Amanug mit der Tochter des Amelokar liebäugelt und diese wohl auch heiraten wird, sollte die Salzkarawane ein Erfolg werden. Dies finden gerade einige mächtige und einflußreiche Ritterbünde nicht gut, die die Tochter des Amelokar gerne mit einem aus ihren Reihen verheiratet wissen würden. Ob sie allerdings so weit gehen würden, die Salzkarawane in Gefahr zu bringen kann niemand sagen. Immerhin wird der Mann der Tochter der nächste Amelokar werden.

An der Karawane nehmen fünfzehn Krieger, zwanzig Sklaven und einhundert Lastkamele teil. Reg Taif, leeres Land, das wir jetzt erreichen, ist die große Geröllwüste. Hier ist Vorsicht geboten, daß die Kamele sich nicht die Füße verletzen, wir müssen absitzen und sie führen. Dies bedeutet zusammen mit der dort noch größeren Hitze und den scharfkantigen spiegelnden Felsen eine noch größere Strapaze, die viele von uns (Tamror und Gorni) oft nicht überstehen, ohne unterwegs zusammenzubrechen. Das Reg Taif (ein Teil des Erg Scharuch) ist 300[tex2html_wrap_inline79]1200km groß. Mittagspause heißt Gaila. Hier im Reg Taif haben wir sehr große Probleme mit Sonnenstrahlung und Hitze. Dann kommt eine Wasserstelle, wo wir die Kamele tränken können. Am sechsten Tag erreichen wir Tabankar-al-Sif. Vor vier bis sechs Tagen sind hier etwa hundertfünfzig Kamele getränkt worden. Hier befindet sich ein tiefer Brunnenschacht, der ummauert ist, Amanug sagte es wären keine Leute aus dem Volk gewesen, da sie die Palmen nicht freigegraben haben. Am 7. Tag habe ich meinen Zauber verpatzt, der mich vor der Hitze schützt und ich trinke soviel Wasser, wie sonst in einer Woche. Am 9.Tag Ankunft am Fluß Ubulla. Der 11. Tag ist der Tag der Jagd, Flußlauf emporgeritten, auf die Steppe gelangt, dort haben wir uns zur Jagd getrennt. Wir fanden zwei Antilopen, die an einem Baum grasten, Tamror verstand meine Warnung nicht, daß Raubtiere in der Nähe seien und schoß auf die Antilopen, dabei wagte er sich zu weit vor und wurde von einem Löwen angegriffen und schwer verletzt. Nur durch großes Glück waren die Asad schnell genug zur Stelle, den Löwen und die Löwin zu verjagen, während wir die beiden hinzuhalten versuchten, damit sie Tamror nicht töten. Am 18. Tag gelangen wir zur Quelle des Ubulla. Am 20. Tag versinken ein Träger und zwei Kamele im Fesh-Fesh, wie die Asad Treibsand nennen . Am 22. Tag Kamele getränkt (Vorrat). 23. Tag: wir schicken Kundschafter aus, da eine Spur abbog, von wem die Karawanenspur war (sie verlief diagonal zu unserem Weg) ist unbekannt. Kheren ag Sayed und Jussuf-el-Haideri reiten auf schnellen Kamelen der Spur nach. Am vierundzwanzigsten Tag erreichen wir Abankor el'Seriba. Amanug ist sehr erfreut darüber, da es ihm großen Ruhm einbringt, eine neue Wasserstelle in der Wüste entdeckt zu haben. Bisher war diese Oase den Asad unbekannt. Diese Oase liegt also nach Interpretation der Asad in ihrem Gebiet und die Bauern haben Abgaben zu zahlen. Dazu sind die Bauern jedoch nicht so ohne weiteres bereit, da sie in der Vergangenheit mehrere Unanehmlichkeiten hinnehmen mußten. Ein Zicklein gibt keine Milch mehr, und einiges mehr. Amanug schlägt vor, bis zum Ende des Tages auf die beiden zu warten, die ausgeritten sind, der Spur zu folgen.

,,Albankor el Seribar: Ein üppiger grüner Fleck mitten in einem Meer von Sand. In einer tiefen Mulde wachsen Palmen, Kakten, und Gräser. Ein kleiner See, der von Grundwasser oder dem unterirdischen Ubulla gespeist wird, glitzert einladend. Endlich wieder genug Wasser für alle und die Kamele. Um die Oase scharen sich einfache Hütten aus Holz mit Strohdächern. Die Dattelpalmen sehen recht ertragreich aus. Das Problem liegt darin, daß die Bauern recht unwillig waren, die Asad mit Lebensmitteln zu versorgen, was eigentlich Gang und Gebe ist. Weil drei ihrer Kamele krank seien und zwei Dattelpalmen ebenfalls. Vor zwei Wochen ist ein Kind spurlos verschwunden, viele Ziegen keine Milch mehr geben und sie ein Zicklein schlachten mußten. Abankor wird von bösen Geistern heimgesucht, da sind sie sich sicher. Sie würden natürlich ihren Herren Tribut zahlen, doch gehört es nicht zur Aufgabe eines Herren, seine Haratim zu beschützen? Die Asad waren darüber erbost. Amanug beschloß, daß die Bauern geben, was ihnen zusteht, Butter, ein Sack Hirse und eine der Ziegen, die keine Milch mehr geben schlachten, im Gegenzug wachen wir über Abankor und verteidigen es, wenn es sein muß auch gegen Geister (muß aber nicht sein ...).`` sic

Wir begannen in der Oase Albankor el Seribar, erfuhren daß sämtliche Bewohner Angst vor Geistern haben, siehe auch oben. Wir ließen uns zur Nachtwache einteilen, zusammen mit Suilenn el Fennek und Hadidan. Suilenn klärte uns über die Kel es Suf auf: Geister; irgendwann einmal hatte ihm eine Frau, deren Mann er getötet hatte, geweissagt, er werde auf einer weiten Reise sterben und die Geister würden ihn zu sich holen. Es bringt Unglück darüber zu sprechen, sie werden auch Alamans Wüstensöhne genannt, so wie die Asad die Kinder Ormuths sind. Meister der Lüge, haben nur nachts Macht, sie sind keine richtigen Menschen, schlafen tagsüber in der Herzen der Dünen, mögen kein Wasser, besitzen große Zauberkraft, sie stehlen Kinder um sie dann zu essen. Bringen manchmal Geschenke, sind aber doch böse, sie besitzen dann die größte Macht, wenn Alamans Auge unverhüllt am Himmel steht. Während der Nacht erwachten wir von einem Schrei, Hadidan starrte nur zum Hügel, wo sich Suilenn hinbegeben hatte, weil er ein Geräusch vernommen hatte, dort waren undeutlich drei schwarze Schemen zu sehen. Wir sind dorthingerannt, haben uns in einen Kampf mit den Geistern verwickeln lassen. Hätte Amanug nicht noch eingegriffen, hätten sie uns einfach getötet. Amanug rannte dem Geist hinterher, der die Kamele vertrieben hatte. Tamror stürzte sich auf den Geist mit dem Gürtel, einer von ihnen trug einen schweren Metallgürtel. Leider gelang es uns nicht sie mit Wasser zu bespritzen, vor dem sie großen Respekt hatten. Irgendwann verschwanden sie alle spurlos, nachdem Tamror ihm den Gürtel abgerissen hatte. Amanug kehrte verletzt zurück.``

Amanug kehrt schwer angeschlagen zurück und fragt uns merkwürdige Dinge. Zum Beispiel ob unser Geist auch in sich zusammengefallen wäre und Kutte und eine Hand mit Schwert zurückgelassen hätte. Wir verneinen dies, denn unsere Geister haben sich vermutlich wegversetzt. Ich stelle bei Tamror fest, daß er mit Bösem Blick verzaubert wurde und noch maximal acht Tage zu leben hat, wenn wir keine Hilfe finden, danach gehe ich mit ihm zu den Überresten von Amanugs Geist, leider kann ich wenig über derartige Wesen sagen, aber ich nehme mir dringend vor, etwas darüber in Erfahrung zu bringen. Etwas unglücklich über unsere offenkundige Machtlosigkeit gehen wir wieder zum Lager und schlafen dann ein. Am nächsten Morgen beschließen wir weiterzureisen, anstatt den Geistern und den Verschwundenen genauer nachzuforschen. Tamror hat nach kurzer Überlegung festgestellt, was ihm eigentlich am Gürtel des Geistes so bekannt vorkam: Es war Kherems Gürtel, unsere beiden Kundschafter leben also vermutlich nicht mehr, was mit ihnen geschehen ist, darüber möchte hier niemand sprechen. Und gerade dies ist vermutlich auch der Karawane widerfahren, deren Spuren wir gekreuzt haben. Dies ist der Anfang einer langen Pechsträne, die unsere Karawane in den nächsten Tagen heimsuchen wird. Noch läuft alles nach Plan, wenige Tage darauf gelangen wir in eine große Stadt, in der Tamror mit den Priestern abmacht, für dreihunderteinundsechzig Goldstücke geheilt zu werden. Leider besitzt niemand von uns eine annähernd große Summe Geld. So macht er mit Tarla und Amanug aus, daß Amanug nun alles zahlt, allerdings dann auch später die Hälfte ihres Erbes abbekommt, wenn es verkauft ist, egal wieviel das Erbe denn nun wert ist. Keiner, auch Amanug nicht, weiß ob es ein guter oder schlechter Tausch ist, aber es ist ein fairer Handel. Nachdem wir die Stadt verlassen haben beginnt die Zeit der Prüfung: Das nächste Wasserloch, das wir erreichen ist versiegt und so müssen wir das Wasser bereits rationieren. Am nächsten Abend zieht eine unheimliche Karawane aus halbvertrockneten Menschen und Kamelen an uns vorbei ohne Spuren zu hinterlassen, offenbar eine Geistererscheinung. Die Asad verraten uns, daß dies die Große Karawane ist, die nur todgeweihte zu Gesicht bekommen. Niemandem kann ich verdenken, daß er darin ein schlechtes Omen sieht und nur mit Mühe können wir verhindern, daß einige Iklan sich mit Kamelen auf den Weg machen und versuchen lieber alleine durch die Wüste zu kommen, als mit einer verwunschenen Karawane, die mit Sicherheit den Tod finden wird oder etwas noch Schlimmeres. Soweit ich weiß, ist es schon Selbstmord, alleine durch die Wüste zu ziehen und wenn dies schon jemand versucht, dann muß er Schlimmstes von der Zukunft erwarten. Die Stimmung an diesem Abend ist auch dementsprechend gereizt. Wir trinken unseren Tee schweigend und jeder geht seinen eigenen Gedanken nach. Ich kann mir schon vorstellen, daß unsere Karawane verflucht ist, denn es häufen sich merkwürdige Zufälle und auf unserer Reise hatten wir nicht wenig Ärger mit Geistern oder Dämonen. Dann noch so manche Ungereimtheit; wer leitete die Karawane, die unsere erste Wasserstelle heimgesucht hatte? Wohin führten die Spuren, denen die beiden Asad gefolgt sind, was ist ihnen zugestoßen und was haben sie gefunden. Was bedeutet diese Karawane, denn offenbar erscheinen Geister nicht ohne Grund und dann direkt eine solche Masse. Und Amanug scheint auch Feinde zu haben, denn wenn diese Karawane ein Erfolg wird, steht seiner Heirat mit der Tochter des Amelokar nichts mehr im Wege. Und so wird er dann auch der nächste Amelokar werden. Am nächsten Tag erkranken sechs Kamele an einer Kolik und wir müssen sie töten. Am Tag darauf, Kamele und Leute sind zunehmend nervös geworden, geraten zwei Kamele in Streit, eines verletzt sich und muß getötet werden. Es wird immer offenbarer, daß jemand versucht mit aller Kraft einen erfolgreichen Ausgang der Karawane zu verhindern, aber wer ist es und wie schafft er es. Oder ist es tatsächlich eine Art Fluch, der auf uns liegt.

Am Abend des nächsten Tages erreichen wir die Salzseen und beginnen den Salzabbau. Es ist eine ungeheure Anstrengung, da die Sonne hier noch stärker herabbrennt und die Luft noch trockener ist. Jeder von uns braucht noch mehr Wasser als ohnehin schon und unsere Wasservorräte werden schnell erschöpft sein. Trotzdem baut jeder von uns soviel Salz ab, wie er guten Gewissens seinem Kamel als zusätzliche Last zumuten kann, denn dies ist ja eine Salzkarawane und die Asad unternehmen jedes Jahr eine solche nur der Einkünfte wegen, die sie im Verkauf erziehlen. Es muß sich also lohnen. Hier arbeiten wir nun zwei Tage ohne Unterlaß, mit Pausen um Tee zu trinken und ein wenig getrocknetes Fleisch und trockenes Brot zu essen. Auch hier reißt die Pechsträne nicht ab. Ein Iclaan wird beim Salzabbau von einem Salzbrocken erschlagen, der sich löst, als er darunter arbeitet. Wir graben uns ja regelrecht in den Boden hinein, da die oberste Salzschicht verwittert und mit Sand durchmengt ist, zum Teil sind Felsstücke eingeschlossen. Wenn jemand versucht, dieser Karawane zu schaden, macht er es so geschickt, daß sogar wir eher zu glauben bereit sind, daß Geister oder die Götter hinter den Schicksalsschlägen stecken, als daß jemand aus der Karawane seine zukünftige Stellung als Amelokar in Spe neidet und so versucht erfolgreich das Gerücht in die Welt zu setzen, Amanug sei den Göttern oder den Geistern nicht der Wunschkandidat. Einige Dinge sind ja auch gar nicht durch Sabotage zu erklären, der Überfall durch die Geister in Abankor el Seribar ist ein Faktum, ebenso wäre kein Mensch, den ich kenne in der Lage die Karawane der Toten vorzutäuschen, abgesehen davon, daß ein Eschadi schon stark auf Seiten Alamans stehen muß, um dies zu versuchen. Wie auch immer, obwohl ich es schon fast nicht mehr glaube erreichen wir das nächste Wasserloch ohne daß weitere Unglücksfälle passieren. Das Land wird nun felsiger und an vielen Steinwänden, die rechts und links des Weges aufragen sind noch Malereien erkennbar die auf Eschars einstige Hochkultur schließen lassen, anscheinend war vor vielen Generationen die Wüste fruchtbares Land. Merkwürdige Schriftzeichen, stilisierten Bildern ähnelnd ziehen sich in Bändern an den Felsen nach oben. Heute nacht werden wir Quartier in einigen Grotten beziehen, die hier überall im Fels sichbar sind, es sind wohl einige Dutzend in unmittelbarer Nähe. Hoffentlich geschieht heute nicht wieder ein Überfall von Geistern, die Iclaan sind bereits sehr unruhig und murren viel. Ein Teil der Geschichten die am Lagerfeuer erzählt werden beschäftigen sich mit dem Verschwinden der alten Miketer, wie sich die Menschen nannten, die lange vor unserer Zeit hier lebten. Sie sollen heidnischen Göttern gehuldigt haben und grausame Riten zur Besänftigung ihrer Götzen seien untrennbar mit ihrer Religion verknüpft. Dann seien sie durch ein Strafgericht Ormuts von der Oberfläche dieser Erde getilgt worden und Dämonen seien über sie gekommen. Auch heute würden oft noch Menschen von Dämonen und Geistern heimgesucht, wenn sie zuviel in den Stätten der Alten herumschnüffeln und Dinge finden, die lieber verborgen bleiben sollten. Wie auch immer, heute nacht werde ich mich wohl etwas absondern und mit Ranet reden. Er soll mir ein wenig von den alten Zeiten erzählen, wie ich ihn so kenne weiß er mit Sicherheit eine Menge über die Miketer und ihren Kult, aber ob er mir davon erzählt? Wir werden ja sehen.

Ranet hat mir wie üblich nicht allzuviel erzählt, aber er hat mir als Gegenleistung dafür, daß ich mich jetzt noch ein wenig gedulde, versprochen, ich würde die alte Sprache erlernen und könne dann in Büchern von damals direkt lesen, wie die Menschen empfunden haben. Ranet selbst kann die alte Sprache und Schrift wohl auch nicht, aber er meinte er wüßte jemanden, der sie mir bestimmt lehren werde. Dann muß diese Kultur aber wirklich schon vor langer Zeit verschwunden sein, daß Ranet sie nicht kennt, aber ich glaube, er interessiert sich sonst auch nicht so sehr für die Belange der Menschen. In seinen Sphären gibt es wohl auch einige, mit denen er häufig in Kontakt steht und wer weiß, welche Probleme dort auf ihn warten. Nachdem ich eingeschlafen bin, werde ich mit einem Mal von einem Tumult wach, offenbar ist wieder etwas geschehen. Während ich noch herbeieile, höre ich schon Gerüchte von Kel es Suf, Geistern, und einem Überfall. Irgendwie paßt das nicht zusammen, zwei Iclan sind wohl durch einen Schnitt durch die Kehle ermordet worden, offenbar im Schlaf. Dann sehe ich aber, während ich mich der Schlafstelle von Tamror, Tarla und Gorni nähere, daß zwei weitere Personen am Boden liegen und sie mit Amanug diskutieren. Sie sind in der Nacht von vier als Kel es Suf verkleideten Gestalten angegriffen worden und konnten zwei von ihnen töten, da sie durch ein Geräusch rechtzeitig wachgeworden sind. Diese Kel es Suf sind offenbar keine Geister und somit der erste handfeste Beweis, daß wir es mit Gegnern aus Fleisch und Blut zu tun haben. Die Toten sind ebenfalls Wüstenbewohner, ob sie zu den Asad gehören, können wir aber nicht herausfinden. Zu unserer Karawane gehören sie auf jeden Fall nicht. Wir beschließen von nun an selbst in der verlassenen Wüste nicht ohne Wache zu schlafen, denn was ihnen jetzt nicht gelungen ist, könnten sie ja ein weiteres Mal versuchen. Amanug ist erschüttert und macht sich offenbar Sorgen, was vorgeht. Aber kein Mitglied unserer Karawane ist uns verdächtig. Amanug ag Amaya ist als unser Freund und Karawanenführer über jeden Zweifel erhaben. Der temperamentvolle Kherem ag Sayed ist zusammen mit dem jungen, höflichen Jussuf-el-Haideri den Spuren nachgeritten und vermutlich bereits tot. Ebenso Suilenn-el-Fennek, der heilkundige Geschichtenerzähler, den wir bereits in Abankor verloren haben. Bleiben also noch: der redselige Scherif ben Beschah, den wir bereits als sehr weltoffen und interessiert an unseren Geschichten kennengelernt haben. Sayah ben Atman, der Kamelexperte, äußert sich selten und mischt sich noch seltener in politische Angelegenheiten ein. Hadidan ist uns eigentlich als sehr interessierter und sympatischer Mann in den mittleren Jahren in Erinnerung, er hat viel Erfahrung, nutzt dies allerdings nicht, den jüngeren immer wieder aufs Brot zu schmieren, daß diesem so ist. Asraf ben Takuba kämpft immer mit zwei Langschwertern und ist dafür nicht nur bei den Asad bekannt. Marli ag Akkamanug ist ein Außenseiter, der wenig beliebt ist. Mit seiner Narbe über dem linken Auge und den bissigen Bemerkungen, trägt er allerdings auch seinen Teil dazu bei. Ahmad, den ich wegen seines unfreundlichen und arroganten Verhaltens den Iklan gegenüber bereits gefressen habe, halte ich für ungefährlich. Ilugan-el-Harad, der uns mit Geschichten und Gedichten aufmuntert und viel zum Gelingen der Karawane beiträgt, ist viel zu loyal. Hassan el Nasir ist der junge zufriedene Mann mit den leuchten blauen Augen. Abdul ben Kufra ist uns allen nicht geheuer, da wir mit ihm gar nichts verbinden, keiner von uns hat je mit ihm mehr als zwei Worte gewechselt. Bleiben noch der religiöse Ajamuk-el-Mudim und der Anwar-el-Amkar, der ständig von seiner Schaliffa schwärmt, um die zu erringen er diese Karawane begleitet. Niemand ist besonders verdächtig, oder uns als destruktiv bekannt.

Am nächsten Morgen gehen Tamror und Amanug vor, sie wollen den Spuren folgen, die der verletzte ,Geist` der vorigen Nacht zurückgelassen hat. Nicht auszudenken, was geschehen wäre, wenn Tamror und Tarla nicht wach geworden wären. Dann hätte alles auf einen Fluch hingedeutet, der auf Amanug liegt und seine Salzkarawane wäre in schweren Verruf gekommen. Ferner wären Tamror und Tarla wohl bei dem Überfall ums Leben gekommen. Den Spuren folgend, die wir ohne Amanug nicht gefunden hätten, denen er aber ohne unser Überreden nicht gefolgt wäre, finden wir den nächtlichen Lagerplatz der Geistermörder. Offenbar sechs Personen und zwölf Kamele haben dort diese Nacht gelagert und sind im frühen Morgen weitergezogen, vielleicht sogar bereits die letzte Nacht aufgebrochen. Ein blutgetränktes Stück Stoff finden wir auch, das unsere Theorie und Beobachtungen untermauert. Jetzt müssen wir wachsam sein, um nicht wieder arglose Opfer eines nächtlichen Überfalls zu werden. Den folgenden Tag geschieht nichts, wieder das Tee-Zeremoniell am Abend und ein kärgliches Frühstück. Doch heute ist irgendetwas anders, etwas stimmt nicht, als die Asad ihre Zelte einpacken, ein Band schaut aus dem heruntergebrannten Lagerfeuer, als hätte jemand etwas verbrannt, unauffällig nehmen wir es an uns. Es ist ein Beutel, offenbar befindet sich eine Nachricht darin. Unnauffällig, wie wir hoffen, gehen wir zu unseren Kamelen und lesen das Schriftstück. Eine Nachricht an unsere Nächtlichen Gäste, sie sollen folgen und bei einem vereinbarten Zeichen zuschlagen, jetzt nur keinen Verdacht erregen, damit wir den Mittelsmann unter den Asad finden, bevor er zuschlagen, oder einfach untertauchen und dann bei anderer Gelegenheit Amanug umbringen kann. Ranet hat mir eingeschärft, auf das Leben Amanugs zu achten, er sei in höchster Gefahr. Jetzt können wir sie immerhin schon einmal eingrenzen. Heute abend, beschließe ich, werde ich mit Amanug Wache halten, um mit ihm unser weiteres Vorgehen zu besprechen, ich glaube, das ist der unauffälligste Weg, wer bloß ist der Verräter, unaufhörlich schweifen unsere Blicke über die versammelten Asad, sowohl während der Gaila, als auch am Abend, als wieder der Krug herumgereicht wird, um von jedem einen Schluck Wasser für den Tee einzusammeln. Niemand benimmt sich anders als sonst und Anwar und Ilugan scherzen miteinander wie jeden Abend. Dann teilen wir die Wache ein und gehen zu Bett. Gorni und Hadadin übernehmen die erste Wache, danach folge ich mit Amanug, danach Tamror mit Asraf. Doch kaum im Schlafsack überrollen die Ereignisse unsere Planung, ich fühle mich einen Augenblick schwindelig, dann geht es mir besser, aber schwach bin ich noch immer, einige Asad beginnen bereits sich zu übergeben, andere schlafen nur schlecht. Mit Mühe krieche ich zu Amanug, um nach ihm zu sehen, hoffentlich ist er nicht vergiftet. Er hat es auch überwunden und schnell erzähle ich im, was wir herausgefunden haben. Plötzlich ruft er ,,Da.`` Ein Mann hat blitzschnell einen Scheit aus dem Feuer herausgegriffen und malt eine Schlange in die Luft. Jetzt heißt es handeln, wir stürzen darauf zu und ich mühe mich, soviele Asad als möglich aufzuwecken. ,,Überfall, Verrat.`` Kaum jemand reagiert, viele schlafen betäubt oder sind zu keiner Handlung in der Lage, sie liegen mit schmerzverzerrtem Gesicht und wälzen sich am Boden. Da kommen auch die vier restlichen ,Geister` angeritten und greifen mit gezogenem Dabuka in den Kampf ein. Das ist wohl unser Ende, nur wenige Asad können sich unter Mühen erheben und eingreifen und nur mit Mühe kann ich noch einige aufwecken. Auch um Amanug geeignet zu beschützen ist wohl eher eine bewaffnete Eskorte nötig, als eine Heilerin, die nicht im Traum daran glauben würde, daß sie mit ihrem Magierstab eine Chance gegen gepanzerte Männer mit Dabuka hätte. Während ich noch im Lager herumirre und versuche zu mobilisieren, wer noch in der Lage ist zu kämpfen wendet sich plötzlich das Blatt. Tamror hat mit einigen gezielten Streichen, den Mann vor sich niedergestreckt und eilt Amanug zur Seite. Bald sehen sich die letzten beiden Überfallenden schwerverletzt sechs bewaffneten Überfallenen gegenüber. Diese werden festgenommen und sollen morgen unbewaffnet und ohne Kamel in die Wüste geschickt werden, eine Art Kreuzung zwischen Gottesurteil und Todesstrafe. Daß Hadadin der Verräter war hätten wir nie vermutet, aber nun, wo wir es wissen, können wir uns auch die merkwürdigen Vorfälle auf der Reise erklären, mit einer Ausnahme: Wie und warum wir die Karawane der Toten gesehen haben ist uns schleierhaft, hoffentlich ist dies kein Omen, das noch einige Zeit in die Zukunft zielt und uns dann ein schnelles und ruhmloses Ende vorraussagt. Für heute sind wir dem Fährmann erst einmal aus dem Kahn gesprungen. Nun heißt es sich um Sayah, Asraf, Ahmad, Ilugan, Abdul, Anwar und Ajamuk zu kümmern, die immer noch mit starken Schmerzen am Boden liegen, und die das Gift gar nicht vertragen haben. Hadidan, der tot ist, hat offenbar ein Gegenmittel genommen, denn im Gegensatz zu Amanug, Scherif, Marli und Hassan bewegte er sich im Getümmel ohne sich anmerken zu lassen, daß er gerade Gift getrunken hat. Hassan hat es bei der Schlacht auch erwischt, ich kann ihm nicht mehr helfen, da ich ihn bereits verblutet vorfinde, er war einer der ersten, die aufgesprungen sind, als ich Alarm geschrien habe. Doch bereits am nächsten morgen geht es den meisten besser und wir können weiterreisen.

Zwei Tage darauf erreichen wir ihne weitere Zwischenfälle Nedschefs. Über die folgenden Geschehnisse hat Tamror einen sehr guten Bericht verfaßt, den ich hier nun anfüge. Ich melde mich dann wieder, wenn es darum geht, das Heiligtum von Pe Imentiu zu betreten und die Prüfung abzulegen.

Geschichte Anerens

Und es geschah in jener Zeit, daß Ihr Ruf an Aneren erging, ihr derzeitiges Zuhause in der Stadt Corrinis zu verlassen und sich auf eine große Reise nach Süden zu begeben. Aneren sollte neue Länder, Städte, Völker und Meere kennenlernen, bis ihre Reise sie nach Chetra brachte. Ihr Ruf hatte den Mihr Nedschefs erreicht, jener kleinen Gruppe mitzuteilen, was er erfahren hatte über den Verbleib des Regensteins, jenes kostbaren Kleinods der Göttin, das seit den fernen Tagen, da sie als Kebechet bekannt war, verschollen war. Ein Erwählter würde kommen und ihn wieder an das Licht holen, bis Ihr Ruf an ihn ergehen solle, ihn in Ihrem Sinne zu verwenden, dann würden die Menschen aufs Neue Ihre Macht erkennen und sich von den Götzendiensten abwenden. Dann würden sie nicht mehr die Macht mißbrauchen und Tod und Verderben über das Land bringen, sondern das Land, das zur Wüste ward, würde in neuer Pracht erblühen und prachtvolle Gärten, ertragreiche Äcker und mildes Klima würde Ihre Macht offenbar werden lassen. In jener Zeit war der Regenstein im lieblichen Tuhfa beheimatet und seine Kunde verbreitete sich über das ganze Land der Miketer. Die überquellenden Wasser von Tuhfa und seine Millionen von Quellen lockten Pilger aus dem ganzen Land und Scharen von Gläubigen badeten in den Seen, die sich zu Füßen der Hügel gebildet hatten. Palmen, Früchte und Handwerk gaben Kunde vom Reichtum Tuhfas und wer seine Pracht geschaut hatte, wurde an allen anderen Orten von Sehnsucht und Weh verzehrt.

So geschah es auch Tefnachte, ihrem Diener, der zu jener Zeit Hohepriester von Pe-Imentiu war. Tefnachte ließ zu Ihrem Ruhm nichts unversucht. Pe-Imentiu eine der großen Kultstätten im hohen Norden, nahe am Meer und nahe an der Küste an der zu jener Zeit die seltsamen Menschen landeten, Seemeister genannt, die eine merkwürdige Schrift schrieben, seltsam einfallslos und nur aus wenigen Strichen dahingeschmiert, dafür scheinten jene Menschen die mangelnde Fülle durch Menge wettmachen zu wollen. Was in jenen dunklen Jahren geschah, die nun folgten, davon ist wenig Kunde in unsere Tage gelangt, nur daß jene Menschen die Macht in diesem Land übernahmen ist noch bekannt und daß die fruchtbaren Gärten zur Wüste verdorrten. Die Menschen vergaßen Ihr Andenken und Kriege und Hungersnöte wüteten wild unter ihnen. Einige wenige Getreue versteckten sich und ihre Aufgabe war es die Kunde zu bewahren, bis Ihr Erwählter kommen würde, um erneut die Fülle in das Land zu bringen und Sie Ihre Gaben über Land und Volk ausgießen würde.

Vor kurzem also gelangte Aneren und ihre Gefährten nach Pe-Imentu, heute auch Chetra genannt und fand nur noch Ruinen vor. Die Gräber waren abseits gelegen und der Wüstenwind hatte mit den Zähnen der Zeit die kunstvollen Steine geschliffen. Sogar waren einige herausgefallen und lagen zerbrochen in der Schlucht. In der Sprache der Anwohner war von der Schlucht des Heulens die Rede und ein schauriger Klang lies jene verstummen, die zuvor noch von ihrer Kraft prahlten. Pe-Imentiu war von einer Mauer umgeben und ein unheilvoller Ruf ließ die Willensschwachen durch jene Pforte schreiten, die den Toten vorbehalten ist. So umgaben die Menschen das Heiligtum von Pe-Imentiu mit einer Mauer, daß nicht weiterhin Vieh und Tiere der Umgebung, von jenem Ruf angezogen, ihren letzten Gang antraten.

Die einstmals prachtvollen Bauten zerfielen und wurden von Sand bedeckt, nur die großen Tempel blieben stehen, von Ruinen eingerahmt und ein unheilvoller Ruf weckte Sehnsucht nach einer Welt, die hinter jenem Tor lag. Nicht mehr länger die Totenwelt wartete dort, sondern eine andere, unheilsschwanger und gierig reckte nun das ehemals heilige Tor jedem Neugierigen seinen weitgeöffneten Rachen entgegen. Wer hineinging ward niemals mehr gesehen. Auch Anerens Gefährten entkamen nur durch die Fürsorge Anerens jener verderbenbringenden Macht.

Die hohen Obelisken vor dem Tempel sind zerschlagen und nur noch einer der Nebenräume ist als Tempel erkennbar. Er fasziniert gerade jene Menschen, die lieber einem Ihrer Kinder huldigen, denn sie versprechen nicht allumfassende Weisheit und Leben in Fülle, sondern Macht und Wissen, das lieber verborgen bliebe.

Chetra

Aneren gelangte mit Ihren Weggefährten nach Chetra, früher genannt Pe-Imentu. Dort stießen sie auf verworrene Verhältnisse und das einzige, was sie herauszufinden wußten, war, daß es verboten ist, die Ruinen der Tempel zu betreten, angeblich zum Schutze aller. Auch ist eine Mauer um das Heiligtum herum erbaut worden, die Tiere davon abhält in ihr Verderben zu rennen.

Aneren, Tamror und Irwn waren auf dem Gelände der Tempelruinen Pe-Imentus und suchten nach Hinweisen der verlorenen Kultur, als plötzlich Tamror und Irwn von einem inneren Zwang getrieben auf das verbogene Tor der Begräbnisstätte zugingen und hineindrangen. Aneren lief ihnen von bösen Vorahnungen getrieben nach und erkannte als Ziel ihres Strebens ein Weltentor, das leuchtend in der Mitte des Saals thronte. Um Kraft bittend hielt sie die beiden fest, bis diese erkannten, in welcher Gefahr sie sich befanden. Das ehemalige Totentor mit dreieckigem Grundriß ging direkt in eine achteckige blaßgelbe Säule über. Ein direktes Tor in die Dämonenwelt. Vermutlich daher jenes merkwürdige Skelett mit den sieben Fingern und hornartigen Auswüchsen in der Kammer mit den vielen Tonkrügen. Und dieses Tor in ein unbekanntes sonstwo zog alles Leben mit einem unwiderstehlichem Sog an. Was mochte eine derart heilige Stätte in einen Ort der Verdammnis und des lauernden Verderbens verwandelt haben? Nun Aneren weiß nun darum und trauert um ein derart hochstehendes Volk, das ihr artverwandt scheint und dessen Schicksal ebenso grausam wie gerecht und bitter ist. Diese Halle aus schwarzem Marmor erbaut, mit vielen Leuchtern und kunstvollem Schmiedewerk ist nun halbzerfallen und Risse durchziehen die Fugen der ehemaligen Begräbinsstätte.

Nach dem Drehen des Schlüssels und des Vollmonds öffnet sich eine Luke nach unten und gibt ein paar Stufen in die Dunkelheit frei. Aneren und Tamror betreten vorsichtig den so lange gesuchten Weg und steigen über Steine, die von der Decke gefallen sind. Ein wenig in Richtung auf das ehemalige Totentor ist soviel herabgerutscht, daß ein wenig Himmel zu sehen ist. Aneren und Tamror schütteln den Kopf, daß sie diesen Eingang völlig übersehen haben. Nach kurzer Zeit endet der Gang vor einer Tür. Nicht verschlossen, so aber doch verklemmt und eingerostet, viele Generationen lang nicht bewegt. Tamror scheitert und Aneren gelingt es wohl mit mehr Überredungskunst als Kraft die Tür soweit zu öffnen, daß sich ein Spalt auftut, der beide hindurchlassen wird. Dahinter beginnt eine Treppe in ein ungewisses Unten, vielleicht führt dieser Gang an den Ort, an den sie gelangt wären, hätten sie unverfrorenerweise die Ruhe der Toten noch weiter gestört und wären über den Abgrund geklettert, der unauslotbar klafft um jene zu fressen, die die bereits offenen Gräber betreten. Unten empfängt sie ein weißliches Leuchten, wiederum ein Weltentor, diesmal eine sechseckige Ankunftssäule, die energetisch knistert und nicht verkennen läßt, daß gewaltige Energien notwendig sind, um diese Verbindung freizuhalten.

Im Hintergrund des Weltentores ist eine Türe zu erkennen. Vielfältige Blumen- und Wasserornamente lassen erkennen, daß diese Räume Kebechet heilig sind und unter ihrem Schutz stehen, mag ihre Kraft draußen auch geschwunden sein, hier ist sie fühlbar und stark. Blumen öffnen sich langsam, eine Schlange öffnet ihr Maul, der Mond schwillt zur vollen Runde. Bei Vollmond wird sich dieses Tor denen öffnen, die davor stehen.

Bei Vollmond stehen Aneren und Tamror vor der Tür in die Hallen der Kebechet. Kraftvoll und leise öffnet sich das Tor. Öffnet den Weg in eine Halle mit vielerartigen Ornamenten aus einer Zeit, an die nur noch wenige Lebende denken können. Mosaiken und Relief lassen die ausgestorbene Kultur leben und Aneren und Tamror stehen staunend vor Zeugen einer Zeit, die lange vergangen ist. Ganz wenige Menschen können die Schriftzeichen entziffern, die Bauwerke sind von Sand und Wind rundgeschliffen und wie die Sprache klingt ist für immer im Strom der Zeit verronnen. Ein kleines Äffchen hüpft verschüchtert im Raum umher. Ein heiliges Tier fürwahr und offenbart nach einem Stück Brot den richtigen Weg. Auf der falschen Türe steht 'Durch Leiden lerne Mitleid' - fürwahr ein denkwürdiges Versprechen.

Aneren und Tamror betreten einen Raum, in dem viele Schreibpulte stehen. Die Schreib und Lernstube des Tempels. Papier und Pergament eingerollt und in Flaschen gesteckt, nirgendwo ist eine Spur eines fertigen Schriftstückes erkennbar. Aneren geht gerade auf eine recht bauchige Flasche zu, als daraus ein Djinn fährt und lauthals auf Tefnachte schimpfend einen Streit mit jedem anfangen möchte, der in Reichweite steht. Auf Anerens Fragen erzählt er ihr das Rätsel, das ihm vor mehr als fünfzig Generationen Tefnachte aufgab, auf daß er etwas zu denken habe:

,,Ein Bauer und ein Kaufmann wandern durch die endlose Wüste. Am Abend treffen sie in einer Oase einen Priester. Dieser gibt ihnen Gold, das Brot mit ihm zu teilen. Der Bauer hat fünf Brote dabei, der Kaufmann drei. Sie aßen das Brot zu gleichen Teilen. Am nächsten Morgen gerieten der Bauer und der Kaufmann in Streit, wie die acht Goldstücke zu verteilen wären. Die herbeigekommene Menge gab Ratschläge. Das sei doch ganz einfach, der Kaufmann müsse drei, der Bauer fünf Goldstücke erhalten, meinten die Händler. Nein, jeder solle vier Goldstücke erhalten, denn beide hätten alles gegeben, was sie bei sich hatten, meinten die Priester. Und so gab es viele Gebote der Umstehenden, welche Lösung sie favorisierten. Ein alter Oasenbauer meinte sogar, dem Bauern gebührten sieben der acht Goldstücke, dem Kaufmann aber nur eins. Und nun die Frage: Welche Lösung ist gerecht¿` ,,Ich gebe Euch drei Minuten, eure Meinung dazu herauszufingen, vielleicht kann ja einer von Euch das Rätsel lösen, das ich seit Jahrhunderten wälze. Tefnachte meinte immer, die richtige Lösung sein recht einfach.``

Nach einiger Zeit des Überlegens unterbreitete Aneren ihre Lösung: ,,Der Oasenbauer hat tatsächlich recht. Wenn sie alle drei zu gleichen Teilen vom Brot gegessen haben, so hat jeder zwei ganze und zwei drittel Brote gegessen. Der Bauer hat dem Priester also zwei Brote und ein drittel gegeben, der Kaufmann nur ein drittel. Dies ergibt sieben zu einem Teil.`` Nachdenklich gratulierte der Djinn Aneren und gab ihr mit den Worten ,,Danke, solltest du einmal meiner Hilfe bedürfen, benutze diesen Spiegel. Aber nicht vor Ablauf eines Jahres.`` einen polierten Schieferspiegel. Danach verschwand er wieder in seiner Flasche.

Als Aneren den nächsten Raum betritt wird sie von einem inneren Drang zu einem Schreibpult geleitet und muß eine Frage beantworten, die ihr nicht leichtfällt, un die Antwort in das schwere und reichgeschmückte Buch niederschreiben: ,, ...und nachdem sie gegessen und getrunken hatten, fragte der Wesir den Horemhet: ,Edler Sohn der Götter, welchen Lohn würdet Ihr für angemessen halten für den Mann, der Euch das Leben rettete?` Der König erwiderte: ,Nun, verehrter Freund, was wäre wohl schicklich?` - ,Das ist schwer zu sagen, mein Gebieter, und auch Eure Vorgänger haben dies ganz unterschiedlich gehalten. So gab es Herrscher, die beschenkten den Retter mit der Hälfte ihres Vermögens andere gaben ihm die Hand einer ihrer Töchter und machten ihn zum Schwiegersohn, wieder andere schworen, ihr Leben für den anderen einzusetzen, sollte dieser ebenfalls in Gefahr geraten, andere empfanden, die Dankbarkeit eines Horemhet und dessen warmherziger Händedruck sei Lohn genug, und andere waren schließlich der Ansicht, daß das Schicksal in der Hand der Götter läge und ihnen allein Dank gebühre, denn schließlich hätte es ja genauso umgekehrt sein können...`` Tja, was hätte Aneren in dieser Situation getan, das ist die Frage, wie lautet die Antwort auf ,,Wie dankst Du jemandem, dem Du Dein Leben verdankst¿` Aneren schießt durch den Kopf, daß dies wohl auch davon abhängt, wie sehr man sein eigenes Leben schätzt und daß eigentlich alle diese Arten seine Dankbarkeit auszudrücken zugleich auch noch angemessen sind. Schließlich schreibt sie nieder ,,Ich verdanke ihm mein Leben und so ist es nur schicklich, dies einzusetzen, wenn er in Gefahr gerät.`` Tamror muß diese Frage ebenso beantworten, wie er sich wohl entschieden haben mag?

Nun gelangen Aneren und Tamror wieder in einen nächsten Raum, in dem sie bereits erwartet werden. Ein Raum voller Regale mit Büchern, Tiegeln und anderen alchemistischen Gerätschaften. Beinahe so, als wäre er in reger Benutzung durch Tempelangehörige. Nun das Problem in diesem Raum stellte der freche Geist dar, der von der Göttin mit aller Frechheit und allem Wissen über Peinlichkeiten ausgestattet worden ist, um uns zu testen und zu schauen, wie friedfertig und geduldig wir denn nun wirklich sind. Um es kurz zu machen und nicht weiter von den Geschehnissen in jenem Raum zu berichten, der Kobold hat Tamror dermaßen lächerlich gemacht und schikaniert, ohne irgendwie greifbar zu sein oder ein Einsehen erkennen zu lassen, vor allem ohne daß ein Ende abzusehen war, daß ich in meinen Erinnerungen gekramt habe, wie ich ihm eine magische Ohrfeige geben könnte, da ich real ja nicht dazu in der Lage war. Offenbar hat dies sogar funktioniert - zumindest der Spruch war korrekt, sonst wäre ich ja später nicht in Bedrängnis geraten - freilich ohne irgendeine Wirkung zu zeigen. Am Ende verabschiedet sich der Kobold von uns, meint, wir seien ja ganz lustig, aber Spaß könnten wir nicht so ganz verstehen - was für Kobolde so alles Spaß ist - und schenkt mir einen Kranz mit roten Kornblumen. Nun und ich nicht faul sehe das auch noch als eine Auszeichnung sondergleichen an und daß er erkennt, wen er vor sich hat uvm. Kornblumen sind das Zeichen der Göttin in Ihrer vollen Kraft und Fruchtbarkeit - Rot ist die Farbe die dies noch unterstützt, die Farbe des Lebens und seines Pulses. Ein schönes Symbol, aber ein Denkzettel für eine schlechte Selbstbeherrschung. Folge eines längst vergessenen Unrechts, Grund einer noch folgenden Unannehmlichkeit und Symbol für etwas, was Aneren noch arg zu denken geben wird - eine Verpflichtung, die bis heute noch nicht erfüllt ist.

Im nachfolgenden Raum steht eine Statue der Göttin zu deren Fuß ein Schild die Binsenweisheit ,,Nimm der Göttin Geschenk, aber beraube sie nicht.`` Aneren entscheidet sich für die Blüte, Tamror wählt die Kette mit dem Knochenanhänger.

Nun bis hierher sind die beiden gelangt und nun werden sie stärker auf die Probe gestellt. Aneren wird einen Teil der Saat ernten und sich bei Tamror Befremden verdienen. In diesem Raum steht ein Opferaltar mit Messer links des Eingangs, mittig ist eine von Symbolen umgebene Arena zu sehen, an der Stirnwand thront ein Krokodil inmitten eines reich verzierten Thrones. Rechts und links von ihm sind im roten Feuerschein einige Türen zu erkennen. In einer Ecke gibt noch ein Weltentor ein gelbliches Licht von sich. Und während Tamror und Aneren eintreten, Aneren immer noch stolz ihren Kranz tragend, erhebt sich das Ungetüm und spricht sie mit ebenso massiger wie zischelnder Stimme an, wie auch sonst soll jemand klingen der soviel Körpergewicht und Zähne hat. ,,Ich bin Schai-Amun, das Verborgene Schicksal, das die verirrten Seelen verschlingt. Eigentlich darf ich Euch jetzt fressen, aber ich habe meiner Herrin zugesagt, Euch eine Chance zu geben, eine kleine Chance. Ganz einfach: entweder Ihr opfert einen von Euch, oder ihr müßt einzeln einen Zweikampf bis zum Tode bestehen.`` - ,,Den Gegner bestimme selbstverständlich ich,`` fügt er hinzu und leckt sich die zahlreichen Zähne. Aneren beginnt nun fieberhaft zu überlegen. Dies kann nur eine weitere Probe sein, aber wie ist sie zu bestehen? Mit Sicherheit nicht durch die offensichtliche Lösung, aber welches ist die offensichtliche Lösung? Was wird Schai-Amun tun, wenn wir auf keine der beiden Möglichkeiten eingehen, sondern etwas anderes tun, was wenn wir uns zum Schein bereiterklären, daß einer den anderen opfert, ist dies nicht einer Lösung vorzuziehen, wo ein Zweikampf entscheidet, den jeder von uns bestehen muß, ich werde ihn bestimmt nicht bestehen, denn was kann schon eine Frau ausrichten, die sich bislang darauf beschränkt hat, heilende Zauber und Kräuter kennenzulernen und eine Menge über Ihre Religion und Ihre Symbole zu lesen. Was kann eine solche Frau in einem Zweikampf bis zum Tode erreichen, den sie alleine zu bestehen hat. Gegen einen Gegner, der bislang bestimmt nicht die Kunst eine Waffe zu führen als das Unnützeste und Uninteressanteste auf der Welt angesehen hat. Und auch Tamror wird leicht durch einen entsprechenden Gegner zu überwinden sein. Was wenn ich Tamror überrede, mich zu opfern, was bedeutet es, im Tempel einer Göttin des Lebens und der neuen Geburt geopfert zu werden, müßte das nicht eigentlich zum Leben führen und somit der angenehmere Weg aus diesem Raume sein und ein höchst ehrenvoller. Aber dies ist keine sehr klare Aussicht, nichts aber auch gar nichts deutet darauf hin. Tamror drängt indessen zum Kampf, ihm behagt es gar nicht, daß Aneren angesichts dieser Wahl überhaupt überlegt. Nach kurzer Zeit wird mit Schai-Amun genau diese Lösung abgemacht. Mulmig und so gar nicht überzeugt steigt Aneren als erste in den Ring und wartet, wen Schai-Amun für würdig erachtet, sie zu töten. Eine Schakalsmumie erscheint und stellt sich gegenüber auf. Merkwürdige Aussichten, denkt sich Aneren und faßt ihren Magierstab in der Mitte. Dann lodern Flammen aus dem Kreis und trennt die beiden Kämpfenden von der Außenwelt ab. Immer los denkt sich Aneren und versucht als erste anzugreifen, sehr schnell ist dieser Lumpenhaufen ja nicht, aber wahrscheinlich zäh und gut im Nahkampf. Doch da ist noch dieser verflixte Kranz der ihr ausgerechnet jetzt in die Augen rutschen muß. Aneren verspürt einen Biß im rechten Bein. Weiter und bloß nicht den Kranz in die Augen bekommen. Daneben. Ein leichter Treffer. Moment, so geht das nicht weiter, war da nicht noch ein Flammenkreis. Flammen sind ideal gegen Mumien und so treibt Aneren ihren Gegner nicht ohne Mühe an den Rand und dann hinein. Fluff, lodern Flammen und weg ist die Mumie. Nun darf Aneren wieder dem Krokodil in die Augen sehen, das ihr mit sichtbarem Mißvergnügen den Weg zum Weltentor weist. Hier trennen sich die Wege von Tamror und Aneren.

Aneren findet sich in einer geräumigen Höhle wieder, die zu einer Hälfte von einem Teich angefüllt wird. Direkt neben Aneren steht die Statue einer Schlange, mit Edelsteinen und Münzen im Maul. Auf dem Schild unterhalb der Schlange steht eine kleine Inschrift. Weiter entfernt auf der anderen Seite des Wassers steht eine Statue der Göttin. Aneren überlegt ein wenig hin und her. Offenbar soll sie ein Opfer darbringen. Aber es ist nicht richtig, einem Ihrer Geschöpfe zu opfern, mein Opfer gebührt Ihr allein. Also muß ich durch jenes Gewässer gelangen, in dessen Mitte ich bereits schemenhaft ein großes Tier, offenbar eine Schlange gesehen habe. Hmm, einfach mal schauen. Als Aneren an das Ufer tritt, wird sie von der Schlange angesprochen. ,,Grüß Dich, ich bin Salaba, Dienerin der Kebechet. Du könntest mir einen großen Dienst erweisen. Ein böser Djinn hat meine Eier gestohlen und .... Kannst du mir einige bringen. Sie liegen direkt neben seinem Schlafplatz in einem Gelege und er hat einen leichten Schlaf. Du solltest also schleichen, aber sollte er aufwachen, so habe ich einen Zauberspruch, der ihn mit Sicherheit wieder einschläfert, falls er schnell und fehlerfrei aufgesagt wird. Er lautet: ``

schleichend schreitende schlafspender
sanft pfühl sank pfote
sand flausch samtfell
schmeicheln schmiegen
schmusen schnurren
schlummer ein.

Nun, denkt sich Aneren, einer Dienerin der Göttin einen Dienst zu erweisen kann nie von Nachteil sein. Sie macht sich also auf den Weg, nachdem sie einige Male den Spruch geübt hat, und gelangt tatsächlich lautlos neben den schnarchenden Djinn, der in einer Nachbarhöhle wohnt. Nur als sie ein Ei nimmt raschelt es leicht. Sofort erlischt das Schnarchen und ein riesiges Auge öffnet sich nur wenige Fuß von Aneren entfernt. ,,schleichend schreitende schlafspender/ sanft pfühl sank pfote/ sand flaus samktfell/ schmeichelm schmieken/ schmusen schnurren/ schlummer ein.`` (das erste Mal nicht so ganz gelungen) - ,,schleichend schreitende schlafspender/ sanft pfühl sank pfote/ sand flausch samtfell/ schmeicheln schmiegen/ schmusen schnurren/ schlummer ein.``. Der Djinn schläft mitnichten wieder ein, sondern atmet kräftig ein. Aneren schnappt sich schnell noch ein zweites Ei und wird mit einem Luftschwall aus der Höhle geblasen, begleitet von einem mächtigen Gebrüll. Nun immerhin kann Aneren zwei Eier vorweisen und bringt sie zu der silbrigen Schlange. Diese ist überaus glücklich und dankt Aneren herzlich. Warum der Zauber nicht funktionieren wollte, kann sie sich aber auch nicht erklären. Dann erscheint Sie neben Aneren. Eine ganz in blau und grün gekleidete Frau, wunderschön und schimmernd spricht: ,,Ich bin Jamblicha, manche nennen mich auch Kebechet. Einst war ich mit meinem Bruder Satis in ganz Miket als Göttin des Wassers verehrt. Nun bin ich nur einer von vielen Dienstbaren Geistern Ormuts. Mein Teil ist das Leben und das lebenspendende Wasser, mein Bruder Satis umfaßt den Himmel und die Weisheit. Auf Deinem Weg wirst Du noch einigen Dienern meiner Söhne begegnen, aber auch einem meiner ärgsten Feinde, der mir etwas gestohlen hat, nimm das Schlangenamulett an Dich und gib es meiner Botin. Mein Lohn wird reichlich sein.`` Nach diesen Worten öffnet sie die Hände über mich und erfüllt mich mit Ihrem Segen. ,,Meine Dienerin, die Schlange wird Dich hinausgeleiten.``

Die silberne Schlange geleitet mich den Fluß entlang in eine riesige Höhle, in der ich mich erst einmal umsehen muß. Weiter vorne wird die riesige Halle erhellt von einem Flackern das aus einer Schlucht kommt. Vor dieser Schlucht stehen miketische Schriftzeichen am Boden, deren Entzifferung mir nun keinerlei Mühe bereitet. Interessant, als so gut hatte ich mich gar nicht in Erinnerung. Vielleicht hat Sie ja etwas damit zu tun. Hinter der Schlucht erkenne ich die Säulen eines alten Tempels, dort scheint das eigentliche Heiligtum zu beginnen. Zu den Füßen der Treppe die nach oben führt wartet ein Djinn und schaut mich erwartungsvoll an. Scheint er auf etwas zu warten. Jetzt kann ich mir das gut vorstellen. Während ich mich noch umsehe und die reichhaltigen Mosaiken und Fresken betrachte, tritt Tamror zu mir und grüßt mich erfreut, daß ich die Prüfung bestanden habe. Für ihn scheint es keine Schwierigkeit gewesen zu sein, da er keinerlei Kampfesspuren zeigt. Vielleicht ist er ja eher darauf gekommen, daß Feuer gar nicht gut für Mumien ist.

Die Suche nach dem Regenstein 27.08.1994


[spieler35]

Nachdem wir die Gemiedenen, oder wie ich vermutete die Ghule des Al Ain, überwunden haben setzen wir unseren Weg fort. Nach gar nicht so langer Zeit gelangen wir in die Nähe eines Insektenschwarmes, der anscheinend auf uns als Abendbrot gewartet hat oder den wir anscheinend beleidigt, gestört oder beides haben. Er stürzt sich mit großer Vehemenz auf uns und wir können uns der Plage gar nicht erwehren. Es scheint, als hätte uns die Hitze und das Gleißen des Sandes träge und unbeholfen gemacht. Aber reite Du mal wochenlang auf Kamelen durch die Wüste mit nichts mehr als einem zugedröhnten und meist pennenden Führer, nachdem du vorher die deutliche Warnung erhalten hast, dich nicht von blutsaugenden Ameisen in ihren Bau tragen zu lassen. Die ungeschirmte Glut der Sonne zeigt halt ihre Spuren. Aber zurück zu den lästigen Tieren. Tamror gibt recht schnell auf und bevorzugt es, vom Kamel zu springen und die Tiere dadurch loszuwerden, daß er sich wild im Sand wälzt. Damals erschien mir dies als ein guter Ratschlag, obwohl unser Führer Abd el Schrad keine Anstalten machte, sich im Sand zu wälzen. Heute jedoch kann ich davon nur abraten, da bei keinem von uns Komplikationen auftraten, mit Ausnahme von Tamror, der sich ja als erstes im Sand wälzte. Irgendwann falle ich ohnehin vom Kamel, als eines der Tiere in meine Nase gekrochen ist und ich vor lauter Niesen und Husten vergesse, daß ich auf einem Kamel sitze. Ich habe mich ja mitlerweile auch sehr daran gewöhnt, das habe ich mir in meiner Kindheit auch nicht träumen lassen, daß ich mich einmal tatsächlich auf Reittieren zuhause fühlen kann, die die meisten unserer Gelehrten nicht einmal buchstabieren können und mit dem Auftrag einer Göttin, die Jahrtausende in Vergessenheit geraten ist und von der selbst hier nur die Wenigsten wissen. Aber ich will weiter erzählen. Ich verstauche mir den Fuß und muß mit zusammengebissenen Zähnen einsehen, daß es erst einmal wichtiger ist, die Sandflöhe loszuwerden, als über den Fuß zu jammern. Irgendwann haben die Flöhe auch keine Lust mehr, sich an uns sattzutrinken und lassen ab. Auf heftiges Drängen Tamrors, der ein ungutes Gefühl hat - nicht ohne Grund - erzählt Abd, daß diese Sandflöhe Gelbfieber übertragen können, das bis zur Blindheit führen kann. Tamror beginnt bereits Anzeichen von Panik zu zeigen, ob das auch durch Stiche übertragen wird? ,,Hey, Tamror,`` rufe ich, ,,mach dir doch keine Sorgen wegen so eines Fiebers, erstens sind wir alle gestochen worden und zweitens kann ich doch auch Krankheiten behandeln. Es gibt schlimmere Dinge, als gelbes Fieber zu bekommen, wenn eine Heilerin bei dir ist.`` ,,Vielleicht liegen die sogar noch vor uns. Kopf hoch und weiter.`` Mist. Humpelnd klettere ich wieder auf mein Kamel und lächele Tamror zu, dem die Ironie völlig entgangen ist, zu. Auch er klettert brummelnd wieder auf sein Kamel und wir können die Reise fortsetzen. Naja, es sollte ja auch alles schlimmer kommen, aber mehr als ahnen konnte ich das damals auch nicht. Wo war ich stehengeblieben? Ach ja, danach kam der Sandsturm am nächsten Nachmittag. Plötzlich beginnen die Dünen zu singen, ein ganz merkwürdiger Ton, als wollten sie uns klagen, daß ihnen langweile und sie ein Spiel spielen wollen. Abd schaut angestrengt auf einige Wolken am Horizont, die größer werden, tatsächlich ein Sandsturm. Wir hocken uns neben eine große Düne und ziehen die Tiere zu uns. Ganz eng. Und dann geht es auch schon los, ein Heulen und Brausen, Tosen und Wirbeln, nach wenigen Sekunden haben wir vergessen, das es auch noch ein außerhalb des Sturms gibt. Überallhin wird der Sand geweht und nicht einmal Husten kann Erleichterung bringen. Immer wieder müssen wir den Sand von uns abschütteln und uns freigraben. Mitlerweile ist es dunkel geworden, aber der Sturm hält noch länger an. Länger. Länger. Daß nur niemand von uns einschläft, dann wird er in kurzer Zeit völlig von Sand überschüttet sein. Einige Male muß ich Irwn anstoßen, der offenbar eingenickt ist. Plötzlich ist Ruhe. Zögernd bewegen wir uns und schütteln den Sand aus unseren Kleidern, Schleiern, Sandalen, Ärmeln und wohin er noch alles gedrungen ist. Wie durch Watte nehmen wir war, daß der Morgen dämmert und ein wunderschön klarer Sonnenaufgang uns für die schlechte Nacht entschädigt. Während die Anderen Tee aufsetzen schaue ich einmal nach Tamrors Stichen, sie sind stark angeschwollen und ich hoffe, daß er sich nicht infiziert hat. Selbst mit Magie kann ich aber weder herausfinden, ob er vollkommen gesund oder bereits erkrankt ist. Ich erzähle ihm, daß nichts darauf hindeutet, daß er sich dieses gelbe Fieber zugezogen hat, und verschweige ihm, daß nichts darauf hindeutet, daß er vollkommen in Ordnung ist. Damit scheint er zumindest für diesen Tag ein wenig der nagenden Sorgen um sein Augenlicht enthoben. Gefallen tun mir seine Stiche aber nicht. Irwn ist dagegen ok und auch meine Stiche verheilen gut, wir sind wohl völlig gesund. Gegen Mittag treffen wir mitten in der Wüste auf einen Mann, der Ormuts Großmut preist - den er nicht hat, aber weiter - ihm seine Retter in die Arme zu schicken, da doch sein Kamel tot umgefallen ist und er sein Wasser bereits völlig verbraucht hat. Tatsächlich würde ich diesem Mann ohne unsere Hilfe keine zwei Stunden mehr geben. Wir müssen ihn aufnehmen, und Tamror hat ja auch noch ein Reitkamel über. Tamror und mir sind die Motive des Mannes nicht ganz geheuer. Wie kann ein Bewohner Eschars so dumm sein, alleine in die Wüste zu reiten, ohne Führer, mitten durch das Gebiet Al Ains, und dann sein Wasser beim verendeten Kamel zu lassen, um seine Barschaft tragen zu können. Das riecht faul. So etwas würde nicht einmal uns Grünschnäbeln passiern, und wir sind aus einem fernen Land im Norden. Aber wenn uns jemand planvoll diesen Mann als Spion vorbeigeschickt hat, muß er über unsere Position und unser Ziel ganz genau bescheidt wissen. Und das kann nur Al Ain sein, oder ein ansässiger Stamm Wüstenräuber. Wir hätten den Mann ja auch einfach ausplündern können, das alles ergibt keinen Sinn. Daß er lauthals über den Kamelhändler schimpft, der ihm sein Tier zu einem Preis verkauft hat, für den wir froh wären auch nur ein halbes Kamel zu bekommen. Und daß er ihm vorwirft, er habe ein halbtotes Kamel für einen Wucherpreis verkauft, legt für uns die Vermutung nahe, daß wir es hier mit einem Händler zu tun haben, gegen den Tarla spendabel und freigiebig ist. So verkauft ihm Tamror das Reitkamel der glücklosen Wüstenräuber für zwanzig Denur - ein äußerst fairer Preis mitten in der Wüste - und das Wasser erhält er sogar gratis. Am nächsten Morgen entdecken wir in der Nähe Vögel, Geier, die um ein Ziel kreisen. Da ich gerne weiß, was um mich herum vorgeht oder auch nur vorgegangen ist, bitte ich die Anderen erst einmal langsam vorzureiten und Tamror mich zu dem Kadaver zu begleiten. Eine sehr gute Idee wie wir dann auch bemerkten, denn was wir fanden verriet uns viel über unseren neuen Begleiter. Wir finden ein ausgezehrt aussehendes Kamel, das gerade vom Wind freigeweht wird. Es muß kurz vor Einbruch des Sandsturmes verendet sein und die ersten Geier machen sich bereits daran, das innerste nach außen und dann in ihre Mägen zu kehren. So ein Geier muß auch immer Sand mitessen müssen, etwas an das ich mich noch nicht ganz gewöhnt habe. Es trägt noch drei Wasserschläuche á fünf Liter Wasser, alle leer und eine Packtasche mit Sandalen und einem sandfarbenen Umhang. Die Wasserschläuche sind allesamt von schlechtester Qualität und es erscheint uns ein Wunder, daß ein Mann der zu geizig ist, einen Führer zu bezahlen und sich geeignet auszurüsten, überhaupt bis hier gelangt ist. Tamror machte die Aussage, daß der Halbling mit der Karte zu teuer gewesen sei, sehr mißtrauisch, da seiner Meinung nach der Halbling gar kein Geld, sondern nur weg wollte. Unser neuer Wegbegleiter stellte sich übrigens als Madschd es Sadi vor, Händler - was sonst. Abgesehen von einem fast sprichwörtlichem Geiz und einer krankhaften Sucht das Feilschen bis zum äußersten zu treiben, ist unser neuer Begleiter eigentlich ganz nett, zumindest arbeitet er nicht für Al Ain und wir können ihn ja auch nicht in der Wüste zurücklassen, das wäre sein sicherer Tod, da wir ja noch besser in der Wüste überleben können, als er. Geiz ist falsch, wenn es um eine Wüstenexpedition in gefährliches und unbekanntes Gebiet geht. Gegen Mittag geschieht dann auch etwas, was eine Menge über unseren Quadblattkauenden Führer verrät, er schläft ein und sein Kamel trottet weiter. Zuerst merken wir es nicht, da auf uns die Sonne ja mit gleicher Hartnäckigkeit scheint und unser Hirn vertrocknet. Aber mich beschleicht immer mehr der Eindruck, daß wir zuweit nach links abkommen, einige Male werfe ich einen mißtrauischen Blick zu Abd hinüber, aber was ich sehe ist nicht dazu geeignet mein Mißtrauen schwinden zu lassen. Als auch noch Tarla mißtrauisch wird und sich irritiert umblickt, reiten wir nach vorne zu Abd und sprechen ihn erst einmal an, keine Reaktion. Als er auch auf lauteres Zureden nicht anspricht, nehmen wir sein Kamel am Zügel und uns vor, ein gutes Auge auf ihn zu haben, schließlich hätte dies leicht tödlich für uns enden können. Nun reite ich mit Tamror vor und leite uns so gut es geht in die Richtung, die mir Tarla als Westen beschreibt. Plötzlich bleibt mein Kamel stehen. Irritiert schrecke ich hoch und schaue mein Tier an. Es weigert sich weiterzureiten. Also sitze ich ab und schaue genauer, was da eigentlich zu seinen Füßen ist. Hoffentlich keine Schlangen. Aber ich entsinne mich auch noch genau des Feschfeschs und wie es einfach so ein paar Iklan verschluckt hat, die so leichtsinnig waren, unsere Karawane auch nur um wenige Meter seitlich zu verlassen. Tatsächlich beginnt vor mir ein Feld, wo der Sand eine leicht dunklere Färbung hat. Mißtrauisch berichte ich Tamror von meiner Entdeckung. Und wir müssen auch zugleich sehen, daß Abds Kamel nicht unseren pennenden Führer in den Treibsand trägt. Im Augenblick scheinen wir wirklich unsere eigenen besten Führer zu sein. Hmm, das Feld scheint sich ein wenig nach links vorne zu erstrecken und so schlage ich vor, links um das Feld herumzureiten. Zu meiner Erleichterung kann ich nun auch vom Kamel aus erkennen, wo fester Boden ist, so daß ich nicht auch noch durch den hohen Sand stapfen und es führen muß, aber auch das sollte mir nicht erspart bleiben. Naja, am Abend ereichen wir endlich ein Wasserloch, ich begann mir bereits Sorgen zu machen, da wir unseren Kamelen vorgestern Wasser gegeben hatten und sie bestenfalls vier Tage ohne auskommen. Am Wasserloch begegnet uns dann auch sogleich eine Frau, die recht unhöflich fragt, bessergesagt uns ruppig darauf hinweist, daß es nun angesagt wäre, ihr die Eimer Wasser nachhause zu tragen. Tamror läßt sich wirklich darauf ein, immerhin nicht ohne selbst ein paar große Schlucke genommen zu haben und ich begleite ihn um herauszufinden, welche Neuigkeiten es über Al Ain gibt. Auf meine mit nicht gerade gut verstecktem Mißtrauen gestellten fragen bezüglich ihres Nachbarn Al Ain, antwortete sie erst einmal mit 'na, hoffentlich nicht Nachbar'. Und als Dank für das Wassertragen schenkte sie uns den Trost, daß Al Ain hier noch weit entfernt ist, wen wundert das schon direkt am Rande des Reg Taifs, und ein Bündel Kräuter gegen Giftschlangen, die hier recht zahlreich sein sollen. Ach diese Wasserstelle war wirklich schön, mehrere kleine Rinsel flossen aus dem roten Gestein und sammelten sich zu unseren Füßen in einem klaren kühlen See. Etwa so groß, daß fünf Kamele gleichzeitig trinken können. Dies war ein schöner Rastplatz für diesen Abend, denn morgen sollte es in das Reg Taif gehen. Soweit ich aus Abds spärlichen Gesten und Bemerkungen entnehmen kann der unangenehmste Teil unserer Reise. Dem kann ich eigentlich nur Zustimmen, denn unseren ersten Ritt durch das Reg Taif zusammen mit Amanug habe ich in keiner guten Erinnerung, gewaltige Hitze, Trockenheit, einige nicht so zähe Menschen sind einfach umgefallen und wir mußten sie bis zum Abend auf Kamele verladen, da sie gewaltige Kopfschmerzen und Kreislaufbeschwerden bekamen. Und tatsächlich am nächsten Nachmittag ist das Reg Taif, das wir erreichen mindestens so schlimm wie ich es in Erinnerung habe, am nächsten Tag wird es noch schlimmer und am dritten Tag höre ich auf es mit etwas zu vergleichen, was ich bisher erlebt habe. Nur raus hier. Gegen Mittag meint Abd etwas von Hamada und wir erfahren schnell, was dies Wort bedeutet. Die Steinwüste wird hier so scharfkantig, daß wir unsere Kamele führen müssen. Abds Bemerkung hoffentlich hätten wir Ersatzschuhe mitgebracht überhöre ich erst einmal geflissentlich. Als ich am Abend die Überreste meiner Sandalen betrachte schwant mir schlimmstes und gegen Mittag muß ich barfuß weiterlaufen. Nun schneiden die scharfkantigen Spitzen und Steine direkt in meine Füße und nachdem ich bereits kurz nach Mittag meine Wunden heilen muß, mit Magie versteht sich, ist es bis zum Abend bereits noch schlimmer geworden, meine Füße bluten bis zu den Waden stark und durch den Blutverlust wird mir schwarz vor Augen sobald ich mich bücke. Aber es hat keinen Sinn, wir müssen weiter, egal wie! Das Kamel, das Tamror Madschd verkauft hat, ist bereits zwei Stunden vor unserer Abendrast umgefallen und auch meine Kamele haben seit zwei Tagen kein Wasser mehr erhalten. Lange können wir hier nicht mehr überleben. Dies im Hinterkopf erkundigt sich Abd el Schrad, warum wir eigentlich so langsam sind, nach einem Blick auf meine Füße verdüstert sich seine Stirn und er brummt mitfühlend. So geht es nicht weiter, zumal ich nicht glaube, daß meine Füße heilen, wenn ich auf ihnen herumlaufe. So bin ich mehr als dankbar, daß Abd bereit ist mir seine Schuhe für zwei Denur zu verkaufen. Das ist zwar nicht wenig, aber immer noch besser als die zwanzig Liter Wasser, die Maschd dafür verlangt, uns die Schuhe zu geben, die wir ihm einfach so zurückgegeben haben, halt weil es seine Schuhe sind. Naja, Fluch über seinen unangebrachten Geiz. Von mir bekommt er kein Wasser ab, solange er nicht kurz vor dem Tode steht. Tamror ist noch so nett, mir die Füße zu verbinden. Dies ist zwar nur ein Tropfen auf den heißen Stein aber immer noch besser als gar nichts. Bereits kurz nachdem wir am nächsten Tag aufgebrochen sind, Tamrors Kamele mußten wir bereits zurücklassen, merke ich wie mir die Sinne ob der Schmerzen zu schwinden beginnen. Gerade noch genug Zeit für einen Zauber, der mich alleine mit Willensstärke aufrecht hält und meine letzten Reserven raubt, aber ich halte bis zum Abend durch und falle sofort in Ohnmacht, als wir unser Abendlager erreicht haben. Am nächsten Morgen weckt man mich mit Mühe und ich stelle mich schon gar nicht mehr seelisch darauf ein, einen ebensolchen Tag wie den gestrigen zu erleben, ich zaubere schon vorsichtshalber und beschränke mein Denken darauf einen Fuß vor den anderen zu setzen. Einige Stunden nach Aufbruch endet das Reg Taif und wir können aufsitzen. Nachdem ich mich auf mein Kamel gesetzt habe, dämmere ich nur so dahin und bete, daß wir bald an ein Wasserloch gelangen, sonst ist es unser sicheres Ende. Gegen Abend erreichen wir glücklich die ersten Ausläufer der Oase Esch-scheindi. Erst nach und nach wird mir klar, daß sich alle Leute hier auf den Krieg vorbereiten. Wir sehen überall Fahnen mit einem schwarzen und einem weißen Säbel, gekreuzt vor einem blutroten Hintergrund. Dies ist das Zeichen der Garde Ormuts. Bereits Schwierigkeiten vermutend werden wir direkt in das größte Haus am Platz gebracht und vor den Großsherrif geführt. Er residiert in dem Ratshaus der Stadt und genießt unglaubliche Ehrfurcht bei seinen Untertanen, das wird uns schnell klar, als alle Anwesenden sich beinahe so tief verneigen, wie sonst nur im Gebet zu Ormut üblich. Hoffentlich läßt er uns passieren und wir werden nicht mit in den Feldzug gegen die Truppen Al Ains verwickelt, denke ich noch, als ich mich verneige. Hoffentlich macht keiner von uns Schwierigkeiten. ,,Worin reist Ihr¿` fragt er. Oh Gott - ,,Nach Musir(?), nur dieser Mann``, sagt Tamror auf Madschd weisend, ,,will nach Taut.`` - ,,Ihr reist im Kriegsgebiet, so werdet ihr doch einen Grund haben, diese weite Reise zu unternehmen.`` Betretenenes Schweigen. ,,Was haltet ihr den von einer Spende für die Interessen Ormuts¿` sagt er nicht ohne eine gewisse Schärfe. Plötzlich dreht Tamror durch, er springt auf und zückt zwei Dolche. Dann, als er sich vier Wachen gegenüber sieht, reicht er ihnen die Dolche mit dem Griff zuerst und läßt sich unwillig aber nicht weitere Schwierigkeiten machend fesseln und abführen. Ich bin schockiert. ,,Verzeiht das ungebührliche Benehmen meines Begleiters, er hat auf dem Weg hierher seine zwei Kamele in der Wüste verloren und wir sind noch von den Entbehrungen der Reise gezeichnet. Ich werde sechs Denur für den Kampf gegen Al Ain spenden.`` Sage ich schluckend. Puh, das hätte ins Auge gehen können, Tamror mit seinem verdammten Ehrbegriff und seinem leicht zu kränkenden Selbstbewußtsein hätte uns in noch größere Schwierigkeiten, wenn sein Plan, den Großsherrif als Geisel zu nehmen, Erfolg gehabt hätte. Erleichtert sehe ich, wie sich die sehr abweisende Miene des Sherrifs aufhellt und auch die anderen einen entsprechenden Geldbetrag spenden. Ich bekomme ein großzügiges Zimmer zugewiesen und erhalte auch ein Abendessen mit Wein. Vielleicht war ich doch etwas spendabel, aber wenn ich zuwenig gegeben hätte, wäre unser Unternehmen mit Sicherheit bereits einige Meilen vor Taut gescheitert. Im Gefängnis oder in den unfrei(willig)en Truppen des Ordens. Endlich fällt die ganze Anspannung von mir ab und ich habe nicht mehr die Kraft, mich zu waschen oder auszuziehen, bevor ich auf meinen Diwan falle. Am nächsten Morgen erwache ich von meinen schmerzenden Füßen. Da muß ich dringend etwas dran tun und auch der Blutverlust macht mir zu schaffen. Immerhin habe ich keine Wundinfektion von meiner Leichtsinnigkeit davongetragen, aber Adb el Schrad hätte ruhig ein paar Worte vor Beginn unserer Expedition über das Schuhwerk verlieren können. Nachdem ich mich nun gewaschen und meine Füße neu verbunden habe, finde ich die Kraft nach den anderen zu sehen. Tamror ist in das Gefängnis gebracht worden, dort wird er, für das was er versucht hat, recht gut behandelt und wie mir zu Ohren gekommen ist, wird er gegen eine entsprechende Spende auch freigelassen, hoffenlich ist er jetzt nicht zu knausrig. Die Anderen sind ebenfalls ihrer Spende angemessen gut untergebracht und wir wollen morgen nach Taut weiterreisen, heute will ich erst noch einmal meine Füße schonen, denen es den Umständen entsprechend schon wieder sehr gut geht, aber ganz wiederhergestellt bin ich noch nicht. So verbringe ich den Tag ruhend und meditierend. Auf meine Erzählung hin, ich sei Heilerin und wäre heute noch für alle Menschen zu sprechen, kommt tatsächlich ein junger Nomade zu mir. Er ist von den Truppen Al Ains verletzt worden und befürchtet schon, daß ihm sein Schwertarm abgenommen werden müßte, um einer Blutvergiftung entgegenzuwirken. Heute scheint meine Magie sehr gut zu wirken, kein Wunder nach einer solch königlichen Nachtruhe, und ohne daß ich noch einen Verband umlegen müßte ist der Arm vollständig geheilt. Damit habe selbst ich nicht gerechnet. Von besagtem Nomadenjungen erfahre ich noch etwas über eine verwundschene Mine in der Nähe von Taut, eine alte stillgelegte Silbermine, in der es spuken soll. Außerdem soll wer immer das Silber berührt hat, nicht mehr davon lassen können. Punkto Magie, Tamror ist vor zwei Tagen fast über eine Schlange gestolpert, als wir unser Nachtlager einnehmen wollten. Sie kroch eilig weg. Sein ,Schöner Gruß von Kebechet` fand Abd el Schrad daraufhin aber alles andere als angemessen. Ich fürchte für einen Ormutgläubigen ist dies eine schwere Gotteslästerung. Nur ruhig, Aneren, übermorgen bist du an der Reihe. So, am nächsten Morgen heißt es aufbrechen. Wir müssen die ruhige und angenehme Lagerstätte wieder gegen den Rücken eines schaukelnden Kameles eintauschen, zum Glück geht es heute nicht mehr durch das Reg Taif sondern nur die normale Wüste, die mir im Vergleich zum Reg Taif wie ein Vorgarten vorkommt. Tamror hat sich ein neues Kamel gekauft und ich bin einfach froh, morgen am Ziel zu sein und mir keine Sorgen mehr um Wasservorräte und verdurstende Kamele zu machen. Während ich noch so in Gedanken bin erkenne ich vor uns in einem Tal Taut, und freudig trabt mein Kamel los. Freudig? Nein vielleicht doch etwas halsbrecherisch. Und nicht ohne Mühe im Sattel zu bleiben bringe ich mein Kamel erst nach gut fünfhundert Schritt zum Halten und erkenne, als ich auf die anderen zurückblicke, die fast alle noch auf der Höhe stehen, welch halsbrecherische Fahrt ich hinter mir habe.

Tamror und ich erkennen in der Ferne bereits die Mauern von Taut. Oberhalb der weiß gekalkten Häuser, direkt zu Füßen der riesigen dunklen Mauer ist die blaue Kuppel des Ormuttempels zu erkennen. Über ihr thront der Djebel al Taut, der Berg Taut, der das sagenumwobene Heiligtum beherbergen soll, als rötlicher Fels vor dem tiefblauen Himmel. ,,Was ist denn das für ein Schrein,`` fragt Tamror und weist auf ein kleines weißes Gebäude am Wegesrand. ,,Für einen Brunnen ist es zu kurz, für ein Wohnhaus zu klein, vielleicht ein Gedenkschrein zu Ehren Kebechets,`` antworte ich kurz darauf. ,,So ein Mist, daß wir immer noch nicht scharidisch lesen gelernt haben, direkt oberhalb der Türöffnung steht etwas und innen kann ich eine Statue erkennen, ein Mann.`` ,,Ach das hier meint ihr,`` unterbricht uns Abd, unser etwas schläfrige Führer, dem wir immerhin verdanken, heil hier vor Taut zu stehen. ,,,Dies ist ein Schrein zu Ehren von Musim el Mubarad, dem Obersheriff anläßlich des zwanzigsten Jahrestages des Sieges bei Taut.` steht dort oben.`` ,,Musim wird echt wie ein Heiliger verehrt,`` meine ich kopfschüttelnd zu Tamror, der seinen eigenen Gedanken nachgeht. So wie er dasteht, die Umgebung mustert, die Stirn in Falten gelegt und die Augen zusammengekniffen, läßt sich nichts gutes erahnen. Wahrscheinlich brütet er über einen Plan, Musim die erfahrene Kränkung heimzuzahlen. Und wie ich ihn so kenne wird er dabei jedes Maß in der Tasche lassen.

Am Abend dieses schönen Tages, ach heute bin ich guter Laune, haben wir in der Karawanserei unser Quartier bezogen. Madschd hat uns fürstlich entlohnt, für seine Verhältnisse, sein Leben ist ihm genau siebenunddreißig Kupferstücke wert, uns mehr. Aber mir soll das nicht den Abend verderben, nach zwei Wochen harten Entbehrungen in der Wüste haben wir nun eine Oase erreicht, in der das Wasser fließt, manchmal sogar zuviel, so daß die Bewohner dieser Oase vor vielen Generationen eine Staumauer gebaut haben, um die Stadt zu schützen, wenn das Wadi, so nennen sie hier eingetrocknete Flußläufe, nach einem Regen Wasser führt. Und hier wartet ein interessanter Ort auf uns. Keine Ärgernisse mit einem durchgedrehten, machthungrigen Zauberer, der seine Nachbarn terrorisiert, sondern tatsächliche Spuren der alten miketischen Religion und der Hochkultur, die auf so tragische Weise unterging. Hoffentlich um jetzt wiedererweckt zu werden, diese arroganten Ormutis gehen mir langsam auf den Daumen. Hier wartet eine Silbermine auf uns, und ein altes Heiligtum von Ihr, nebst irgendetwas unangenehmen, wenn ich mich nicht irre. Jamblicha hatte da irgendetwas erzählt, wir würden noch ihrem Erzfeind aus der Luft begegnen, ihm sollten wir ein Amulett entwenden und zu Ihr bringen. So jetzt werde ich aber erst einmal ins Bett gehen, zumindest augenscheinlich, denn ich habe mich schon lange nicht mehr mit Ranet gesprochen, er fehlt mir direkt.

Gestern abend haben wir noch unseren neuen Führer gefunden, der wirklich eine Menge über die Gegend hier bescheid weiß. Er erzählte uns, daß ein merkwürdiges Wesen auf dem Berg Jebel Taut lebt, und daß einige Denur ausgesetzt sind für denjenigen, der seinen Kopf dem reichsten Mann der Stadt bringt. Dieses Wesen soll eine finstere Kreatur sein, die sogar fliegen kann. Eigentlich kein schlechtes Angebot, zumal Tamror meinte, das sei wohl genau das, was wir ohnehin tun sollten. Meiner Meinung nach können wir unserem Führer vertrauen, er ist leicht zu begeistern und scheint eher ein Abenteurertyp zu sein. Dafür spricht auch, daß er sich mit einer Gewinnbeteiligung bei der Drachentötung zusätzlich zum normalen Lohn einverstanden ist. Das ist eine angenehme Abwechslung und ich finde, wir könnten ruhig durchblicken lassen, daß wir nicht nur der Denur wegen auf den Berg ziehen wollen. Das Quellheiligtum soll am Beginn des Wadis liegen, das wissen wir schon, die Silbermine ist angeblich von Geistern heimgesucht, die den unbefugten Eindringling verwirren und gefährden, das alles hört sich stark nach dem Heiligtum der Paschet an, wo uns Tephnachtes Namen die Pforte zum Quellheiligtum öffnen soll. Wie auch immer, ich bin sehr zufrieden mit unserem Führer und daß wir nun endlich am Ziel unserer Wüstenreise angekommen sind. Ich hatte schon starke Befürchtungen, daß wir Ärger mit Al Ain bekommen, nachdem Ranet mir dieses vieldeutige Bild gezeigt hatte, als ich davon sprach, was wir vorhatten. Ich wurde von einer Ameise zum Ameisenbau geschleppt und dort begannen sie mein Blut auszutrinken. Dies wird sich wahrscheinlich auf die Festung Al Ains bezogen haben, die ich daraufhin auch möglichst weiträumig gemieden habe. Aber ich stelle da noch so manche Parallel zur Situation in Esch-schaindi fest, wo wir von gepanzerten Wachen direkt in das Zentrum der Stadt, vor den Obersheriff geführt wurden und uns nahegelegt wurde, recht freimütig zu spenden, daß Ormut seinen Kriegszug gegen den ketzerischen Al Ain führen könne und das Recht der Gerechten wieder Einzug hält in die Berge westlich des lieblichen Sabil, Garten in der Wüste, bla bla...Hoffentlich ist Al Ain nicht ein stiller Verbündeter für uns, die wir doch einige Teile der Kultur und Religion der Miketer wiedereinführen wollen. Heute werde ich mich einmal endgültig dem Buch widmen, in dem ich schon auf unserer Reise einige Male gelesen habe und das sich mit Zaubersprüchen rund um das Wasser beschäftigt. Hier in Eschar bestimmt ein nicht zu unterschätzender Schatz, auch wenn der erste Spruch, mit dem ich Metalle verrosten lassen k ann nicht ganz meinen Geschmack trifft, so etwas wie Wasser beschwören wäre mir da schon erheblich lieber. Aber wir werden sehen, was der zweite Zauberspruch für mich bereithält, den ich bislang nicht in der Lage bin zu verstehen. Vermutlich muß ich daß Buch von vorne bis hinten durcharbeiten. Also heute ist der Rost dran. ,,Nimm dir einen Wassertropfen und betrachte ihn genau, mache Dich mit seiner Energie vertraut, lerne die Kräfte in ihm zu spüren, erkenne die Natur des Wassers. Nimm Dir ein Stück geschmiedetes Erz, betrachte es genau, erkenne, wie es von Menschenhand gereinigt, geformt wurde um das leisten zu können, wozu es sein Erschaffer gedacht hat. Erkenne daß es nicht mehr im Naturzustand ist, daß es in der Natur in kurzer Zeit wieder zu dem wird, was es war, ein formloser Klumpen nichtglänzenden, porösen und zerbrechlichen Materials. Dies ist der Naturzustand, erkenne seine Energie und vergleiche sie mit der Energie des Metalls vor Dir. Wenn du den Unterschied genau fühlen kannst, dann bist Du bereit den Versuch zu wagen. Nimm den Wassertropfen zwischen Daumen und Zeigefinger und zerreibe ihn, erfühle seine Energie, seine verändernde Kraft, die Kräfte der ewig wandelnden Natur, des alles formenden Wassers, und sei es Stein, der geformt wird in Generationen. Diese Energie schicke auf das Metall, konfrontiere die klare Form und den klaren Glanz des Metalls mit der Kraft der Veränderung, wenn es dir gelingt, wird das Metall beginnen sich zu verändern, das Wasser wird es umspülen, es lösen. Dann ist Dir gelungen, was ich Dir zu Anfang vermitteln wollte, zu erkennen, was das Wesen des Wassers ist und welche Kräfte darin schlummern, laß uns schauen, was es mit anderen Stoffen zu tun vermag und wie es zu Dir steht.`` Tatsächlich, es ist mir gelungen, die Kupfermünze in meinem Schoß wird grün, verfärbt sich grünlich, bläulich und bröckelt, jetzt sieht sie aus, als habe sie seit den Zeiten der Miketer in den Wogen der Meere gelegen und sei umspült worden. Ein Spruch noch ohne großen praktischen Nutzen, aber vielleicht irgendwann von Nutzen. Wirkt er doch auch auf Eisen und andere Metalle. Interessant und was steht hier nun weiter?

,,Wisse Schüler des Wassers, daß Wasser nicht einfach nur Wasser ist, Wasser ist die Quelle des Lebens, in Wasser ist Leben und Wasser erhält Leben. Wir Landbewohner haben auch einmal in den Fluten des Meeres gelebt und mit den Geschöpfen des Wassers verbinden uns auch jetzt noch Familenbande. Wasser war unsere Heimat und daß wir es schaffen, darin zu ersticken zeigt nur, wie stark wir uns von unserem Ursprung entfernt haben. Denke darüber nach. Im Wasser leben und atmen Tiere die so gewaltig sind, daß wir sie uns kaum vorstellen können, selbst für sie reicht die Atemluft, die im Wasser sprudelt. Auch für uns ist genügend da, wenn wir uns dem Wasser hingeben und nicht in den alten Irrtum verfallen, wir müßten ersticken, wenn wir Wasser atmen. Lese nun begieriger Schüler der Geheimnisse, wie dies zu bewerkstelligen ist...``

Na das hört sich schon toll an, aber hier in Eschar? Trotzdem ist das Wasser vielversprechendes Element und kann die Wunden des Feuers heilen. Auch in Eschar. Ach, heute war ich auch noch beim Priester des Ormuts und habe einmal diplomatisch angefragt, wie der Stand der Wissenschaften ist. Unerfreulich, wirklich. Obwohl der Priester recht nett war und sich mein Anliegen, mehr über die Geschichte des Quellheiligtums herauszufinden, nicht verurteilt hat, habe ich doch mehr Vorurteile als Wissen erfahren. Unter anderem sollen dort zu Ehren einer Schlangengöttin Menschenopfer dargebracht worden sein, grausame Riten und ketzerische Lehren sollen von dort ausgegangen sein und den Einfluß des verrückten Kultes könne man noch heute in der Silbermine erkennen, die die Menschen habgierig macht und von dem rechten Pfad Ormuts wegbringt. Ormuts Diener haben damals dem dämonischen Treiben jenes Kultes Einhalt geboten und es sei durchaus nicht im Sinne der rechten Lehre, sich allzuviel mit den Geschehnissen von damals zu beschäftigen. Der Kult der Schlangengöttin übe durchaus noch heute Anziehungskraft auf bestimmte labile Menschen aus, die dann zu dämonischen Opfern und widernatürlichen Götzendiensten gezwungen werden.

Und was die Sache anbeträfe, daß ich mich allzusehr damit beschäftige, damals sei die Kultur der Miketer durch eine grausames Strafgericht der Götter von Eschar getilgt worden, dessen nachteilige Folgen zum Teil noch heute andauern und noch lange werden ganze Landstriche unter den unheiligen Kreaturen von damals leiden. Ich sollte durchaus aufpassen, daß ich nicht vom rechten Weg abkäme, der auch für Ausländer von Ormut vorgeschrieben sei. Er habe nichts schlechtes über mich vernommen, aber mein Aussehen deute durchaus auf eine Strafe der Götter hin.

Halbwahrheiten alles, und diese Vermischung aus Wahrheit und Lüge macht das Ganze so gefährlich. Morgen werden wir aufbrechen und hinter der Mauer durch das Wadi waten, bis wir an das Quellheiligtum gelangen. Bevor ich es vergesse, Madschds Frau hat heute einen wahrhaft fürstlichen Lohn für uns vorbeigebracht, ihr ist das Leben ihres Mannes tatsächlich einige Denur wert, die sie uns auch unter reichlichen Entschuldigungen für das unehrenhafte Benehmen ihres Mannes vorbeibrachte.

Dulnaks Reise nach Eschar

Dulnaks Bericht über die Geschehnisse seit Westernis (in Stichworten und etwas entwirrt): in Westernis, wo wir Euch verloren haben, erhielt ich mit einem Mal einen Schlag auf den Kopf, Johannisbeersaft auch, Gedächtnisverlust, als ich erwachte, fand ich mich mit Johannis auf einem Schiff wieder, ich war gefesselt und geknebelt, Johannis war an den Füßen gekettet und mußte als Rudersklave arbeiten, (Dulnak erwähnt in diesem Zusammenhang noch einmal das Zeichen, das sie in Corinnis kennengelernt haben, die sich windenden Schlangen am Unterarm, aber wir können nicht herausfinden, was es damit auf sich hat), dann bricht ein Sturm los, der tagelang wütet und ich befreie mich, schlimmstes ahnend, von meinen Fesseln und kann noch Johannis losmachen, bevor der Mast und das Schiff bricht und untergeht, ich klammere mich an ein Stück Planke und verliere nach Tagen die Sinne, als ich wieder zu mir komme, liege ich an einem unbekannten langen Sandstrand, die Planke noch in der Hand, über und neben mir leise Wellen, ein völlig unbekannter Ort, irgendwo an der Küste Eschars, was ich damals weder wußte noch ahnte. Ich wanderte Tage, Wochen an der Küste entlang, dann einen Fluß Richtung Landesinnere, nach einigen Tagen treffe ich an einer Straße auf Menschen, deren Sprache zu verstehen ich nicht in der Lage bin, die mir aber helfen und mich mit Wasser und Essen versorgen, ich hatte seit Tagen nichts mehr getrunken und ewig keine Nahrung mehr zu mir genommen, der Ort hieß ungefähr Meerchan, langsam lernte ich ihre Sprache und konnte dann auch gegen Geld arbeiten, dann zog ich weiter nach Estoleo, nur ein paar Tagesreisen, falls man ein Kamel hat, um Euch zu suchen, dort erfuhr ich, daß ihr weiter nach Qum al Nashir gezogen seid, wiederum ohne Kamel machte ich mich auf den Weg zur Oase, dort erfuhr ich, daß die letzte Karawane bereits fortgezogen war, durch Zufall konnte ich einem Kind helfen, die Eltern waren sehr dankbar und mit den Mitteln konnte ich mich einer Karawane gen Osten folgen, dann arbeitete ich auf einem Schiff, das Richtung Osten fuhr, immer auf der Suche nach Euch, dann fuhr ich mit Barken einen Fluß hoch, Richtung Nedschef. Als ich nach Euch fragte, sagte jemand von der Wache, er hätte Euch gesehen, aber ich sollte den Wesir fragen. Eine Zeitlang war ich ratlos, erfuhr dann, daß ihr in Richtung der Oase Chetra aufgebrochen seid.

Plötzlich erfuhr ich, daß ihr gesucht werdet, von den Schergen des Wesirs, ich wandte mich nach Meknesch, dort wart ihr aber nicht lange geblieben und Eure Spur war schwer zu finden. Dann hatte ich Glück, ich stolperte auf der Straße, fluchte in meiner Sprache und vor mir stand ein Junge, der offenbar etwas über Euch wußte. Gegen Geld erfuhr ich, daß ihr nach Titiareth gereist seid. Dorthin reiste ich mit Fremden mit, traf in der Karawanserei den Halbling Redo Bandelin. Dieser regte sich furchtbar auf, erzählte von Wüstengängern und Blutsaugern, wir seien in der Wüste verloren. Dieser Halbling gefiel mir nicht, und so nahm ich, alleine, die direkteste Route über Lamaduf. Wegen einer Belagerung durch einen Zauberer aus den Bergen, ging keine Karawane mehr.

Allerdings hatten sich einige reiche Händler zusammengefunden, die sich nicht hindern lassen wollten, sie mieteten zwei Dutzend schwer bewaffnete Söldner, beluden ihre Kamele reichlich mit Schmuck und Gewürzen. Der Anführer versprach mit mitzunehmen, wenn ich meine Fähigkeiten und mehr für die Karawane einsetzen würde. Lamaduf haben wir umgangen, jedoch näherte sich in einer Schlucht eine Staubwolke, das waren die Marabitum, den Blick der trüben willenlosen Augen werde ich nie wieder vergessen. Die Krieger waren gut ausgebildet und ich tat das Meinige dazu, so daß wir durchkamen.

Allerdings mußten wir die letzten Tage ohne Wasser reisen, denn der letzte Brunnen war vergiftet. Als wir endlich in Eschaindi ankamen, erfuhr ich, daß ihr erst vor kurzem abgereist wart. Ich hatte alles außer meinem Dolch für ein schnelles Kamel hergegeben. Plötzlich in der Nacht spürte ich, wie etwas in meiner Nähe war, ich fühlte mich beobachtet, sah einige Meter entfernt zwei rotglühende Augen in der Dunkelheit und spürte, daß ich dieser Kreatur nichts entgegenzusetzen hatte. Das Wesen begann mich zu verspotten und über mich zu lachen, ließ mich aber seltsamerweise leben. Sicher bin ich mir nicht, aber ich glaube, es hatte keine Flügel. Ich stieg am nächsten Tag auf mein Kamel und ritt in die richtige Richtung, ohne Wasser, und mit meiner letzten Kraft habe ich nun diese Stadt und die Karawanserei erreicht.

Und Euch gefunden.

Material

der Zettel, den wir im Lagerfeuer gefunden haben: ,,Folgt uns! Wenn Alamans Auge sich über den Rand der Welt erhebt, achtet immer auf meine Fackelzeichen. Seht ihr die Feuerschlange, schlagt in dieser Nacht zu. Seht ihr den Feuerkreis ist alles erledigt und ihr könnt mich abholen. Seht ihr das Feuerkreuz, so sucht man nach Euch, und ihr müßt vorsichtig sein.``

Ergebnis der Analyse eines Handförmigen Metalls:

Fundort: 200m südöstlich der Oase Albankor al Seribar; Aussehen: 20 Finger lang, 7 Finger breit, 3[tex2html_wrap_inline81] Finger dick, Form eines verkrampften abgeschlagenen Stumpfes, ca. 6kg Gewicht, etwas leichter als Eisen, allerdings deutlich härter, keine Verfärbung an der Oberfläche feststellbar, vermutlich massiv aus einem einzigen Material, dunkelgraue Farbe mit lila-bläulichen Glanzlichtern (im Fackellicht), noch leicht wärmer als die Umgebung, leitet Wärme besser als Eisen, verfärbt und verformt sich auch bei Erhitzen nicht, die Oberfläche ist sehr glatt und weist keinerlei Guß-, Schmiede- oder Schleifspuren auf; Magische Analyse: vermutlich magischen Ursprungs, Metall ist bislang auf Midgard unbekannt, die Hand war vor dem Verschwinden des Geistes deutlich beweglich, noch eine schwache dämonische Aura; Behandlung: Da sich das Material einer Zerstörung widersetzt, schlage ich vor den Gegenstand außerhalb des Dorfes zu vergraben, ideal wäre ein Einschmelzen, ins Meer werfen oder in einer tiefen Schlucht versenken. Selbst das Erforderliche Austreiben des dämonischen Einflusses würde wahrscheinlich dem Material wenig von seiner Gefährlichkeit nehmen, da nichts über dieses Metall bekannt ist und es vermutlich Chaoswesen anzieht.

Von einer Giftigkeit ist mir nichts bekannt.

Ergebnis der Analyse einer schwarzen Robe:

zusammen mit oben beschriebener Hand gefunden, Material ist von schwarzer Färbung, matt und ohne Glanzlichter, außergewöhnlich leicht, seidenartig, der Stoff ist allerdings rauh auf der Haut und kann schlimme Schürfungen verursachen, dies stammt vermutlich von eingearbeiteten Widerhaken, von einer Giftigkeit ist nichts bekannt, ich vermute allerdings gesundheitliche Schäden bei längerem Kontakt, kein organisches Material, denn es verbrennt zu schwefligen Dämpfen; vermutlich ist die Robe ein magischer Fokus, der Geistwesen den Aufenthalt in unseren Sphären erlaubt, ob die Robe eine antimagische Wirkung hat, konnte ich nicht feststellen; Behandlung: Das fragliche Stück wurde von mir bereits verbrannt.

Liebe Tante Kly,

jetzt möchte ich Dir nach langen Jahren wieder einmal schreiben, da ich nun vom Schicksal wieder in Richtung Erainn geleitet werde. Wie ich Dir später erzählen werde, hatte es mich nach Eschar verschlagen, auf jenen Kontinent, von dem in unseren Sagen immer als der unterm Sand vergrabenen Perle die Rede ist. Einige Perlen habe ich tatsächlich im Sand gefunden und ich bin Zeuge des Wiedererstarkens einer jahrtausendelang verschütteten Kultur geworden, bzw. habe mich selbst darin verwickeln lassen. Die Eschaindis, die zur Zeit noch gar nicht ermessen können, welche Probleme sie in Zukunft mit einem lange als ungefährlich geglaubten Schwarzmagier bekommen werden, haben seit Jahrhunderten einer stark polarisierten und dualistischen Religion gehuldigt und (leider) alle Hinweise auf andere Denk- und Glaubensweisen systematisch in den Bereich des Aberglaubens verbannt. Aber auch hier gab es einmal eine sehr hochstehende Kultur, die neun Göttern huldigte.

Eine dieser Göttinnen, Kebechet hat sehr viel Ähnlichkeit mit der nährenden Mutter, die wir hier in Erainn kennen. Kebechet gilt nun unter dem Namen Jamlicha als eine der dienstbaren Geister Ormuths, immerhin ist der Glaube daran nicht völlig ausgestorben. Dieser ,Göttin` hat es nun gefallen, uns dazu auszuerküren, eine ihrer Glaubensgemeinschaften in einem unzugänglichen Tal in den Bergen Eschars aus der Sklaverei zu holen und die Tyrannei des Sonnengottes (ihres Sohnes) zu beenden. Eschar litt in den letzten Jahren an immer stärkerer Dürre und die Wüste war einstmals fruchtbares Ackerland. Einer unserer Gefährten ist nun sogar in den Kult eingeweiht worden und fristet nun sein Dasein als an strenge Auflagen einer Gottheit gebundener Priester.

Selbst wenn ich die ,Göttin` kennengelernt habe, so möchte ich doch nicht mit ihm tauschen. Denn daß sie nur eine Erscheinungsform des immanent weiblichen ist, wird sie wohl nicht einsehen. Womit sich die Frage stellt, inwieweit sie eigentlich eine Persönlichkeit besitzt. Naja, was weiß denn ich, wie sich Göttinen fühlen, zumal wenn ihnen alle Macht geraubt ist, die sie ehemals besessen haben. Uns oblag die Aufgabe, den Regenstein zu ihrem Auserwählten zu bringen. Wobei ich die Zauberkräfte des alten Volkes von Eschar zu schätzen gelernt. Mehr als einmal haben wir Weltentore durchschritten, die ihre Erbauer um hundert Generationen überlebt haben. Wir sind Wesen begegnet, die so vergessen worden sind, daß nicht einmal die Bücher glauben würden, daß sie existiert haben.

Ein Sturmriese aus Waeland hat mich besonders beeindruckt, ich glaubte auch bislang, daß ihre Zeit lange lange abgelaufen war, bevor die Menschen die Welt betraten. Und auch die Geschöpfe der Höhlen ließen nicht auf sich warten, einige Spinnen, die uns als Beute betrachteten hat Tamror getötet, als sie uns angriffen. Spinnen sind schon schwierig als Mitgeschöpfe zu betrachten, wenn sie meinen, man würde gut schmecken. Überhaupt haben wir in Tamror einen zwar jähzornigen, unbeherrschten, unhöflichen, nachtragenden Verbündeten gefunden, aber ohne ihn wäre ich nun aus den verschiedensten Gründen tot. Er hat den Geier, der uns auf miketisch ansprach so schnell mit einem Hieb verwundet, daß er nicht mehr in der Lage war zu fliegen. Eben jener glqGeier` muß seit vielen Generationen der Schrecken der umliegenden Städte gewesen sein.

Und den von Al'ain geschickten Killer hat er mit vier Dolchstößen niedergestreckt, obwohl dieser mit nur einem (auch noch verfehlten) Stich Irwn vor die Pforten einer anderen Welt gestellt hat. Diesen Killer haben wir als erfahrenen Führer zu schätzen gelernt, ohne den wir einige Male auf dem Weg zum Quellbecken von Tufar abgestürzt wären. Gerade hierbei hat sich der magische Trick, mit dem man seinen Körper zu Metall erstarren lassen kann, vollstens bewährt. Dies ist eine der wertvollsten Erinnerungen an meine Zeit im Kloster, neben den ganzen Lebensweisheiten. Mit diesem Regenstein begaben wir uns wiederum durch ein Weltentor nach Ank-Nehet. Dort wurden wir wie üblich festgenommen, nachdem wir die unpassierbaren Berge um die Stadt durch ein sehr gut getarntes und hervorragend gesichertes (beinahe wären wiederum einige von uns gestorben) geheimes Tor umgangen haben.

Mehr als einmal haben wir in jenen zwei Tagen in der Felswüste geglaubt, am falschen Ort zu sein oder uns zumindest um ein paar Jahrtausende in der Zeit geirrt zu haben. Nachts griffen uns Sandluchse an, da wir die Gefahr einer Entdeckung durch wen auch immer nicht eingehen wollten. Nach unserer Festnahme durch die Garde des Skorpionsgottes wurden wir in ein Gefängnis gesperrt und nichts weniger als der gotteslästerlichen Existen und des Hochverrates angeklagt. Strafe wie üblich Tod durch irgendetwas und herzlichen Dank für den Stein.

Moment, den Stein fanden sie gar nicht. Hatten wir uns in der Zwischenzeit doch recht verlassen von unserer Auftraggeberin gefühlt, so hatte sie hier mit Sicherheit ihre Finger im Spiel. Und wie in jeder guten Abenteuergeschichte wurde der Auserwählte in Ketten zur Spitze der Richtpyramide geführt, wo er am morgigen Tage bei Sonnenaufgang durch einen Gottesakt getötet werden würde.

Passenderweise wurde uns von einigen Verbündeten ein Schlüssel und ein Lageplan eines geheimen Durchgangs zur Pyramide übergeben, zusammen mit dem Versprechen, die Wachen würden punktlich einschlafen. An uns sollte es sein, in die Pyramide einzudringen, alle Fallen zu umgehen und den tödlichen Mechanismus zu stoppen. Der Rest sollte nicht unser Problem sein. War es aber natürlich, nach diversen unangenehmen Erlebnissen in der Pyramide (Tamror verlor einen Finger, wir weckten zwei Wächterstatuen auf und lösten die Wasserfalle aus, die Skorpionleichen, die wir fanden waren natürlich giftig und untot zugleich, die Geister der Toten haben auch direkt von unserer Anwesenheit erfahren, einen Mechanismus haben wir gar nicht durchschaut, die nächste Wächterstatue hat Irwn(?) fast getötet, als er versuchte, ihr etwas in die geöffnete Hand zu legen, und im obersten Geschoß war uns der Mechanismus des für Sio Sire tödlichen Glasskorpions bis zum Schluß völlig unklar. Ebenso hatten wir unglaubliche Mühe mit den dort befindlichen Wächtern.)

Oben angekommen, alle fast am Rande des Todes und der Erschöpfung mußten wir mitansehen, daß sich eigentlich nichts geändert hatte, nur war nun der Bürgerkrieg ausgebrochen. Nach irrsinnigen Gemetzeln und diversen Zaubern der Skorpionspriester, denen wir aber auch gar nichts entgegenzusetzen hatten. Glaubte ich uns schon verloren zumal ich gehofft hatte, Sio Sire würde mit dem Regenstein etwas anzufangen wissen und somit eine gleichwertige Gegenkraft zu den Skorpionspriestern darstellen. Völlig übermüdet kam ich zu dem Entschluß, es sei wohl mein Schicksal, unter diesem fremden Volk in einem Krieg zu sterben, der mich eigentlich nichts anging.

Sio Sire, den ich für ziemlich begriffsstutzig und unfähig gehalten habe, sollte ich aber noch zu schätzen lernen. Er beschwor endlich, nachdem ich schon völlig aufgegeben hatte, den Regen und lehrte mir dann in Friedenszeiten noch einen meiner nun wertvollsten Zauber. Der allerdings bis zum heutigen Tage nicht funktioniert hat.

Aber von Anfang an: Ich war stehengeblieben damit, daß wir am Fuß des Dschebal al Taut angelangt waren und einen Führer durch die Berglandschaft suchten. Während wir uns noch über das Wiedersehen mit Dulnak freuen, spricht uns vom Nebentisch ein Mann an. Er hätte mitgehört, daß wir einen Führer für den Dschebel al Taut suchen. Er kenne sich in der Gegend aus und hätte ebenfalls Interesse am Abenteuer. Daher wolle er gerne unseren Führer stellen. Wann wir den loswollen?

Positiv überrascht schlagen wir den zweiten darauffolgenden Tag vor, beraten uns noch wegen Ausrüstung und gehen dann eigene Wege. Nach zwei Tagen treffen wir uns in der frühen Morgendämmerung, jeder ausgerüstet wie es ihm wichtig erscheint. Baruk, unser neuer Führer, ist zufrieden, meint jedoch, wir hätten zuviele Wasserschläuche eingepackt.

Wir gehen am Stausee entlang, der die Stadt mit Wasser versorgt, bis er zu Tümpeln wird. Dort rät uns Baruk, uns gegen die Mücken mit Wurzeln einzureiben, die allerdings widerlich riechen, sehr wie Reinigungstinkturen. Wir stolpern unter der sengenden Sonne über Geröll, die Schlucht hat steile Wände und wurde über Jahrhunderte hinweg vom Wasser ausgewaschen. Die Wände sind bis zu 600 Fuß hoch. Zum Teil sind Reste von alten Stützmauern zu erkennen, die allerdings erst in 90 Fuß Höhe beginnen und bis zu 15 Fuß lang sind. Gegen Abend frischt der Wind auf, die Nachtwache verläuft ohne Zwischenfälle. Nach und nach fassen wir Zutrauen zu unserem Führer, der offenbar auch auf Abenteuer aus ist, und viel zu Erzählen hat. Auch er kennt den alten Glauben vom Hörensagen und ist zumindest nicht borniert.

Oben haben wir am nächsten Morgen ein fliegendes Tier gesehen, recht groß. Das muß das Tier sein, für dessen Kopf 200 Denar(?) geboten sind. Mit diesem Einkommen rechnen wir allerdings schon fest, auch unser Führer. In der Mitte einer Gabelung der Schlucht klettern wir mit Kletterhaken die Wand hinauf. Dies ist noch recht leicht, trotzdem seilen wir uns an, da keiner von uns, von unserem Führer abgesehen Bergerfahrung hat. Nach zwei Serpentinen müssen wir über einen schmalen Sims balancieren, wiederum klettern wiederum über einen schmaleren Sims, wenden, hier ist die Felswand mäßig steil, wiederum eine Kehre und 18 Fuß senkrecht eine Steilwand hinauf. Ohne unseren Führer wären wir erstens nicht hierhin und zweitens nicht lebendig gelangt. Auch konnte oft nur ein Zauber verhindern, daß mir das Seil aus der Hand rutschte, wenn unterhalb von mir der ein oder andere oder sogar mehrere abrutschten.

Nun sind wir auf einem Hochplateau mit hervorragender Sicht, vielleicht 1800 Fuß über dem Meeresspiegel. Zahlreiche Tische und Bänke laden uns zu einer Rast ein und wir glauben den schlimmsten Teil hinter uns. Anweisungstafeln in Miketischer Bilderschrift, die für unseren Führer selbstverständlich unleserlich bleibt, erzählen uns von den Ordensregeln. Viereckige Säulen säumen einen gepflasterten Weg der zu Gebäuden wie Ruinen führt. Dies muß das Quellheiligtum sein.

Die Tafeln beschreiben den Weg zu der heilkräftigen Quelle, ermahnen die Priester, die Gläubigen zu verpflegen. Oft kommen wir an kleinen Häuschen vorbei, die 6 mal 9 Fuß groß sind. In manchen sind noch Malereien vorhanden, die aus dem Priesterleben erzählen. Kebechet und Satis, ihr Mann sind dargestellt. Dann gelangen wir an eine Abzweigung, nach 200 Schritt öffnet eine silberne Tür mit einem lächelnden Schakalkopf und Geiern den Weg ins innere des Gebäudes. Dort habe ich eine Vision:

Ein von Steinböcken (Satis) gezogener silberner Wagen am offenen Himmel, eine Wolke am Himmel verwandelt sich in zwei fremdartig leuchtende Augen, die glühend vom Himmel herabblicken (Pachet), dann wird es Tag, die Sonne verwandelt sich in einen Skorpion (Serhef), der glühend vom Himmel herabscheint, dieser verwandelt sich sodann in eine silberne Schlange (Kebechet), die sich vergrößert und als Wolkenbruch zur Erde herabregnet, dort verwandelt sie sich in eine Kröte (Chepru).

Es ist fast Vollmond, Tamror sagt, er hätte traumlos geschlafen. Irwn berichtet, Kebechet hätte ihn gewarnt, ein Feind sei in der Nähe, wir sollten vorsichtig sein. Allerdings schaffe er das schon und der Lohn werde reichlich sein. Dulnak sieht sich im Traum im Turmzimmer von Al'Ain, dieser blickt aus dem Fenster und fragt Dulnak aus. Dulnak sieht sich gezwungen zu berichten; Al'Ain weiß nun unsere Namen, wo wir sind und will uns an etwas hindern. Dulnak sagt, wir würden die Silbermine und das Heiligtum der neuen Götter suchen. Zum Glück wußte Dulnak so wenig Bescheid! Und zum Glück gelingt es mir mit Zauberkraft den schleichend schädlichen Einfluß Al'Ains zu vertreiben.

Am nächsten Morgen nehmen wir die andere Abzweigung, eine gerade, steile Treppe, zum Teil in Stein gehauen, zum Teil aufgemauert führt zum Gipfel. Das Alter kann man ihr allerdings anmerken. Oben angelangt finden wir uns auf einer breiten Prozessionsstraße wieder, große Gebäude aus gut verfugten Steinquadern, eine zweiflüglige Steintür mit Schloß, schmucklos, 21 Fuß hoch. Allerdings kommt während wir die Tür noch betrachten ein zu großer Vogel angeflogen und verhöhnt uns auf miketisch.

Hier sei lange niemand hergekommen und wir seien einfach zu blöd, die Tür zu öffnen. Unter seinem Geschrei nähern wir uns dem Gipfel, offenbar will er uns auch daran hindern, was unser Gefühl verstärkt, hier seien wir richtig. Dort ist eine etwa 300 Quadratschritt große Fläche, der Hort des Vogels befindet sich etwa 60 Fuß unterhalb. Wir nehmen Stellung und der Vogel fliegt seinen Angriff. Tamror und Irwn verlassen die Deckung, nachdem er vorbeigeflogen war, und schlagen auf ihn ein. Dies war offenbar so effektiv, daß der Vogel abstürzt, unter Verwünschungen davonhumpelt und nicht mehr fliegen kann. Er überläßt uns sogar den an Schätzen und Plunder reichen Hort. Dort finden wir den Schlüssel, ein silbernes Schlangenamulett und jede Menge Gold und Juwelen. Wir stopfen uns soviel in sämtliche Taschen, wie wir tragen können und öffnen das steinerne Tor.

Eine große dunkle Halle, phosphoreszierende Augen, die zu einem Halbrelief Schai Amuns gehören, der auf einem Thron sitzt. Dann hinter einer Treppe eine schmale, fensterlose, kleine Kammer. Die Tür schließt sich, zuerst Isolation, dann Zweifel, dann eine Gotteserfahrung. Eine zweite Tür entläßt mich weiter. Das Dunkel läßt nach, im Licht der Laternen erkennen wir einen Raum. Dort finden wir uns auch wieder, alle sind beeindruckt, nur Baruk ist sehr blaß und wirkt geschwächt. Er hat starken Mundgeruch, er umklammert ein Amulett mit einem goldenen Herz. Ein zwei Schritt langer Gang hinter der Tür, alles ist künstlich angelegt aber vorhandene natürliche Gänge werden genutzt. Dann eine Höhle, 50 Schritt lang, 8 Schritt breit, beeindruckend hoch, eine tiefe Felsspalte, von unten steigen feuchtwarme, schweflige Dämpfe empor, Rauschen von Wasser, beißender, stechender Geruch, deutlich ist auch ein Fauchen und Zischen zu hören. Nachdem ich an einer schmalen Stelle vorbei bin, rechts eine Steilwand, noch deutlicheres Rauschen des Wassers, ein Sturzbach links von uns.

Warmer Wasserdampf, rotes Glühen in der Tiefe, verschlungene, enge Gänge, wir laufen auf etwas Helles zu, ganz schmaler Felstunnel nach rechts, aus dem starker Verwesungsgeruch kommt. Vor uns Licht, dann ein Netz vor dem Ausgang. Von hinten nähert sich uns fast unmerklich eine riesige Spinne, die Tamror ziemlich schnell tötet. Nachdem wir uns durch das Netz gearbeitet haben, gelangen wir auf eine Bergwiese mit Schafen. Eines von diesen essen wir dann auch zum Abendbrot.

Eine Straße führt auf einen kegelförmigen Berg zu, dann überquert sie eine Brücke über eine tiefe Schlucht und endet vor einer schweren Holztür. Drei Fuß ist die Brücke breit und grasbewachsen. Plötzlich, als der erste von uns den Fuß auf die Brücke gesetzt hat, materialisiert aus dem Nichts ein hagerer riesiger Mann, 18 Fuß groß, steinalt, wallendes graues Haar, Bart, und eine ebensolange Peitsche. Donnernd fragt er uns nach der Losung. Völlig erschrocken antworten wir ,Tephnachte`. ,Falsch`, donnert es und die Peitsche fegt Dulnak von der Brücke in den Abgrund. Dann, während wir panisch fliehen, kratzt er sich am Kopf, wirkt verlegen und sagt schließlich ,Ähmm, doch richtig`, holt Dulnak wieder hervor und stellt sich als Rorium, ein nordischer Sturmriese (Björnhune) vor. Nachdem wir ein paar Höflichkeiten ausgetauscht, und ihn von der aktuellen politischen und religiösen Lage in Eschar unterrichtet haben, verschwindet er wieder.

Die Tür öffnet uns den Weg zu einem kleinen Gang, der in einen paradiesischen Garten mündet. Ein kleines Tal, Steineichen, Zedern. Ein drei Schritt breites gluckerndes Wasserbecken, rötlich schimmernde, fast glühende Schlangen darin, aus diesem Wasserbecken entspringen Bäche, liegt direkt am Eingang des Tals, im Tal selber sind kleine Gebäude. Die Stirnwand wird von einem Tempel eingenommen. Schlafzellen, Küche, Vorraum, Waschbecken, ein Speiseraum, Vorratsraum, dann ein runder Raum, die halbkugelförmige Rückwand ist aus grünem Marmor und umschreibt ein Becken mit Wasser, sieben Sechsecke sind davor auf den Boden gezeichnet. Eine kräftige Quelle speist das Becken, eine Statue einer halbaufgerichteten Schlange, inmitten von Sechsecken. An den Wänden Wandbilder, die Priester im Leben und in den Sechsecken darstellen. Offenbar sind dies Weltentore, beschriftet sind sie mit Achet-Utet, Ank-Nehet, Jun-Renet, Hat-Kebechet, Miknesh, Pe-Imentiu. Als ich mich auf das Sechseck von Pe-Imentiu knie, neigt sich die Schlange zu mir. Zum Glück aktiviert sich das Weltentor nicht augenblicklich ...

Im Quellbecken ist duftendes Wasser, grünlich, auf dem Grund liegt ein durchsichtiger Stein, linsenförmig, in seinem Inneren glänzen silbrige Fäden, wie einander windende Schlangen. Tamror nimmt den Stein an sich, da er am kampfstärksten ist.

Gegen Abend bade ich im Quellbecken und gehe mit Ranet im Garten spazieren. Alles ist eine Oase des Friedens und Glücks.

In der Nacht wechselt Tamror mit Baruk Wache, ich halte ein Auge auf ihn, er schaut zu mir hinein, fragt mich, warum ich denn nicht schlafe. Nach einiger Zeit tue ich so, als sei ich eingenickt, Baruk geht in den Garten, ich folge in gebührendem Abstand. Plötzlich ein Schrei, Iwi liegt am Boden, Baruk kniet über ihm, ich scheuche ihn auf, er läßt von Iwi ab, ich rette mich zu Tamror. Tamror erschlägt mit drei Stichen Baruk.

Dann renne ich zum Becken, schöpfe Wasser, gebe es Iwi zu trinken und mache mich an die Heilung, wiederum gelingt dies außergewöhnlich gut, und er regt sich wieder. Baruks Leiche schleppen wir zur Schlucht und werfen sie hinein.

Während wir uns im Heiligtum ausruhen, erscheint Jamblicha. Sie übergibt Dulnak und Tamror einen Ring und läßt sich von ihnen das Amulett übergeben. Iwi weiht sie zu ihrem ersten Priester, mich küßt sie auf die Stirn.

Nach und nach erholen wir uns von den Segnungen und wissen nun, daß wir nach Ank-Nehet müssen. Durch nochmaliges Studium der Bildanweisungen aktivieren wir das Weltentor und gelangen in eine felsige Wüste. Nichts deutet darauf hin, daß wir hier richtig sind. Geröll, Steine, kein Wasser, selbst ein Zauber deutet nicht auf Wasser hin. Allerdings führt ein halb verfallener Weg zu einer Felswand. Es wird dunkel und aus Angst vor Entdeckung machen wir kein Feuer. Nachdem uns allerdings Leoparden angreifen, ist uns die Entdeckung zweitrangig. Gegen Morgen entdecken wir eine Geheimgang (den uns der Ring öffnet) und wir gelangen in einen Tempel.

Am Boden sind die Symbole der fünf Gottheiten gezeichnet, daneben sind Kerzenständer, in einer Ecke sind auch Kerzen. Wir opfern die blauen Kerzen Kebechet und die Schwärze vor uns wird von einem bläulichen Schein erhellt. Über den Abgrund führen silbrige Platten, die wie Pontons schwimmen. Und natürlich auch schwingen. So seilen wir uns an und beginnen mulmig den Überweg.

Am Ende führt ein Weg ins Freie, wir nähern uns einer Siedlung in einem Tal. In der Mitte ist eine hohe Pyramide zu erkennen, rundherum sind bewässerte und bewirtschaftete Terassen. Menschen (kleingewachsen, zierlich, goldbraune bis schwarzbraune Haut, so wie Saba, der Barbier in Chetra) arbeiten auf den Feldern. Der erste, den wir ansprechen rennt ins Dorf um Hilfe zu holen. Die Leute haben hier einen merkwürdigen Dialekt, wir können uns kaum verständigen, allerdings fällt der Bauer zu Boden, als er den Namen Kebechet hört. Wir setzen den Weg ins Dorf fort, gesäumt von Menschen, die uns anstarren.

Während wir uns der Stadt nähern, kommt uns ein Trupp Bewaffneter entgegen, etwa 150 Mann, bewaffnet mit Handäxten. Diese erschlagen uns zwar nicht, behandeln uns aber auch nicht mit ausgewählter Höflichkeit, entwaffnen uns und trennen uns vom einfachen Volk. Fragen unsererseits werden nicht beantwortet, aber wir werden in Richtung Pyramide gebracht. Dort werden wir unserer Ausrüstung enthoben und in ein Gefängnis mit Blick auf die Pyramide geworfen. Dort sollen wir bleiben, bis in einigen Tagen entschieden würde, ob wir eine Gefahr darstellen (tun wir ja).

Gegen Sonnenuntergang noch einmal Unruhe auf der Straße, ein offenbar sehr bekannter Mann wird stark bewacht in die Pyramide geführt. Die Prozession begleiten zwei kahlrasierte Priester in roten Roben und mit einem goldenen linken kleinen Finger, mit Stachel. Die Beliebtheit des Gefangenen im Volk ist deutlich zu spüren. Von Nahestehenden erfahren wir seinen Namen als Sio Sire und daß er des Verrats angeklagt ist. Morgen gegen Sonnenaufgang soll ein Gottesurteil gefällt werden. Sio Sire ist ein schmaler drahtiger Mann, weiche Züge und große Ausdrucksstarke Augen lassen vermuten, daß es sich um den geistigen nicht den militärischen Führer des Aufstandes handelt. Seine Haut weist einen edlen Bronzeton auf.

Während wir festsitzen und über Fluchtmöglichkeiten nachdenken, da war doch noch so ein Zauberspruch, mit dem man Metall verrotten lassen konnte ..., erreicht uns im Essen eine Nachricht: Eine alte Prophezeiung verspricht uns, daß Menschen über die Berge kommen werden und uns die Befreiung bringen werden. Dringt in das Innere der großen Pyramide ein und löscht das Feuer des Skorpionsgottes, das im Herz der Pyramide brennt.

Ferner erhielten wir einen Plan eines Geheimganges, der direkt vom Wachgebäude unterirdisch zur Pyramide führte, die Information, daß die Wachen in einer Stunde einschlafen würden, einen Schlüssel für unsere Tür und die Ermutigung, daß in der Pyramide jede Menge tödliche Fallen warteten, und daß niemand, der die Pyramide je betrat, sie auch wieder verlassen habe.

Da wir so oder so keine Wahl hatten, unser Schicksal von anderen Mächten bestimmt wurde und überhaupt, zogen wir leise mit Sack und Pack in den unterirdischen Gang und schauten, was uns erwartete. Den Regenstein bei uns.

Die Pyramide

Vor uns lag eine Tür, einziger Mechanismus schienen zwei handförmige Vertiefungen zu sein, je einer für jede Hand. Tamror ging mit (gutem?) Beispiel vorran, legte seine Hand in die Kuhlen und öffnete die Tür. Allerdings verspürte er auch einen Stich im linken kleinen Finger. Dort wo die Skorpionspriester einen metallenen Dorn tragen. Da sich der Finger in Sekundenschnelle bläulich verfärbte, schnitt er ihn ab und rettete sich somit wohl das Leben.

Chepru

Wir gelangten in einen unbeleuchteten Gang, rechts und links hockten in einigem Abstand Kröten mit rohrartigen Öffnungen im zwei Fuß über dem Boden befindlichen Maul und schauten sich an. Die mineralischen Ablagerungen an Boden und Wänden verhießen nichts Gutes. Wir übersprangen jede Kröte, bis wir in einen größeren Raum gelangten, der mit Wandbildern geschmückt war. Sie zeigten Männer und Frauen, die die Erde bearbeiten. In der Mitte des Raumes führte eine Wendeltreppe aufwärts.

Kebechet

Nachdem wir etwa 40 Fuß heraufgestiegen sind, versperrt eine Steinplatte das Weiterkommen. Gemeinsam rücken wir sie beiseite und gelangen in einen ähnlich großen Raum (8 x 8 Schritt, 15 Fuß hoch). Salzkrusten und mineralische Ablagerungen machten uns wiederum klar, daß die Gefahr noch nicht gebannt war. Hier wurden Menschen dargestellt, die Wasser tranken, Felder bewässerten und badeten. Ebenso standen zwei Statuen aus rötlichem Sandstein im Raum, Schädel und Knochen vieler Menschen zeugten davon, daß diese nicht immer so unbeweglich stehen mußten.

Allerdings bewegten sie sich noch nicht und sie trugen ebenfalls Ablagerungen. Zwei Gänge gehen ab, wo keine Statuen stehen, sind Schlangen im Vollrelief abgebildet, aus dem Mund ragen Rohre. Wie mir klar wird, handelt es sich bei den Statuen um Incheprev. Das heißt, es sind dumme sehr starke Diener, die bei einer bestimmten Handlung, oder einem bestimmten Wort zu Leben erwachen und auf alles einschlagen, was lebt.

[...] Plötzlich erwachen die Statuen und Wasser strömt aus den Mäulern der Schlangen. Wir flüchten in die Gänge und finden nach einiger Zeit einen Ausgang aus dem Labyrinth. Eine steile Stiege führt nach oben, einen kleinen Raum durchqueren wir noch schnell, dann läßt der Anstieg des Wassers langsam nach.

Serhef

Die Wandreliefs haben nun erheblich frischere Farben, keinerlei mineralische Ablagerungen sind mehr zu erkennen. Die Reliefs von Skorpionen an den Wänden sind mit Gold überzogen. In einem Gang treffen wir auf eine Statue. Der Hinterleib ist ein Skorpion, der menschliche Oberkörper trägt eine Sonnenscheibe. Seine Augen funkeln silbrig.

Wiederum steigen wir eine Treppe nach oben. In dem Raum, den wir nun durchqueren, erhebt sich auf einem Pentagon ein silberner Drahtkäfig. Darunter liegt ein schmuddeliges Ledersäckchen. Wüstenlandschaften und Feuerrituale prägen die Wandbilder. Keiner von uns hat Lust in diese Falle zu tappen, so daß wir weitergehen. Eine Wand erregt unsere Aufmerksamkeit, offenbar befindet sich hinter dieser ungefugten Mauer ein stillgelegtes Gangsegment, daß wir gerne nutzen würden. Die Skorpionsreliefs haben hier keine Vergoldung und nachdem wir zehn Skorpionsmumien (sic) überwunden haben, treffen wir auf Nischen mit menschlichen Skeletten.

Satis

Wiederum ersteigen wir eine Treppe. Die Wandreliefs zeigen nun Steinböcke, die Wandmalereien Prozessionen mit Fahnen und Blasinstrumenten. Inmitten der Pyramide finden wir auf dieser Etage ein inaktives Weltentor. Eine Faustgroße Mulde im Boden mit gezackten Rändern hinterläßt bei uns das Gefühl, daß wir eigentlich keinen rechten Plan haben, welche Mechanismen in dieser Pyramide umgehen. Inmitten des Ganges steht die 8 Fuß große Statue eines Kriegers mit dem Kopf eines Steinbocks. Einer von uns, ich glaube es war Tamror, legt ihr etwas in die Hand, woraufhin er einen kräftigen Schlag abbekommt. Wir flüchten wiederum aufwärts.

Im Herz der Pyramide

Nun gelangen wir in eine Kammer, die ganz mit schwarzem Marmor ausgeschlagen ist. Steintafeln beschreiben die segensreiche Macht der Elemente. Eine Schlange und eine Kröte im Halbrelief, eine Kanne, die in die Wand hineinragt. Inmitten des Raumes steht eine 6 Fuß lange Skorpionsstatue, sie ist durchsichtig und mit Edelsteinen gefüllt. Den Stachel bildet ein Rubin. Offenbar ist der Mechanismus auch beweglich. Allerdings stehen rechts und links der Treppe zwei Statuen, die uns unbehaglich werden lassen.

Der Kampf

Kampf mit Statuen, große Ratlosigkeit dann doch irgendeine Aktion mit der Kanne und einem Seil, gerade noch verhindern, daß der Strahl der Sonne auf den Stachel fällt. Wir klettern zu Sio Sire. Dieser ist völlig erschöpft, Bürgerkrieg, Zauber der Skorpionspriester, Feuer, Irrlichter, elementare Beschwörungen, dann Verwendung des Regensteins, Wolken, Nebel, Nieseln, Wolkenbruch, Gewinn der Aufständischen, eine kleine Schar an Kebechet Anhängern noch vorhanden, Weihe einer Priesterin, Tempel, Aufräumen der Pyramide (dabei helfen wir), Instandsetzung des Weltentores, Sio Sire lehrt mir Allheilung, Lehrzeit.

Die Rückkehr

Traum: Ich sehe einen Mann im Kettenhemd (twynnedischer Stil) mit rotbraunen Haaren auf einem Schlachtfeld (Erainn?), er wehrt sich tapfer, schließlich bekommt er sogar Hilfe, er greift sich an den Hals, würgt, etwas abseits sehe ich einen Mann, der mich an Dulnak erinnert, er preßt eine Figur, der Krieger schaut mich ungläubig an, dann hilflos und bricht zusammen.

Neue Kleidung: durchsichtige Kopftücher, Tuniken, Röcke, Sandalen, Priester tragen hohe Hüte, Haare lang (offen oder geflochten), Schultertücher

Dulnak sieht prächtig aus, roter Umhang mit schwarzen Streifen, Rat der Ältesten, Arjina Priesterin der Kebechet, feierliche Einsetzung, empfängt Gewänder, neues Reinigungsbecken (blaugrün schimmernd), weißer Alabasterrand. Grüne Kleidung, Haarschleier mit Silberfäden.

Meknesh

alias Nedschef, Hat-Kebechet, Achet-Utet (nichts), Jun-Renet, Geister sprechen, Ebene des Serkef umgebaut, Pyramide nur einmal überflutet, davor lange nicht, nicht bis zu ihnen gelangt, Gebet an Satis

Meknesh, Pe-Imentiu ebenso, Verabschiedung, weitere Träume

Tempel angekommen, leer, wir verlassen ihn leise (durch unsere Kleidung fallen wir schon auf wie bunte Hunde), Café, normale Wüstenkleidung, normal gefärbt, Rede von Johen-es-berseft

Keine Schiffspassage mehr (wegen der Stürme), Sirrar (Kapitän Sandubar), verschlafenes Nest, Kneipe: Sandubar, (Abukals?), Fahrt zur Insel, Grab: großer Lehnstuhl, ein Mann sitzt darauf, Pfeilfalle, halboffen stehende Tür, 2x2m, schwarze Wände, weiße, gelbe, rote Fresken, Decke: schwarzblau, blutrote Sternbilder, Boden voll mit Holzsplittern, Tonscherben und anderen Splittern, 4 schwarze, schwere Säulen, hinter dem Thron eine Treppe, die abwärts geht, Telekinese Zauber, 30cm dicke Schicht, Treppe klappt weg, wir gelangen in den zentralen Raum, schlurfende Schritte von oben, etwas schweres kommt, wir schließen die Tür, diese schließt allerdings Fugenlos und hat hier keinen Haken ...

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The translation was initiated by Christof Petig on 1998-07-14


Christof Petig
1998-07-14